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Autor Thema: Go West! at the Movies  (Gelesen 4192 mal)

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D.J.

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #15 am: 11. Januar 2019 - 06:23:26 »

F├╝r alle, die jetzt einen Beitrag ├╝ber Grouch, Harpo, Beppo & Chico erwarten - reingefallen!

 ;D ;D
Klasse Thread, dem ich ab jetzt folge :D
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Pappenheimer

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #16 am: 11. Januar 2019 - 14:01:31 »

 "Il mio nome ├Ę Nessuno" ("Mein Name ist Nobody").
Italien 1973
Regie: Valerii/Leone
Darsteller: Henry Fonda, Terence Hill, Jean Martin

Wohl einer der seltsamsten Western, die es gibt. Sergio Leone hatte die Idee dazu. Offiziell wird er im Vorspann nicht als Regisseur genannt, soll aber als er davon Wind bekam, dass Valerii eventuell den besten Western aller Zeiten schuf, angereist sein um Valerii die Tour zu vermiesen. Daher wurden einige alberne Szenen eingeschoben, die recht fehl am Platz wirken wie die ├╝berlange Schl├Ągerei auf dem Rummelplatz etwa in der Mitte des Films. Leone hat entsprechend Fotos aber auch bei der gro├čartigen Szene des Showdowns in New Orleans im Regiestuhl gesessen. Au├čerdem soll er laut Hill von Fonda den Tipp bekommen haben, einfach Hill die Regie zu ├╝berlassen (was Hill dann sp├Ąter zu der irrigen Meinung verleitete, er k├Ânne als Regisseur arbeiten  :-X ). Fonda war ├╝ber das Endergebnis so ver├Ąrgert, dass er sich den Film nie mehr anschaute. Er hat dann auch nicht mehr mit Leone zusammen gearbeitet.

Handlung: 1899. Jack Beauregard will nach Europa auswandern, denn es h├Ąlt ihn nichts mehr im Westen. Doch es fehlt ihm das Geld f├╝r die ├ťberfahrt. Auf einer Odysee begegnet ihm Nobody (der Witz kommt in der Deutschen Fassung wenig r├╝ber), der nochmal Beauregard in Action sehen will, denn er ist ein Fan des Revolvermannes. Aber ihm kommt auch Sullivan in die Quere, der Beauregard vorsichtshalber durch die Wilde Horde umlegen lassen m├Âchte, da Sullivan von Beauregard f├╝rchtet, dass er sich f├╝r den Mord an Beauregards zwielichtigen Bruder r├Ąchen wird. Daher pflastern bald Leichen Beauregards Weg. Denn die Wilde Horde ist hinter ihm her, noch mehr seit Beauregard den Unterschlupf der Bande gefunden und deren Geheimnis aufgesp├╝rt hat. Beauregard will nicht k├Ąmpfen, doch er muss es. Denn Nobody schnappt der Bande einen gewaltigen von Soldaten bewachten Goldtransport weg, den sie ├╝berfallen wollte. Nach einem der gr├Â├čten Gefechte des Italo-Western in epischem Stil geht es Nobody nur noch darum f├╝r Beauregard einen stilvollen Abgang zu schaffen - Jack Beauregard muss sterben, ist ja klar!

Die Handlung ist eigentlich vom Grundger├╝st genial. Das Schauspielerduo Fonda/Hill auch. ├ťbrigens einer der seltenen F├Ąlle, wo Hill mal mehr schauspielern darf. Die Settings sind berauschend. Die Kost├╝me und Ausstattung regelrecht atemberaubend. Man merkt dabei Leones eigene Entwicklung, weg vom US-Vorbild hin zu mehr und mehr authentischem Gewand der K├Ąmpfer. So tragen Gute wie B├Âse einfach mal richtige Kleidung, Beauregard z.B. in regelrecht kultiger Kluft, oft auch in typischem 1890er Sakko. Auch die ganz kurz eingeblendeten Soldaten wirken top.
Der Film hat so unendlich viele Motive, dass man damit B├Ąnde f├╝llen k├Ânnte und obwohl er auch von Leone sabotiert wurde, ist er bis heute eines seiner Meisterwerke. Es gibt einfach alles, was ein Western braucht: Saloon, Barbier, Eisenbahn, Miene, ja sogar mal kurz Indianer. Der Schurke ist herrlich schurkisch und gro├čartig besetzt. Das Hauptmanko liegt in den widerspr├╝chlichen Slapsticknummern an 2-3 Stellen des Films, die durch die Schnodder-Synchro auf Deutsch noch verst├Ąrkt werden.
Themen: Der Ende des Westens.
Die Abl├Âsung der Generationen auf mindestens 3 Ebenen: Alter US-Western (wof├╝r Fonda steht) durch Italowestern (dass der kurz darauf auch verschwindet, konnte man nicht ahnen)
Alter Held durch jungen, der dann auch schneller und besser schie├čt.
Ernsthafter (Italo- und US-)Western (Fonda) gegen Spa├čwestern der Trinity-Generation(Hill)
Die moderne Technik (Telegraphen als Handy von um 1900).
Die Erschlie├čung des Westens (fr├╝her war der Westen unendlich weit und man traf nie jemanden zweimal...)
Geld regiert die Welt (typisches sozialkritisches Thema) - mal will Sullivan den Nobody, mal sogar Jack Beauregard kaufen und Beauregard hat eigentlich auch nichts dagegen
...
Letztlich ist der Film auch eine Abrechnung Leones mit Packinpah dessen Wild Bunch er nicht nur niedermetzeln l├Ąsst, sondern der hier sogar als Leiche auf dem Indianerfriedhof liegt. Typisch Intellektuelle, gekr├Ąnkt bis aufs Blut nur weil Packinpah nicht mit Leone zusammenarbeiten wollte! Wie sollte das auch gut gehen? Zwei Genies und obendrein zwei Perfektionisten an einem Set? Never!

