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Autor Thema: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt  (Gelesen 6327 mal)

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Franz

  • Leinwandweber
  • **
  • Beiträge: 243
    • 0
Re: Tabletop - Strategie - Spiel im Dezember in Glückstadt
« Antwort #30 am: 30. Juni 2020 - 18:35:30 »

Gefechtsbericht Risikospiel 2019
Frankreich
 
Vorwort/Einleitung:
Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass
man von mir unmöglich einen anständigen, den Normen entsprechenden
Bericht über die Geschehnisse der Tage vor dem Jahreswechsel 2019/20
erwarten kann. Diese Geschehnisse- aus meiner Sicht des Neulings- waren
geprägt durch viele verschiedene Erkenntnisse, die doch so sehr
überraschend für mich waren, dass ich zuweilen etwas ratlos dastand. Uff! 
Nicht leicht von Frieden auf Krieg umzuschalten, trotz des Wissens, sich
freiwillig gemeldet zu haben.
Nun denn, wat mutt dat mutt und lever duad as slav!
So zog ich in die Weltenschlacht, ohne wirklich zu wissen, worauf ich mich
einließ…
 
******
Pro Forma:
Um dem geneigten Leser nicht allzu sehr in Verwirrung zu bringen, gehe ich
hier an dieser Stelle kurz auf die Form meines Berichtes ein….
Natürlich schreibe ich nachfolgende Zeilen in der Ich-Form und 
schicke sie per Kurier an meinen imaginären Generalstab, genannt Abtl. B.
Dort sitzt ein Vertrauter:
Oberst Hyazinth Graf von Horrorwitz mit dessen Tochter Walkyria, mit welcher
ich liiert und seit der Kindheit versprochen bin.
Daher die große Vertrautheit zwischen uns, was auch dazu führt, dass das
nachfolgende unbedingt privat, persönlich und vertraulich behandelt werden
muss.
Der etwaige Leser sollte dies beachten.
Der Graf wird aus meinen Bericht die richtigen Schlüsse ziehen und
dementsprechend dem großen Generalstab Vorschläge machen.
So sehet ihr Gegner, Widersacher und Feinde:
 Beim ersten Male tut es vielleicht noch weh! 
 Beim zweiten Male weiß ich wie ich es dreh!
„Frei nach den Truchseßen von Pappenheimer.“

Brief 1:
* Ende Dezember…Die Konferenz somewhere in the Harbour of
Glückstadt*
auch „Happytown“ genannt, ich korrigiere „Luckytown“:
Die naiven Glückstädter wissen nicht, dass *Happy* aus dem
englischen „fröhlich“ heißt, *Lucky* hingegen „glücklich“.
 
Ein nasskalter Tag……..
Nach einer unerfreulichen Nacht im kühlen, regnerischen Elveshörn im 
Pferdewechselquartier „Drei Kronen“ am Flamenweg machten wir uns bei
Anbruch der Nacht mit den letzten Sonnenstrahl, der düster zwischen den 
tiefhängenden Wolken hervorbrach, auf den beschwerlichen Weg nach der
am Elbufer gelegene Elbmetropole Glückstadt. Durch die nassen Marschen
verlief der Weg und oftmals blieben wir stecken und man fragte sich, wie es
sein konnte, dass ausgerechnet hier einer der größten Weltkonferenzen
stattfinden sollte.
Naja, der Name der Stadt verhieß wenigstens Gutes…(für uns natürlich!).
 
Modriger Schlickgeruch durchtränkt mit stinkendem Heringsgeruch, kalter 
Westwind salzdurchtränkt, empfing uns auf einer mit Katzenköpfen übel
gepflasterten Hafenstraße deren Verlauf sich bis zur Elbe hinzog.
Eine einsame Laterne erleuchtete die bizarre nebulöse Szene, schemenhaft,
sahen wir Gestalten auf uns zukommen. Zunächst unsicher, verhielten wir uns
abwartend, doch dann erkannten wir, dass dies wohl die anderen
diplomatischen Delegationen sein müssen.
Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass fast alle pünktlich waren.
Wow, die erste Überraschung scheinbar gibt es noch Disziplin auch in
anderen Nationen. (Gut oder schlecht für uns?)
 
Erste Kontakte bei der Begrüßung von der Tür verliefen recht
zufriedenstellend. Offensichtlich war aber, dass wir als Neulinge in einen
Klüngel von alten Bekannten getreten waren. Von den Einen fast
überschwänglich- von Anderen höflich distanziert,
abschätzend begrüßt, begaben wir uns in eine Hafenkneipe oder soll ich
sagen, eine Spelunke.
Dem Anlass gebührend schien mir diese Örtlichkeit zunächst nicht
angemessen. Stelle sich vor, die schweren Mäntel wurden einem nicht
abgenommen, wir müssten uns selbst entsprechende Kleiderhaken suchen!
Ein Platz wurde uns nicht zugewiesen und keine persönliche
Delegationsbedienstete wurde uns zugeteilt.
So ein Barbarenland!

