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Autor Thema: Pfad des Kriegers  (Gelesen 560 mal)

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D.J.

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Pfad des Kriegers
« am: 06. MĂ€rz 2019 - 17:05:03 »

Pfad des Kriegers (Originaltitel: Redbad) ...
... ist ein epischer Abenteuerfilm von Roel ReinĂ©, der am 28. Juni 2018 in die Kinos in den Niederlanden kam. Das historische Epos handelt von der Christianisierung und den alten Legenden rund um Radbod, dem König der Friesen, der Ende des 7. und Anfang des 8. Jahrhunderts ĂŒber das zu dieser Zeit noch vollstĂ€ndig unabhĂ€ngige Großfriesische Reich herrschte. Im Film tritt Redbad in den Kampf mit den Franken, nachdem diese die wichtigste friesische Stadt erobert und den friesischen König Aldgisl besiegt hatten.
(Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Pfad_des_Kriegers)

Ich habe den Film ĂŒber die "Kölner Feiertage" auf amazon prime gesehen.
Von der Aufmachung, der Tricktechnik und der Musik gesehen, braucht sich dieser niederlĂ€ndische Film auf gar keinen Fall hinter den big Budget Schinken aus Übersee zu verstecken. Im Gegenteil da liegt richtig viel Liebe drin, was den Film sehenswert macht.
Etwas holperig ist dafĂŒr die ErzĂ€hlweise, die oft zwischen den SchauplĂ€tzen hin und her springt, wenig erklĂ€rt und auch die Figuren teilweise wie hinter Glas wirken lĂ€sst.
Ich bin mit keiner so richtig warm geworden.
Auch das eine oder andere Logikloch (zumindest erschienen mir sie als solche) ließ die Handlung teilweise merkwĂŒrdige Salti schlagen.
Die historische Genauigkeit mögen andere beurteilen, aber konische Schilde, schwarze LederrĂŒstungen und Schwerter als Massenware muss man schon abkönnen ;)
Wenn man das kann, erwarten einen zumindest ein neuer Blick auf die AnfÀnge der christlichen Religion, die hier als Waffe dargestellt wird, um ein Weltreich zu errichten.
Die Kampfszenen wissen zu gefallen, wenn auch manche Szenen echt heftig sind.
Veganer sollten diesen Film meiden!

Fazit:
Nettes KĂ€sebĂ€llchen-Kino aus Holland, dass sogar richtig gut ist, wenn man es mit dem großen Bruder Hollywood vergleicht.
Von mir gibt es
4 von 5 Köpfen fĂŒr die Kampfszenen
5 von 5 brennenden Schweinen fĂŒr die Tricktechnik
3 von 5 Bibeln fĂŒr die Handlung, der man manchmal schwer folgen kann
4 von 5 Shakesbier fĂŒr die Darsteller, die ihre Sache trotz der SchwĂ€chen des Drehbuchs richtig gut machen

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(Sir Philip Anthony Hopkins)

Utgaard

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #1 am: 07. MĂ€rz 2019 - 08:55:18 »

Da kann ich mich DJ nur anschließen -ich fand den auch ĂŒberraschend gut, auch wenns da natĂŒrlich ne Menge Ungereimtheiten gibt, was die Franken angeht.
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D.J.

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #2 am: 07. MĂ€rz 2019 - 15:08:31 »

Das ist wie bei "The Last Kingdom", "King Arthur" oder auch jedem halbwegs lesbaren historischen Roman ohne Wanderhuren, Wanderpredrigerinnen, PĂ€pstinnen und sonstigen -innen. Die Historie funktioniert dort einfach nur als Vehikel fĂŒr Liebesschmonzetten. Und solche Filme wie "Pfad des Kriegers" etc. sprechen dann eben eher MĂ€nner an (oder sollen es zumindest, denn was fĂŒr goldende Zeiten waren das doch, wo ein Mann noch mit einem Schild und Schwert gewappnet vom Sklaven zum Lord und Herrn ĂŒber tausend Soldaten aufsteigen konnte und blahblahblubblaberrharbarer ;) )
Da muss man das historisch wissende Auge eben manchmal zukneifen, weil diese Filme (und Romane) eine Nische sind, die man nur dann bedienen kann, wenn man zumindest etwas Bekanntes fĂŒr die Masse bietet.
Ich bin da in der Regel leider ziemlich kritisch, was mir manchen Film, Serie oder Buch verleidet, weil mir da ungeniert Schwachsinn als echte Wahrheit verkauft werden soll.
Aber wenn mir dieser (historisch gesehene) Schwachsinn zumindest mit Liebe zur erzĂ€hlten Geschichte und Verve in der Umsetzung verkauft wird, sehe ich gerne drĂŒber hinweg und amĂŒsiere mich :)
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Beorn

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #3 am: 08. MĂ€rz 2019 - 17:15:41 »

Ich bin da in der Regel leider ziemlich kritisch, was mir manchen Film, Serie oder Buch verleidet, weil mir da ungeniert Schwachsinn als echte Wahrheit verkauft werden soll.