Darsteller: ****
Bilder *****
Story ****
Sound *****

Anmerkung: bei Streifen mit Ennio Morricone als Komponist muss Sound/Musik mit rein, denn die macht laut Leone ja 1/3 des Films aus.
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Poliorketes

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #17 am: 11. Januar 2019 - 22:15:47 »

Thumps up!
auf Bewertung der Musik habe ich bewu├čt verzichtet, das w├╝rde den Text noch l├Ąnger machen. Dimitri Tiomkin, Elmer Bernstein, Alfred Newman, Ennio Morricone...

Vera Cruz
USA 1954, Farbe
Regie: Robert Aldrich
Darsteller: Gary Cooper, Burt Lancaster, Denise Darcel, Sara Montiel, Cesar Romero, Ernest Borgnine, Jack Elam, Charles Buchinski

Robert Aldrich, das schwarze Schaf eines mit den Rockefellers verschw├Ągerten reichen Ostk├╝sten-Clans, war noch am Anfang einer Karriere, die einige der besten Filme der 50er und 60er hervorbringen sollte: Krimis (Rattennest), Kriegsfilme (Ardennen 1944, Das dreckige Dutzend), Abenteuerfilme (Der Flug des Phoenix) und Psychothriller (Was geschah wirklich mit Baby Jane?). Gary Cooper konnte zu Ende seiner Karriere noch einmal seine ganze Klasse zeigen und lieferte sich ein gro├čartiges Leinwandduell mit Burt Lancaster, der als Co-Produzent auf dem H├Âhepunkt seiner Karriere war. Aber auch die Nebenrollen brauchten sich nicht zu verstecken. Denise Darcel ist Westernfreunden aus Karawane der Frauen bekannt, Sara Montiel ist in Spanien eine Legende, die Almodovars Transvestit Zahara in La mala Educacion inspirierte. Cesar Romero gab sp├Ąter den Joker in der Batman-TV-Serie mit Adam West. Ernest Borgnine und Jack Elam geh├Âren zu den bekanntesten Western-Nebendarstellern, und Charles Buchinski wurde als Charles Bronson zum Actionstar.

Die Handlung: Nach dem B├╝rgerkrieg zog es amerikanische Gl├╝cksritter nach Mexiko, wo die Guerilla des rechtm├Ą├čigen Pr├Ąsidenten Juarez gegen den von franz├Âsischen Invasoren und Gro├čgrundbesitzern gest├╝tzten Kaiser Maximilian (Bruder von Kaiser Franz Joseph) k├Ąmpfen. Der ehemalige Adjutant von Robert E. Lee, der desillusionierte Ben Trane (Cooper), ger├Ąt an die Truppe des Outlaws Joe Erin (Lancaster), der ihm zuerst ein gestohlenes Pferd verkauft und ihn dann ausrauben will. Trane beh├Ąlt die Oberhand, was Joe Erin imponiert, er macht ihn zum Partner. Ein franz├Âsischer Marquis (Romero) heuert beide an, f├╝r Kaiser Maximilian einen gut bezahlten Auftrag anzunehmen. Bei einem Empfang im Kaiserpalast, den die Outlaws aufmischen, wird ihnen eine Gr├Ąfin vorgestellt (Denise Darcel), die mit Romero liiert ist und von der Truppe und einer Ulaneneskorte f├╝r 50.000 $ zum Hafen Vera Cruz gebracht werden soll. Schnell stellt sich heraus, da├č ihre Kutsche 3 Mio in Gold transportiert, mit dem Maximilian in Europa Truppen anwerben will. Cooper und Lancaster wollen sich das Geld unter den Nagel reissen, und erhalten in der Gr├Ąfin eine unerwartete Komplizin, die schon ein Schiff f├╝r die Flucht nach Europa besorgt hat. Aber auch die Juaristas sind mit ihrer schlecht ausger├╝steten Armee hinter dem Gold her, und eine junge Diebin (Montiel), die Cooper sch├Âne Augen macht, sorgt f├╝r Unruhe unter den Outlaws - und entpuppt sich als Spionin der Juaristas. W├Ąhrend Cooper, Lancaster und Darcel versuchen, sich gegenseitig auszubooten, hat der Marquis das Spiel l├Ąngst durchschaut und das Gold umgeladen und nach Vera Cruz gebracht, wo die Gr├Ąfin exekutiert werden soll. Die Outlaws als unfreiwillige K├Âder werden von den Juaristas umstellt, aber Cooper macht einen Deal. Die Bande hilft f├╝r eine hohe Belohnung beim Sturm auf Vera Cruz, der unter hohen Verlusten gelingt. Lancaster entlockt der Gr├Ąfin den Landeplatz des Schiffes, erschie├čt seinen letzten noch lebenden Kumpan und will mit dem Planwagen voll Gold verschwinden. Aber Gary Cooper hat seine Ideale wiederentdeckt und es kommt zum Showdown. Burt Lancaster stirbt mit einem letzten breiten Grinsen.