Aber ich muss vorwegnehmen, dass schlussendlich diese Lokalität gelobt
werden muss, denn nachdem der Koch und seine - verzeih mir - hübschen
Kellnerinnen uns zufriedenstellen bedient haben, und bei Zahlung der
Rechnung keine Unregelmäßigkeiten auftraten, waren wir doch recht
glücklich.
Wie selbstverständlich nahm der Vorsitz am Kopfende des langen
Tisches Platz (wir hätten uns dort auch sehr wohlgefühlt, ebenso wie zu
Hause, aber auch gewiss doch auch um die Wichtigkeit unserer Nation
klarzustellen).
Nun, die beiden Vorsitzenden waren Leutnant Baron von der Deichenreihe zu
Stroh und Wasser und Kapitän des Seebundes Ralle von der Wehr, genannt
der 76 er.
Unzweifelhaft ein Marinefachmann von höheren Gnaden, während Baron von
der Deichreihe dem in infanteristischen Sinne in nichts nachstand.
Mir schien, als ob diese beiden Moderatoren für die folgenden Verhandlungen
bestens geeignet waren.
Ganz anders verhielt es sich jedoch mit den anderen Teilnehmern.
Ein buntes Gemisch aus Gentleman und die, die es noch werden wollen,
Desperados aus den Hafenvierteln, Emporkömmlinge - nach unten tretende
und nach oben buckelnde - und andere, mir aus unbekannten Gründen,
teilnehmenden Gestalten.
Gewiss doch, ein spannender Abend lag vor uns…….
Wie vorher abgemacht, erfolgte die Aufteilung der Welt mittels einer
Verlosung, die wie ich meine, keinen Anlass zur Kritik hervorrufen konnte und
auch sonst mit gespielten, oberflächlichen Gleichmut aufgenommen wurde.
Ich selbst war überrascht, dass uns das Königreich Frankreich „anvertraut“
wurde mit all dessen Ruhm und Glorie, der vielen Verpflichtungen, verbunden
mit seiner Stärke, inmitten einer schwierigen strategischen Position.
Meine Gedanken waren erfüllt von einer klassischen französischen
Seestrategie, nämlich einerseits im Mittelmeer glaubhaft vertreten zu sein und
andererseits im Atlantik inklusive des Ärmelkanals präsent, wenn nicht
dominant zu sein.
Was die Heerestruppen anging, war der Drang nach Osten stets ein wichtiges
Sicherheitsbedürfnis für unsere große Nation.
Der Rhein, als Bollwerk gegen die barbarischen Teutonen, diesmal in Gestalt
der Preußen schien uns ausbaufähig und verteidigungswert.
Leider lebte links des Rheins, seit der Frankenzeit eine deutsche Bevölkerung,
beziehungsweise mit den Flamen, Holländern und Niederländern ein
verwandtes Volk, deren dauerhafte Unterwerfung sich als schwierig erweisen
würde.
Die sogenannten spanischen Niederlande (eine sehr wertvolle Provinz) war
eine Exklave Spaniens, umringt von Frankreich und Preußen.
Spanien selbst, war durch die starken Verluste der Kolonialgebiete und einer
ausgesprochenen Misswirtschaft, ausgelöst von der Arroganz und auf den
eigenen Vorteil bedachten herrschende Aristokratie, nicht so stark wie unser
blühendes Land der Lilien. Die Grenze verläuft auf den Hauptkamm der
Pyrenäen und ist somit leicht zu verteidigen.
Das sollte man zumindest meinen, wenn man, wie ich jetzt weiß, die Karten
besser studiert hätte.

Ja, Ja ich nehme es vorweg:
 
Die Grenzziehung der Karte ist extrem unvorteilhaft für Frankreich, denn die
Grenze verläuft nicht wie vermutet auf dem Bergkamm, sondern in der
Tiefebene genau davor! 
Hätt‘ ich doch meine Augengläser dabei gehabt!
Wie auch immer, Spanien selbst sollte, zunächst kein Ziel irgendwelcher
Okkupation sein.
Interessanter schien doch ein Bündnis zum gemeinsamen Vorgehen mit
Preußen gegen die Exklave der spanischen Niederlande zu sein.
Schnell gemacht, anschließend schön aufgeteilt und fertig ist der Lack.
Schöner Plan….
Aber leider ohne Wirt oder sollte ich sagen ohne die Wirte?
Doch was wäre, wenn er schon Pläne hätte, Frankreich anzugreifen?
Fragen über Fragen, doch Antworten gab es keine.
Ein vorletztes Wort noch zu den anderen Anrainerstaaten…
Kurzum, Italien ein schwächeres Land, war durch die Mittelmeeralpen deutlich
im Nachteil, wenn es wagte uns anzugreifen. Für uns galt dasselbe.
Also vernachlässigbar. Erstmal! 
Die Schweiz, ebenfalls an unsere Grenzen liegend wurde von irgendeiner
ominösen Eidgenossenschaft geführt und noch potenziell keine Gefahr.
England hingegen, war interessant!
Die Insel der Engländer war seit dem Mittelalter nicht mehr erobert worden
und schien für unsere glorreiche Nation ein lohnendes Ziel zu sein, zumal es,
getrennt durch eine besser Flussbreite direkt an unseren Grenzen lag.
Von den wirtschaftlichen Aspekten mal abgesehen war das die Gelegenheit
unseren Ruhm zu mehren und unsterblich in die Geschichte einzugehen….
Ist eine 2 Fronten Strategie für Frankreich das richtige?
Von Clausewitz sagt: „Wer alles verteidigen will, verteidigt nichts.“
Und dennoch muss ich unsere Streitkräfte diversifizieren, um allen möglichen
Gegnern an unseren Grenzen Einhalt zu gebieten. Eben durch Abschreckung!
Nichtsdestotrotz ist es wichtig, eigene Offensivpläne zu schmieden, denn 
Angriff ist die beste Verteidigung,
selbst wenn man so pazifistisch und philanthropisch ist, wie wir Franzosen von
den drei Lilien Frankreichs.
Also was tun? Wer wird Freund, wer wird Feind, hmm….?
 