Aber wenn mir dieser (historisch gesehene) Schwachsinn zumindest mit Liebe zur erzĂ€hlten Geschichte und Verve in der Umsetzung verkauft wird, sehe ich gerne drĂŒber hinweg und amĂŒsiere mich :)

Diese Einstellung finde ich begrĂŒĂŸenswert, auch wenn auf "Redbad" - Entschuldigung - die Bezeichnung "Schwachsinn" absolut zutrifft.

Nichts gegen gute Unterhaltung, die kann ich "Vikings" zum Beispiel - bei allen Ungereimtheiten in Sachen KostĂŒmen, Chronologie usw. - auch abgewinnen. Die Tatsache, dass die Franken in "Redbad" mit Kreuzfahrer-Schilden und spĂ€tmittelalterlichen Hellebarden rumlaufen, wĂ€re auch nur ein kleines Übel. Ich bin absolut kein Waffen/AusrĂŒstungs-Pedant: "Braveheart" unterhĂ€lt mich heute noch, trotz Kilts und blauer Farbe. Die Toys 'R' Us-Waffen und Second-Hand-Rollenspielklamotten der Wikinger und Angelsachsen in "Last Kingdom" sind schon fast wieder ein Unterhaltungsfaktor. (Von den Leder-"RĂŒstungen" der Friesen in "Redbad", die mehr nach kitischigem Folk-Metal mit Keyboards aussehen als nach praktischer AusrĂŒstung, ganz zu schweigen.)

Richtig Ă€rgerlich wird es aber dann, wenn die frĂ€nkische Seite (analog zu ihrer Kreuzritter-AusrĂŒstung) gemĂ€ĂŸ des durch und durch veralteten Narrativs als aggressiv-christianisierendes Imperium dargestellt wird, gegen das die "freien", "unbeugsamen", "stolzen" Friesen ihre "Heimat" verteidigen. Dieses "freie, unschuldige Heiden" gegen "böse, imperialistische Christen"-Szenario sollte doch mittlerweile bis zum Erbrechen ausgelutscht sein. Die Forschung ist in allen Bereichen ("Christianisierung", Entstehung des Karolingerreichs...) in den letzten zwanzig Jahren daran vorbei gezogen. NatĂŒrlich mĂŒssen Filme und Fernsehserien nicht den universitĂ€ren Forschungsstand der letzten fĂŒnf Jahre spiegeln, und selbstverstĂ€ndlich braucht man (vereinfachende) Story-Elemente um das Ganze spannend zu halten (Gut gegen Böse, Liebesbeziehungen), aber warum den Regisseuren nach all den Jahren immer noch nichts Neues ausfĂ€llt, außer den alten, zu einem anachronistischem Patriotismus neigenden Kaffee aufzuwĂ€rmen, erschließt sich mir einfach nicht. ("Vikings" umschifft dieses Klischee zum grĂ¶ĂŸten Teil recht gekonnt, bei "Last Kingdom" ist es wiederum der moderne, englische Patriotismus der mir die Story vermiest.)

Um zu "Braveheart" zurĂŒckzukehren: Ja, die Geschichte beschwört ebenfalls einen modernen Patriotismus der zu Storyzwecken ins Hochmittelalter projiziert wird, aber wenigstens lĂ€sst sich eine schottische politische IdentitĂ€t zu der Zeit in den Quellen greifen. FĂŒr das Friesland des spĂ€ten siebsten Jahrhunderts besitzen wir kaum schriftliche Quellen, wir sind auf die (pro-)karolingische Hagiographie und die Chroniken des spĂ€ten achten, bzw. frĂŒhen neunten Jahrhunderts angwiesen. Das bedeutet nicht, dass Radbod, Willibrord und Pippin II. keine spannenden Charaktere wĂ€ren, um die man nicht ein packendes historisches Drama schreiben könnte. Aber nur ein kurzer Blick in die Literatur der letzten zwanzig Jahre (oder die zeitgenössischen Quellen) wĂŒrde ausreichen, um zu erkennen, dass Ersterer kein "stolzer" FreiheitskĂ€mpfer gegen ein sich ausbreitendes, frĂ€nkisches Imperium war (Zwischen 711 und 717 verheiratet er nicht nur seine Tochter an einen Franken, er schloss sogar ein militĂ€risches BĂŒndnis mit den Neustriern), und dass Letztere keine religiösen Fanatiker waren, denen es nur um die UnterdrĂŒckung von nicht-christlichen Kulturen ging.

Von mir aus können Friesen mit Triboken auf Franken mit ArmbrĂŒsten schießen, solange der Film nur unterhalten will, aber bei verqueren Geschichtsbildern, wie sie hier gezeigt werden, kriege ich BauchkrĂ€mpfe und lasse mich (leider) zu solchen typischen, echauffierten Internet-Posts verleiten.
« Letzte Änderung: 08. MĂ€rz 2019 - 18:46:24 von Beorn »
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D.J.