Einer meiner absoluten Lieblingswestern. F├╝r Aldrich ungew├Âhnlich fehlt es bei diesem bunten Abenteuer an gesellschaftskritischem Tiefgang, aber das w├╝rde wohl nur den Spa├č verderben. Burt Lancaster in schwarzem Leder und mit breitestem Zahnpastal├Ącheln wirbelt als gewissenloser Gl├╝cksritter durch den Film, w├Ąhrend Gary Cooper den ruhigen Gegenpol bildet und sich die ganze Zeit vormachen will, das Ideale f├╝r Verlierer sind und er ein Gewinner sein will. Denise Darcel gibt eine phantastische Femme Fatale, die jeden ihrer Gef├Ąhrten betr├╝gen und sogar umbringen lassen w├╝rde, um an das Gold zu kommen - und dann trotzdem von Lancaster betrogen wird. Sara Montiel umgarnt und betr├╝gt Cooper genauso wie Darcel Lancaster und Romero, aber ohne Bosheit und mit der Andeutung einer gemeinsamen Zukunft. Die beste Rolle hat Romero. Sein angesichts der r├╝pelhaften amerikanischen Cretins und betr├╝gerischer Sch├Ânheiten immer joviales Wesen verdeckt seine Loyalit├Ąt zu Maximilian und seinen gerissenen Plan. Obwohl von Anfang an klar ist, da├č er f├╝r seinen Kaiser stirbt (was er dann recht unspektakul├Ąr auch tut), beh├Ąlt er gegen alle Gaunereien die Oberhand und wird nur durch den aufopferungsvollen Kampf der Juaristas geschlagen.

Robert Aldrich holt aus seinen Darstellern das Beste heraus und es gelingt ihm, Architektur (z.B. die Sonnenpyramide von Teotihuacan) und Massenszenen (hier vor allem immer wieder die schweigenden, wei├čgekleideten Juaristas, die in einer langen Reihe zum Angriff bereitstehen) wirkungsvoll in Szene zu setzen. Allerdings kommt die Landschaft zu kurz, was aber am dunstigen Wetter gelegen haben kann. Gedreht wurde in Mexiko und nur wenig im Studio.

Darsteller: *****
Bilder: ****
Story: ****

Joe Hembus gibt 2 Sterne und nennt Cooper und Lancaster ÔÇ×zwei gro├če, virile Gringos in einem Land der kleinen Kost├╝mheldenÔÇť, womit er auf das Klischee der ├ťberlegenheit des US-Amerikaners gegen├╝ber dem Mexikaner zielt.
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Beim Aussteigen stolpert man schon mal ├╝ber das Dach des nebenan geparkten Autos. Von Parkh├Ąusern reden wir hier lieber nicht. Sagen wir, der Wendekreis ist gro├č. (Aus einem Test des Ford Ranger)

Pappenheimer

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #18 am: 14. Januar 2019 - 11:29:26 »

Tolles Review.
Jack Elam und Ernest Borgine sind eh zwei meiner Lieblingsschauspieler des Genres.
Aber ich mag auch sehr gerne Nebendarsteller, die mir manchmal lieber sind als Hauptdarsteller.
Kinski z.B. mag ich als Nebendarsteller wie in "F├╝r ein paar Dollar mehr" viel lieber.
Charles Bronson sehe ich aber auch als einen der ber├╝hmtesten Westerndarsteller. Mit "Vera Cruz", "Die Gloreichen Sieben", "Spiel mir das Lied vom Tod" und "Chatos Land" hat er schon in vier echten Klassikern mitgemacht. Das hat kaum einer sonst zustande gebracht, auch wenn er als Held eben mal kein Sch├Ânling ist.
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khde

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #19 am: 14. Januar 2019 - 11:31:49 »

Bei Charles Bronson f├Ąllt mit sofort Nevada Pass ein, gute Verfilmung eines guten Authors.
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Hail, Hail, Freedonia, land of the brave and free.

