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Autor Thema: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen  (Gelesen 10283 mal)

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Pappenheimer

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Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #90 am: 24. April 2020 - 13:10:52 »

Übrigends habe ich die Piratenbraut damals gemocht. Für die Zeit (da waren Piratenfilme halt nicht in Mode) haben sie es ganz schön krachen lassen und ich denke so manches hat sich Fluch der Karibik da abgeschaut (Kutschenfahrt am Hafen). Schade das es so ein Mega Flop war. Hey und Frank Langella aka Skeletor, bloß nix gegen sagen  ;)
Da hast Du recht.
In den 1990ern war hinsichtlich Piratenfilmen ne Art Dürre.
Es gab diesen langweiligen Film mit Mario Adorf, der wie ne Aufwärmung der Low Budget Filme aus dem Italien der 1960er daher kam.
Ansonsten aber nix.
Vielleicht war den Filmleuten das Floppen von "Pirates" von Polanski ein mahnendes Beispiel es nicht nochmal zu versuchen.

Ich kenne die moderne "Pirates of the Caribean"/Fluch der Karibik-Reihe nur von Fotos her. Ich mag halt kein Fantasy. Aber man erkennt schon die Ähnlichkeit zur Piratenbraut, nur halt ohne starke weibliche Rolle.
Für mich ist "Fluch der Karibik" insgesamt aber weniger eine Wiederauflage des Piratengenres als eine andere Spielart des damals (wieder) in Mode kommenden aufwändigen Fantasyfilms.  Dass es nebenbei auch um Piraten geht, finde ich nicht sooo wichtig. Es gibt halt Gespenster (und nen gut aufgelegten, geschminkten Johnny Depp) und allerlei sonst abstruses, was den Film wohl zum Blockbuster machte.
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D.J.

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Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #91 am: 25. April 2020 - 07:39:42 »

;)
Vor allen Dingen Abstruses, was meine Frau und mich bei Teil 3 (oder war es 4?) aussteigen ließ, als es auf zu vielen Ebenen zu zu vielen Johnnys kam und wir nicht mehr wussten, wer denn jetzt wo und warum überhaupt und gääääähn ;)
Da war leider viel Style over Substance.
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Pappenheimer

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The black pirate (1926)
« Antwort #92 am: 30. April 2020 - 10:51:43 »

Aus Sicht des Stummfilms wohl ein Meilenstein, aus Sicht von heute eher langweilig: "The black pirate".

"The black pirate"
USA 1926
Regie: Albert Parker
Darsteller: Douglas Fairbanks sr., Billie Dove, Anders Randolf, Donald Crisp, Tempe Pigott

Handlung: Ein großes Schiff wird von Piraten überfallen und ausgeraubt, anschließend in die Luft gesprengt (wieso erfährt man nicht). Nur ein junger Mann in zerrissener schwarzer Kleidung und kurzen Hosen (echt wahr!) und sein Vater können sich retten. Doch der Vater stirbt und der junge Mann schwört den Seeräubern Rache. Als die Seeräuber einen Schatz auf derselben Insel, wo der junge Mann gestrandet ist, verstecken wollen, gibt es auch gleich eine Gelegenheit für ihn. Er tötet im Zweikampf den Piratenkapitän und wird von dessen Spießgesellen daraufhin mit an Bord genommen.
Dort gewinnt der junge Mann, der sich fortan "The Black Pirate" nennt, das Vertrauen der anderen Piraten indem er im Alleingang auf absurde Weise ein "Schiff" kapert. Nur einer der Piratenanführer hegt einen Verdacht gegen The black Pirate und beschließt dessen Pläne zu durchkreuzen. The Black Pirate will die junge Dame, die auf dem erbeuteten Schiff gefunden wurde, unter seinen Schutz stellen, überredet auch statt auch dieses Schiff zu sprengen es wegen seines Wertes selber zu behalten. Die wahren Absichten des Black Pirate werden aber rasch durchschaut und er wird über die Planke geschickt.
Mit Hilfe von halbnackten Soldaten und einem flachen Boot vermag es der Draufgänger aber die Seeräuber anzugreifen und seinen Widersacher zu besiegen.