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #4 am: 08. MĂ€rz 2019 - 17:38:43 »

Die Toys 'R' Us-Waffen und Second-Hand-Rollenspielklamotten der Wikinger und Angelsachsen in "Last Kingdom" sind schon fast wieder ein Unterhaltungsfaktor.

Okeee ... im Sinne deines (offenbar gefÀhrlich hohen) Blutdrucks, werde ich zu dieser Serie besser nichts schreiben ;)
Und auch nicht zu Vikings.
Oder Braveheart.

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Beorn

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #5 am: 08. MĂ€rz 2019 - 18:07:39 »

Ehm, ich wollte jetzt niemandem davon abhalten, etwas zu den besagten Serien zu schreiben oder diese gut zu finden. Habe doch selbst angegeben, dass mir zumindest "Vikings" (teilweise) gefĂ€llt. Und ich bin der Letzte, der Kettenringe zĂ€hlt oder Speerformen kommentiert. Um die Waffen und RĂŒstungen ging es mir auch gar nicht. Der Toys 'R' Us-Kommentar geht im Grunde auf diesen sehr lustigen Verriss zurĂŒck:

https://www.youtube.com/watch?v=vCJUDdEirco

Ruhig weiter diskutieren, ich halte mich ja normalerweise eh raus. Nur bei diesem Thema, das mir etwas mehr am Herzen liegt, hat der blöde Internet-Reflex gegriffen.
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Riothamus

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #6 am: 08. MĂ€rz 2019 - 19:30:25 »

D.J., ich wollte hier eigentlich nichts schreiben. Aber Beorn hat da durchaus Recht. Der Film ist meiner Ansicht nach nicht ĂŒber den Punkt hinaus, an dem der Trash schon wieder kultig wird.

Es gibt da einen Schriftsteller, der hat angeblich die zeitgenössischen Ortsnamen recherchiert. Was er wirklich getan hat, war, in die Quellen zu schauen und die dort ĂŒblichen Namen zu nehmen. Daher haben dann seine norddeutschen Orte lateinische Namen. Was bei Köln je nach Sprecher noch angehen mag, ist ansonsten einfach Verarsche des Lesers. Und das geht dann auf die Nerven. Es ist einfach dumm gemacht.

Klar, Filme und BĂŒcher mĂŒssen Konzessionen machen. Zeitgeschmack, Ästhetik, kĂŒnstlerischer Anspruch, ökonomisches Umfeld, ... Zudem ist jeder historische Roman, jeder Historienfilm nur bis zu einem gewissen Grad historisch. Dahn stellt gleich ganz am Anfang drei verschiedene Germanen-Sichtweisen vor. Damit sagt er, dass er eben auch nicht alles weiß, obwohl in seiner Zeit die Geschichte zeigen wollte, wie es war. Scheffel spielt im "Ekkehard" - erfolgreichster deutscher Roman im 19. Jahhundert - ironisch mit den Vorurteilen und Ansichten seiner Zeit. Gleich am Anfang schreibt er z.B., dass es ein heller Tag war, aber nicht so hell wie heute, weil es ja das dunkle Zeitalter des Mittelalters war. Aber zu behaupten, man mache einen Film und habe sich an der Geschichte orientiert und dann Fantasy oder nur reinen Quatsch zu zeigen, ist einfach nur dreist. Und oft wird geradezu gesagt, dass man nicht fĂ€hig sei, anderes umzusetzen. Warum macht man dann dennoch den Film? Wie soll mich ein Film unterhalten, der ankĂŒndigt, etwas zu sein, dass ich dann erwarte und dadurch ĂŒberall durch Peinlichkeiten aus der Handlung gerissen werde? Da geht es nicht darum, dass mal eine falsche Waffe oder ein falscher Panzer gezeigt wird. Da geht es darum, dass ein Film nicht ist, was er verspricht. "Die letzte Legion" hat so manche Macken. Aber da ist klar, dass der bretonische Sagenkreis und die Behauptungen um das Schwert Caesars ausgeschrieben werden. Da ist es dann nicht Ă€rgerlich, wenn im nachrömischen Britannien plötzlich eine Legion der frĂŒhen Kaiserzeit aufmarschiert. Das macht den Film sympathischer als viele andere, auch wenn er sonst seine Mankos hat, z.B. die BeschrĂ€nkung der Filmmusik auf zu wenig Themen irgendwann auf die Nerven geht. Aber ĂŒber historische Fehler kann ich eben nicht meckern, wenn es gar kein Historienschinken ist.

Shakespeare (und auch Schiller) lĂ€sst Dramen vor historischer Kulisse spielen, die wenig mit dem eigentlichen Geschehen zu tun haben, ganz Interpretation und auf die eigene Zeit bezogen sind. Da ist die Geschichte im Vordergrund, die dann auch in andere Zeiten versetzt werden kann. Und heute oft schon selbst erklĂ€rt werden muss. Da ist dann eine Frage wie der Hintergrund gezeigt wird. Der Wallenstein oder Hamlet könnten auch im Weltall spielen. Da geht es um die Story, um die Charaktere und nicht um die Zeit. Das kann auch fĂŒr trivialere Werke gelten. "Die drei Musketiere" hĂ€lt alte Geschichten fest und "Der Graf von Monte Christo" drĂŒckt den Zeitgeist aus. Da wird der historische Hintergrund, im letztem Fall sogar die Gegenwart des Autors zur bloßen Ausstattung. Aber diese Ausstattung muss dann schon passen, damit es funktioniert, auch wenn es im Weltall oder in Mittelerde angesiedelt wird. (Ein Hobbit, der wĂ€hrend der Besetzung des Auenlandes eingesperrt wird und in der Zelle neben einem Zauberer landet, statt neben einem Priester. :D ) Nur muss dann der Hintergrund schon konsistent sein.