They got guns, We got guns, All GodÔÇÖs chillun got guns!
IÔÇÖm gonna walk all over the battlefield, ÔÇśCause all GodÔÇÖs chillun got guns!

newood

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #20 am: 14. Januar 2019 - 15:17:51 »

Mir f├Ąllt da noch was ein

Wiegenlied vom Totschlag
... die Blutorgie von 1970 kennen m├Âglicherweise nur die ├älteren

Ich k├Ąmpfe niemals wieder
... ein eher kleiner Film, der ohne gro├če Aufmachung gelaufen ist, die Flucht der Nez-Perz zeigt und kaum bekannt sein d├╝rfte

Tombstone
... mit Kurt Russel, Sam Elliot und nat├╝rlich Val Kilmer

El Dorado
... allein schon wegen der Musik

Der letzte Zug nach Gun Hill
... wegen der Schauspieler Douglas und Quinn

Der mit dem Wolf tanzt
... die B├╝ffeljagd war doch der Hammer

Open Range
... glaubhafte Nummer, tolle Nummer und ideale Vorlage
f├╝r ein gutes ShootOut

mfg
newood
 
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Pappenheimer

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #21 am: 03. April 2019 - 11:19:45 »

Allerdings hat er schon fr├╝h in seiner Karriere mehrere Klassiker des Genres gedreht: Drums along the Mohawk / Trommeln am Mohawk ist trotz der stereotypen Indianer ein gelungener Fr├╝hwestern und ein Tip f├╝r alle FWI/AWI-Spieler, geradezu ikonisch ist er aber
Den h├Ątte ich so gern mal gesehen. Der lief vor ner Weile auf arte, aber ich konnte nur Ausschnitte in der Youtube-Mediathek finden. Trotz des deutlichen Zeitkolorits wirkte es schon sehr ├╝berzeugend, was nat├╝rlich vor allem an der Schauspielkunst von Henry Fonda und Claudette Colbert liegt. Claudette Colbert ist auch mal eine ungewohnte Besetzung, wo sonst in den fr├╝hen Western oftmals wahre Diven auftraten, die mithin den Salon in die H├╝tte brachten und eigentlich zu glamour├Âs f├╝r die Handlung schienen. Claudette Colbert wirkt eher wie ein M├Ądel vom Lande, einfach und die richtige Frau f├╝r einen Siedler, der auch mal hungrig heimkommt.

Ich habe entdeckt, dass es "Unconquered" (1947) auf YT gibt. Die Handlung liest sich zwar reichlich haneb├╝chen, aber Gary Cooper ist immer ein guter Anlass nen Western oder Abenteuerfilm anzuschauen.
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Pappenheimer

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #22 am: 08. Mai 2019 - 11:11:06 »

Erst in den letzten Tagen bin ich auf einen der gro├čartigsten Italowestern gesto├čen, die es gibt. Ein Meisterwerk.

"Qui├ęn sabe?"/"T├Âte Amigo"/"A bullet for the general"
I 1966
Regie: Damiano Damiani
Darsteller: Gian Maria Volont├ę, Lou Castel, Klaus Kinski, Martine Beswick, Aldo Sambrell

Handlung: Ein Amerikaner reist in einem Zug, der voller Soldaten ist. Dieser wird durch eine Sperre gestoppt. Der kommandierende Leutnant Pereda wei├č nicht was er tun soll. Sie sind in einem Hinterhalt gelandet, denn die Angreifer haben einen Vorgesetzten Peredas auf die Schienen gekettet. So verliert Pereda einen Mann nach dem anderen bis er selbst sein Leben einb├╝├čt. Der Amerikaner, der fortan El Ni├▒o genannt wird, tut so, als habe er den Angreifern um El Chuncho beim ├ťberfall geholfen und wird daher in dessen Bande aufgenommen. Gemeinsam ├╝berfallen sie fortan Forts der Regierungstruppen, wobei es ihnen weniger darum geht die Soldaten zu t├Âten als an die modernen Gewehre zu kommen, die El Chuncho an General Elias verkaufen will. Eine erste Wende tritt ein, als sie in San Miguel ein stattliches Maschinengewehr finden. Auch stellt sich hier heraus wieviel  El Ni├▒o nunmehr El Chuncho bedeutet, indem er f├╝r diesen eines seiner Bandenmitglieder ermordet. El Ni├▒o entf├╝hrt mit einem Teil der Bande das Maschinengewehr und weitere Gewehre, w├Ąhrend El Chuncho eigentlich mit seinem fanatischen Bruder El Santo die Kleinstadt gegen Regierungstruppen verteidigen will. Doch als El Chuncho entnervt ├╝ber die Unf├Ąhigkeit der Bauern ist aus ihnen K├Ąmpfer zu machen und obendrein bemerkt, dass das MG weg ist, verspricht er El Santo das MG zur├╝ck zu holen. Er trifft auf die Bande, schlie├čt sich ihr aber dann doch an. An einem Treffpunkt mit dem Abgesandten von General Elias werden sie von Regierungstruppen attackiert. Zwar k├Ânnen diese dank des MG allesamt niedergem├Ąht werden, aber die Bande verliert auch schlie├člich alle Leute bis auf den Amerikaner und El Chuncho, die nun zu General Elias weiter ziehen. Hier verkauft El Chuncho die Gewehre f├╝r 5.000 Pesos an den General, wird aber auch von diesem damit konfrontiert, dass er daran schuld ist, dass San Miguel von Regierungssoldaten ausradiert wurde. El Ni├▒o zeigt endlich sein wahres Gesicht...

