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Autor Thema: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt  (Gelesen 9148 mal)

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Franz

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Re: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt
« Antwort #30 am: 30. Juni 2020 - 18:35:30 »

Gefechtsbericht Risikospiel 2019
Frankreich
 
Vorwort/Einleitung:
Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass
man von mir unmöglich einen anständigen, den Normen entsprechenden
Bericht über die Geschehnisse der Tage vor dem Jahreswechsel 2019/20
erwarten kann. Diese Geschehnisse- aus meiner Sicht des Neulings- waren
geprägt durch viele verschiedene Erkenntnisse, die doch so sehr
überraschend für mich waren, dass ich zuweilen etwas ratlos dastand. Uff! 
Nicht leicht von Frieden auf Krieg umzuschalten, trotz des Wissens, sich
freiwillig gemeldet zu haben.
Nun denn, wat mutt dat mutt und lever duad as slav!
So zog ich in die Weltenschlacht, ohne wirklich zu wissen, worauf ich mich
einließ…
 
******
Pro Forma:
Um dem geneigten Leser nicht allzu sehr in Verwirrung zu bringen, gehe ich
hier an dieser Stelle kurz auf die Form meines Berichtes ein….
Natürlich schreibe ich nachfolgende Zeilen in der Ich-Form und 
schicke sie per Kurier an meinen imaginären Generalstab, genannt Abtl. B.
Dort sitzt ein Vertrauter:
Oberst Hyazinth Graf von Horrorwitz mit dessen Tochter Walkyria, mit welcher
ich liiert und seit der Kindheit versprochen bin.
Daher die große Vertrautheit zwischen uns, was auch dazu führt, dass das
nachfolgende unbedingt privat, persönlich und vertraulich behandelt werden
muss.
Der etwaige Leser sollte dies beachten.
Der Graf wird aus meinen Bericht die richtigen Schlüsse ziehen und
dementsprechend dem großen Generalstab Vorschläge machen.
So sehet ihr Gegner, Widersacher und Feinde:
 Beim ersten Male tut es vielleicht noch weh! 
 Beim zweiten Male weiß ich wie ich es dreh!
„Frei nach den Truchseßen von Pappenheimer.“

Brief 1:
* Ende Dezember…Die Konferenz somewhere in the Harbour of
Glückstadt*
auch „Happytown“ genannt, ich korrigiere „Luckytown“:
Die naiven Glückstädter wissen nicht, dass *Happy* aus dem
englischen „fröhlich“ heißt, *Lucky* hingegen „glücklich“.
 
Ein nasskalter Tag……..
Nach einer unerfreulichen Nacht im kühlen, regnerischen Elveshörn im 
Pferdewechselquartier „Drei Kronen“ am Flamenweg machten wir uns bei
Anbruch der Nacht mit den letzten Sonnenstrahl, der düster zwischen den 
tiefhängenden Wolken hervorbrach, auf den beschwerlichen Weg nach der
am Elbufer gelegene Elbmetropole Glückstadt. Durch die nassen Marschen
verlief der Weg und oftmals blieben wir stecken und man fragte sich, wie es
sein konnte, dass ausgerechnet hier einer der größten Weltkonferenzen
stattfinden sollte.
Naja, der Name der Stadt verhieß wenigstens Gutes…(für uns natürlich!).
 
Modriger Schlickgeruch durchtränkt mit stinkendem Heringsgeruch, kalter 
Westwind salzdurchtränkt, empfing uns auf einer mit Katzenköpfen übel
gepflasterten Hafenstraße deren Verlauf sich bis zur Elbe hinzog.
Eine einsame Laterne erleuchtete die bizarre nebulöse Szene, schemenhaft,
sahen wir Gestalten auf uns zukommen. Zunächst unsicher, verhielten wir uns
abwartend, doch dann erkannten wir, dass dies wohl die anderen
diplomatischen Delegationen sein müssen.
Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass fast alle pünktlich waren.
Wow, die erste Überraschung scheinbar gibt es noch Disziplin auch in
anderen Nationen. (Gut oder schlecht für uns?)
 
Erste Kontakte bei der Begrüßung von der Tür verliefen recht
zufriedenstellend. Offensichtlich war aber, dass wir als Neulinge in einen
Klüngel von alten Bekannten getreten waren. Von den Einen fast
überschwänglich- von Anderen höflich distanziert,
abschätzend begrüßt, begaben wir uns in eine Hafenkneipe oder soll ich
sagen, eine Spelunke.
Dem Anlass gebührend schien mir diese Örtlichkeit zunächst nicht
angemessen. Stelle sich vor, die schweren Mäntel wurden einem nicht
abgenommen, wir müssten uns selbst entsprechende Kleiderhaken suchen!
Ein Platz wurde uns nicht zugewiesen und keine persönliche
Delegationsbedienstete wurde uns zugeteilt.
So ein Barbarenland!

Aber ich muss vorwegnehmen, dass schlussendlich diese Lokalität gelobt
werden muss, denn nachdem der Koch und seine - verzeih mir - hübschen
Kellnerinnen uns zufriedenstellen bedient haben, und bei Zahlung der
Rechnung keine Unregelmäßigkeiten auftraten, waren wir doch recht
glücklich.
Wie selbstverständlich nahm der Vorsitz am Kopfende des langen
Tisches Platz (wir hätten uns dort auch sehr wohlgefühlt, ebenso wie zu
Hause, aber auch gewiss doch auch um die Wichtigkeit unserer Nation
klarzustellen).
Nun, die beiden Vorsitzenden waren Leutnant Baron von der Deichenreihe zu
Stroh und Wasser und Kapitän des Seebundes Ralle von der Wehr, genannt
der 76 er.
Unzweifelhaft ein Marinefachmann von höheren Gnaden, während Baron von
der Deichreihe dem in infanteristischen Sinne in nichts nachstand.
Mir schien, als ob diese beiden Moderatoren für die folgenden Verhandlungen
bestens geeignet waren.
Ganz anders verhielt es sich jedoch mit den anderen Teilnehmern.
Ein buntes Gemisch aus Gentleman und die, die es noch werden wollen,
Desperados aus den Hafenvierteln, Emporkömmlinge - nach unten tretende
und nach oben buckelnde - und andere, mir aus unbekannten Gründen,
teilnehmenden Gestalten.
Gewiss doch, ein spannender Abend lag vor uns…….
Wie vorher abgemacht, erfolgte die Aufteilung der Welt mittels einer
Verlosung, die wie ich meine, keinen Anlass zur Kritik hervorrufen konnte und
auch sonst mit gespielten, oberflächlichen Gleichmut aufgenommen wurde.
Ich selbst war überrascht, dass uns das Königreich Frankreich „anvertraut“
wurde mit all dessen Ruhm und Glorie, der vielen Verpflichtungen, verbunden
mit seiner Stärke, inmitten einer schwierigen strategischen Position.
Meine Gedanken waren erfüllt von einer klassischen französischen
Seestrategie, nämlich einerseits im Mittelmeer glaubhaft vertreten zu sein und
andererseits im Atlantik inklusive des Ärmelkanals präsent, wenn nicht
dominant zu sein.
Was die Heerestruppen anging, war der Drang nach Osten stets ein wichtiges
Sicherheitsbedürfnis für unsere große Nation.
Der Rhein, als Bollwerk gegen die barbarischen Teutonen, diesmal in Gestalt
der Preußen schien uns ausbaufähig und verteidigungswert.
Leider lebte links des Rheins, seit der Frankenzeit eine deutsche Bevölkerung,
beziehungsweise mit den Flamen, Holländern und Niederländern ein
verwandtes Volk, deren dauerhafte Unterwerfung sich als schwierig erweisen
würde.
Die sogenannten spanischen Niederlande (eine sehr wertvolle Provinz) war
eine Exklave Spaniens, umringt von Frankreich und Preußen.
Spanien selbst, war durch die starken Verluste der Kolonialgebiete und einer
ausgesprochenen Misswirtschaft, ausgelöst von der Arroganz und auf den
eigenen Vorteil bedachten herrschende Aristokratie, nicht so stark wie unser
blühendes Land der Lilien. Die Grenze verläuft auf den Hauptkamm der
Pyrenäen und ist somit leicht zu verteidigen.
Das sollte man zumindest meinen, wenn man, wie ich jetzt weiß, die Karten
besser studiert hätte.

Ja, Ja ich nehme es vorweg:
 
Die Grenzziehung der Karte ist extrem unvorteilhaft für Frankreich, denn die
Grenze verläuft nicht wie vermutet auf dem Bergkamm, sondern in der
Tiefebene genau davor! 
Hätt‘ ich doch meine Augengläser dabei gehabt!
Wie auch immer, Spanien selbst sollte, zunächst kein Ziel irgendwelcher
Okkupation sein.
Interessanter schien doch ein Bündnis zum gemeinsamen Vorgehen mit
Preußen gegen die Exklave der spanischen Niederlande zu sein.
Schnell gemacht, anschließend schön aufgeteilt und fertig ist der Lack.
Schöner Plan….
Aber leider ohne Wirt oder sollte ich sagen ohne die Wirte?
Doch was wäre, wenn er schon Pläne hätte, Frankreich anzugreifen?
Fragen über Fragen, doch Antworten gab es keine.
Ein vorletztes Wort noch zu den anderen Anrainerstaaten…
Kurzum, Italien ein schwächeres Land, war durch die Mittelmeeralpen deutlich
im Nachteil, wenn es wagte uns anzugreifen. Für uns galt dasselbe.
Also vernachlässigbar. Erstmal! 
Die Schweiz, ebenfalls an unsere Grenzen liegend wurde von irgendeiner
ominösen Eidgenossenschaft geführt und noch potenziell keine Gefahr.
England hingegen, war interessant!
Die Insel der Engländer war seit dem Mittelalter nicht mehr erobert worden
und schien für unsere glorreiche Nation ein lohnendes Ziel zu sein, zumal es,
getrennt durch eine besser Flussbreite direkt an unseren Grenzen lag.
Von den wirtschaftlichen Aspekten mal abgesehen war das die Gelegenheit
unseren Ruhm zu mehren und unsterblich in die Geschichte einzugehen….
Ist eine 2 Fronten Strategie für Frankreich das richtige?
Von Clausewitz sagt: „Wer alles verteidigen will, verteidigt nichts.“
Und dennoch muss ich unsere Streitkräfte diversifizieren, um allen möglichen
Gegnern an unseren Grenzen Einhalt zu gebieten. Eben durch Abschreckung!
Nichtsdestotrotz ist es wichtig, eigene Offensivpläne zu schmieden, denn 
Angriff ist die beste Verteidigung,
selbst wenn man so pazifistisch und philanthropisch ist, wie wir Franzosen von
den drei Lilien Frankreichs.
Also was tun? Wer wird Freund, wer wird Feind, hmm….?
 
  -------------------------
 
Ich möchte am Ende des ersten Briefes noch kurz auf die Ergebnisse nach
der Wahl eingehen. Das scheint mir sehr erwähnenswert, denn ich habe mit
Entsetzen festgestellt, dass ich als neu ernannter Franzosenkönig von
potenziellen Freunden und Feinden nur so umgarnt und derart hofiert wurde,
dass ich mich vorerst setzten musste und mich den köstlichen dänischen
Cerveza hingab.
 
