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Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu
Pappenheimer:
Was mir an der Serie Spaß macht, ist immer wieder dieselben Handlungsorte zu erkennen. In den Folgen 7 und 8 geht sogar, wenn auch eher auf der peinlichen Seite, die Handlung endlich mal weiter, während sie zuvor auf der Stelle trat.
"The Musketeers" EP 7 "The Rebelious Woman" (2014)
Regie: Richard Clark
Darsteller: Luca Pasqualino, Tom Burke, Alice Sanders, Peter Capaldi, John Lynch
Handlung: In der einzigen "Straße", die Paris zu haben scheint, kommt es zu einem Tumult, als es scheint, als beabsichtige ein Mädchen einen Anschlag auf die königliche Kutsche. Doch es war eine inoffizielle "Schülerin" (sic.!) von Fleur Baudin, die eine verworrene Bittschrift an die Königin überbringen wollte. Gleichzeitig wird unweit der alleine (sic.!) nach Paris reisende päpstliche Gesandte Sestini überfallen. Dieser redet anschließend Richelieu ein, dass man ihn zum Papst wählen würde, wenn er mehr gegen Hexen in Frankreich unternehmen sollte. Da kommt es Sestini und Richelieu sehr gelegen, dass die reiche und unabhängig lebende Fleur Baudin scheinbar junge Frauen bei sich versteckt hält, die sie aus den Häusern ihrer Eltern entführt haben soll. Auch wenn sich Athos für sie interessiert, gelingt Richelieu eine Anklage gegen sie - es gibt ja in der Serie praktisch kein erkennbares Rechtssystem in Frankreich - wegen skandalöser Praktiken. Das Blatt wendet sich, als die Musketiere erfahren, dass Sestini (why? :o ) vorhatte Richelieu zu ermorden indem er ihn vergiftete und das obendrein einer Anhängerin von Fleur in die Schuhe schieben wollte...
Die Handlung ergibt wie üblich hinten und vorne keinen Sinn. Man erkennt wie bei den anderen Folgen, dass man sich Motiven irgendwie aus der französischen Geschichte bediente. So soll diese Fleur Baudin an Mlle. de Scudéry und die von Molière in „Die lächerlichen Preziösen“ belächelten züchtigen Damen dieser Epoche erinnern. Das Thema Hexen ist auch zuvor in der Serie noch nicht in der Form vorgekommen. Es ist interessant, dass die Hexenverfolgung bis auf die im Südwesten im Frankreich des 17. Jh. keine große Rolle gespielt hat. Völlig absurd wird es, wenn D'Artagnan und die anderen in dem Moment beim Kardinal eindringen, als Sestini ihn gerade abmurksen will. ;D Immerhin kommen sich - auf die für die Serie übliche etwas bigotte Art - endlich Constance und D'Artagnan näher...
Darsteller *
Bilder *
Story *
Fechtszenen
Pappenheimer:
Wie üblich darf Richelieu in Folge 8 machen, was er will und man hat den Eindruck, das Drehbuch stamme von einem 10-jährigen.
"The Musketeers" EP 8 "The Challenge" (2014)
Regie: Farren Blackburn
Darsteller: Luca Pasqualino, Tom Burke, Hugo Speer, Peter Capaldi, Tamla Kari, Bo Poraj, Vinnie Jones
Handlung: Die vier Musketiere bringen den Muskelprotz und Verwalter [?] Labarge nach Paris. Als dieser an die Roten Garden [sic.!] des Kardinals übergeben werden soll, wird dabei ein Hauptmann [sic.!] der Roten Garden getötet, weil die Gardisten Labarge unterschätzen - warum Labarge deswegen nicht hingerichtet wird, erfährt man nicht. Anschließend beschuldigt Richelieu die Musketiere vor dem König am Tod des Hauptmannes schuld zu sein. Man einigt sich darauf, dass man um mehrere tausend Livres sich schlagen soll - ein Champion von jedem "Regiment" (sic.! - man sieht mal die "Roten Garden" auf einem Haufen und es sind vielleicht 15 bedröppelt dreinglotzende Pappkameraden). Porthos und Aramis sinnieren darüber wie sie an die 30 Livres Anmeldegebühr ( :o) für einen Wettkampf kommen wollen und (ähnlich der Geschichte mit der Ausrüstung im Roman) Porthos sucht sich eine Bürgersfrau - hier aber eine hübsche Witwe, die als Hinterbliebene eines Handwerksmeisters im Luxus lebt. Porthos wird scheinbar verführt sie zu heiraten... Derweil lässt sich D'Artagnan (der scheinbar in einer Gehirnwäsche vergessen hat, dass sie ihn zuvor unter Mordverdacht gebracht hat) von Lady de Winter die 30 Livres geben. Dann erfährt aber Tréville, dass Richelieu Labarge kurzerhand für sich ins Rennen schickt. Auf einem ulkigen Kampfplatz treten sich dann beide gegenüber. Tréville wird mit unsauberen Mitteln außer Gefecht gesetzt. Aber D'Artagnan kann Labarge töten und wird zum Lohn (why?) vom König zum Musketier "befördert". Anschließend zieht er bei Constance aus, die mit ihm gebrochen hat, als Mr. Bonancieux ihnen auf die Schliche kam, weil er in die "Kaserne" der Musketiere einzieht (sic.!).