Die Handlung dieses Streifens kommt einem ziemlich plump vor und die Figuren sind ausgesprochen eindimensional in ihren Charakteren. Eine Entwicklung derselben findet praktisch nicht statt. Auch die Kämpfe wirken doch sehr gewollt und insbesondere die Kaperung des großen Schiffes vollkommen abstrus. Warum überwältigen ihn nicht die mehrere Dutzend Mann von der Besatzung? Weil er über zwei Drehbassen verfügt?
Am eigenwilligsten sieht aber das große "Schiff" aus. Man hat den Eindruck, dass die Macher noch nie ein Schiff gesehen haben. Das wirkt eher so wie Ritter Runkels Burgenschiff (siehe "Die schwimmende Burg" Mosaik von Hannes Hegen, Heft 91). Das Ding kann einfach unmöglich segeln. Erst diese Aufbauten wirken total lächerlich.
Sehr malerisch allerdings die Porträtierung der herrlich zerlumpten Seeräuber, die durchweg die interessanteren und glaubhafteren Figuren sind. Allen voran Crisp als MacTavish und De Grasse als Fairbanks Gegenspieler liefern gute Leistungen ab.
Es ist aber schon erstaunlich wie schwach dieser Film, der überwiegend offensichtlich im Studio entstanden ist, in Relation zu "Old Ironsides" geraten ist. Immerhin auch ein Stummfilm ebenfalls von 1926. Kaum 10-15 Jahre später war diese Art des Films wie "The black pirate" völlig antiquiert und Eroll Flynn oder Tyrone Power stellten einen agileren Seeräuber dar als es Fairbanks hier ist.
 
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« Letzte Änderung: 02. Juli 2020 - 15:58:59 von Pappenheimer »
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Pappenheimer

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"The King's pirate" (1967)
« Antwort #93 am: 02. Juli 2020 - 16:19:13 »

Dieser Film ist ein Remake von "Gegen alle Flaggen". Da "Gegen alle Flaggen" nun auch nicht der wahnsinnig erfolgreiche Film war. Da man sich auch recht akribisch an die Vorlage hält, fällt es noch schwerer eine Notwendigkeit zum Kopieren zu erkennen.

"The king's pirate"
USA 1967
Regie: Don Weis
Darsteller: Doug McClure, Jill St. John, Guy Stockwell, Mary Ann Mobley

Handlung: Leutnant Fleming lässt sich an Bord eines Kriegsschiffes bestrafen um unter dem Deckmantel aus dem Dienst in der Marine ausgestoßen worden zu sein das Seeräubernest auf Madagaskar zu infiltrieren. Dabei steht ihm der geschickte Zucco zur Seite. Die Prinzessin Patna verfällt dem schneidigen Fleming, dem es natürlich gelingt den Seeräubern das Handwerk zu legen, obwohl Mistress Stephens ihm wohl beinahe auf die Schliche kommt.

Hier gilt 70 Prozent neu gedreht. Sämtliche Szenen mit Schiffsmodellen sind aus dem Originalfilm rein geschnitten, was den Film nochmal statischer macht als die Vorlage. Die Figur des akrobatischen Zucco als Flemings Buddy fügt nun auch keine interessante Facetten hinzu. Eigentlich bleibt der Fokus auf die starke Frauenrolle der Stephens, die natürlich - ein ewiges Thema im sowohl klassischen als auch spießigen Piratenfilm - zur Räson gebracht werden muss.
Das Hauptmanko ist hier einfach neben der schwachen Ausstattung und der trockenen Handlung das miserable Schauspiel von McClure. Dieser Typ hat einfach ein Dauergrinsen aufgesetzt, das er sich nichtmal verkneifen kann, wenn er ausgepeitscht wird. Dadurch wirkt der ganze Film unglaublich unglaubhaft.

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Riff-Piraten
« Antwort #94 am: 03. September 2020 - 09:12:40 »

Neulich lief der alte Streifen auf Arte. Deswegen hab ich's mal geschaut.