Die mit edlen, lieblichen, freundschaftlichen Worten gespickten Avancen meiner Person und dem Königreich gegenüber, waren den nur auf den eigenen
Vorteil bedachten Parteien überhaupt nicht peinlich.
Ungeniert „beriet“ mich der König von Spanien doch sofort ein Bündnis mit ihm
einzugehen, so dass jeder dann freie Hand hätte. Und außerdem könne man
diesem oder jenem Herrscher nicht vertrauen, er sei eine gute Wahl.
Das ging aber schnell!
Für mich klang das gar nicht so schlecht. Trotzdem verbat ich mir aus
Unwissenheit oder Überraschung solch überfallartige Angebote.
Andere Angebote indes gab es reichlich, aber ich konzentrierte mich auf
meinen strategischen Generalplan und versuchte Kontakte zu Preußen und
Schweden aufzunehmen, die mich bis dahin ignoriert hatten. (Warum wohl?)
 
Da ich im Laufe des Abends schnell dazulernte, sah ich mir den
Schwedenkönig an und bemerkte gleich, dass er äußerst beschäftigt mit den
Erzählungen seiner vergangenen Schlachten und Siegen war.
Ganz offensichtlich hatte der König viele Bekannte und Kameraden, die eher
alten Zeiten frönten, als sich allzu sehr um die anstehenden Aufgaben zu
kümmern.  Sehr sympathisch…Gut für uns!
Es gelang mir nicht Kontakt aufzunehmen. Ich hätte gerne seine Flotte an
meiner Seite gehabt…gegen England! Vielleicht später, wer weiß?
 
Aber es gelang mir bei der Verabschiedung zwischen Tür und Angel den
Preußenkönig zu sprechen. Ein recht junger König mit seiner hübschen
Königin hatte es wohl recht eilig und schien nicht recht gewillt zu sein, mit mir
zu sprechen.
Doch die Höflichkeit gebot ihm kurz innezuhalten und mich anzuhören.
Daraus ergab sich der Anfang eines Bündnisses, das sich durch den
gesamten Zeitraum des Krieges hindurch zog, was eigentlich gar nicht
beabsichtigt war. Und wie wir später sehen werden, recht einseitig war.
Ich appellierte an die mögliche Freundschaft zwischen Frankreich und
Preußen, ganz im Sinne eines zukünftigen De Gaulles und Adenauers.
Außerdem betonte ich, dass ich zwar nun König von Frankreich sei, aber
dennoch als gebürtiger Preuße nicht gedenke, gegen mein Heimatland
vorzugehen.
Es sei doch viel besser den Status Quo beizubehalten und später über
etwaige Unternehmungen zu sprechen. Oder auch nicht! Dann gäbe es wohl
Krieg am Rhein. Angesichts der vorläufigen Lage dachte er wohl, dass meine
Vorschläge oder auch Drohungen, einer Überlegung wert waren.
So konnte ich zumindest einen kleinen diplomatischen Erfolg erzielen.
Nun bezog unsere Delegation Quartier in den heiligen Hallen und man wartete
auf den nächsten Morgen, eingedenk was nun kommen würde.
1.  Ich wollte nach England, am besten mit den Schweden.
2.  Dazu mit den Preußen gegen die Niederlande.
3.  Die Südwestgrenze nach Spanien hin stark sicher und einen etwaigen
Angriff aus den Pyrenäen mit Offensivtruppen aus der Hinterhand parieren.
4.  Frieden am Rhein.
5.  Italien und die Schweiz abschrecken.
6.  Eine recht überschaubare Dominanz im nördlichen Mittelmeer (Korsika!)
Gespeichert









Ich habe etwas Lächerliches über die Menschen herausgefunden. Sie sind bereit, für Orden und bunte Bänder zu sterben.

von Napoleon

Franz

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Re: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt
« Antwort #31 am: 20. Juni 2021 - 08:40:54 »

Gefechtsbericht Risikospiel 2019
Frankreich
 
An AbH. B. des Generalstabes z.H. v. Horrorwitz:
 
DER ERSTE TAG (der Tag, der unausweichliche Konsequenzen nach sich zog)
 
Der Tag nach der Zusammenkunft lässt sich nüchtern betrachtet in drei
wesentlichen Punkten zusammenfassen:
 
-  die Diplomatie
-  die Bürokratie
-  die Weichenstellung
 
Die Diplomatie
Am nächsten Morgen gegen 10 Uhr war ich wieder verblüfft. Wir waren so
ziemlich die Ersten vor Ort. Einzig der spanische König saß einsam an seinem
Platz ganz links außen (He, He, He!) und schrieb fleißig an seinen Depeschen
(oder sonst was!). Der osmanische Herrscher lief herum und organisierte
irgendetwas. Die Schiedsrichterkommission bemühte sich auch beschäftigt zu
sein. Na, das habe ich mir aber anders vorgestellt ….
Obwohl mir der offizielle Termin um 12 Uhr bekannt war, sollte man doch bei
solch weltbewegenden Anlässen etwas früher erscheinen, um sich vorbereiten
zu können. So wie ich!
Es trudelten nach und nach die einzelnen Delegationen, bis auf die üblichen
Zuspätkommer, zur festgelegten Mittagsstunde ein. Ich führe das darauf
zurück, dass alle bis auf meine Wenigkeit ausgesprochene Profis waren.
Die Bündnisse waren schon lange im Vorfeld geschlossen worden und ich
stand als Neuling alleine da. Ungeachtet dessen, wurde trotzdem fleißig weiter
hofiert.
Als ich die Gelegenheit wahrnahm nochmals mit dem sehr fleißigen –
akribischen und – welch Wunder – impulsiven spanischen König über seine
Angebote diskutieren zu wollen, wurde ich brüsk zurückgewiesen. Er habe
nun andere Pläne und sei nun zu dem Schluss gekommen mit mir vorerst kein
Bündnis einzugehen.
Ola! Aufgepasst!
Ein reges Treiben begann. Der Diplomatensalon im HQ, gleich beim
Getränke- und Imbißstand füllte sich zusehends und konspirative Gruppen
schlossen sich zusammen. Hektisch ging es hin und her, während andere
scheinbar gelassen dreinblickten und dem Treiben bei lockeren Smalltalk
zusahen. Ich denke, sie hatten sich schon längst entschieden und ihre Pläne
und Bündnisse weit im Vorfeld klargemacht. Aber ich allein war noch
unschlüssig.
Da kam es mir recht, dass der Preußenkönig die Zeit fand sich mit mir zu
unterhalten:
Ja, er sei einverstanden die spanischen Niederlande gemeinsam anzugreifen
und gerecht aufzuteilen. Doch wo war der Haken?
Ja, aber klar. Ich solle den Krieg beginnen….dann wäre ich der böse
Kriegstreiber und er stünde nicht als Buhmann dar.
Spanien war ja weit weg…
Ich musste gar nicht lange überlegen, denn wenn man als großer Feldherr in
die Geschichte eingehen will, muss man die Initiative ergreifen.
Angriff heißt die Devise! Gefechtsbericht Risikospiel 2019
 
Frankreich
 
7
 
Rumsitzen und mauern hat noch nie zu großen Ruhm geführt. Insgesamt
gesehen war die erste Phase der Diplomatie ein großes chaotisches Wirrwarr
für mich.
Da sprachen große Herrscher mit irgendwelchen Korsaren, Warlords und
anderen dahergelaufenen Subjekten über Zweckbündnisse, die nur ein Ziel
hatten, nämlich dass am Ende der Mächtigere den Nutzen daraus ziehen
würde. Bereitwillig gaben sich tatsächlich ganze Nationen dazu her, dem
Einen zu folgen, ohne selbst wirklich aktiv zu werden. Königreiche und
Kleinanlieger schwenkten ihre Fahnen einmal hierhin und einmal dorthin. Mit
dem Resultat, ohne erkennbaren Erfolg wirklich großes vollbracht zu haben.
Sie hatten schlicht zu oft nachgedacht und über das endlose Grübeln nach
diplomatischen Gesprächen vergessen, wer sie waren und was sie wirklich
wollten.
Ein General sagte einmal: „Fahrkarte bis Endstation.“
Das soll heißen, wenn ein militärischer Führer einen strategischen Befehl
erhält, sollte er es nach seinem Gutdünken zu Ende führen. Und zwar ohne
jegliche Einmischung von außen durch diplomatisch/politischen Einfluss. Ein
Feldzug sollte allein dem vorgegebenen Ziel dienen, aber das Große und
Ganze darf natürlich auch nicht außer Acht gelassen werden. So kommt es zu
Diskrepanzen….
Und dennoch:
In der illustren Runde im Diplomatenfoyer beschäftigte man sich lieber mit
ausgefeilten Taktiken, anstatt dessen den großen, strategischen Plan im Auge
zu behalten.
Die Diplomatie nahm einen großen Raum ein. Man traf sich, lernte sich näher
kennen und manch Heerführer war einem direkt sympathisch. Und andere
folgten. Eigentlich war es so:
Ohne die diplomatischen Gespräche vis a vis oder auch in der Gemeinschaft,
wäre die große Weltenschlacht nur ein großes Gemetzel von namenlosen
Menschenmassen gewesen. So aber, waren es nur Figuren, die auf dem
Spielfeld hin- und hergeschoben wurden. Der wahre Feind war aus Fleisch
und Blut. Er stand bei einem Drink direkt vor dir. Man sprach mit ihm und
erkannte – siehe da – es ist ein netter Mensch, mit dem man im normalen
Leben durchaus auskommen könnte….
Es ging sogar soweit, dass man sich nächtens auf der Freundschaft
verständigte und sich morgens an die Gurgel ging. Eine tolle Truppe die wir
uns dort eingefangen haben, lieber Graf.
Die Völkerverständigung hat auf diesen Weg gezeigt, dass die
unterschiedlichsten Charaktere zusammenarbeiten können, möglichst ganz
ohne Vorurteile. Und wenn du einen bösen Feind hast, wirst du gleich
bemerken, dass er auch nur ein Mensch ist….
(Leise: Hmm, er hat Fehler, ich kann ihn schlagen, ich bin nicht nur
Opportunist, sondern auch Militär. Wo sind seine Schwachstellen?)
Zum Ruhme des Reiches muss ich sagen, dass die Diplomatie ein Feld ist, zu
dem ich bis dahin kein Bezug hatte, aber alles gegeben habe, um die
Geheimnisse dessen zu erkunden.
Als General war alles einfach. Nun bin ich König. Oh Gott, oh Gott!
   Gefechtsbericht Risikospiel 2019
 
