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Autor Thema: Christopher Nolan: "The Odyssey"  (Gelesen 34 mal)

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khr

  • Schuster
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Christopher Nolan: "The Odyssey"
« am: Heute um 17:07:54 »

 Der neue Film von Regisseur Christopher Nolan „The Odyssey“ ist jetzt im Kino und im Internet gibt es viel Diskussion darüber. Gestern Abend habe ich ihn mir angesehen. Was ist mein Eindruck?


Vor allem: Der Film ist lang, sehr lang, unnötig lang. Von den knapp drei Stunden hätte man problemlos wohl eine halbe Stunde kürzen können. Viele Szenen sind übertrieben lang, sowohl bei der Action als auch bei ruhigeren Szenen.


Die Handlung hält sich recht eng an das Original, die meisten berühmten Episoden und auch Nebenhandlungen sind dabei und auch gut dargestellt. Ähnlich wie in Homers Odyssee selbst wird die Geschichte nicht chronologisch gezeigt, sondern  mit vielen Rückblenden und Berichten erzählt. Wer die Odyssee nicht zumindest in groben Zügen kennt, wird verwirrt sein, auch wegen der vielen auftretenden Personen. Ein paar Episoden hat Nolan aber weggelassen, so der Besuch bei Äolos, dem Herrn der Winde, die ich persönlich sehr mag, und – wichtiger – die letzte Etappe vor seiner Heimkehr wo er von den Phäaken gastfreundlich aufgenommen wird. Die einzige Episode, die Nolan massiv verändert hat, und nicht zum Besseren, ist die Begegnung mit Kirke.


Die Besetzung ist in Ordnung. Anne Hathaway als Penelope hat mich beeindruckt, wie sie sich als starke Frau unter großem Druck gegenüber den Freiern behauptet, stellt sie glaubhaft dar. Matt Damon macht seine Sache ordentlich, aber richtig beeindruckt hat er mich weder als heldenhafter Kämpfer, noch als Anführer noch als ideenreicher Listenschmied.


Die meisten Nebenrollen sind schauspielerisch in Ordnung. Allerdings sind sie in typisch moderner US-Amerikanischer Weise besetzt, jede ethnische Minderheit erhält ihre Quote, auch wenn man Schwarzafrikaner oder Ostasiaten in der Bronzezeit wohl nur höchst selten im Mittelmeerraum gesehen hat.  Im Internet gibt es eine große Diskussion darüber, dass Lupita Nyong’o die schöne Helena und ihre Schwester Klytämnestra spielt, aber sie macht das ordentlich. Und auch Diane Krüger in „Troy“ war nicht viel glaubhafter. Viel mehr irritiert hat mich, dass in jeder größeren Gruppe, etwa bei der Schiffsbesatzung oder Penelopes Freiern ebenfalls Afroamerikaner oder Asiaten dabei sind. Ein Barde, der einen Gesang über den Trojanischen Krieg vorträgt, ist ein Rapper mit Dreadlocks.


Für uns Antikenfans wichtig ist ja auch immer die Optik. Ich fand sie weitgehend passend. Architektur und Gebrauchsgegenstände muten mykenisch-minoisch an, Kleidung und Rüstungen sind eher klassisch Griechisch inspiriert. Das Schiff des Odysseus ist zu groß und klobig, aber das wird nur Spezialisten auffallen. Zwei Punkte mochte ich allerdings gar nicht: das Trojanische Pferd sieht ganz anders aus als jede andere Darstellung, die ich je gesehen habe. Es ist auch recht unglaubhaft konstruiert. Und die silbernen Rüstungen der Lästrygonen (?) erinnern an WH40K Space Marines.


Die Altersfreigabe ist FSK 12, was für mich sachlich in Ordnung ist, allerdings heißt das auch, dass die vielen Kämpfe zwar actionreich sind und brutal anmuten, aber tatsächlich eher zurückhaltend, was blutige Szenen angeht. Und was Erotik betrifft, ist der Film geradezu prüde, im Gegensatz zu Homer. Mit Penelope gibt es eine intime Dialogszene, mit Kirke passiert gar nichts und auch mit Kalypso kann man allenfalls erahnen, dass sie etwas miteinander haben. Und von Misshandlung, Versklavung und Vergewaltigung von Frauen, etwa bei der Eroberung Trojas oder durch die Freier ist auch keine Rede.


Zusammenfassung: Auch wenn ich Einiges zu bemängeln fand, denke ich persönlich, dass der Film durchaus gelungen ist. Er ist nicht das Meisterwerk, als den ihn manche Kritiker loben, aber mit viel Aufwand und auch Liebe gemacht. Es ist keine verlorene Zeit, ihn sich im Kino anzusehen, aber man kann auch durchaus warten, bis er auf einem Streamingdienst  oder auf DVD erscheint.
 
 
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