"Riff-Piraten" / "Jamaica Inn"
UK 1939
Regie: Alfred Hitchcock
Darsteller: Charles Laughton, Maureen O'Hara, Robert Newton, Leslie Banks

Handlung: Die junge Irin Mary kommt nach Cornwall. Es macht sie nichtmal stutzig, als sich der Postkutscher sträubt sie am "Jamaica Inn" abzusetzen, denn die Kneipe gilt gemeinhin als eine Räuberhöhle.
Derweil rauben die Männer unter Anführung ihres Onkels Joss ein auf die Felsen gelocktes Schiff aus. Doch unter ihnen befindet sich auch ein Agent namens Trehearne, den die Strandräuber bald meucheln wollen.
Mary gelingt es ihn zu befreien. Dummerweise wenden sich Trehearne und Mary just an Sir Humphrey Pengallan den Hintermann der Strandräuber, der selbstherrlich und sich auf seine guten Beziehungen zum Prinzregenten berufend von seinem Familiensitz die Umgegend regiert. Spät durchschaut Trehearne das falsche Spiel des Friedensrichters und alarmiert die Dragoner aus der nächsten Stadt. Da hat aber Sir Humphrey schon Joss und seine Frau ermordet und Mary entführt...

Der deutsche Titel ist sehr irreführend, da es garnicht um Piraten sondern um Strandräuber geht. Der Film hat ein unheimliches Potenzial durch eine durchaus spannende Handlung. Doch das alles wird zunichte gemacht durch zahlreiche Faktoren.
Da wäre die miserable Kameraarbeit und die Effekte. Der Kampf der Schiffe in den Wellen wirkt einfach komplett unglaubhaft. Die Seeleute sehen aus als stünden sie einfach auf einer Bühne. Sie rutschen ja nichtmal aus oder müssen sich ans Steuer binden.
Die Kostüme sind wenig inspiriert und die Räuber hätte man auch ruhig etwas glaubhafter gestalten können. Sie sehen mit ihren Strickjacken (?) teilweise aus wie Fasnettspiraten.
Laughton schauspielert absolut over the top. Was zu einer Slapstick-Komödie passen würde, wirkt in einem Abenteuerfilm mit Horrorelementen einfach deplatziert. Maureen O'Hara und Leslie Banks hingegen liefern eine solide Leistung ab, auch wenn es nervt, wenn die allerdings tatsächlich schöne O'Hara ständig als "schönes Mädchen" bezeichnet wird.

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Pappenheimer

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L'avventuriero della tortuga (1964)
« Antwort #95 am: 09. September 2020 - 10:03:28 »

Mal wieder auf gewohntem Gebiet, ein weiterer Low Budget Aufguss aus Italien mit Rik Battaglia (Todesmelodie, Old Shatterhand, Nobody ist der Größte) in der Hauptrolle.

The Adventurer of Tortuga / L'avventuriero della tortuga
I 1964
Regie: Luigi Capuano
Darsteller: Rik Battaglia, Ingeborg Schöner, Guy Madison, Nadia Gray

Handlung: Der auf die Mitgift seiner Opfer abzielende Pirat Pedro schleicht sich getarnt als spanischer Adliger in die spanische Gesellschaft ein um dann stets die Hochzeitsgesellschaften* auszurauben. Die völlig bescheuerten spanischen Granden fallen auch laufend drauf rein.
Dann kommt er auf die Fährte der Prinzessin Soledad, die ein Vermögen geerbt haben soll und Herrscherin eines Indianer**stammes ist. Entgegen irgendwelcher Verträge dringt der Gouverneur Montélimar ins Indianerdorf ein und klärt die Prinzessin über die Praktiken Pedros auf. Daraufhin will sie den Gouverneur heiraten, womit der Schatz der Indianer an den Gouverneur fiele. Pedro landet im Kerker. Nach bewährter Manier kommen schließlich Seeräuber und Indianer zur Rettung und befreien Pedro. Gemeinsam segeln sie davon.