Frankreich
 
8
 
Die Bürokratie
 
Graf von Horrorwitz, Abl. B.,
Sie sind sicher der Meinung, dass Bürokratie unerlässlich ist. Da stimme ich
Ihnen zu, doch was ich hier erleben musste, war milde gesagt eine Pein, die
der Folter eines von uns in Ketten gelegten Wilddiebes, eines Sommerausritts
in unsere herrlichen Kornfelder (mit Ihrer Tochter) vergleichbar ist.
Oh, welch Pein!
Das Regelwerk, offenbar erstellt von restriktiven Bürokraten, die einerseits von
der militärischen ZDV nicht lassen können und andererseits im Laufe der
letzten Jahrhunderte sämtliche Erfahrungen haben einfließen lassen, war in
meinen Augen gigantisch.
Das Regelwerk wurde mir rechtzeitig zugestellt. Rund vier Monate zuvor.
Doch ich muss gestehen, dass ich mich lieber mit Walkyria in den
abgeernteten Feldern und Wälder herumtrieb und meinen sonstigen
Verpflichtigungen des Herrendaseins frönte.
Sollten sie nur kommen. Meine herausragenden Fähigkeiten als Feldherr und
Truppenführer werden sie nicht durch schnöden Zettelkram übertrumpfen
können. Als es dann soweit war, am entscheidenden Tag, wurde ich eines
Besseren belehrt……
Die geschätzte Hälfte der Delegationen besaß mindestens einen Adjutanten,
der sich um den Papierkram kümmerte. Die alten Hasen wussten es eh‘
besser und schrieben ihre Eingaben und Steuererklärungen einsam routiniert
herunter. Es schien, als ob sie ihr Leben lang nie etwas anderes gemacht
hätten.
Ich selbst stand vor einem Berg von Akten, die bevor es losging, bearbeitet
werden mussten und der Schiedsrichterkommission vorgelegt werden musste.
Neben mir lag ständig das umfangreiche Regelwerk, das auch noch gelesen
werden wollte.
Ich war überfordert…
Meine persönliche Adjutantin Frau Claudia von de Krög‘ stand mir leider nicht
zur Seite, sondern vergnügte sich stattdessen mit Einkäufen und
Besichtigungen in der Umgebung.
Erstaunen erfüllte mich, als ich sah, wie der technische Fortschritt Einzug in
die moderne Kriegsführung gehalten hat:
Alle Teilnehmer verfügten über Rechenmaschinen, während ich klassisch mit
Griffel auf Wachstafeln arbeitete. Eine enorme Zeitersparnis der Gegner mir
gegenüber war die Folge. Das führte unweigerlich dazu, dass ich stets der
letzte in der Reihe der abzugebenden Staatsberichte war und keine Zeit fand,
mich den taktischen Aufgaben zu widmen. Das ich aus lauter Frustration mich
lieber in den Gesellschaftsraum an die Theke zurückzog, und mich dem Tabak
aus Westindien, sowie des Cerveza hingab, sei mir verziehen.
 
Aber eines soll nicht unerwähnt bleiben. Die Schiedsrichterkommission,
bestehnd aus zwei jüngeren Veteranen der ersten Kriege, zeigten Verständnis
und Wohlwollen mir gegenüber. Meine Unwissenheit und Naivität (natürlich
gespielt!), und meine Tollpatschigkeit begrüßten sie mit einer Hingabe, die
selten zu finden ist. Natürlich konnten sie gar nicht glauben, wie jemand so
blöde ist, aber genau das schien sie zu amüsieren. Gewissenhaft machten sie Gefechtsbericht Risikospiel 2019
 
Frankreich
 
9
 
ihre Arbeit und halfen mir, wo sie nur konnten, wenn auch mit einem
abwertenden süffisanten Lächeln.
Meiner Adjutantin gelang es indes nicht, eine Rechenmaschine in Glückstadt
zu organisieren, so dass ich gezwungen war, eine Maschine aus dem
nahegelegenen Elveshörn zu ordern. Die Benutzung der Technik brachte
einige Erleichterung, doch die weitgehende Unkenntnis des Regelwerk
erschwerte den Aufbau eines gut durchstrukturierten Königreichs.
„Wer die Regeln kennt, ist im Vorteil.“
Das hat diesmal kein General gesagt, sondern wohl eher ein Anwalt….
70 % der Zeit, an der ich am Schlachtgeschehen teilnehmen sollte, verbrachte
ich später gramgebeugt über Verwaltungsblätter.
Ein Hoch auf die Bürokratie!
 
Die Weichenstellung
Der Krieg nahm nun langsam Fahrt auf. Gefechte gab es am ersten Tage
noch nicht. Jede Nation und jedes Räubernest war mit dem Aufbau seiner
Streitkräfte beschäftigt. Von der Aufbauarbeit der Infrastruktur ganz
abgesehen, musste man sich auch noch mit den Finanzen herumschlagen.
Frankreich beschloss, wenigstens 2/3 des Haushalts auszugeben. Das war
nötig, um eine halbwegs schlagkräftige Flotte im Mittelmeer und im Atlantik
aufzubauen. Hier wurden zu meiner Betrübnis die ersten Fehler gemacht. Eine
zwei Flottenstrategie ist extrem kostenintensiv und macht nur Sinn, wenn man
auch bereit ist, sie offensiv zum Wohle des Reiches einzusetzen, wie der
weitere Verlauf der Auseinandersetzung zeigte.
Die Mittelmeerflotte war eine degradierte „Fleet in being“ und schreckte
insbesondere Spanien und die widerspenstigen Korsen ab. Gerade der
Korsenführer fragte wiederholt an, ob dies eine Provokation ihm gegenüber
sei. Ich hielt mich bedeckt. Um ihn nicht gleich zu Kampfhandlungen zu reizen,
sagte ich, dass Korsika nicht Bestandteil meiner Pläne war. 
Was glatt gelogen war, denn selbstverständlich war Korsika Teil meiner Pläne
Korsika, geführt von einen recht smarten, wohlkonstituierten jungen
Ausländer, entpuppte sich als kluger Geheimniskrämer par excellence.
Insgeheim hatte er wohl schon ein Vorgespräch mit dem spanischen König
geführt. Ich fühlte das von Anfang an. Die Rückeroberung und
Wiederherstellung der französischen Autorität auf der Insel, basierte auf der
Überlegung, dass Korsika seit Jahrhunderten zum französischen
Einflussgebiet gehörte und darauf, das ein Kind dort geboren wurde, welches
unsere Astronomen als zukünftigen Kaiser identifiziert hatten.
Sein Name war Bonaparte……
 
Die Flotte im Norden versteckte ich nahe der Küste bei St. Naizaire. Dort lag
sie bis auf weiteres still. Man würde sie brauchen, wenn es gegen England
ging. Oder auch als Faustpfand!
 
Was den Aufbau der Infrastruktur anbetrifft, machte ich einen großen Fehler,
den ich später teuer bezahlen sollte. Das Eisenbahnnetz sowie der
Brückenbau entstand aus der Überlegung heraus, den Kern Frankreichs
solide arbeitsfähig zu machen. Keine Brücken und Schienen zu nahe an den
Grenzen, damit der etwaige Feindüberfall keine Infrastruktur vorfindet. Gefechtsbericht Risikospiel 2019
 
Frankreich
 
10
 
An sich eine gute Idee, aber erwies sich später als hinderlich. Der
Festungsbau, und speziell der Garnisonsbau war unzulänglich, schlecht
durchdacht. Was hätte ich alles gegeben, einen Festungsbauer und Pionier
wie Vauban an meiner Seite gehabt zu haben?
Ich war ja mehr an die Büroarbeit gebunden und konnte mich kaum auf die
wirkliche Arbeit konzentrieren. Zum Kriegshandwerk gehört die ständige
Beobachtung des Geschehens. Das blieb mir während der ganzen Kampagne
verwehrt. Punkt
 
Die Heerestruppen verlegte ich einigermaßen homogen im Lande, mit einem
Schwerpunkt nordöstlich von Paris. Also nicht zu nahe an die Grenze zu den
spanischen Niederlande. Der spanische König sollte kein Verdacht schöpfen.
Die Kanalküste besetzte ich ebenfalls mit Verstärkung, auf das der englische
König nicht auf dumme Gedanken kommt. War mir ganz Recht. dann konnte
ich glaubhaft den Spanier täuschen.
Dummdiedumm……fidel, fidel, bumm bumm….
 
Außer der Absprache mit dem Preußenkönig hatte ich nichts in der Hand.
Diese Absprache war sprichwörtlich zu nehmen. Wir waren weit entfernt von
einem Bündnis oder Pakt, wie sie andere Teilnehmer schon lange hatten.
Kann gut sein, um Unsicherheit zu streuen, kann schlecht sein:
Ich war allein.
 
Ende Bericht 1.er Tag, König von Frankreich
Gespeichert









Ich habe etwas Lächerliches über die Menschen herausgefunden. Sie sind bereit, für Orden und bunte Bänder zu sterben.

von Napoleon

Franz

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Re: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt
« Antwort #32 am: 20. Juni 2021 - 08:55:34 »

 
 
Die Gefechtstage!
 
Lieber Graf, 
Nun ging es also los.
Die Nacht war kurz gewesen und morgens ließen sich keine Ordonanzen finden.
Aber ohne mampf kein Kampf, wie der gemeine Füsilier zu sagen pflegt. Also
klopften wir beim nächstgelegen Gehöft an und baten um etwas Frühstücksproviant.
Bereitwillig fast duckmäuserisch gaben sie uns von ihrem eigenen Mahl die Hälfte ab.
Landestypisch gab es einen sauer eingelegten Fisch, der seltsam zusammengerollt
war und mittels einer Holzstäbchenkonstruktion gehalten wurde. Im Inneren befand
sich eine winzige Salzgurke. Eine aus Bauernschläue heraus entwickelte,
fantastische Idee, die ich mir demnächst auf meinen Namen patentieren lasse. Eine
Bezahlung lehnten sie jedoch ängstlich ab, denn wenn der Baron von der Deichreihe
davon erführe, müssten sie wegen Steuerhinterziehung schwere Repressalien
befürchten. Mit dem Baron war wohl nicht zu spaßen. Er hatte seine Deichreihe eben
fest im Griff…
Nachdem wir zum HQ zurückgekehrt waren, empfing uns schon die Meute der
Herrscher und das Diplomatengesinde. Dicht gedrängt standen wir im Foyer herum
und die Anspannung einiger sowie die Vorfreude anderer, stieg proportional zur
Dichte des Tabakqualms in der Luft. Die Düfte Westindiens und der amerikanischen
Südstaaten kannte ich bereits, doch da waren noch ganz unbekannte Düfte aus
Afghanistan und Marokko dabei, sehr exotisch. So exotisch wie der bunte Haufen
aus aller Welt. Offenbar hatte der englische König auch eine Ladung neuartigen
Tabaks von der ostindischen Company erhalten. Soll ursprünglich aus Hinterindien
stammen, aber über China nach London gekommen und jetzt der letzte Schrei in der
Upperclass sein. Ich bestellte sogleich zwei Füßchen für unseren Generalstab … und
ein paar chinesische Pfeifchen dazu. Doch jetzt war es soweit:
Die Tore zum Gefechtssaal öffneten sich. Mit Punkt-schlag 12 Uhr der Glocke
strömten die Herrscher zu ihren, mit Fahnen festlich dekorierten Gefechtsständen.
Ja, so muss das Aussehen:
Majestätisch erhob sich inmitten des Saals ein gigantischer Kriegstisch. Man stellte
sich mit stillen inbrünstigen Gebete davor und träumte davon am Ende des Tages
den Tisch zu erklimmen und in breitbeiniger Siegerpose den Weltensieg zu
verkünden. Mit Schwert und Schild versteht sich.
 