Die ganze Serie spielt ja in einer an Fantasy anmutenden Welt, die kaum konsistente Regeln besitzt. So hat Richelieu offenbar eine ganz winzige Garde. Dennoch fungiert diese in "Paris" gleichzeitig als eine Art Stadtwache und ist zugleich die Kerkerwache in der "Bastille". Es scheint eine Art von Gesetzen zu geben, aber diese kommen ganz willkürlich vor, wenn es dem Drehbuch einfällt. So ist der König nur kurz irritiert, als Richelieu kurz behauptet, er hätte Labarge eigenmächtig (?) amnestiert und zum Offizier gemacht. Wie das geschehen soll, wenn Labarge ein KÖNIGLICHER Beamter sein soll - ich möchte mal einen Beamten sehen, der aussieht, als wäre er eben aus nem Gulli gekrochen - und wie der König nichts davon erfahren haben soll, ist natürlich absurd. Hier kommt das erste Mal das Motiv aus dem Roman vor, dass Richelieu Monsieur Bonancieux zu seinem Spion macht. Dass er Bonancieux einen Deal als Tuchhändler anbietet und mit einem Großauftrag für Uniformen für seine "Garden" winkt, hat beinahe dazu geführt, dass ich mich bepisst habe vor Lachen, weil die "Garden" ja nur diese komischen Lederdinger tragen. ;D ;D ;D Dabei latscht Bonancieux sonst ja mit winzigen Stoffproben vom letzten Gothic-Treffen rum ;D. Offenbar haben die Drehbuchschreiber auch vergessen, dass wenige Folgen davor gesagt wurde, dass Bonancieux pleite ist und damals Lady de Winter ihn bereits bestechen wollte.
Eine Kaserne der Musketiere hat es in den 1630ern weder historisch noch im Roman gegeben. Das wird mal gut in der arte-Doku zu dem historischen D'Artagnan dargestellt. Der Umzug von D'Artgnan ergibt von daher ja keinen Sinn. Wobei ja in der Serie die "Musketiere" bekanntlich eh weder Uniformen haben, noch exerzieren...
Ich werde mich jetzt mal von dem Grau-Braun der Serie erholen indem ich mir wohl doch mal die immerhin buntere Alatriste-Serie ein paar Folgen reindrehe.
Darsteller
Bilder *
Story
Fechtszenen *
(den Stern für Fechtszenen gibt es ironischerweise dafür, dass die "Musketiere" diesmal tatsächlich unnötigerweise auf 10 Schritt Zielschießen mit ihren Luntenschlossmusketen veranstalten - wofür sie freilich ihre Biker-Handschuhe anziehen müssen ;D )
Pappenheimer:
Durch Zufall bin ich schonmal auf YT auf den Film gestoßen. Es ist faszinierend zu sehen wie ein Cannon-Film wertiger aussah als heutige Blockbuster - räusper.
"The Wicked Lady"
UK 1983
Regie: Michael Winner
Darsteller: Faye Dunaway, Alan Bates, Prunnela Scales, Glynis Barber, John Gielgud
Handlung: Die anfänglich etwas naive Caroline läd zur Zeit der Restauration in England ihre Freundin Barbara zu den Hochzeitsvorbereitungen ein, wobei prompt Barbara den gutherzigen Bräutigam, Sir Ralph, verführt und statt Caroline nicht nur diesen sondern auch ein riesiges Vermögen und Anwesen heiratet. Rasch bereut sie die Ehe und hasst das langweilige Leben auf dem Lande. Dies ändert sich erst, als sie leichtfertig im Spiel eine wertvolle Brosche verliert und diese anschließend als Highwaymen verkleidet zurück holt. Von nun an macht sie insgeheim die Straßen unsicher und tut sich mit Cl. Jackson, einem anderen Straßenräuber zusammen. Sie scheint den Bogen überspannt zu haben, als sie einen Goldtransport überfallen, wobei sie einen Mann der Eskorte tötet. Denn nun weiß ihr Stewart namens Hogarth von ihrem Geheimnis und sie plant ihn zu vergiften. Als Caroline mit ihrem Liebhaber Locksby, in den sich Barbara auf ihrer Hochzeit verliebt hatte, aus London zurück kommt, überschlagen sich die Ereignisse, da Hogarth nun das Geheimnis Sir Ralph offenbaren will und das Gift nicht rasch genug zu wirken scheint ...