Und wenn ich einen Film ĂŒber Radbod mache, weil dieser Winkel der Geschichte bisher weitgehend unberĂŒcksichtigt blieb, muss ich mich entscheiden. Historie, Sage oder Geschichte. Nicht umsonst haben Genremixturen einen schlechten Ruf. Sie gelingen nur selten. Und dann nicht den durchaus interessantem Hintergrund zu zeigen, sondern nur heutiges Vorurteil, nun ja. Warum haben sie nicht einfach die Finnsburg-Sage verfilmt, wenn sie nur "Was mit Friesen aus dem FrĂŒhmittelalter mit vielen Fantasyelementen" wollten? Das hĂ€tte sich bei einem entsprechend seiner Rekonstrukion entworfenen Drehbuch sogar mit dem Namen Tolkien schmĂŒcken können, ohne das Tantiemen fĂ€llig gewesen wĂ€ren. Da hĂ€tte man sogar Migration oder das Thema Minderheiten thematisierem können. Da könnte alles drin sein, was heute in dieser Hinsicht die Nachrichten beschĂ€ftigt: Ablehnung des Fremden, Integration, Auflehnung gegen die Gesellschaft des neuen Landes. Ein tragisches Ende kommt heute nicht gut an. Also mĂŒssten nur die, die die Gewalt ergriffen am Ende leiden, wĂ€hrend gelingendes Miteinander zu einem guten Ende fĂŒhrt. Denn die Ethik der Völkerwanderungszeit gibt uns heute eben nichts und es liegt im Wesen einer Sage, dass sie sich verĂ€ndert, ihre Aussagen der erzĂ€hlenden Zeit anpasst. Mit der Geschichte wird es immer wieder versucht, kann aber nicht gelingen. Und wenn ich dann die ganze Zeit nur Unstimmigkeiten sehe, ist das keine Unterhaltung.

Eine weitere Unart ist heute, Filme nur fĂŒr eine Zielgruppe zu produzieren. So fragmentiert ist unsere Gesellschaft noch nicht, als dass das nötig wĂ€re. Und mehr Erfolge feiern andere Filme. Ich will solche Filme nicht ausschließen, aber es wird heute damit mitunter sehr ĂŒbertrieben. Fremdes wirkt schnell seltsam, komisch und ist hĂ€ufig anstrengend. Dadurch sind solche Filme fĂŒr viele einfach nicht zu genießen.
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Gruß

Riothamus

D.J.

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #7 am: 09. MĂ€rz 2019 - 06:31:57 »

Ehm, ich wollte jetzt niemandem davon abhalten, etwas zu den besagten Serien zu schreiben oder diese gut zu finden.

Ach du je! Das war nur ein ironischer Spaß, Beorn, kein Ernst!
Selbstredend werde ich weiter was zu Filmen und Serien schreiben (und auch mal wieder Bilder von fertigen Minis posten, sobald ich mal wieder zum Malen gekommen bin)
Ich habe mich nur etwas darĂŒber lustig gemacht, wie sehr du dich ĂŒber den Film aufregst ;) Das finde ich sogar gut, wenn auch gegenteilige Meinungen kommen, denn ein Forum lebt vom freundschaftlichen Hin und Her und nicht vom gleichmachednen Jubel.
Mit solchen Aufregern bist du auch nicht alleine, auch wenn der Film hier nicht unter meine persönliche Kategorie "Regt meinen Puls extrem an" gefallen ist ;D

Also alles paletti, ich habe nur einen Spaß gemacht und ehrlich gesagt deinen Post sogar genossen ;)
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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #8 am: 09. MĂ€rz 2019 - 07:08:05 »

D.J., ich wollte hier eigentlich nichts schreiben.

Was schade gewesen wĂ€re  :-\

Und oft wird geradezu gesagt, dass man nicht fÀhig sei, anderes umzusetzen. Warum macht man dann dennoch den Film?

Hier bin ich ratlos, denn das habe ich noch nie (zumindest bewusst) gesehen?
Ich kenne keinen Autor der sagt, ich mache das jetzt, auch wenn ich es eigentlich nicht umsetzen kann.
Zumindest keinen, der nicht per Self Puplishing veröffentlicht ;)
Der wĂŒrde mit so einer Aussage nicht ĂŒber die Vorzimmerdame der Praktikanten in einem LektoratsbĂŒro hinaus kommen und sein Foto wĂŒrde die Dartscheibe des Verlags zieren ;D

Wie soll mich ein Film unterhalten, der ankĂŒndigt, etwas zu sein, dass ich dann erwarte und dadurch ĂŒberall durch Peinlichkeiten aus der Handlung gerissen werde?