Jetzt aus der Erinnerung: 
(- die Akten hierüber sind beim Rückzug verloren gegangen)
In den ersten zwei Runden wurde noch kein Krieg erklärt. Begeistert schob man
Truppen hin und her und bastelte an der Infrastruktur, flüsterte ein wenig mit den
Nachbarn herum und gab sich ansonsten siegesgewiss. Von der allgemeinen
Begeisterung nicht angesteckt waren die Generalstäbler und Adjutanten, der
demnächst kriegführenden Mächte. Es galt nach längst ausgearbeiteten minuziösen
Plänen die Armeen zu aktivieren. Diese Aufmarschpläne waren so zusagen
unwiderruflich. Ein Fehler in der ursprünglichen Versammlung der Armeen ist im
ganzen Verlauf des Feldzuges kaum wieder gut zu machen. Eine jetzige Änderung
hätte ein allgemeines Chaos hervorgerufen, und nichts mussten die Generalstäbler
mehr fürchten als eine solche plötzliche Änderung der politischen Situation. So
verschwand meine Generalstablerin und Adjutantin Claudia von de Krög für 6
 
 
 
Stunden, um zu verhindern, dass ich mich etwa für etwas anderes entscheiden
könnte.
 
Um den Tisch herum standen die nervösen Feldherren, oft zu ihren Gefechtsständen
hin- und herlaufend um anschließend im Dreieck an abgelegene Orte im Foyer
Geheimgespräche zu führen. Am Gefechtsfelsrand ging es zu wie im Tollhaus. Da
wurde regelrecht mit den Ellbogen gearbeitet und stellenweise musste ich zwischen
Armbeugen hindurch spähen, um zu sehen was meine eigene Truppen taten. Da
tauchten Könige an Stellen auf, an denen sie gar nichts zu suchen hatten und aus
lauter Neugierde, dem Befehlshabenden in diesem Abschnitt die Sicht versperrten.
Gaffen aus niederen Gründen sollte bestraft werden…
Früher konnte ein Feldherr von einem Hügel herab die Schlacht überblicken und aus
der Situation heraus seine Befehle geben. Das nächste Mal, wenn mich nicht ein
Virus darnieder wirft, werde ich Sandsäcke aufschichten lassen und mit einem
Feldstecher bewaffnet die Sache besser überblicken können. Ohnehin war es für
mich aufgrund der Arbeitsbelastung unmöglich den Verlauf der Entwicklung auf
anderen Kriegsschauplätzen zu verfolgen. War auch nicht so wichtig. Wie durch ein
Brennglas fokussierte ich mich ganz auf Frankreich und das unmittelbare Umfeld. Die
weite Welt verschwamm in der Ferne. Schade.
 
Nach meiner Strategie schob ich nun meine besten Truppen an die spanischen
Niederlande heran und konzentrierte sie dort. Aus Strategie wurde die Operation.
Aber halt! Der auf seine Art sympathische, aber strenge König von Preußen drängte
gar zu aufdringlich zu der abgesprochenen Offensive. Die Mobilmachung meiner
Truppen war aus meiner Unerfahrenheit der Führung von Massenheeren verzögert
gewesen. Ich brauchte noch Zeit, um mindestens ein Kräfteverhältnis von 1: 3 zu
schaffen. Der Spanier hatte immerhin zwei Festungen und außergewöhnlich viele
Truppen in meinem Kampfabschnitt stationiert. Damit war alles klar. Er wusste um
den Wert seiner Provinz und hatte nicht vor sie kampflos jemanden zu überlassen.
Es könnte sogar sein, dass er vorhatte einen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich zu
führen. Vielleicht mit einer dritten Front, etwa im Verbund mit Preußen oder Italien,
oder der Schweiz, oder den Korsen, oder sogar England, oder alle zusammen? Wir
werden sehen, dass ich mit meinen Vermutungen gar nicht allzu sehr daneben lag.
 
Das ewige Drängen der Preußen war doch sehr lästig geworden und ich glaubte, die
Ungeduld des Königs könne sich am Ende gegen mich wenden. Gut, bis jetzt war
noch kein Angriff auf die Spanier erfolgt, doch wenn er sich die Sache anders
überlegen sollte, standen meine verstärkten Truppen gut positioniert im Nordosten.
Solle er nur kommen! Aber das war ja nicht Sinn der Sache. Inzwischen gab es ein
Gefecht im Mittelmeer zwischen den Mauren und den Engländern, was ich mit
Interesse verfolgte, denn von den Engländern war weit und breit an unseren Küsten
nichts zu sehen. Das war auch gut so. Allerdings operierten sie geheim in den
Weiten des Ozeans und waren generell zu allem fähig. Aufgepasst!
Ich trieb es also mit Geduld an die Spitze des Machbaren. Und dann, glaube ich, in
der dritten Schlachtenrunde war ich soweit und erklärte dem spanischen König den
Krieg. Was dann losbrach, war bemerkenswert. Zunächst einmal überraschte mich
die Reaktion des spanischen Königs. Aber darauf gehe ich später noch ein.
Verblüffenderweis‘ erklärten sich kurz darauf alle möglichen Völker in Nah und Fern
den Krieg. Gefechtsbericht Risikospiel 2019
 
 
Der Stein des Anstoßes war - für mich jedenfalls eindeutig – in meiner
Kriegserklärung Spanien gegenüber zu suchen. Die übermenschliche Spannung
löste sich und nun ging es richtig los. Einer musste ja anfangen und das war ich.
Hemmungslos ergossen sich Scharen von wilden Reitervölkern in die Weiten der
östlichen Steppen. Beduinenvölker brachen ihre Zelte ab und folgten uralten
Handelsrouten durch die südlichen Wüsten Arabiens und des Maghrebs. Die Völker
des Balkans versammelten sich auf kargen Pässen im Gebirge, während sich
ostslawische Völker riesige Schneisen, gleich Rollbahnen, durch die Urwälder ihres
Landes bahnten. Grimmige Krieger des Nordens durchschritten abgeholzte
Waldflächen, die durch einen nie dagewesenen Flottenbau seit der Wikingerzeit
entstanden waren. Die Deiche brachen, nicht nur sinnbildlich, sondern auch ganz
real.
Nämlich hier. Bei mir. In Flandern….
 
 
 
Die Schlacht in Flandern
          und was danach geschah
 
Bei der öffentlichen Ausrufung, der Kriegserklärung an Spanien, saß der spanische
König wie üblich, konzentriert wie immer, über seinen Papieren. Ganz in seinen
Gedanken vertieft bekam er zuerst gar nicht mit, dass er gemeint war.
Als er realisierte was vor sich ging, schien er doch ernstlich überrascht zu sein. 
Was mich wiederrum überraschte.
Hatte er den Aufmarsch meiner Truppen übersehen? Hatte er selbst doch keine
Offensivgedanken Frankreich gegenüber? Der sonst so ruhige und besonnene König
sprang vom Gefechtsstand auf und marschierte auf mich zu und sagte mit lauter
Stimme:
„Das gibt Rache, das gibt Rache!“
Am Kriegstisch angekommen, besah er mit einem Blick die Situation und wandte sich
an mich. Laut knurrend drohte er:“ Dich mach ich fertig, dich mach ich fertig, wirst
schon sehen.“
Er nahm es also persönlich. Soll vorkommen im Krieg…
Das umstehende Auditorium reagierte vollkommen unterschiedlich. Ich glaubte zu
bemerken, dass einige der Gentlemen recht konsterniert ob diesem Affront waren.
Etwas peinlich betreten schauten sie drein.
Die Anderen, unter ihnen auch der preußische König, blickten regungslos, aber sehr
ernst auf die Karte. Der anwesende Rest der Truppe, und hier vor allen Dingen die
Jüngeren feixten und johlten. Schelmisch freuten sie sich wie die Kinder, die einer
alten Oma ein Streich gespielt hatten. C‘est la vie!
Ein amerikanischer General im Bürgerkrieg sagte einmal:
„Rache ist niemals Bestandteil militärischen Denkens.“
GENAU! Der Rachegedanke führt nur zu irrationalen Handeln und behindert die
Strategie. Und die vornehmste Aufgabe der Strategie ist das Resultat rationellen
Denkens der Führung eines Königsreich. Persönliche Befindlichkeiten, wie so oft
geschehen, haben keinen Platz in der Anlage eines Feldzuges.
Der von uns begonnene Feldzug – „Flandernschlacht“ genannt – sah als erstes Ziel
Wallonien, Brabant und eben Flandern vor. Auf dem Weg zu Nordseeküste lagen
beträchtliche Hindernisse vor uns. Die Spanier hatten dort nicht nur eine

 
beträchtliche Streitmacht stationiert, sondern auch zwei Festungen in meinem
Kampfabschnitt. Ich selbst schickte den Großteil meiner kaiserlichen Garde an die
Front und mein örtlicher Kampfkommandant, ein zäher Hund, wurde außerdem von
begeisterten Freiwilligenregimentern unterstützt, die als Reserveeinheiten fungierten.
Junge Burschen mit viel Elan, aber ohne jegliche Kampferfahrung.
Die Kaisergarden stürmten vorwärts. Die Elite der Franzosen sollte gleich zu Anfang
eine unwiderstehliche Kraft sein, um die Masse der regulären Regimenter zu
schonen. Ich versprach mir davon eine schnellere Niederwerfung des Feindes. Dem
war nicht so.
 
Die Spanier nahmen sich die Künste der genialen Deich- und Wasserbauer Hollands
zu Hilfe. Sie öffneten die Fluttore an der Küste und schlossen sie bei Ebbe. Weite
Landstriche wurden überflutet zudem regnete es in Strömen. Die Folge war eine fast
unüberwindliche Wasserwüste, die aber von unseren Truppen durchquert werden
musste. Ach übrigens, man kann sich vom Wert der Arbeit holländischer
Wasserbauer direkt hier in den Glückstädter Marschen überzeugen.
Zu der an sich einfachen militärischen Rechnung mit eine bekannten und
unbekannten Größe, sprich dem eigenen und dem feindlichen Willen, tritt ein dritter
Faktor auf, der sich vollends jeder Voraussicht  entzieht: All die Einwirkungen, welche
man Zufall, Verhängnis oder höhere Fügung nennen mag, die der Mensch weder
schafft noch beherrscht.
Da hätte man genauso gut würfeln können. Ja, tatsächlich! Man würfelt mit dem
Gegner! Unglaublich, aber wahr! 
Glauben Sie mir, lieber Graf, der spanische König jubelte nach jedem taktischen
Erfolg, ausgelöst durch die höhere Zahl seiner Augen auf den Würfeln. Ich glaube, er
wäre auch auf den Tisch gesprungen und hätte noch den nackten Torero mit dem
roten Tuch gegeben. Da schien mir doch das spanische Temperament hervor zu
brechen. In der Schlacht lebte der Mann förmlich auf.
„Und trotzdem ist dadurch die Kriegführung der blinden Willkür nicht verfallen. Ein
Wahrscheinlichkeitskalkül müsste ergeben, dass alle Zufälligkeiten schließlich
ebenso oft zum Schaden oder Vorteil des einen wie des anderen Teiles gewesen
sind, und der Feldherr, welcher in jedem Einzelfall, wenn nicht das Allerbeste, so
doch das verständige anordnet, hat immer noch Aussicht sein Ziel zu erreichen.“
Die Spanier kämpften hart und entschlossen. Die Kaisergarde schmolz dahin. Die
regulären Regimenter hatten bei der Eroberung der Festung Brügge enorme
Verluste. Jetzt nur nicht nachgeben. Weiter! Bei der Stadt Ypern beim Dorfe
Langemarck gab es ein wahres Gemetzel an den Freiwilligenregimentern. Der
örtliche Kampfkommandant, nun der „Blutsäufer“ genannt, schickte als letzte
Reserve unsere patriotische Jugend durch knietiefen Schlamm mit einem „Vive la
France“ auf den Lippen in die Knochenmühle. Voraus gegangen war eine Order, die
mit den Worten endete: „Nun kämpft mal schön…!“
Er wurde fast füsiliert, doch durch meinen Einspruch hin lediglich zum Zivilisten
degradiert. Das strategische Ziel war trotz immenser Verlust erreicht und der Gegner
wurde weich, zudem die Preußen zeitversetzt im Osten angriffen und große Teile
Hollands besetzten.
Hartnackig und vor allem schnell schlugen sie zu, wenn ich auch den Eindruck hatte,
dass die emporschnellenden Verluste den Preußen mehr zu schaffen machten als
die Unsrigen. Sie brachen die Offensive ab. Die gnadenlose letzte Konsequenz des
Vernichtungskrieges war, wie ich später erkannte, durch eine diplomatische