Der Film war damals scheinbar ein Misserfolg. Dabei stellt er einen Versuch dar, das angestaubte Genre anders als "The 5th Musketeer" mit mehr Sex, riesigen Settings und einem Mix aus Spannung und Humor neu zu beleben. Typisch für Cannon-Film gibt es auch durchaus Blut und Sexszenen, wobei Letztere die Handlung nicht immer voran bringen, sondern fast turnusmäßig alle 15 Minuten eingestreut werden. Ich muss aber zugeben, dass die Actionszenen auch nach heutigen Maßstäben überwiegend gelungen gefilmt sind und durchaus Spannung aufkommt, besonders weil Faye Dunaway als durchtriebene Femme Fatale sich immer mehr verstrickt und mit weit aufgerissenen Augen beeindruckend spielt. Aber auch der Rest des Cast weiß zu beeindrucken. Überraschend sind regelrecht berauschende Kamerafahrten durch die Landschaft, prächtige Räumlichkeiten, unzählige Pferde, Fahrzeuge usw.. Es gibt aber auch teilweise typische 1980er Anleihen wie bei den Frisuren oder der Unterwäsche... Ein Muss für einen Fan des Genres. Ab 18 wegen Sex und Gewalt. ???
Darsteller ****
Bilder *****
Story ***
Fechtszenen **
(eher Gefechtszenen - es wird eigentlich fast nur geschossen)
Pappenheimer:
Ich habe mich jetzt mal an diese Serie gewagt. Sie wirkt zwar ebenfalls teils sehr billig gemacht - der Vorspann sogar wie eine billige Kopie des Vorspannes von der Musketier-Serie von 2014 ;D - aber z.T. etwas wertiger und nicht ganz so hirnrissig.
"El Capitan" EP 1-3
E 2015
Regie: Enrique Urbizu, Luis Oliveros
Darsteller: Aitor Luna, Natasha Yarovenko, Lucía Jiménez, Marcos Ruiz, Gary Piquer
Handlung: Die Geschichte wird aus der Sicht von Inigo de Balboa geschildert, der von seiner Mutter nach Madrid geschickt wird, um dort bei Diego Alatriste das Waffenhandwerk zu lernen.
Alatriste verdingt sich als Auftragskiller und Bodyguard. Er rettet zwar dem König Felipe das Leben, landet aber dennoch im Kerker. Anschließend lässt er sich für einen Anschlag auf 2 Reisende anheuern, die sich als Prince of Wales und Duke of Buckingham offenbaren (sic.!). Damit gerät Diego zwischen die Fronten, da eine Partei bei Hofe um Padre Bocanegra die Heirat der Infanta Ana mit Charles verhindern will, während Minister Olivares und sein Freund der Conde de Guadalmedina der Verbindung positiver gegenüber stehen. Nicht nur dadurch gerät der etwas kurzsichtig handelnde Alatriste in Schwierigkeiten, sondern auch weil er zahlreiche Geliebte hat, die ihn verraten könnten. Denn dadurch, dass Alatriste den Prince of Wales rettet, macht er sich mächtige Feinde, die ihn als Mitwisser des Anschlages aus dem Weg räumen wollen, allen voran Luis de Alquezar. Dessen Nichte ist aber eine Favoritin der Infanta und spielt ein doppeltes Spiel, indem sie die Pläne ihres Onkels der Infanta verrät, zugleich aber auch den Schein wahren muss. Als Inigo als Druckmittel Don Luis in die Hände fällt, entführt der verwundete Alatriste kurzerhand dessen Nichte. Dadurch kann Don Luis immerhin nicht mehr mit den Soldaten wie zuvor gegen ihn vorgehen...