Und da haben wir das Problem der "historischen" Filme und Romane. Es gibt die "selig Unwissenden", denen laut der Bibel das Himmelreich gehört und jene, die Wissen und daran verzweifeln ;)
Einem Arzt eine Serie wie Dr. House zu prĂ€sentieren, oder einem Historiker einen Schinken wie Pfad des Kriegers, hat etwas von "weißen Verhörmethoden" ;)
Es ist fĂŒr diese Wissenden eine Qual, wĂ€hrend es fĂŒr die breite Masse ein SpĂ€ĂŸken ist.
Und das die AnkĂŒndigungen fĂŒr Filme immer sehr vollmundig sind, ist inzwischen keine Überraschung mehr. Ich persönlich ziehe 99% der VorankĂŒndigungen ab, bevor ich einen Film anschaue.
Das dÀmpft meine Erwartungen und schmÀlert eventuelle EnttÀuschungen ;)
 
Da geht es nicht darum, dass mal eine falsche Waffe oder ein falscher Panzer gezeigt wird. Da geht es darum, dass ein Film nicht ist, was er verspricht. "Die letzte Legion" hat so manche Macken. Aber da ist klar, dass der bretonische Sagenkreis und die Behauptungen um das Schwert Caesars ausgeschrieben werden. Da ist es dann nicht Ă€rgerlich, wenn im nachrömischen Britannien plötzlich eine Legion der frĂŒhen Kaiserzeit aufmarschiert. Das macht den Film sympathischer als viele andere, auch wenn er sonst seine Mankos hat, z.B. die BeschrĂ€nkung der Filmmusik auf zu wenig Themen irgendwann auf die Nerven geht. Aber ĂŒber historische Fehler kann ich eben nicht meckern, wenn es gar kein Historienschinken ist.

Und damit hast du mir den Film gespoilert :(
Aber gut, dir sei vergeben :D


Eine weitere Unart ist heute, Filme nur fĂŒr eine Zielgruppe zu produzieren. So fragmentiert ist unsere Gesellschaft noch nicht, als dass das nötig wĂ€re.

Da muss ich dir leider aus eigener Erfahrung widersprechen  :(
Wenn du ein Buch oder auch "nur" einen Heftroman an den Verlag bringen willst, musst du dir vorab ĂŒber die Zielgruppe und deren Erwartungen im Klaren sein und diese erfĂŒllen. Tust du dies nicht, wirst du keinen Verlag finden, der dein Manuskript verlegt.
Aus diesem Grund sind die zahlreichen Selfpuplisher auch alle keine MillionĂ€re. Nur diejenigen, die sich ihrer Zielgruppe und deren Erwartungen und den Konventionen ihres Genres bewusst sind, können von ihren Sachen ĂŒberhaupt etwas verkaufen. Alle anderen geraten unter die RĂ€der, verteilen ihre Romane fĂŒr 99 Cent oder gar kostenlos unter einer "Leserschaft", die weniger ernsthaft liest als vielmehr sinnlos Terabyte umd Terabyte an kostenlosen "Romanen" und Kurzgeschichten sammelt, und verstĂ€rken damit das weiße Rauschen im Literaturbetrieb, dass derzeit so laut aufwallt.
Nicht jeder kann Geschichten erzÀhlen und nicht jede Geschichte muss erzÀhlt werden.
Aber wenn man eine Geschichte erzĂ€hlen will, gleich ob fĂŒr Geld oder um seine Mitmenschen zu erfreuen, dann soll sie sich auch an dem orientieren, was die Leser haben wollen und möglichst professionell aufgearbeitet werden.
Ist das Zielgruppendenken?
Ja, ist es.
Ich kann einem KaffeekrÀnzchen bei Tante KÀthe nicht ...

Als ich erwachte, hatte ich einen goldenen Ring mit einem ordinĂ€r großen Edelstein im Mund. Es war so ein protziges Teil fĂŒr ZuhĂ€lter und Möchtegerns mit kleiner Nudel und dicker Brieftasche. Das war an sich schon ungewöhnlich. Der Clou an der Sache war aber, dass an dem Ring noch ein Finger hing. Es war ein Samstagmorgen und mit dem Erwachen an jenem denkwĂŒrdigen Tag begann mein Albtraum erst richtig.

... oder ...

Ein Klopfen an der TĂŒr unterbrach meinen Gedankengang. Ohne eine Antwort abzuwarten, kam Vladimir in das BĂŒro. Er war das klischeehafteste Abziehbild eines Vorzeigerussen, dass ich je erblickt hatte. Kantige GesichtszĂŒge, eine hinterfotzige BauernschlĂ€ue in den Augen und ein paar extrem behaarte HĂ€nde, die mĂŒhelos meine Knochen brechen wĂŒrden, sollte ich aufmucken. Vladimir hatte sein Auftreten perfektioniert. Wenn er sprach, dann schlug sein Akzent mit der schweren, slawischen Zunge und dem leicht abgerollten »R« derartig durch, dass ich den Verdacht hegte, er wĂŒrde bewusst so reden, um seine Herkunft deutlich hervorzuheben. Er liebte teure AnzĂŒge, protzigen Schmuck und Eau de Cologne. An jenem Abend roch er, als wĂ€re ihm Wolfgang Joop in den Arsch gekrochen und dort elendig verreckt.