 
Intervention, ausgelöst von Seiten der Preußen verhindert worden. Während ich
meine Truppen sammelte, verstärkte, zum letzten finalen Stoß ansetzte, sah ich mit
großen Erstaunen die Spanier ungehindert abziehen. Freie Fahrt über die
verbliebenen Häfen Hollands! 
Wie konnte das Geschehen? 
Ohne mich zu informieren trieb der Preußenkönig sein eigenes Spiel. Skrupellos gab
er den Spaniern sogar noch eine Ablöse, damit sie abziehen. Ungeachtet des Blutes,
das unsere braven Grenadiere zu Ehren Frankreichs König und seiner Absprache
hergaben.
Na, so ein Früchtchen!
Von einer gerechten Aufteilung der spanischen Niederlande war keine Rede mehr.
Drei Provinzen blieben mir: Flandern, der Brabant und Wallonien. Ich stellte ihn zur
Rede und wurde mit einem Achselzucken abgetan. Schlimmer noch: Er verstärkte
seine Präsenz am Rhein mit den Worten, er wisse ja nicht, was ich jetzt vorhabe. Die
meisten Sorgen machte ich mir allerdings über die nicht vernichteten Truppen
Spaniens, die unweigerlich an meiner Grenze im Süden zu Spanien
wiederauftauchen würden. Mit eiskalten Kalkül hatte der alte Fuchs von
Preußenkönig mich übers Ohr gehauen. Ich wünschte ihm insgeheim den
Hundebandwurm und die Tollwut an den Hals. Ich wusste ja, dass ihm seine Hunde
im Schloss Bellevue zu Potsdam lieber waren als die Menschen seiner Umgebung.
Ich verbrachte die Nacht gedanklich in Dünkirchen zur Auffrischung meiner
Erinnerung zukünftiger Ereignisse…
 
Nach dem Abzug der Spanier aus den Niederlanden, war vollkommen klar, was jetzt
folgen würde. Der massive Angriff der Spanier über den Pyrenäenkamm hinweg war
zu erwarten gewesen. Mit geballter Wucht prallten die Armeen aufeinander. Es
gelang den Spaniern in der Gascogne und im Languedoc einige Provinzen/Bezirke
zu erobern. Beide Seiten hatten große Verluste. Aber hier im Gegensatz zur
Flandernschlacht hatte sich etwas verändert.
 
Mein lieber Graf,
Fortuna und Justitia arbeiteten zusammen!
Justitia hielt die Waage und Fortuna hielt meine Hand beim Werfen der
Schlachtenwürfel. Die Waagschale angefüllt mit Soldatenglück neigte sich mir zu.
Glück im Krieg hat schon immer eine unwägbare Rolle im Kriegshandwerk gespielt.
Aber Glück ist nicht planbar und darf niemals Teil strategischer oder taktischer
Planungen sein. Und dennoch kann Glück schlachtentscheidend die Geschicke
eines Feldherrn beeinflussen. Es kann leicht ein tüchtiger Befehlshaber von einem
weniger tüchtigen geschlagen werden. Trotzdem hat wohl auf Dauer der Tüchtige
das Glück auf seiner Seite. Wie auch immer, durch einige taktische Abwehrerfolge
unserer Truppen waren dem Spanier die Verluste zu hoch. Er brach die Offensive ab.
Er hätte mehr tun können. Tat es aber nicht…
Im ersten Augenblick war ich etwas irritiert. Warum griff er nicht weiter an?
Was steckte dahinter? 
Ich hatte zwei Erklärungen parat:
Obwohl der König mit offenkundiger Freude, mit Feuer und Flamme, ins Gefecht ging
und man meinen könnte, er sei ein Feldherr, der zum Äußersten gehen würde, war
dem nicht so. Starke Verluste der eigenen Truppe waren ihm ein Gräuel. Er verlangte
den Armeen nicht das Letzte ab. Ich glaube, er hätte mich zu diesem Zeitpunkt in

eine ernsthafte Krise stürzen können. Stattdessen ließ er ab, und begnügte sich mit
dem was er erreicht hatte.
Der König Spaniens war auch ein Freund von Zahlen, Statistiken und Analysen.
Sobald diese vom kalkulierten Soll abwichen, wurde er weich. An sich eine gute
Eigenschaft, aber im entscheidenden Augenblick, kann es einem schnellen, klaren
Sieg entgegenstehen. Aber das wirtschaftliche und das militärisch
taktisch/strategische Denken stehen sowie immer zur Diskussion. Ein Dilemma. Auf
den König als gleichzeitigen Befehlshaber lastet eine große Verantwortung. Wehe
dem!
Wie sich im Verlauf der Kriege herauskristallisierte, hatte der König noch eine andere
herausragende Eigenschaft, nämlich die eines begnadeten Diplomaten, welche ich
später mit größtem Respekt entgegentrat.
Die andere Erklärung war, dass Spanien seine ursprünglichen Pläne verfolgte. Die
Eroberung Italiens von Süden her, einen Bund mit Korsika, und die Mauren sollten in
Nordafrika stillhalten. Das erklärt auch sein Angebot eines temporären
Waffenstillstands.
Er glaubte, er habe mich nun genug eingeschüchtert und könne nun seine anderen
Aktionen starten. Hier war noch lange nicht das letzte Wort gesprochen, das war jetzt
für beide klar. Ich stimmte zu, denn inzwischen tat sich so einiges im Westen…
 
Brief an Hyazinth Graf von Horrorwitz Gen. Stb. Abtl. B
 
Lieber Graf, 
Am gleichen Abend ging ich kurz nach der ersten Pyrenäenschlacht in Begleitung
meiner Adjutantin zur Stadt hin. Auf Höhe des Rathauses, gleich bei der Stadtwache
entdeckte ich mein Begehr. Dort war sie. Eine auf Tuch verewigte Glücksgöttin
Fortuna im Wappen der Stadt Glückstadt, stehend mit wehenden Haar auf der
Erdkugel. Sie wehte hoch am Wind, der Saum vom ewigen Westwind zerfetzt, blickte
sie geradezu stolz auf mich herab. Ganz ergriffen bat ich die fischköppigen Wachen
die Fahne – für einen Moment nur - herunterlassen. Dank meiner Autorität taten sie
das auch prompt. Ich konnte einfach nicht an mich halten und drückte ihr Herz voller
Dankbarkeit an meines. Ich versprach wiederzukommen…Ich sollte sie nie
wiedersehen…
Am selben Abend zu später Stund‘ hörte ich bei der Heimkehr im HQ Stimmen und
Gelächter aus dem Gefechtsraum. Ich ging hin und da saßen einige der Kriegsherren
in froher Runde um den Kriegstisch herum. Meist jüngere Vertreter der Zunft.
Gesellig ging es hier zu und ich beschloss mich ein Weilchen dem auszusetzten. Auf
diese Weise konnte man einiges erfahren und endlich mal ein ungestörten Blick auf
die östlichen Kriegsschauplätze werfen. Beides verbindend ließ ich mich zur
Auflockerung einigen Getränken und Gesprächen hinreißen und so wurde daraus ein
sehr aufschlussreiches Mitternachtsstelldichein. Lauter nette Leute, das kann ich
Ihnen sagen. Jeder individuell und eigen. Wenn man jeden so nimmt, wie er ist, dann
muss man jeden mögen. Langsam verstand ich deren Denkweise. Das war sehr
lehrreich. Insbesondere der Maure und der Schwedenkönig stachen hervor. Gut
gemeinte Ratschläge wechselten mit ungestümen strategischen Vorschlägen,
Bündnisvorstellungen und allgemeinen Lebensweisheiten. 

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Ich habe etwas Lächerliches über die Menschen herausgefunden. Sie sind bereit, für Orden und bunte Bänder zu sterben.

von Napoleon

Franz

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Re: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt
« Antwort #33 am: 20. Juni 2021 - 08:56:16 »

Mittelschwer angeschlagen, mit leichter Schlagseite um die 7 %, ging ich mit dem
zweiten Hahnenschrei ins Bett. Ich lag als abgetakelte Fregatte auf Reede. Wie man
hier so sagt. Mit meinen persönlichen Befindlichkeiten möchte ich Sie nicht
langweilen und komme jetzt wieder zur Sache.
Der Preußenkönig im Westen kleidete seine Verstärkungen am Rhein weiter aus,
trotz meiner Versicherung nichts im Schilde zu führen. Erst als ich ausgezeichnete
Geheimdienstinformationen preisgab, die sich bewahrheiteten, baute sich so etwas
wie Vertrauen auf. Das führte zu einer gewissen „Entmilitarisierung“ im Rheinland.
Da ich meine Position überdenken musste und die Teutonen im Osten und Norden,
später auch im Süden zu tun hatten, war dies ein reines Zweckbündnis – temporär,
aber sinnvoll.
Einer gründliche Aussprache mit meinen Befehlshabern schien angebracht. Hierzu
möchte ich General Moltke, den Älteren zitieren:
„Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen
mit der feindlichen Hauptmacht hinaus. Nur der Laie glaubt, in dem Verlauf eines
Feldzuges die konsequente Durchführung eines im Voraus gefassten, in allen
Einzelheiten überlegten und bis ans Ende festgehalten, ursprünglichen Gedankens
zu erblicken. Es ist eine Täuschung, wenn man glaubt, einen Feldzugsplan auf weit
hinaus feststellen und bis zu Ende durchführen zu können. Vieles wird unausführbar,
was man beabsichtigt haben möchte, manches möglich, was vorher nicht zu
erwarten stand. Die geänderten Verhältnisse richtig auffassen, daraufhin für eine
absehbare Frist das Zweckmäßige anordnen und entschlossen durchführen, ist alles,
was die Heeresleitung zu tun vermag.“
Hier an diesem Punkt, standen wir nun.
 
Im Westen nichts neues! 
 
Im Südwesten an der Grenze zu Spanien hing das Damoklesschwert über den
Parteien. Hier wird der Götterhammer fallen. Beim Teutates! Aber noch nicht.
 
Derweil rüstete die Eidgenossenschaft der Schweiz auf. Die silbernen Regimenter
türmten sich platzbedingt höher als die höchsten Gipfel der Alpen. Bald würde die
Atemnot einsetzten und die Bewohner der Kantone würden sich Luft machen. Fragt
sich nur wohin?
 