Dieser Film ist vorab bemerkt eine herrliche Vorlage f├╝r Skirmish-Games f├╝r Wargamer, v.a. wenn man nat├╝rlich den Zeitschnitt gut findet. Es gibt zahlreiches Rumgeballer, Angriffe auf Forts und Schie├čereien auf offenem Gel├Ąnde. Die Zeitstellung ist nach 1914. Die Hotchkiss M1914 soll ganz neu sein und die Truppen der Regierung verf├╝gen noch nicht ├╝ber gepanzerte Fahrzeuge wie dann in "Todesmelodie" (Leone).
Es macht einfach Spa├č so einer tollen Besetzung zuzuschauen. Volont├ę war wohl einer der besten Italowestern-Darsteller und Kinski ist hier auch in seinem Element als irrer Bruder des Bandenf├╝hrers - womit zwei Facetten von Irrsinn nebeneinander gestellt sind. Sambrell hat eher sowas wie einen Cameoauftritt und da er gew├Âhnlich Halsabschneider darstellte (Navajo-Joe, Spiel mir das Lied vom Tod) erstaunt vielleicht seine Rolle als Leutnant - aber hervorragend gespielt. Auch Lou Castel als abgefeimter Ami, der gewissenlos wie auch berechnend vorgeht, ist einfach gro├čartig eingesetzt.
Das ganze Drehbuch wie auch Kamera und Regie ergeben einen Augenschmaus, untermalt von dem unverkennbaren, aber hier deutlich zur├╝ckhaltenderen Score von Morricone.
Der Aufwand an Drehorten, Komparsen und Ausstattung bis hin zu Eisenbahnen ist einfach berauschend und ich fragte mich woher wohl die Kohle damals kam. Leone hat in seinen fr├╝hen Filmen deutlich begrenzter auffahren k├Ânnen.
F├╝r Fans des Genres ein Muss. Habs auf Englisch auf YT gestern angeschaut.

Darsteller: *****
Bilder: ****
Story: *****
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Pappenheimer

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #23 am: 08. Mai 2019 - 12:10:32 »

Genug der Vorrede, hier sind meine pers├Ânlchen Top Ten der ultimativen Western-Stars:
Schwierig, schwierig.

1 Henry Fonda (Spiel mir das Lied vom Tod)
2 Eli Wallach (Ace High, Zwei glorreiche Halunken)
3 Gary Cooper (12 Uhr Mittags)
4 Gian Maria Volont├ę (F├╝r ein paar Dollar mehr, T├Âte Amigo)
5 Aldo Sambrell (Navajo Joe, Spiel mir das Lied vom Tod)
6 Frank Wolff (Leichen pflastern seinen Weg, Spiel mir das Lied vom Tod, Gott vergibt ... Django nie!)
7 Klaus Kinski (Leichen pflastern seinen Weg, F├╝r ein paar Dollar mehr)
8 Lee van Cleef (F├╝r ein paar Dollar mehr, Zwei glorreiche Halunken)
9 Jack Elam (Spiel mir das Lied vom Tod)
10 Clint Eastwood (F├╝r eine Handvoll Dollar, Erbarmungslos)

Ich mag halt eher den Italowestern. Aber da wurde auch massig Schrott produziert, der mit den Meisterwerken maximal den Grad an Gewalt und die Menge an Leichen gemeinsam hat.
Manche haben auch in beiden Genres gearbeitet und obendrein hatte der US-Western vielleicht dann auch Z├╝ge der erfolgreichen italienischen Regisseure ├╝bernommen(?).
Es gibt ja auch immer wieder erfolglose US-Schauspieler, die dann ├╝ber den Italowestern pl├Âtzlich re├╝ssierten, bzw. erfolgreiche Hollywoodgr├Â├čen, die dann mit Ende 40 schon in den USA abgeschrieben waren und in Europa eine gro├če zweite Karriere hinlegten. Eli Wallach f├Ąllt mir da auf Anhieb ein, Fonda vielleicht auch.
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Pappenheimer

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #24 am: 29. M├Ąrz 2021 - 16:25:56 »

Die Meinungen ├╝ber diesen Streifen gehen ziemlich auseinander. An Brutalit├Ąt nimmt er sich mit den ├╝blichen Italo-Western nichts, ebenso an Anachronismen (siehe unten).

"California" / "Der Mann aus Virgina"
I 1977
Regie: Michele Lupo
Darsteller: Giuliano Gemma, Miguel Bos├ę, Chris Avram, Raimund Harmstorff

Handlung: In einem US-Gefangenenlager trifft ein Unbekannter (in der deutschen Synchronfassung sp├Ąter Viginia genannt), der sich anschlie├čend Michael Random nennt den geschw├Ątzigen Willy Preston. Preston h├Ąngt sich an den wortkargen Random wie eine Klette. Unterwegs begegnen sie den Kopfgeldj├Ągern rund um Rope Whittaker, welche S├╝dstaatenveteranen abknallen, wenn Steckbriefe auf sie ausgesetzt waren. Aus Versehen kommen beide an einen raches├╝chtigen Vater eines scheinbar im Krieg get├Âteten US-Soldaten, der in der Folge Willy hinterr├╝cks abknallen l├Ąsst. Obwohl er nie nach Georgia wollte, geht nun Random zu Willys Eltern um ihnen vom Tod ihres Sohnes zu berichten. Er wird in die Familie aufgenommen. Doch holt ihn zuf├Ąllig die Vergangenheit ein indem Whittakers Bande, mittlerweile von den Beh├Ârden gesucht, die Tochter der Prestons entf├╝hrt, um nicht vom Sheriff verhaftet zu werden. Random schleust sich mit M├╝he bei Whittaker ein und ger├Ąt damit auch zwischen die Fronten...