Dies ist ein Mix aus Western und Piratenfilm, was erstmal überrascht, aber dennoch keineswegs unterhält.
* Die ganze Sache ist völlig absurd. Pedro hat nie mehr als 20-30 Piraten und diese schaffen es immer in befestigte Städte einzudringen, um die Hochzeitsgesellschaft auszurauben. Wenn sie das so einfach schaffen, wozu gibt es dann überhaupt diese Sache mit der Hochzeit? Dann können sie ja gleich die Stadt so ausrauben.
** Die "Indianer" haben eine Art Vertrag mit den Spaniern, dass diese nicht einen gewissen Fluss überqueren dürfen. Das erinnert an die Proklamationslinie von 1763 zwischen Indianerterritorium und Siedlungsgebiet der Kolonisten in NORDamerika. Das ergibt hier in dem Zusammenhang aber 0 Sinn.
Dafür sind die Indianer hier aber auch ein kruder Mix aus Azteken oder sowas und Plainskultur der Westernfilme (mit entsprechend europäischen Pferden, Federschmuck etc.).
Aus Kostengründen wurden sowohl Totale der Festungen als auch Szenen auf dem "Schiff" (offensichtlich reingeschnitten aus anderen Filmen) vermieden wie der Teufel das Weihwasser.
Originell ist, dass der "Bösewicht" überleben darf und der Großmut seiner verärgerten Mätresse Rosita anheim gestellt wird. Auch gibt es keinen finalen Kampf mit "Degen" sondern mit Peitschen. Überhaupt wird ganz nach Manier der Angélique-Filme viel und ausgiebig ausgepeitscht.   
Der ganze Film scheint insgesamt sehr billig produziert. Rik Battaglia taugt zum Helden garnicht, sondern wirkt einfach kalt und fies. Madison kann wenigstens etwas mehr schauspielern. Alles in allem ein langweiliges Produkt der Massenschwemme an Streifen dieses Genres aus Italien.

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« Letzte Änderung: 09. September 2020 - 10:05:54 von Pappenheimer »
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Riothamus

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Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #96 am: 09. September 2020 - 17:15:47 »

Danke für die Warnung.

Da haben sie sich wohl ganz Amerika als Schmelztiegel der Kulturen vorgestellt.
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Gruß

Riothamus

Pappenheimer

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Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #97 am: 11. September 2020 - 12:10:33 »

Danke für die Warnung.
Als Warnungen würde ich meine Rezensionen nicht direkt ansehen. Es gibt ja auch Freunde des Trash. Selbst ich habe für manchen Trashfilm wie diesen Maciste-Streifen was übrig.

Vielleicht ist es so, dass die Low Budget Filme aus Italien einfach auch leichter verfügbar sind, da dort keine Konzerne wegen der Vermarktungs- oder Urheberrechte so sehr hinterher sind. Von "Pirates" (Polanski) abgesehen, habe ich auf YT überwiegend solche Billigfilme gefunden. Natürlich kam auch aus den USA mancher Trash oder schwache Filme. Aber es ist doch bemerkenswert, dass mir bislang wohl kein einziger wirklich gut gemachter Piraten- oder Seekriegsfilm aus den 50ern bis 70ern aus Italien untergekommen ist.
Dabei konnten italienische Regisseure doch zeitgleich durchaus gute Western z.B. herstellen.
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Pappenheimer

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Carribean
« Antwort #98 am: 09. November 2020 - 13:23:53 »

"Carribean"
USA 1952
Regie: Edward Ludwig
Darsteller: John Payne, Arlene Dahl, Cedric Hardwicke, Francis L. Sullivan

Handlung: Im Jahr 1728 (angeblich die Hochzeit der Seeräuberei in der Karibik  ::) ) wird Dick Lindsay von Seeräuber Captain Barclay gefangen genommen, als dieser gerade eine Schatztruhe vergraben will. Lindsay soll sich anstelle des intriganten Robert MacAllister bei dem reichen Plantagenbesitzer Andrew MacAllister einschleichen und diesen ausspionieren. Anfangs gelingt es auch Lindsay durch seine Narbe im Gesicht Andrew MacAllister und dessen "Tochter" Christine hinters Licht zu führen. Lindsay fällt allerdings durch seine humanen Methoden gegenüber den geschundenen Sklaven MacAllisters auf. Er will unbedingt einen aussichtslosen Aufstand der Sklaven verhindern. Doch dann fliegt die Maskerade auf, als der echte Robert tot an Land gespült wird. Zum Schein tut der alte MacAllister so, als ob er Lindsay nicht durchschaut. Doch verkauft er eine Sklavin, welche die Vertraute seiner "Tochter" war, die eigentlich die Tochter Barclays ist. Dadurch motiviert hilft Christine inhaftierten Sklaven bei der Flucht. Diese jagen das Pulverlager der Kolonie in die Luft. Derweil greift Barclay mit seinen Seeräubern an, denn bei Andrew MacAllister ist auch eine Menge Gold zu holen. Ein heißer Kampf entbrennt um die Villa des Sklavenhalters...