Vom Engländer war weiterhin nichts zu sehen.
 
Die Schweden lamentierten hin und her und man wusste gar nicht, was die
überhaupt wollten. Es fehlte der Wille des Königs, eindeutig einer Strategie zu folgen.
Ich resignierte und ich gab jeden Gedanken eines Bündnisses auf. Das begründet
auch mein Entschluss die Flotte im Atlantik für eine guten Preis an die Schweden zu
verkaufen. Sollten sie damit machen was sie wollten. Ehrlich gesagt hatte das noch
ein Nachspiel. Eine kleine Episode, die später stattfand, ist bezeichnend für die
Unstetigkeit der Ideen und Eingebungen der Schweden. Eines Tages gegen Ende
des Krieges tauchten schwedische Schiffe vor unseren Küsten in Flandern auf. Mit
Hilfe der preußischen Truppen gelang es uns in einen schnellen Zugriff, jegliche
dauerhafte Landung zu verhindern. Sang und klanglos zog der Schwede ab.
Irgendein tieferen Sinn in der Aktion konnte ich nicht erkennen…
Stärkte aber den Zusammenhalt zwischen Frankreich und Preußen.

 
 
 
 
Die Korsen verhielten sich passiv. Sie trieben Handel und in unseren Häfen sah man
Handelsschiffe mit selbstbewusster eigenen Flagge. Mir gefiel das nicht. Je mehr
Großmasten vor der Küste Korsikas zu sehen waren, desto mehr stieg das
Selbstvertrauen des korsischen Rebellenführer. Ganze Wälder spanischer und
norditalienischer Hölzer fanden ihre letzte Ruhestätte in den Planken und Masten in
den Schiffen der vaterländischen Verrätern. Als er dann auch noch wiederholt
versuchte meine Mittelmeerflotte zu kaufen, war das Fass voll.
Ich verkaufte die Flotte an den explosiven maurischen Rabauken. Für einen guten
Preis versteht sich. Durch seinen florierenden Sklavenhandel hatte er es zu
monetären Reichtum gebracht.
 
Italien war die Crux. In Italien herrschte ein junger König. Gerade mal an der Macht
ging er ein Bündnis mit Preußen ein und liebäugelte mit der Vorsitzenden der
Schweizer Eidgenossenschaft. Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht was er bis zu
diesem Zeitpunkt sonst so getrieben hat. Na, jedenfalls fuhr er riesige
Kanonen/Mörser in den Meeralpen an unserer Grenze auf. Das war wohl eher
defensiv zu werten, vielleicht weil er sonst nichts zu tun hatte. Gefechte oder gar
Krieg hatte Italien bis dahin noch nicht. Das sollte sich schnell ändern…
Ein Engagement auf dem Balkan oder in Südfrankreich schien möglich.
 
Tief im Osten tobten große Schlachten, von denen man nur vom Hören-Sagen
erfuhr. Dunkle Wolken am östlichen Horizont zeugten hiervon.
 
Das alles zusammen erforderte eine neue Strategie. Ich beschloss, alles was ich
hatte, gegen die Spanier an die Südwestfront zu schmeißen, um wenigstens die
besetzten Gebiete zurück zu holen.
Ab jetzt muss ich die zeitlichen Abläufe aus der Erinnerung niederschreiben.
Das mag etwas lückenhaft sein, aber im Groben und Ganzen stimmt die Zeitlinie.
Nicht allzu sehr überraschend erklärt Italien mir den Krieg und griff die Provence an.
Ziel war die Festung und der Hafen von Marseille. Das konnte ich jetzt aber gar nicht
gebrauchen. Ich konsolidierte gerade meinen Militärapparat und nun wurde ich
gezwungen, einen guten Teil meiner mühsam ausgehobenen Truppen an die
Alpenfront zu befehlen. Die Italiener waren uns in der Region an Stärke der
Truppenzahl überlegen und so nahm es kein Wunder, dass der Feind vor den Toren
unserer Festung Marseille stand. Doch trotz seiner numerischen Überlegenheit
scheute er sich anzugreifen. Er fürchtete sich vor den enormen Verlusten, die zu
erwarten waren. Das war verständlich, denn in der Festung Marseille stand eine
ganze Armee bester Gardetruppen. Da plötzlich griff er in die diplomatische
Trickkiste. Besser gesagt in sein Portemonnaie und schlug vor, kurzerhand die
Festung einfach zu kaufen. Geld statt Blut. Sollten wir darauf eingehen?
 
Meine Antwort hieß ja, denn eine Belagerung der Stadt nagelte meine besten
Truppen fest, die ich anderswo gemäß meiner Strategie besser verwenden konnte.
Bei einem Nein fesselte ich damit die Italiener und sie würden sich abnutzen und ein
Gegenschlag in Form eines Ausbruchs könnte den Feind in Verlegenheit bringen.
Das machte aber nur Sinn, wenn ich genügend Kräfte außerhalb des
Belagerungsrings hätte. Die hatte ich nicht.

 
So schlossen wir ein erweitertes Geschäft ab. Der freie Abzug meiner Truppen war
gewährleistet. Die Festung wurde übergeben. Zahlung sofort. 
Zwei oder drei Bezirke blieben in italienischer Hand. Trotz meiner Bemerkung, dass
ich mir früher oder später die Gebiete zurückholen würde schloss er einen
Friedensvertrag mit mir ab. Er sei saturiert und hege keine weiteren
Expansionsgedanken in Richtung Frankreich, sagte er fast entschuldigend. Eine
befremdliche Einstellung, wie ich fand. Wie gesagt, der italienische König war an sich
ein sehr gebildeter, intelligenter junger Mann, sehr höflich und geradezu hilfsbereit zu
nennen. Muss wohl in einem Franziskanerkloster erzogen worden sein. Er sorgte
sich sehr um Land und Leute, wie er später bewies. Eine Kadettenanstalt oder ein
Militärinternat hätte ihm der Erziehung wegen gewiss besser vor einer leicht
spürbaren Naivität schützen können. Ich nahm die ganze Sache in Südfrankreich
sportlich, das heißt ich verübelte ihm den Angriffskrieg nicht. Er war einfach zu
freundlich dabei. Ein feiner Kerl.
Für mich verschmerzbar, die Gefahr war gebannt. Ich holte eine ganze Armee aus
dem Kessel und konnte sie außerdem gefahrlos woanders hin verschieben. Das
Gespenst der sinnlosen Vernichtung, wie dereinst in der Zukunft einer Stadt an der
Wolga von uns gegangen…
 
Das war aber noch nicht alles. In den dunklen Klammen und Tälern der Schweiz
braute sich ein übles Süppchen zusammen. Die Bauerntruppen hoch auf den Bergen
bewegten sich langsam, aber stetig – gleich dem eines Viehabtriebs von den Almen
– in Richtung Norden und Westen. Aus den Höhlen der Gebirgsmassen kletterten
finstere lichtscheue Gestalten, aus den Nadelwäldern schlichen ganze Regimenter
von Waldschraten heran. Sie alle kulminierten in der Rhein/Rhone Tiefebene um
Heidiland herum. Eine gewaltige Streitmacht für solch ein kleines Land.
Die Erklärung ist einfach:
Nichtstun, aber ständig aufrüsten. Das kleine Land, obwohl inmitten Europas liegend
wurde von den umliegenden Ländern nicht wirklich ernstgenommen. Die Schweiz
wurde etwas stiefmütterlich behandelt. Die Schweizer hatten ein merkwürdiges,
hinterwäldliches politisches System. Da schwur man auf den Bund der Eidgenossen
und alle waren gleich. Entscheidungen wurden demokratisch beschlossen.
Antiquarisch im mindesten. Hatten wir nicht schon vor mehr als zweitausend Jahren
ein solches System bei den Griechen gesehen? Demokratie nennt man sowas.
Die Herkunft und das zum Herrschen geborene Adelsgeschlecht wird dadurch
herabgesetzt und das gemeine Volk blökt und läuft wie eine meschugge gewordene
Schafsherde herum.
Soweit kommt es noch! Das ist Rebellion! Ick wullt Dir wat!
Die gewählte Anführerin, ja Sie haben richtig gelesen, eine Frau!
Ja, diese Frau sollte eigentlich in meiner Vorstellung so eine Art Reinkarnation der
Jungfrau von Orleans sein. Mit Schild und Schwert in silberner Rüstung ohne
Rücksicht auf die Feinde einschlagend, dann demütig Gott für den Sieg dankend sich
in der Glorie zum Ruhme des Landes rühmen lassen. Aber nein, hier lag etwas
anderes vor. Eine ausgesprochen hartnäckige Dame. Gerecht und stolz,
hochgewachsen mit güldenen Haar war sie schön anzusehen, die Eidgenossen
hatten die Repräsentantin ihres Volkes gut ausgewählt. Was sie nicht erkannten,
war, dass aus Gerechtigkeitssinn und Stolz schnell Pedanterie werden kann.
Pedanterie ist hinderlich im Kampf. Sie war jung, sehr jung. Gefechtsbericht

 
Als Heidi von der Alm die Volksschule im Dörfli besuchte, suchte sie angesichts der
großen weite Welt Rat und Tat bei ihrem alten Großvater, dem Alm-Öhi. Ähnlich
gestaltete sich das Verhältnis hier in der Weltenschlacht. Ihr Alm-Öhi, namentlich ihr
Vater, der tief im Osten ein mächtiger Herrscher war, stand seiner Tochter mit Rat
zur Seite. Oft sahen unsere Spione die Reisekutschen zwischen beiden Ländern hin-
und herfahren. Konspirative Gespräche wurden beobachtet und belauscht...
 
Nun denn, lieber Graf, während ich mit Wiederaufrüstung meiner Truppen und den
Kämpfen mit den Italienern beschäftigt war gab es wiederholt diplomatische
Depeschen und Noten aus der schönen Schweiz. Sie schien gar nicht zu bemerken,
dass ich weiß Gott was anderes zu tun hatte, als ihren Angeboten nachzukommen.
Angebote und Vorschläge hatten die Schweizer viele deren. Ich sah meine Aufgabe
darin, die unruhigen Massenheer der Schweiz in die richtige Richtung zu dirigieren.
Klingt arrogant, aber ich wollte nicht schon wieder Krieg an meiner Grenze, solange
ich nicht mein Aufmarsch gegen Spanien abgeschlossen hatte.
Sie schlug ein Bündnis gegen Preußen vor. Der Italiener war angeblich auch dabei.
Lag eigentlich aus ihrer Sicht besehen auf der Hand. Der Preuße war im Osten
beschäftigt. Seine Nibelungentreue Österreich- Ungarn gegenüber war durchaus
begründet. Schutz seiner Südostflanke und Verwandtschaft mit den Habsburgern,
der Beistandspakt mit den Polen im Osten, die Bedrohung durch die Schweden im
Norden ließen seine westliche Flanke relativ schwach werden. Ich lehnte eine neue
Front gen Osten ab, aber erlaubte ihren Truppen Durchmarschrecht durch
Lothringen-Elsaß um die Preußen anzugreifen. Das war zumindest ihr Plan.
Dieser Vorschlag kam ausschließlich von den Schweizern.
Für mich war das aber eine kleine Genugtuung der Flanderngeschichte gegenüber.
Wie war das noch mit Rache im Krieg…?
Ich sollte es bereuen, denn ich musste meine Ländereien später hart zurückerobern.
Jetzt jedenfalls hatte ich Ruhe. Die Lage wurde langsam bedenklich. Mein Reich sah
auf der Karte aus, als hätten die Ratten einen großen Keks angeknabbert.
Das konnte auf Dauer nicht gut gehen.
Ende Brief zweiter Kampftag.
   