... um die Ohren hauen, wenn die einen Alpenroman erwarten.
Die bekommen stehenden Fußes Nasenbluten, wenn die sowas lesen!  ;D
Und gleiches gilt fĂŒr Filme.
Deutsche Filme und "TV-Events" sind fĂŒr mich in ihrer bedeutungsschweren Machart voller "wichtiger" Gedanken und Themen einfach kein Thema. Solche Themen habe ich auch im Alltag, da muss ich mir das nicht auch noch in meiner Freizeit geben. Aber es gibt eben eine Zielgruppe dafĂŒr und die goutiert diese Filme.
Dann gibt es diese Tarantino-Schinken, die ich mir nur in höchst homöophatischen Dosen antun kann. Auch da gibt es eine Zielgruppe fĂŒr.
Und so geht das weiter und weiter. Und das Ziel eines Filmschaffenden (oder Schriftstellers) ist es, so viele Zielgruppen bzw. deren Schnittmengen wie möglich mit seinem Werk anzusprechen, damit ihm auch der nÀchste Film finanziert wird und er sich und seine Familie am Verdauen halten kann ;)
So gibt es also auch eine Schnittmenge / Zielgruppe, die in Tarantinos BlutbĂ€dern eine gesellschaftskritische Aussage entdeckt, die sich mit der sozial-politischen Komponente des letzten ARD Vierteilers deckt, wo zum drölftausendesten Mal alle Deutschen von vor 1945 als Nazis schlechthin bezeichnet wurden, wĂ€hrend in der Zeit ab 1946 nur noch weiße LĂ€mmer im frommen GewĂ€ndern blökten.
Das ist dann eine "gemischte Zielgruppe", wie man das nennt.

Es ist ein hehres Ziel Kunst, also Filme und Literatur, fĂŒr höhere Weihen zu schaffen.
Aber selbst Shakespeare musste sein Brötchen verdienen und die Theater Abend fĂŒr Abend fĂŒllen.
Und solange es keine Replikatoren gibt, keine sorgenfreie Rundumversorgung mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft, solange wird sich Kunst immer wieder auch der Frage nach der Zielgruppe stellen mĂŒssen, denn auch KĂŒnstler wollen essen, angezogen und untergebracht werden.
Und wer jetzt sagt, man könne sich MÀzene suchen ... was ist das denn bitte anderes, als eine Zielgruppe?
;)

« Letzte Änderung: 09. MĂ€rz 2019 - 07:40:21 von D.J. »
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Cpt.Armstrong

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #9 am: 09. MĂ€rz 2019 - 09:01:28 »

Eieiei, was habe ich mir da gestern Abend angesehen?

Da meine frau ein großes Hobbyinteresse an Friesland und damit auch den friesischen Germanen hat, war nach DJs Post am Mittwochabend sofort klar, den schauen wir am Freitag!
Wow - die ersten 20 Minuten mussten wir echt kÀmpfen nicht abzuschalten, nach der Beschreibung des Films habe ich was ganz anderes erwartet.
Bevor jetzt eine AufzÀhlung aller Kritikpunkte losgeht will ich aber eins sagen - dran bleiben hat sich gelohnt und wir fanden den Film gut.

Was mich an dem gesamten Film richtig gestört hat ist der Stil der Darsteller. Ob das nun ahistorisch ist oder nicht ist mir ja fast egal, ich kann mit diesem Vikingsstyle einfach nichts anfangen. Wannabe-Bikertypen und Weiber mit Undercut, die nur dann stark und emanzipiert sind, wenn sie Kerlen die Schnauze einhauen sprechen mich persönlich halt ĂŒberhaupt nicht an. Ja gut, persönliches Gusto.
Die Actionszenen (gerne zwei gleichzeitig gefĂŒhrte Waffen) sind so hart ĂŒbertrieben, daneben wirkt Legolas wie ein Waisenknabe. Diese sind nicht unbedingt schlecht in Szene gesetzt, aber auch nicht so meins.
Über Bewaffnung und Co. wurde schon ein wenig was geschrieben, das muss ich nun nicht weiter ausfĂŒhren.