Die Handlung ist unglaublich komplex. Man w├╝rde normalerweise erwarten, dass Random von vornherein eine Mission hat. Dann denkt man, dass er sich Willys M├Ârder vorkn├Âpft. Doch dann geht der Film, der auch unheimlich ruhige Momente hat, wieder einen ganz anderen Weg. Im Grunde geht es sehr stark auch um den Hintergrund, einer Geschichte von Verlierern in Form der CS-Veteranen, die als abgerissene Typen durch die Lande ziehen, um von Leuten wie Whittaker umgelegt zu werden oder f├╝r einen Hungerlohn eine Anstellung suchen.
Abgesehen von den unpassenden Kost├╝men stimmt einfach fast nix. Willy soll vor dem B├╝rgerkrieg ein ultramodernes Repetiergewehr wie eine Winchester bekommen haben. Georgia sieht aus als w├Ąre es im Wilden Westen. Da passt einfach mal garnichts.
Dennoch hat der Film insbesondere in der Kameraarbeit ein erhebliches Potential und auch bei den Schie├čereien und Schl├Ągereien eine gewisse Qualit├Ąt. Interessant, dass sich tats├Ąchlich die Charaktere weiterentwickeln und selbst eine menschliche Facette am B├Âsewicht Whittaker - hervorragend gespielt von Raimund Harmstorff - kurz aufblitzt.

Darsteller: *****
Bilder: ****
Story: ****

F├╝r viele Westernfans insbesondere wegen des eigenwilligen 1970er Soundtracks und des immer wieder gleichen Motivs eher fordernd.
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Pappenheimer

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"In letzter Sekunde"
« Antwort #25 am: 23. April 2021 - 10:08:26 »

Derzeit steht noch in der Arte-Mediathek dieser Film, der zumindest von der Handlung her eher ein Western ist, auch wenn der Zeitrahmen eher fr├╝h gew├Ąhlt ist.

"The fighting Kentuckian" / "In letzter Sekunde"
USA 1949
Regie: George Waggner
Darsteller: John Wayne, Vera Ralston, Oliver Hardy, John Howard

Handlung: Nach den napoleonischen Kriegen haben sich zahlreiche Exilanten aus Frankreich in Alabama angesiedelt und halten ihre milit├Ąrische Tradition aufrecht. Der Soldat John Breen aus Kentucky verliebt sich in die Tochter eines franz├Âsischen Generals der Garde. Doch ist diese bereits mit dem reichen Randolph verlobt, dem ihre Eltern viel zu schulden meinen. Breen soll sich auf Gehei├č von Ann Logan als Landvermesser ausgeben, da sie behauptet den M├Ârdern ihres Geliebten auf der Spur zu sein, der selber Vermesser gewesen war. Damit geraten Breen und sein Gef├Ąhrte Willie Paine zwischen die Fronten der Fl├Â├čer unter George Hayden und den Franzosen, die ihm scheinbar nicht glauben, als Breen eine Verschw├Ârung beinahe aufgedeckt hat.

Der Film lebt von den sehr unterschiedlichen Charakteren: den stolzen Franzosen, dem zupackenden Vorzeigeamerikaner und den verschlagenen B├Âsewichten sowie obendrein 2-3 Figuren deren Absichten man nicht klar von Anfang an kennt. Obwohl damals als einer der positiveren Aspekte des Films gewertet, verstehe ich den gangen Sinn der Rolle von Oliver Hardy nicht. Er ist einfach neben John Wayne null Prozent witzig, wenn der ganze Witz ist, dass er nicht aufs Pferd kommt oder versehendlich seine Trompete zerdr├╝ckt. Das passt auch schlichtweg nicht in die ansonsten eher melancholische Stimmung des Films.
Doch die ziemlich komplexe Story wird weder am Ende befriedigend aufgel├Âst, noch ist sie irgendwie in sich schl├╝ssig. Wozu braucht Hayden die Franzosen? Wenn er sie massakrieren l├Ąsst, soll das niemandem auffallen? Wer steckt hinter der Bestellung Breens zum Landmesser?
Es ist nat├╝rlich absurd, dass 1819 die franz├Âsischen Soldaten noch allesamt ihre Uniformen haben sollen, die sie 1813 oder so ausgeliefert bekommen haben. Das Bonnet de Police gab es offenbar im Sonderangebot, da das dann auch wirklich jeder Franzose tr├Ągt und nur wenige auch zivile Kleidung zu haben scheinen. Der Rest der Kost├╝me erinnert eher an "Vom Winde verweht" statt an die sp├Ąten 1810er...