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Ich habe etwas Lächerliches über die Menschen herausgefunden. Sie sind bereit, für Orden und bunte Bänder zu sterben.

von Napoleon

Franz

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Re: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt
« Antwort #34 am: 20. Juni 2021 - 09:28:28 »

 Das Finale, die Walküren und Walhalla
 
Lieber Graf von Horrorwitz,
 
Der letzte Brief aus Glückstadt beschreibt den sehr ereignisreichen letzten Tag der
großen Schlacht am Generalstabstisch.
An diesem Tag war der Waffenstillstand mit Spanien ausgelaufen. Man konnte also
einiges erwarten.
Durch die Verfehlungen und Missverständnissen der Diplomatie war es zu großen
Spannungen mit der etwas pedantischen Vorsitzenden der Eidgenossenschaft
gekommen.
Mir wurde klar, dass sie Appetit auf ein größeres Stück vom Kuchen Frankreichs
bekommen hatte. Dabei war sie doch so schlank und hold, dass sie besser auf ihre
Linie achten sollte. Damit es so bleibt.
In Italien indes, tat sich einiges von großer Bedeutung. Durch eine völlig
überraschende Aktion gelang es den Amerikaner, oh Entschuldigung, es muss
heißen: den Spaniern!, Seelandungen in Sizilien, Nettuno und Salerno einen großen
Teil Italiens zu erobern. Der italienische König sah sich gezwungen zwischen der
totalen Vernichtung oder als Vasall Spaniens zu enden.
 
Die Ereignisse in Italien bedürfen einer näheren Betrachtung, eben weil sie uns
unmittelbar betrafen. Man fragte sich im diplomatischen Chor wie das geschehen
konnte, denn Italien hatte keine nennenswerte Truppen im Inland stationiert. Der
Widerstand war hoffnungslos unterlegen und wurde vom König auch überhaupt nicht
unterstützt.
Ich glaube, dass der König wirklich komplett ahnungslos war. Mit Entsetzen starrte er
auf die Strände und damit auf seine verlorengegangenen Provinzen. Das war echt.
Hilfe aus dem Ausland war zu diesem Zeitpunkt auch nicht zu erwarten.
Dazu später mehr…
Die Hauptmacht Italiens stand im Nordwesten, eben bei uns in der Provence und im
Nordosten bei Trieste am Balkan.
Ich hätte mir gewünscht, dass er seine Truppen zusammenzieht und geballt gegen
die Spanier vorgeht. Lever düad as slav! Es wäre doch mit dem Teufel zugegangen
hätte er kein Erfolg gehabt. Schließlich waren die Spanier über See gekommen und
waren auf umständliche Nachschublinien angewiesen.
Wo war überhaupt Italiens Flotte?
Hatte sie eine?
Grobe Nachlässigkeiten machten sich hier bemerkbar.
Stattdessen kam alles noch schlimmer.
Während der spanischen König sich diebisch, fast schelmisch über seinen großen
Coup freute, geschah etwas ebenfalls Unerwartetes.
Im Osten bahnte sich eine wahre Völkerschlacht an. Das offensichtliche Bündnis
zwischen Preußen, Österreich, Polen- und, ja man mag es gar nicht glauben-Italien,
wurde an der Schlüsselstelle Wien von Ostvölkern berannt. 
Es sah nicht gut für die Völker des Westens aus.
Da sprach eine gewaltige Stimme auf dem Off, gleich der, die wir aus der Genesis
kennen. Ein moderner Kreuzzug, gleich des Dschihads für die Rettung des
Abendlandes wurde ausgerufen. Der englische König war es, der sprach. Damit
schloss sich ein Kreis in der Verkettung solch großer Könige wie Artus, Richard
Löwenherz und einen kleinen dicken Mann namens Churchill.
König Ralf, der Erste und Letzte gebührt die Ehre die Tafelrunde vervollständigt zu
haben.
Man traf sich im Foyer und hektisch würde über Truppenverschiebung der
betroffenen Länder gesprochen. Für mich war das ein Prüfstein, um die wahre
Intention der einzelnen Protagonisten zu erkennen. Alle sagten Truppen zu.
Auch der spanische König...
Ich selbst schickte nach Absprache mit dem Preußenkönig ca. 35 Regimenter nach
Wien. Ganz ergriffen von der heiligen Aufgabe schickte ich einen Nachfahren des
legendären Prinz Eugens als Oberbefehlshaber mit.
Mit Nibelungentreue erfüllte er seine Pflicht und kämpfte mit seinen Kämpen bis zum
Tode gegen Etzel’s Hunnenscharnen. Nicht einer kehrte zurück.
Die Walküren der Götterdämmerung zeugen davon. Walhalla war greifbar.
 
Für Frankreich begann ein großes Drama. Ich registrierte mit Unbehagen, dass
Spanien, trotz der Zusage zur Teilnahme am Kreuzzug nicht einen Mann in die
Abwehrschlacht nach Wien schickte. Niemand, außer mir, schien das zu bemerken.
Alle Augen blickten nach Österreich. Dort stapelten sich die Truppenfarben aller
Länder, sogar die silbernen aus der Schweiz, gemischt mit den bunten Farben der
vatikanischen Garde aus Rom. Aber, wie ich jetzt weiß, dürstete es den Spanier nach
Rache. Und das stellte er sehr geschickt an:
 
Nach der überraschenden Invasion in Italien, zwang der Spanier die Italiener
-ganz nach dem Motto „Friss oder Stirb“- zu einem Pakt, der den gemeinsamen
Angriff auf Frankreich beinhaltete. Mit gequälten Gesicht stimmte der König
zähneknirschend zu. Hier ging es um‘s überleben.
Ja, ein fürsorglicher Herrscher, der besser nicht in der Personalabteilung einer
Hedgefonds-Firma tätig sein sollte. Er opferte seine Ehre und den Stolz seiner Nation
um den Rest seines Lebens als Lakai und Wasserträger unter seinem neuen Herrn
und Meister zu fristen. Wie gesagt, der italienische König war ein sehr sympathischer
Mann und es tat mir in der Seele weh, wie er sich solcherart erniedrigen musste,
oder wollte. Er hätte kämpfen sollen… man hat immer die Wahl.
Es dauerte nicht lange und Spanien erklärte mir den Krieg.
Die versammelten Könige und Generalstäbler horchten auf und sämtliche Gespräche
verstummten. Alle blickten auf die Karte und selbst der grollende Krieg im Osten
schien für einen Augenblick still zu stehen. Kaum waren die Worte ausgesprochen,
erklärte mir Italien ebenfalls den Krieg.
Ein Raunen ging durch den Runde.
Blitzschnell schoss es mir durch den Kopf. Das wird ein lebensbedrohlicher Kampf.
Doch damit nicht genug. Im gleichen Atemzug erklärten mir die hinterwäldlerischen
Almbauern aus den Schweizer Alpen ebenfalls den Krieg. Na super!
Ein Schnaufen ging durch den Saal. 
Die Amazone von der Alm hat sich wohl einen Floh ins Ohr setzten lassen. Ich
vermutete zunächst, dass Ihr Mentor und dessen Kolchosentreiber aus dem Osten
dahintersteckten. Nachdem all ihre Bemühungen Preußen anzugreifen gescheitert
waren, schien jetzt die Gelegenheit günstig noch ein Stück Frankreichs
abzuknabbern.

Aber nein, noch wahrscheinlicher war eine geheime Absprache mit dem spanischen
König, dem ich inzwischen Alles zutraute.
Das subjektive Gefühl fand ich durch ihre sofortige Kriegserklärung mir gegenüber,
nachdem der italienische König die seinige ausgesprochen hatte, bestätigt.
Das wären Drei. Innerhalb von Sekunden…
Der Korse kam gar nicht zu Worte. So schnell ging das. Der oberschlaue Opportunist
von der Räuberinsel hatte sich gegen fadenscheinige Versprechen einen Kniefall vor
den spanischen Inquisitoren geleistet. Ein Leichenfledderer par excellance. Es
wurden ihm einige Ländereinen an der Biskaya zugestanden. Natürlich unter der
Knute der Spanier. Da er eine beachtliche Flotte besaß, schien das auch möglich.
Jedenfalls erklärte er mir auch den Krieg.
Das waren Vier. Innerhalb von Sekunden…
Im Saal standen die Münder der Anwesenden offen. Weiter ging es nicht mehr. Und
doch. Es ging.
Ein hysterisches auf Quicken der Mauren war zu hören. Wild gestikulierend, wie ein
völlig durchgeknallter Derwisch hüpfte der Maurenchef an seiner südlichen
Mittelmeerküste herum, und rief unentwegt: „Ich erkläre Dir den Krieg, ich erkläre Dir
den Krieg!“
Einige Kriegsherren sahen ihn unverständlich an. Ja, richtig, ein kalter Blick auf den
Kartentisch zeigte mir, dass dieser Mann einer anderen Welt entsprungen sein
musste. Die überwiegende Mehrheit seiner Flotten und Truppen lagen in der Adria
fest. Weit weg. Was soll das? Ich glaubte er tat dies, um Bewegung und Ruhm zu
erlangen. Um seine eigenen unzulänglichen Aktionen im großen Krieg zu
überdecken. Also schon wieder ein Leichenfledderer. Auf meine Frage hin, später
nachdem alles vorbei war, warum er das getan hatte, antwortete er nur lapidar:
„Einfach nur so.“
Mein Gott, ist das alles? Merde!
Da waren es Fünf. Innerhalb von Sekunden…
Das war starker Tobak. Die Regimenter in Wien kämpften sich derweil zu Tode.
Genau genommen befand sich Frankreich mit sechs Gegnern im Krieg.
Unzweifelhaft eine einmalige Sache in der Kriegsgeschichte. Später traten noch die
Schweden an den Nordseestränden Hollands auf. Sieben!
Die sorgsam eingefädelte Diplomatie des spanischen Königs trug ihre Früchte und
man muss anerkennend sagen, dass die Schachzüge dieses Mannes genial waren,
soweit sie die Vernichtung Frankreichs zum Ziel hatten. Anderseits wäre es niemals
gelungen den Angriffskrieg mit so vielen Vasallen zu einen Erfolg zu führen, wenn
nicht so viele der Angreifer Mitläufer und Plünderer gewesen wären. Eine
Gesamtstrategie ging diesen Leuten einfach ab. Gelegenheits-Opportunisten, auf
ihren kurzfristigen Vorteil bedachte Abzockerherrscher, ohne jegliches Gefühl für
langfristige Investitionen und Nachhaltigkeit, immer auf der Suche nach Prestige und
Anerkennung, vermochten sie es nicht, die eine klare Linie zu finden.
 