Ähnlich wie bei der 3-Musketier-Serie scheint es auch 1623 in Spanien kein Gesetz im engeren Sinne zu geben. So können in aller Öffentlichkeit irgendwelche Leute getötet werden, ohne dass es für eine der Seiten nennenswerte Konsequenzen gibt - auch wenn die Täter irgendwelche Hanswürste sind. Anders als die britische Serie versucht man sich aber entsprechend den zugrunde liegenden Romanen an der Geschichte entlang zu hangeln. So soll Alatriste bei Fleurus (1622) dabei gewesen sein - ebenso wie Inigos Vater. Andere historische Ereignisse werden auch kurz erwähnt. Wie schon im Alatriste-Kinofilm gibt es bei der Ausstattung eine Zweiteilung. Bei Hofe wird sich um einen groben Look nach Gemälden bemüht, während die Schurken und Schlampen - wenn man das so als Rubrik benennen kann - irgendwie "all over the place" einmal über nen Larplager gelatscht zu sein scheinen - sinnlose Nieten an Leder"kollern", sinnlose Schnallen, die geheiligte Armstulpe ;D und das 93er Gedächtnisstirnband ;) dürfen auch nicht fehlen. Dabei sind die Settings meistens wertiger als in der "Musketier"-Serie, sprich mehr Handlungsorte und diese mit mehr Ambiente-Zeugs (die Taverne von Alatristes Konkubine mit Möbeln, die an Wanderbänke aus dem Schwarzwald erinnern, ist der Brüller :P ). Es gibt auch mehr Statisten oder zumindest wurde so gefilmt, dass es nach mehr aussieht. Etwas peinlich wirken die CGI-Szenen, wenn man bspw. den königl. Palast von Außen sieht - sowas hat man sich 2014 gespart. Wie bei Billigproduktionen üblich gibt es Anschlussfehler (mal hat Alatriste Ärmel am Wams und mal keine) und Szenen, die im Endprodukt keinen Sinn ergeben (wie einmal, als er im Theater auftaucht).
Bin gespannt wie es weiter geht. Es passiert auf jeden Fall mehr als in der "Musketier"-Serie und es ist eine zusammenhängendere Handlung. Dafür sind teilweise die Schauspieler unbeholfen bis cringe (wie "Der Italiener"). Es wird immerhin mehr gefochten und es gibt auch glaubhaftere Liebesszenen. Die Serie ist in Spanien offenbar komplett eingebrochen (von 2,5 Mio auf 0,5 Mio Zuseher). Mag an dem etwas hölzernen Cast liegen. Es hat nur eine Staffel gegeben und ich bin etwas gespannt wie weit man die Romane erzählen konnte.
Darsteller **
Bilder **
Story *
Fechtszenen ***
Pappenheimer:
Spätestens ab Folge 2 geht die Serie bergab und man versteht die Ernüchterung, die sich in Spanien damals einstellte.
"El Capitan" EP 4-6
E 2015
Regie: Salvador Calvo, Luis Oliveros
Darsteller: Aitor Luna, Natasha Yarovenko, Lucía Jiménez, Marcos Ruiz, Constantin von Jascheroff
Handlung: Offenbar eigenmächtig hat Bocanegra, der scheinbar der Großinquisitor ist, Inés, die Schwester der Schauspieler Maria de Castro in den Kerker werfen lassen, da ihre Verse [von denen man nicht wirklich was erfährt] gotteslästerlich wären [und keine Nonne aus ihrem Kloster scheint das zu stören]. Bocanegra deutet Maria gegenüber an, dass es Inés besser gehen könnte, wenn sie sich gegen Alatriste wendet.
Derweil hat Minister Olivarez den Anschlag durchschaut und will von Alatriste die Hintermänner erfahren, der Inigo mittlerweile vor aller Welt gegen Angélica in einem winzigen Theater ausgetauscht hat. Doch Alatriste behält es für sich und verhält sich wie gewohnt dumm, schlittert er doch zusammen mit dem Prince of Wales in die nächste Klemme, als dieser in ein Kloster eindringt, um der Infanta Ana näher zu kommen. Der Thronfolger läuft anschließend allein und ziemlich unbeholfen durch Madrid, um ein Opfer der Bande von Straßenkindern zu werden, die schonmal Inigo übel mitgespielt hat und die je nachdem in den Diensten von Luis de Alquezar zu stehen scheinen...
Die Serie flacht ab. Gab es in den ersten zwei Folgen Flashbacks und den Versuch irgendwie Tiefe in die Charaktere zu bekommen, erhält man jetzt den Eindruck, dass das nur zum Anlocken des Publikums war. Denn diese Folgen erinnern eher an eine wirre Telenovela mit zu langen Mänteln und manchen Raufereien, aber völlig ohne irgendeine Spannung. Es ist einfach nicht packend, wenn eine der zwei Hauptfiguren alle 2 Folgen eingeknastet ist. Auch sieht man nicht ein, warum Minister Olivarez seine eigenen Leute (!) im Sinne von irgendwelchen Hofschranzen agieren lässt. Unfreiwillig komisch wirken umgebaute Charleville-Musketen aus dem späten 18.Jh., die dann dem Prince of Wales vorgeführt werden. ;D
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