Darsteller: ***
Bilder: ***
Story: **

F├╝r viele Westernfans ist der Film vielleicht von daher interessant, um einfach einen Streifen aus der ├ära vor Rio Bravo u.Co. zu sehen aus John Waynes Schaffen, auch wenn er sich hier 1949 auch schon genauso als alter Haudegen geb├Ąrdet wie dann in den 50ern und 60ern.
« Letzte ├änderung: 23. April 2021 - 10:38:00 von Pappenheimer »
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Pappenheimer

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #26 am: 23. November 2021 - 11:25:59 »

Diesmal ein eher ungew├Âhnlicher Film, den ich aus Kindertagen kannte, man auf YT nur auf Italienisch oder in einer v├Âllig verhunzten Schnittfassung findet.

"Il bianco il giallo il nero" / "Stetson - Drei Halunken erster Klasse"
I 1975
Regie: Sergio Corbucci
Darsteller: Eli Wallach, Giuliano Gemma, Tomás Milián, Manuel de Blas

Handlung: Edward Gideon ist zum ├ärger seiner Frau ein Sheriff ohne Tadel. Nachdem er von Stetson, dem Schweizer, ausgeraubt wurde, trifft er diesen nach einem Zug├╝berfall wieder. Bei diesem ist ein Samurai und die meisten Begleiter des Zuges ermordet worden um ein kaiserliches Pony zu entf├╝hren. Der Sheriff soll nun 1.000.000 Dollar L├Âsegeld an die Apachen ├╝berbringen. Doch auch die zwielichten Gesellen, die von einem gerissenen Bankdirektor ihm hinterher geschickt werden, machen dem Sheriff die H├Âlle hei├č, der sich mit Sakura, dem Stallknecht des Samurais und Stetson auf seiner Odysee zum Adlerpass rumschlagen muss.

Dies war Sergio Corbuccis letzte Arbeit im Bereich des Italowesterns. Sp├Ąter hat er noch billiger gemachte Streifen gemacht. Als Kind fand ich schon den Film etwas ├╝berl├Ąngt. Es gibt durchaus witzige Einf├Ąlle wie diese Stadt in der alle Einwohner im Gef├Ąngnis eingesperrt sind oder auch dieser Mix aus Eastern und Western. Aber es gibt auch etliche Szenen im Katz- und Mausspiel von Gemma und Wallach, die man sich h├Ątte sparen k├Ânnen. Die Anachronismen (wie das Motorrad und sogar ein Auto) fand ich schon immer ulkig, tragen auch nicht wirklich zur Handlung was bei.
Was Spa├č macht an dem Film ist mit welcher Begeisterung die Gro├čen des Italowesterns hier nochmal aufspielten und das bei einem durchaus aufwendig gemachten Film, der alles bietet, was das Westernherz w├╝nscht: Sheriff, Appachen, Gangster, Zug├╝berfall, US-Kavallerie, leicht irre Ganoven, Bordelle usw.. Die Kameraarbeit ist dabei durchaus bisweilen vorz├╝glich, vor allem wenn man Jack den Schwarzen einfach mal am Anfang von seiner Ranch in die Steppe reiten sieht.
Die Dialoge k├Ânnten direkt aus den Spa├čwestern des Duos Spencer/Hill stammen und sorgen auch noch heute f├╝r Nostalgiker f├╝r eine launige Unterhaltung.
Die Br├╝der Angelis produzierten einen Soundtrack der Ohrw├╝rmer. Mal was anderes als Morricone, aber irgendwie passend f├╝r die Art von Westernkom├Âdie. Es gibt auf jeden Fall schlechtere Vertreter des Subgenres.

Darsteller: *****
Bilder ***
Story ***
Sound ****
« Letzte ├änderung: 25. November 2021 - 10:34:03 von Pappenheimer »
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Pappenheimer

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"Navajo Joe" (1966)
« Antwort #27 am: 25. November 2021 - 11:08:46 »

Passend zu meinem letzten vorgestellten Film ein weiteres Werk von Corbucci, welches sogar etliche Parallelen zum Film von 1975 aufweist.

"Navajo Joe"
I 1966
Regie: Sergio Corbucci
Darsteller: Burt Reynolds, Aldo Sambrell, Nicoletta Machiavelli, Fernando Rey

Handlung: Der Bandenf├╝hrer Duncan ist es gewohnt Indianer niederzumetzeln und daf├╝r ein Kopfgeld zu kassieren. Das Dorf von Navajo Joe wird auch heimgesucht und alle, auch seine Frau und die Kinder, bis auf ihn niedergemetzelt. Doch Duncan wird schockiert, als er erf├Ąhrt, dass es nicht mehr den gewohnten Lohn f├╝r seine Verbrechen gibt. Daher sinnt er auf eine neue Einnahmem├Âglichkeit. Er will einen Zug mit einer gro├čen Summe Geldes ├╝berfallen. Nach erfolgreichem Kampf gelingt es aber Navajo Joe den Zug mit dem Geld in die kleine Stadt Esperanza zu bringen. Nun beschlie├čt Duncan die Stadt anzugreifen. Navajo Joe findet in den verzagten B├╝rgern, die gegen├╝ber ihm sowieso Ressentiments haben, keine Unterst├╝tzung, schafft es aber nachdem er selbst aus den F├Ąngen der Banditen befreit wurde mit Duncans M├Ąnnern abzurechnen. Auf einem Friedhof seines Stammes kommt es zum Finale zwischen Duncan und Navajo Joe.