  -------------------------
 
Ich möchte am Ende des ersten Briefes noch kurz auf die Ergebnisse nach
der Wahl eingehen. Das scheint mir sehr erwähnenswert, denn ich habe mit
Entsetzen festgestellt, dass ich als neu ernannter Franzosenkönig von
potenziellen Freunden und Feinden nur so umgarnt und derart hofiert wurde,
dass ich mich vorerst setzten musste und mich den köstlichen dänischen
Cerveza hingab.
 
Die mit edlen, lieblichen, freundschaftlichen Worten gespickten Avancen meiner Person und dem Königreich gegenüber, waren den nur auf den eigenen
Vorteil bedachten Parteien überhaupt nicht peinlich.
Ungeniert „beriet“ mich der König von Spanien doch sofort ein Bündnis mit ihm
einzugehen, so dass jeder dann freie Hand hätte. Und außerdem könne man
diesem oder jenem Herrscher nicht vertrauen, er sei eine gute Wahl.
Das ging aber schnell!
Für mich klang das gar nicht so schlecht. Trotzdem verbat ich mir aus
Unwissenheit oder Überraschung solch überfallartige Angebote.
Andere Angebote indes gab es reichlich, aber ich konzentrierte mich auf
meinen strategischen Generalplan und versuchte Kontakte zu Preußen und
Schweden aufzunehmen, die mich bis dahin ignoriert hatten. (Warum wohl?)
 
Da ich im Laufe des Abends schnell dazulernte, sah ich mir den
Schwedenkönig an und bemerkte gleich, dass er äußerst beschäftigt mit den
Erzählungen seiner vergangenen Schlachten und Siegen war.
Ganz offensichtlich hatte der König viele Bekannte und Kameraden, die eher
alten Zeiten frönten, als sich allzu sehr um die anstehenden Aufgaben zu
kümmern.  Sehr sympathisch…Gut für uns!
Es gelang mir nicht Kontakt aufzunehmen. Ich hätte gerne seine Flotte an
meiner Seite gehabt…gegen England! Vielleicht später, wer weiß?
 
Aber es gelang mir bei der Verabschiedung zwischen Tür und Angel den
Preußenkönig zu sprechen. Ein recht junger König mit seiner hübschen
Königin hatte es wohl recht eilig und schien nicht recht gewillt zu sein, mit mir
zu sprechen.
Doch die Höflichkeit gebot ihm kurz innezuhalten und mich anzuhören.
Daraus ergab sich der Anfang eines Bündnisses, das sich durch den
gesamten Zeitraum des Krieges hindurch zog, was eigentlich gar nicht
beabsichtigt war. Und wie wir später sehen werden, recht einseitig war.
Ich appellierte an die mögliche Freundschaft zwischen Frankreich und
Preußen, ganz im Sinne eines zukünftigen De Gaulles und Adenauers.
Außerdem betonte ich, dass ich zwar nun König von Frankreich sei, aber
dennoch als gebürtiger Preuße nicht gedenke, gegen mein Heimatland
vorzugehen.
Es sei doch viel besser den Status Quo beizubehalten und später über
etwaige Unternehmungen zu sprechen. Oder auch nicht! Dann gäbe es wohl
Krieg am Rhein. Angesichts der vorläufigen Lage dachte er wohl, dass meine
Vorschläge oder auch Drohungen, einer Überlegung wert waren.
So konnte ich zumindest einen kleinen diplomatischen Erfolg erzielen.
Nun bezog unsere Delegation Quartier in den heiligen Hallen und man wartete
auf den nächsten Morgen, eingedenk was nun kommen würde.
1.  Ich wollte nach England, am besten mit den Schweden.
2.  Dazu mit den Preußen gegen die Niederlande.
3.  Die Südwestgrenze nach Spanien hin stark sicher und einen etwaigen
Angriff aus den Pyrenäen mit Offensivtruppen aus der Hinterhand parieren.
4.  Frieden am Rhein.
5.  Italien und die Schweiz abschrecken.
6.  Eine recht überschaubare Dominanz im nördlichen Mittelmeer (Korsika!)
Gespeichert









Ich habe etwas Lächerliches über die Menschen herausgefunden. Sie sind bereit, für Orden und bunte Bänder zu sterben.

von Napoleon