Bemerkenswert an dem Film ist zum einen die doch sehr komplexe Handlung insbesondere für das Genre. Die Konstellation mit dem falschen Vater und dem echten und den anderen Verstrickungen erinnert schon beinahe an eine antike Tragödie. Zum anderen ist aber auch die deutliche abolotionistische Message auffällig, welche 1952 in einem US-Film auf jeden Fall nicht alltäglich ist.
Doch vieles wirkt doch auch überkonstruiert. So etwa, dass der echte Robert zufällig dort an Land treibt, wo MacAllister wohnt und dass Robert nicht dabei ist. Dann fragt man sich beim finalen Kampf, wo denn die nunmehr bewaffneten Sklaven geblieben sind? Warum sollen sie nicht zusammen mit den Seeräubern ihren Unterdrücker angreifen?
Historisch ist natürlich auch viel im Argen. Die Kostüme insbesondere von Barclay wirken regelrecht unfreiwillig komisch. Ein auch der Gestik nach greiser Seeräuberkapitän scheint einfach unglaubhaft und die Artikel, die angeblich auf seinem Schiff gelten, haben so Garnichts mit dem Selbstverständnis unter Seeräubern zu tun, davon abgesehen, dass 1728 eben NACH der großen Zeit der Piraterie liegt, ja sogar nach dem Ende von Kerlen wie Calico Jack. Überhaupt scheint das Piratenthema schwer bemüht und scheint nur dazu zu dienen, dass man die Zuschauer ins Kino kriegt. Denn man sieht keine nennenswerten Enterkämpfe oder sonst Szenen zur See. Der Kampf um eines der Schiffe von MacAllister scheint statisch und komplett unglaubhaft.
Payne selbst behauptete, der Film sei durchweg unterhaltsam. Dem will ich widersprechen. Was dem Film vor allem abgeht, bei all dem moralisch vielleicht interessanten Fragestellungen, ist Humor und Charme. Die Konstellation mit der kratzbürstigen Schönen war schon 1952 total ausgelutscht. Das Ende wirkt unglaubhaft (Christine soll mit dem Mann zusammenleben der mit am Tod ihres vermeintlichen "Vaters" schuld ist?). Die Pappkulissen bieten keine Schauwerte. Massenszenen kommen nicht vor.

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"L'Épervier"
« Antwort #99 am: 10. Dezember 2020 - 09:24:24 »

Das ist diesmal ne recht moderne Comicverfilmung (nicht Rani, aber offensichtlich auch von nem französischen Erwachsenencomic).

"L'Épervier"
F 2010
Regie: Stéphane Clavier
Darsteller: Aurélien Wiik, Fanny Valette, Lou Doillon, Grégoire Colin

Handlung: Mitte des 18. Jh. lernt Yann de Kermeur die junge Adlige Comtesse de Kermellec kennen. Sie spielen schon als Kinder miteinander. Doch als Yann heranwächst gerät er mit dem Verwalter des Comte de Kermellec aneinander und verlässt die Bretagne. Er wird Korsar und bingt es bis zum Kapitän eines kleinen Schiffes. Jahre später begegnet er dem Comte und seiner Tochter wieder. Yann wird allerdings kurz darauf der Mord am Comte de Kermellec untergeschoben und nun ich Yann auf der Flucht, hoffend die wahren Täter zu belangen, da er sonst auch schwerlich weiterhin Corsaire du Roi sein kann ...