Man nimmt sich also Malzeug zur Hand damit man das Elend nicht ansehen muss und lÀsst den Film vor sich hin plÀtschern. Zwischen schlechten Special Effects kommt ein typisches Schema F, Lovestory, Verrat, Rache blababla...
Nee Moment, in dem Augenblick in dem ich denke alles vorhersehen zu können bricht der Film mit ĂŒblichen Klischees ein klein wenig auf und auf recht erfrischende Art fĂ€ngt Der Pfad des Kriegers plötzlich an mir nette Kurzweil zu bereiten.
Erwartet nun bitte kein Oskarreifes Drehbuch, aber die Geschichte von dem Film ist fĂŒr diese Art echt nett und man kann ihn sich gut anschauen. Zum Vergleich; Vikings, Last Kingdom und The Outlaw King waren Filme die ich so richtig kacke fand. Daneben ist Redbad nicht unbedingt neu (da er genau in dies Genre dieser Filme passt), aber fĂŒr mich persönlich einfach um LĂ€ngen besser.

Kommen wir zu den Friesen; der Film hangelt sich an Klischees, Mythen und auch Überlieferungen die wir ĂŒber die Friesen haben entlang und baut verschiedene Punkte mit ein. Alles nichts dolles und weit von einer Dokumentation entfernt, aber wir hatten öfter einen Nett-das-sie-das-eingebaut-haben-Moment.
Zwei "wichtige" Ereignisse die man aus der ĂŒberlieferten friesischen Geschichte kennt sind an zwei wichtigen Punkten des Films eingebaut. Ob diese Überlieferungen nun der Wahrheit entsprechen, oder die "Überlieferung" schon stark romantisiert ist darf sicher diskutiert werden ;) aber sie gehören halt dazu und ich habe sie schon kitschiger umgesetzt gesehen. Wer den Film gesehen hat weiß was ich meine.
In einem Punkt möchte ich ein wenig widersprechen, beziehungsweise ErgÀnzend eine andere Sichtweise darlegen:

Um zu "Braveheart" zurĂŒckzukehren: Ja, die Geschichte beschwört ebenfalls einen modernen Patriotismus der zu Storyzwecken ins Hochmittelalter projiziert wird, aber wenigstens lĂ€sst sich eine schottische politische IdentitĂ€t zu der Zeit in den Quellen greifen. FĂŒr das Friesland des spĂ€ten siebsten Jahrhunderts besitzen wir kaum schriftliche Quellen

Der erste Satz ist so nicht ganz richtig. Die friesische IdentitÀt lÀsst sich seit Aufzeichnung der ersten Friesen bis heute greifen.
Wer Ostfriesland (heutzutage) nicht kennt, dem wĂŒrde ich den Menschenschlag der Ostfriesen so beschreiben, dass man sich die Bayerische Mia san Mia MentalitĂ€t auf eine sehr verschrobene und in sich gekehrte Weise vorstellen muss. Bevor sich hier ein Bayer nun verletzt fĂŒhlt, auf eine wirklich sehr verschrobene Art.
Allerdings sind die Ostfriesen auch Menschen, die sich sehr stark an ihre Traditionen klammern und wenn man die Gegend bereist kann man den Eindruck bekommen auf Zeitreise zu sein.
Hier erklĂ€rt sich auch das Ding mit lang anhaltendem Heidentum. Wie wir alle wissen hat die Christianisierung ja nicht so schwarz-weiß stattgefunden wie sie dargestellt wird, aber gerade dadurch gab es einige Völker bei den die heidnischen Rituale wesentlich lĂ€nger praktiziert als bei anderen, die Friesen gehören dazu.
Heutzutage werden immer noch einige dieser Rituale regelmĂ€ĂŸig durchgefĂŒhrt. Zugegeben, wenn man daran teil nimmt hat man das GefĂŒhl, es gibt einfach einen Vorwand um Korn zu trinken.
Aber nicht nur religiöse, sondern auch weltliche Rituale gehören zum ĂŒberlieferten Repertoire Ostfrieslands. Grabenspringen und Boßeln (was tatsĂ€chlich mal eine Selbstverteidigung war) dĂŒrften die populĂ€rsten sein.
Es gibt sogar immer noch AnfĂŒhrerposten unter den Friesen, die aus dem Mittelalter entstammen und deren Position heute noch von MĂ€nnern eingenommen wird. Gut, der reale Einfluss eines solchen AnfĂŒhrers dĂŒrfte geringer sein, als der des Karnevalsprinzen der hiesigen Kita, aber er beschreibt schön, welchen Stellenwert die friesische IdentitĂ€t unter den Ostfriesen hat.
Wenn man also behauptet die Ostfriesen hĂ€tten keinen greifbaren Patriotismus, könnte man eigentlich laut auflachen, nur neigen diese Menschen nicht zu solch emotionalen AusbrĂŒchen.
Der letzte Satz beschreibt im ĂŒbrigen ganz gut die Andersartigkeit dieser Kultur und warum man deren IdentitĂ€tsgefĂŒhl als Außenstehender nicht so sehr wahrnimmt.

Um das ganze zum Abschluss zu bringen;

was ich hier beschrieben habe ist ausschließlich die deutsche Seite der Friesen, da ich mich mit der niederlĂ€ndischen nicht so gut auskenne. Ich weiß jedoch, dass diese mit ihrer friesischen IdentitĂ€t noch mal krasser sind.
Was die NiederlĂ€nder also machen wollten ist ein Film der, fĂŒr Leute die Bock drauf haben, zeigt was fĂŒr geile Typen sie mal waren und unter dem Gesichtspunkt haben sie das doch gut hingekriegt  8)
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Beorn

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #10 am: 09. MĂ€rz 2019 - 10:38:20 »

@D.J.: Danke fĂŒr den Nachtrag, die unpersönliche Art einer Forumsdiskussion macht es einem leider oft schwer, den Ton einer Antwort herauszulesen!