Bemerkenswerterweise hei├čt der "Indianerhasser" hier im Film genauso wie der in "Stetson - Drei Halunken erster Klasse" Duncan. Doch in diesem Film bekommt der B├Âsewicht einen noch tieferen Charakter indem der Zuschauer auch Duncans Beweggr├╝nde erf├Ąhrt. Er ist ein versto├čener, immer verhasster Mensch, der seit Kindesbeinen Ablehnung erfahren hat. Das gibt auch Aldo Sambrell endlich die Gelegenheit einmal in der Hauptrolle zu brillieren, w├Ąhrend Burt Reynolds als Navajo Joe eher blass bleibt. Wie in Corbuccis Filmen ├╝blich spielt eine Gesellschaftskritik der Verachtung f├╝r eine bestimmte Menschengruppe (arme Leute, Navajos Stamm, Mexikaner usw.) als Problem eine vordergr├╝ndige Rolle ohne dass die Action oder Spannung darunter zu sehr leiden w├╝rde. Mit Fernando Rey und Aldo Sambrell treten zwei immer wiederkehrende Darsteller des Genres auf.
Ennio Morricone liefert einen ins Mark ersch├╝tternden Score.

Darsteller: ****
Bilder ***
Story *****
Sound *****
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Riothamus

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Re: Go West! at the Movies
« Antwort #28 am: 25. November 2021 - 16:39:30 »

Das sind mal zwei punktgenaue Kritiken, die ich genau so unterschreiben kann.

Vielen Dank, dass du uns trotz manchem schlechtem Film unverzagt mit solchen Reviews versorgst.
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Gru├č

Riothamus

Pappenheimer

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Eine Faust geht nach Westen (1981)
« Antwort #29 am: 26. November 2021 - 12:03:22 »

Dies ist m.W. die letzte gelungene Westernkom├Âdie mit Bud Spencer. Woher der ph├Ąnomenale Soundtrack kam, konnte ich nicht rauskriegen bisher.

"Occhio alla penna" (Eine Faust geht nach Westen)
I, D 1981
Regie: Michele Lupo
Darsteller: Bud Spencer, Joe Bugner, Piero Trombetta, Carlo Reali, Sara Franchetti

Handlung: Die kleinen Gauner Buddy und "Adlerauge" schlagen sich durch den Wilden Westen, wobei scheinbar ├Âfter als einmal Buddy seinen Kumpan raushauen musste. Nachdem Buddy wieder einmal seinen Freund befreit hat, erbeutet dieser bei einem Zug├╝berfall versehentlich einen Arztkoffer. Dadurch halten fortan die Einwohner von Yucca den gro├čen Buddy f├╝r einen Arzt und laufen ihm die T├╝re ein. Buddy kann endlich ein Leben mit geregelten Mahlzeiten f├╝hren und alles w├Ąre gut, wenn da nicht die gro├če Bande w├Ąre, die st├Ąndig die Stadt ├╝berf├Ąllt, was viele B├╝rger zum Fortziehen bewegt. Doch Buddy bietet den Gesetzlosen die Stirn, w├Ąhrend Sheriff Bronson machtlos wirkt. Die Einwohner von Yucca kommen auch mit der Zeit dahinter, dass etwas mit dem Sheriff nicht stimmt. Dieser beschlie├čt zu handeln indem er die Stadt dem Erdboden gleichmachen will, w├Ąhrend die B├╝rger auf einer Feier beim kleinen Popsy sind. Doch der falsche Sheriff hat seine Rechnung ohne Buddy gemacht...

Die Handlung dieser Westernkom├Âdie ist verh├Ąltnism├Ą├čig interessant. Es gibt einmal keine aufrechten Gesetzesh├╝ter und Bud Spencer spielt wieder den Gauner, der ungewollt Gutes schafft. Der bekannte Boxer Joe Bugner spielt wieder wie in anderen Filmen Bud Spencers Gegenspieler, ist damit aber durchaus treffend besetzt ohne ein Schauspieler zu sein (was Bud Spencer ja auch nicht ist). Der Film ist in Relation zu anderen Kom├Âdien von Bud Spencer und Terence Hill obendrein recht aufwendig gedreht. W├Ąhrend es allerdings praktisch keine Spannung oder interessante Wendungen gibt, besticht der Film durch einen ├╝berragenden Soundtrack von Ennio Morricone, welcher den Streifen ├╝ber das Ma├č der ├╝blichen Filme des Genres hebt. Die Kamerafahrten fangen sch├Ân die Weite der Landschaft ein und die Regie von Michele Lupo (vgl. oben "Der Mann aus Virginia") ist routiniert. Die Ausstattung ist aber eher m├Ą├čig (das Innere des Saloons wirkt auf mich zu modern, sehr sch├Ân fand ich die Szene am Anfang mit dem Gefangenenwagen).

Darsteller: ***
Bilder ***
Story **
Sound *****
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