Die Handlung ist schon in der ersten Folge der 6-teiligen Miniserie voll mit unterschiedlichsten Motiven und das tut der Erzählung der Geschichte nicht wirklich gut, da man sich kaum in dem Beziehungskonstrukt einleben kann (vielleicht ist das dem Stil solcher Erwachsenen-Comics verschuldet?). Die sympatisch dargestellte Kindheit der beiden Protagonisten kommt dadurch zu kurz.
Erstaunlich sind die Drehorte, die sehr glaubhaft und ambientig wirken. Selbst die Innenräume sind von einem deutlich höheren Standard als bspw. in "Le Gerfaut". Da haben sich vielleicht auch die Sehgewohnheiten geändert. Angenehm ist auch, dass die Serie mit 6 Teilen nicht wieder so überdehnt ist wie es heute bei Serien des Genres öfter der Fall ist. Auch gelingt es, dass trotz der romantischen Komponente das Ganze nicht arg so seicht wirkt. Die Szenen aus See sind eher langweilig, wenn auch Yanns Schiff deutlich glaubhafter wirkt als die Schiffe in anderen Serienformaten (wie "Corsaires et Flibustiers"), dennoch übersteigt offensichtlich die Notwendigkeit von Schiffen in der Handlung die Mittel einer Fernsehserie. Erstaunlich gut überwiegend die Kostüme und Uniformen der französischen Soldaten.
Sicher ist das was für einen, der Französisch wenigstens ansatzweise beherrscht und zum anderen Filme mit schönen Französinnen mag (überhaupt ist die Schauspielerei für ne TV-Produktion allerdings beachtlich).

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Pappenheimer

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Re: "L'Épervier"
« Antwort #100 am: 14. Dezember 2020 - 14:14:40 »

"L'Épervier"
F 2010
Regie: Stéphane Clavier
Ich hatte nun Gelegenheit die ganze Serie zuende zu sehen. Die letzten 2-3 Folgen waren deutlich langweiliger und inhaltlich auch unglaubwürdiger. Wie weit kann denn bitte Vergebung gehen? Überhaupt fand ich da den Stand der Justiz in Frankreich im Ancien Régime doch etwas arg eigenwillig dargestellt. Natürlich ist das Bild des korrupten und eigennützigen Procurateur du Roi nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber auch damals wäre z.B. wegen dem Mord an Soldaten ermittelt worden und daher scheint mancher Freispruch hier in der Serie ziemlich fragwürdig.

Leider kommen am Ende auch keine Uniformen mehr vor. Da mir keine Stich- und Hiebfeste Datierung der Handlung vorgekommen ist, möchte ich insbesondere Fans der franz. Armee dieser Zeit nicht meine Überlegungen vorenthalten. Denn ich kenne keinen neueren französischen Film, wo man soviele Uniformierte für diese Epoche sieht.

Man sieht 3 verschiedene Uniformen. Prinzipiell kann man bei einer historischen Verortung nutzen, dass der Korsar ja scheinbar durchweg Beschäftigung hat - ergo Frankreich gegen irgendwelche gegnerischen Mächte im Krieg sein müsste. Leider kommen dennoch weder englische noch andere Kriegs- oder Handelsschiffe dezidiert vor. Es wird darüber gesprochen und mal eines gesichtet. Durch die Bündniskonstellationen in der 1. Hälfte des 18. Jh. bis 1763 kommt als Gegner vorrangig England in Betracht.
Was an den Uniformen auffällig ist, ist die Ausstattung. Das heißt, dass die Linieninfanteristen in den hellgrauen Uniformen die Patronentasche mit dem Degen am selben Wehrgehänge um den Leib tragen. Das war in den 1740ern nicht mehr so üblich und von daher wäre eine Datierung in die 1730er plausibel. Zu der Zeit wurden wie es im Spanischen Erbfolgekrieg aufkam die Patronentaschen vorne über dem Bauch getragen. Allerdings haben die Soldaten hier in der Serie dieselben hinten. Die Musketen scheinen durchweg die stimmigen Versionen von 1717 bzw. 1728 zu sein. Außer Patronentasche, Bandelier und Degenscheide mit Degen haben die Soldaten keine weiteren Ausrüstungsstücke am Mann, was allerdings schlüssig ist, da es sich ja offenbar durchweg um Garnisonstruppen von Brest handeln soll, die also keine Wasserflasche oder keine Tornister gebraucht hätten. Ein kleines Pulverfläschlein wäre bei früheren Füsilieren allerdings noch glaubhaft gewesen. Die Hüte haben keine Kokarden, aber eine funktionslose "Fake"litze an der Stelle, wo die Weiße (entsprechend Gudenus) oder Schwarze Kokarde angebracht wäre - Kokarden waren im 18.Jh. bereits ein elementarer Bestandteil der Uniform und ihr Fehlen von daher nicht plausibel.