@Cpt. Armstrong: Ich glaube hier geraten einige Dinge durcheinander. Ich will keinem modernen Bewohner Frieslands seine regionale IdentitĂ€t absprechen noch behaupten, es gĂ€be keine moderne (!) friesische IdentitĂ€t. Man sollte jedoch klar zwischen frĂŒhmittelalterlicher Quellenlage, hoch-/spĂ€tmitteralterlicher IdentitĂ€tsbildung und neuzeitlichem Patriotismus unterscheiden. Wenn man diese drei Ebenen vermischt, nimmt man leider schnell die Nationalismus-Perspektive des 19. Jahrhunderts ein.

NatĂŒrlich war "Frisia" bereits im siebten Jahrhundert ein geographischer Begriff. Aber von sehr wenigen, vereinzelten Nachrichten zu friesischen HĂ€ndlern (Die im Übrigen auch aus dem Frankenreich, Skandinavien oder Britannien stammen könnten, aber eben von Dorestad aus handelten...) abgesehen, lassen sich die Friesen vor dem Hochmittelalter nur aus einer christlichen, pro-karolingischen Perspektive greifen. Ich wĂŒrde auch nicht bestreiten, dass Frisia nördlich von Utrecht eine nicht-christliche Region war, aber die Wahrnehmung von den Friesen als unbeugsame Heiden, die erst der "große" Karl Martell besiegen konnte, ist eine Stilisierung, die ausschließlich auf christliche Chronisten/Mönche zurĂŒckgeht. Wie gesagt, fĂŒr die Zeit nach 1000 halte ich mich zurĂŒck, da ich die Quellen nicht mehr so gut kenne, aber die Friesen der Merowingerzeit (inkl. Radbod, der in den Quellen mehr als stereotypischer Heidenkönig denn als politischer Akteur dargestellt wird) sind nicht als "patriotische" Einheit greifbar. Im Bezug auf den Film ist ja vor allem interessant, dass der entscheidende Konflikt zwischen Karl Martell und den Friesen erst nach (!) Radbods Tod, also in den 720ern und -30er ausbricht. Hier lĂ€sst sich tatsĂ€chlich eine Konfrontation greifen, aber wie erwĂ€hnt waren Radbod und seine friesischen Söldner vorher keine heidnischen WiderstandskĂ€mpfer in der Peripherie (Ă  la Asterix), sondern aktive Beteiligte an den komplexen politischen Konflikten der Merowingerzeit. Erst die spĂ€tere Hagiographie (Selbst Beda schreibt erst vierzig Jahre nach Willibrods Ankunft in Friesland!) hat sie auf das einfache Zusammenprallen von barbarischen Heiden und tapferen Christen reduziert.

Mir ging es eben nur darum, dass man hier besonders aufpassen sollte und unterscheiden muss, was wirklich zeitgenössisch belegt ist, was sich erst spĂ€ter im Mittelalter herausgebilder hat und was komplett in die neuzeitlichen Patriotimus-Diskurse und ihre Legenden gehört. Das sehe ich ĂŒbrigens als die wichtigste Aufgabe des Historikers an: nicht auf korrekte Waffenformen und RĂŒstungen hinweisen, sondern die Vermischung von mittelalterlichen Quellen und moderner Legendenbildung wieder zu "entzerren". 
« Letzte Änderung: 09. MĂ€rz 2019 - 10:44:10 von Beorn »
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Though here at journey's end I lie
in darkness buried deep,
beyond all towers strong and high,
beyond all mountains steep,
above all shadows rides the Sun
and Stars for ever dwell
...'

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #11 am: 09. MĂ€rz 2019 - 10:52:58 »

Das ist doch vollkommen klar  :)
Ich denke ĂŒber einen historischen Hintergrund braucht man hier nicht diskutieren. Der Film strotzt (genau wie das o.g. Braveheart) nur so vor Klischees und das tut er doch auf das ganz annehmbare Weise.
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D.J.

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Re: Pfad des Kriegers
« Antwort #12 am: 09. MĂ€rz 2019 - 15:37:11 »

@D.J.: Danke fĂŒr den Nachtrag, die unpersönliche Art einer Forumsdiskussion macht es einem leider oft schwer, den Ton einer Antwort herauszulesen!

Deswegen war es mir wichtig, das MissverstÀndnis schnellstens aus dem Weg zu rÀumen :)

Ich komme eben erst vom heutigen Spieltag heim, freue mich aber schon auf die neuen BeitrÀge.
Finde ich klasse, wenn ein Thema so begeistert. Da bekommt man auch mal neue Perspektiven auf sein eigenes denken und bewertet Dinge auch mal ganz neu.
:)
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