Lieber Graf,
ich komme zum Ende.
Nun sah ich mich einer gewaltigen Übermacht gegenüber. Die klügsten Köpfe der
Generalstäbler anderer Mächte machten ernsthafte und besorgte Gesichter. Da war
einfach nichts mehr zu machen. Das dachte ich auch und dennoch beschloss ich,
mich mit dem Mut und der Tollkühnheit eines totgeweihten Stieres in einer
spanischen Arena der Meute zu stellen. In dieser dunklen Stunde war es schön, sich
der Verbundenheit mit Preußen gewiss zu sein, obwohl dazu gar kein wirklicher
Grund bestand. Es wurden keine Zusagen gemacht, aber irgendwie hatte ich das
Gefühl, dass der Eine auf den Anderen aufpasste. Ich sollte noch feststellen, dass es
noch jemanden gab, der seine Augen auf mich gerichtet hatte….
 
Das Reich verteidigte sich nach allen Seiten hin. Gebietsverluste blieben nicht aus.
Die Reserven schrumpften.
Erstaunlicherweis‘ konnten im Osten sogar einzelne Ländereien wieder
eingenommen werden. Verbrannte Erde, nichts mehr wert. Wir wurden auf das
Kerngebiet Frankreichs zurückgedrückt. Eigentlich genau auf das Gebiet, dass ich
anfänglich mit einer akzeptablen Infrastruktur versehen hatte. Die Frist lief ab und es
wurde knapp. Noch vier Stunden bis zum allgemeinen Kriegsende.
Wie lange würden wir noch durchhalten?
Als dann die frechen Emporkömmlinge aus Korsika auch noch an der Küste
landeten, war das Maß voll. Der preußische König erwies sich trotz aller Härte als
solidarisch und bemüht. Erstaunlich. Ein scharfsinniger König wie er war, hatte also
doch ein Herz. Er bot an, Paris zu verteidigen und außerdem die Schweizer aus
Elsaß-Lothringen zu vertreiben. Ersteres lehnte ich ab, denn aus mir unerfindlichen
Gründen ahnte ich, dass ich hier sterben müsst‘. Er tat unterdessen sein Bestes.
Gemeinsam vertrieben wir die Schweden von der Küste und ich erlaubte ihm, zur
Sicherung, Truppen bei Calais zu stationieren. Preußische Goldtaler flossen von
Berlin nach Paris. Wir schlugen uns hart mit den Schweizern und gewannen einigen
Respekt, der dazu führte, dass die Eidgenossen keine Lust verspürten, weiter
anzugreifen. Die Italiener brachen ihre Offensive nach einer gewissen Satuierung ab.
Die zweite Pyrenäenschlacht entwickelte sich allerdings zu einer harten Nuß.
 
Hätten die Angreifer mit letzter Konsequenz und aller Härte weitergemacht, wäre ich
tatsächlich im Turm zu Notre Dame gestorben. Aber vorher hätte ich noch mit
Steinen geworfen und die Eroberer angespuckt. Ganz wie mein alter Freund, der
liebe Quasimodo es tat.
Doch da erhob sich wiederrum eine Stimme aus den Norden. Sie brachte die
Erleichterung für unser Volk und bevor ich erkannte, wessen Stimme dies war,
konvertierte ich schnell zu den nordischen Göttern. Nur um sicher zu gehen.
Thor, Odin und Freya, meinetwegen auch Loki gehörten von nun an zum festen
Ritual anlässlich des Abendgebets dazu.
Der englische König mit seiner mächtigen Flotte gebot den Korsen Einhalt.
Mit drohender Stimme verkündigte er ganz offen, dass die Vernichtung der
korsischen Flotte bevorstünde. Dass die spanische Armada ein Witz sei und die
Spanier sich vorsehen sollten. Daraufhin gab es keinen Angriff von Seiten der
Spanier mehr und reumütig trollten sich die Korsen. 
Da kann man mal sehen!
Nicht nur, dass der englische König seine versteckte Macht damit demonstrierte, die
wissentlich nur von Zeit zu Zeit aufblitzte, sondern damit bewies er, dass er einen
Hang zu der berühmten „Check& Balance“ Politik hatte.
Niemand darf zu stark werden, alles bleibt im Gleichgewicht.
Gelder aus London (natürlich geraubte spanische Golddukaten),ih,ih,ih, erhielt ich
schon während der heftigen Auseinandersetzung der zweiten Pyrenäenschlacht. 

Ein Tribut sollte ich trotzdem zahlen:
Als einer Art Ehrenbezeichnung wollte er ein oder zwei Garderegiment als
symbolischen Akt nach Paris schicken und den Union Jack neben der Trikolore
aufzustellen.
Tja, er war auch nur ein Mensch und diesen sind Anerkennung von Orden und
Auszeichnungen wichtig und gemein.
Sollte er haben.
Frankreich war gerettet.
Und sterben musste ich auch nicht.
Ich will nach Hause.
Zu Walkyria. 
FIN!
 
 
Vorletzte Worte. Resümee
Gesagt habe ich nun wahrlich genug. Trotzdem möchte ich noch zu einigen
Befindlichkeiten Stellung beziehen. Als Erstes bedenke man, dass dies nur ein Spiel
isst und absolut nichts mit persönlichen Gefühlen zu tun haben sollte. Das haut
natürlich nicht hin. Das weiß ich und genau deswegen macht es ja auch Spaß. Aber
nur wenn man das mag. Ich weiß jetzt schon, was Ihr denkt:
Das nächste mal mache ich es anderes und dann kriegt er richtig. Ja, Ja, kenn ich
schon alles. Wie immer kommt es anders und am Schluß ist man mal wieder nicht
schlauer. So ist das Leben…,glaube ich.
Ich zolle jedem Einzelnen Respekt, auch wenn ich den östlichen Kriegsschauplatz
nicht beachten konnte und infolgedessen keinen Bezug zu den Königen dort im
Osten hatte. Schade. Aber man traf sich im Foyer und das war schön.
Ich danke ausdrücklich den Schiedsrichtern, äußerst kluge, nette Zeitgenossen. Ich
weiß gar nicht, wie ich die bezeichnen soll.
Dick & Doof oder Dumm & Dümmer, oder doch vielleicht eher Waldorf & Stadler aus
der Muppetshow? Ich glaube Waldorf & Stadler passt gut. Coole Typen. Da mach ich
mir keine Sorgen….
Das gilt aber allen Teilnehmern. So ein buntes Gemisch trifft man selten an. Schon
gar nicht in so einer doch sehr langen temporären Gemeinschaft.
 
Letzte Worte 
Danke an Ralf, den an was glaubenden Helden vergangener Tage.
Danke an euch alle, die ihr den ganzen Quatsch mit Hingabe und unter Opfern
mitmacht. Wie sagte der Maure:
„Einfach nur so“
 
 
 
Aller, aller letzte Worte:
Hier noch eine Fußnote der Geschichte: 
Ganz am Anfang zog ich eine Auftragskarte 
Ich solle ein Bündnis mit Spanien eingehen und einige Städte einnehmen!
  Welch Ironie!

Gefechtsbericht Risikospiel 2019
Frankreich
 
« Letzte Änderung: 04. Juli 2021 - 08:10:32 von Franz »
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Ich habe etwas Lächerliches über die Menschen herausgefunden. Sie sind bereit, für Orden und bunte Bänder zu sterben.

von Napoleon

Franz

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Re: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt
« Antwort #35 am: 03. Juli 2021 - 09:42:49 »

Ergebnisse des 9. Risikospiels 2019

Pokal- und Medaillengewinner         Grund der Verleihung

Admiral Risiko      Ralf         Seeherrschaft und Seesieg über die Mauren bei Gibraltar
 
Reiter-Medaille      Jonas         vorbildlicher Kavallerieeinsatz auf dem Balkan
                 Danny         vorbildlicher Kavallerieeinsatz auf dem Balkan

Gefechts-Medaille   Jochen         Durchbruch auf Wien ohne Flankenschutz
                                Lennart         Vernichtung der franz. Kaisergarde
                                Marten         schneller Vorstoß ins Baltikum und bis Konstantinopel
                                Martin         schneller Vorstoß ins Baltikum und bis Konstantinopel
                                Leif         erfolgreiche Gegenangriffe gegen Tataren, Russen und Osmanen
                                Jorrit         erfolgreiche Gegenangriffe gegen Tataren, Russen und Osmanen

Bronzeschild-Medaille   Dirk         zähe und erfolgreiche Verteidigung Österreichs
                Michael      hartnäckige Verteidigung Frankreichs
                               Paul         Halten des eigenen Reiches ohne Gebietsverluste
                               Maximilian      Halten des eigenen Reiches ohne Gebietsverluste      
   
Kriegsherr-Medaille   Moritz         Gute Leistungen als Warlord
                                Lisa               - // -
                                 Rolf               - // -

Festungsknacker-M.   Friedrich      für 10 geknackte Festungen in 4 Spielen

Gladiatoren -Kämpfe   Jonas         Sieger im Kolosseum in Rom


Titel für besondere Taten:         Die Länder wurden verlost, England gewählt     33 Runden wurden gespielt
Name         Land         Titel

1. Friedrich      Spanien      König Friedrich, „Der Kämpfer“, Eroberer Süditaliens und Südfrankreichs
2. Ralf         England      Admiral Ralf, „Herrscher der Meere, Ausrufer des Kreuzzuges“
3. Michael      Frankreich      König Michael, „Der keine Gnade erwartet und keine Gnade gibt“
4. Paul         Preußen      König Paul, „Der Diplomat“, Eroberer der Niederlande
5. Leif          Polen         Kapitän Leif, „Der Verlässliche“, Verteidiger Polens
6. Jorrit      Polen         Fregattenkapitän Jorrit, „Der Enterer“, Sieger über die Türken
7. Maximilian      Schweden      König Max, „Der Unentschlossene“, Eroberer von Dalmatien
8. Lennart       Italien         König Lennart „Der Treue“, Eroberer Ostfrankreichs
9. Jochen      Persien         Armeeführer Schah Jochen, „Durchbrecher der Linien“
10. Danny       Persien         Reiterführer Schah Danny, „Der Entschlossene“
11. Franz      Osmane      Sultan Franz, „Schrecken von Ruhlandia“
12. Dirk      Österreich      Kaiser Dirk, „Der Bedrängte“
13. Marten      Rußland      Zar Marten, „Der Pole, Schrecken von Konstantinopel“
14. Martin      Tatare         Khan Martin, „Der Schrecken der Osmanen“
15. Jonas      Mauren      Reiterführer Emir El Samar, „Der Temperamentvolle“

16. Moritz      Warlord-See Korsika   Moritz „Der Korse“, Eroberer von Sizilien
17. Rolf      Warlord-See Tripolis   Emir El Kaspereit „Der Wortkarge“, Rückeroberer von Albanien
18. Lisa      Warlord Schweiz   Lisa, „Die Kriegerin“, eroberte 5 Provinzen hinzu.
19. Benjamin      Spielleiter      Benjamin „Der Neutrale“, Erfinder der Nieten
20. Matthias       See-Schiedsrichter   Matthias „Der Antreiber“, Erfinder der Nieten[/size][/size][/size]
« Letzte Änderung: 03. Juli 2021 - 09:44:50 von Franz »
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Ich habe etwas Lächerliches über die Menschen herausgefunden. Sie sind bereit, für Orden und bunte Bänder zu sterben.

von Napoleon