Hier meine Beobachtungen zu den 3 gezeigten Uniformen:
1. Graue Uniform mit blauen Aufschlägen, dazu weiße Borte am Hut und weiße Litzen als Verzierung in Form von Knopflocheinfassungen auf den Aufschlägen bei Korporälen oder ohne bei Mannschaften. Dieser Stil würde zum Regiment Royal Marine passen wie eine Mannschaft von Gudenus 1735 abgebildet wurde.
Dazu würde passen, dass das Regiment in den 1730ern tatsächlich in Brest stationiert war.
2. Blaue Uniform mit weißen Aufschlägen mit weißen Litzen auf der Vorderseite. Die Uniformen tauchen nicht ganz so häufig auf. Es könnte sich um ein Deutsches Fremdregiment (Infanterie) handeln, auch wenn die Träger nicht etwa dadurch dass sie Deutsch sprächen als Deutsche charakterisiert worden sind.
3. Blaue Uniformen mit roten Aufschlägen. Diese Uniform hat einen ungewöhnlichen roten (Steh-)Kragen und wie auch die anderen Uniformen keine Rabatten. Teilweise sieht man dazu rote Westen mit weißen Knopflocheinfassungen oder gar weiße Knopflocheinfassungen von Litzen auf dem Rockvorderteil. Die Soldaten mit der Uniform werden hier auch aufgesessen eingesetzt und obendrein mal als "cavaliers" also Reiter bezeichnet. Es könnte sich auch um sowas wie die Volontaires Royaux handeln, da die leichten Truppen oftmals auch als Kavallerie verwendet wurden bzw. als eine Art Légion gleich/ähnlich uniformierte Reiter und Infanteristen umfassten.

Wenn man mal ein bisschen googelt findet man Bilder des gleichnamigen Comics, welche verdeutlichen, dass der Künstler offenbar bei der Kleidung, Landschaft und Festung ziemlich viel recherchiert hat. Die Handlung der Comics ist offensichtlich deutlich anders und bringt den Protagonisten auch in eine Beziehung z.B. zum Marineminister Maurepas unter Louis XV von dem er einen konkreten Auftrag erhält.
« Letzte Änderung: 14. Dezember 2020 - 14:31:18 von Pappenheimer »
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Riothamus

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Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #101 am: 14. Dezember 2020 - 14:41:10 »

Das war wieder interessant zu lesen. Ich finde bei denen Kritiken immer wieder etwas Neues zu lernen.
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Gruß

Riothamus

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Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #102 am: 12. Januar 2021 - 15:02:58 »

Das war wieder interessant zu lesen. Ich finde bei denen Kritiken immer wieder etwas Neues zu lernen.
Freut mich. Vielleicht guckst Du mal rein. Dürfte noch auf Youtube zu finden sein und lohnt sich optisch auch ohne fulminante Französisch-Kenntnisse, die bei mir auch nicht vorhanden sind (ich habe auch wie ich mit der Zeit begreifen musste vieles missverstanden  ::)  ). Man kann ja auch einfach mal 10-15 Minuten schauen. Mache ich oft, wenn ich nur mal feststellen will, ob eine Serie oder ein Film was für mich ist.  :)
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D.J.

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Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #103 am: 12. Januar 2021 - 15:37:43 »

Ach wenn ich hier weniger kommentiere, lese ich fleissig mit :)
An dieser Stelle meinen Dank für deine Arbeit, dich durch dieses Material zu sichten und uns zu berichten.
(Der Reim war unbeabsichtigt, aber mir fiel kein anderes Wort ein :-[ )
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Riothamus

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Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #104 am: 12. Januar 2021 - 17:05:11 »

Ich habe immer vor reinzuschauen. Doch, wenn ich das mache, komme ich gar nicht mehr zum Malen. Aber ich habe da dank dir zumindest eine Liste, die wächst und auch aus den anderen Threads und auch anderen Quellen gefüttert wird.
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Gruß

Riothamus
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