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Grande Armee in 1/72: Aufbau der napoleon. Armeen und Spielberichte

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Maréchal Davout:
Im Grunde sind wir uns beim Thema, was alles Wargaming sein kann, einig (Mist für die Kontroverse...  ;)).


--- Zitat von: Riothamus am 23. Januar 2021 - 22:26:15 ---Wohlgemerkt, wenn ich sage, dass ich eine deutsche Truppe für den WW2 aufbaue, dann kann ich keine Pickelhaube nehmen. Da biegen sich sonst die Haare nach oben und kräuseln sich die Zehennägel. Pickelhauben kennt jeder. Aber bei anderen, weniger auffälligen und weniger bekannten Sachen muss man einfach auch mal darauf hinweisen, damit jemand nicht jahrelang stolz mit einer recht seltsamen Armee durch die Gegend rennt. Das gehört auch in ein Forum und hat mir z.B. bei meinen Deutschen für den WW2 sehr geholfen - ein Thema bei dem ich mich mal nicht so gut auskenne, auch wenn ich inzwischen dazugelernt habe. Eine falsche Darstellung kann meist irgendwie korrigiert werden. Wenn sie trotz Hinweis bleibt, ist die Darstellung eben bewusst falsch. Bei manchen Sachen geht das, bei anderen drohe hohe Kosten für Friseur und Pediküre.

--- Ende Zitat ---

Wobei es schon wirklich variiert je nach Thema. Bei WWI und WWII kennt sich hier bei uns jeder so gut aus, dass man das Pickelhaubenbeispiel gut versteht.
Mache ich nun Söldnerkontingente für meine Mogul-Armee aus dem 17. Jh. ist die Chance gar nicht klein, dass niemand hier im Forum viel krassere "Fehler" korrigieren kann, als die Pickelhaube im 2. Weltkrieg. Ein Aspekt vieler exotischerer Themen, die der Don z.B. anpackt (bei Persern für die Napo-Zeit dürfte vielen das Knöpfchenzählen auch schwieriger fallen als beim franz. Füsilier 1815).
Dann merke ich manchmal z.B. der Zeit 1200 v. Chr. gegenüber, dass die Leute da toleranter sind gegenüber künstlerischen oder sonstigen Freiheiten, wäre bei China im 9. Jh. n. Chr. wohl auch so.
Ein Spezialist dieser Epochen findet die "Fehler" aber mindestens genauso irritierend wie die Pickelhaube im 2. Weltkrieg. Das ist ja auch nicht schlimm, ich wollte auf diesen Aspekt nur mal hinweisen, da ich fachlich ja aus der Antike komme und selbst zum klass. Griechenland fällt mir das manchmal auf, Leute wie dich, Rio, ausgenommen. Denn du schreibst auch zu antiken Themen kundig über Detailwissen.

Maréchal Davout:

--- Zitat von: Riothamus am 23. Januar 2021 - 22:35:02 ---Wellington ist toll geworden. (...)

--- Ende Zitat ---

Danke dir und D.J.!

Maréchal Davout:
Hi,

Ich habe nochmal meine Briten umgruppiert:





Die Fussartillerie von Revell hier im Bild konnte man auf den bisherigen Bildern z.B. kaum sehen. Der Force-Commander hinter den Kanonen ist Lord Hill (Chef des 1. Korps 1815).



Wie gefällt es euch?

Aktuell arbeite ich an einigen Wagen für die Landwirtschaft, einer Feldbäckerei, Rindern, einem unbeschirrten Kaltblüter und vielen Fässern, Getreidesäcken usw. La Haye Sainte will ja auch mal bestückt werden :)
Wisst ihr eigentlich, wie sich die Dichte von Gütern auf dem Schlachtfeld von Waterloo erklärt. Wie war da die Struktur der Landwirtschaft in dem Teil von Belgien. Wir haben das Chateau von Hougomont, mehrere Güter - kommt mir für dieses kleine Feld schon recht viel vor. Also in ostelbischen Gebieten hätte der Junker einen repräsentativen Sitz gehabt und wenn da eine Schlacht gewesen wäre, wären da nicht 2 weitere Güter in den nächsten 3 Meilen aufgetaucht. Das sind ja nicht nur kleinere Bauernkarten ergänzend hier bei Waterloo. Würde mich mal interessieren...

Viele Grüße
Felix

D.J.:
Die Aufstellung gefällt mir super, weil deine Miniaturen da richtig gut zur Geltung kommen :)
Der Hof im Hintergrund des ersten Bildes gefällt mir auch.

Was deine Frage betrifft ... da bin ich etwas ratlos.
Klar, Brüssel ist nur 15km entfernt, was die Gegend zur Kornkammer der Stadt machen würde. Aber warum da so viele Gehöfte liegen ... ich denke jetzt mal sehr amateuerhaft, das da sehr viele Höfe verpachtet gewesen waren und nur wenige in echtem Eigenbesitz. Dazu war es offenbar ein sehr fruchtbarer Landstrich, den man aber nicht mit wenigen "Betrieben" gut ausnutzen konnte, sondern dass man dafür "viele Hände" ergo viele Gehöfte benötigte.

Alles zusammen, also die Nähe zur Stadt, das fruchtbare Land und die Verpachtungen von "überschaubaren" Höfen und Feldern, die auch ohne größere Probleme zu bearbeiten waren wodurch man das Land auch auszunutzen konnte, könnte eine Rolle gespielt haben.
Ist aber wie gesagt nur amateuerhaft in die Tüte gesabbelt :)

Riothamus:
Ja, so kommen die Kanonen besser zur Geltung. Bei der Truppenschau ist das ja immer so eine Sache. Schön, dass du da nochmal umgruppiert hast.

Auf Bilde der geplanten Zutaten freue ich mich schon.

Meines Wissen war Hougoumont ein Schloß, Frischermont ein richtiges Gut und La Haie Sainte, Papelotte und Haie größere Bauernhöfe. La Belle Alliance war bekanntlich durch die Zusammenlegung dreier Höfe entstanden, da die Wirtin ihre Männer beerbte. Das kann einem alles so auch in Westfalen begegnen. Die Straße nach Brüssel war so bedeutend, dass sie durchaus Geld in die Gegend brachte. Die Ummauerung der Einzelhöfe in ehemals unsicherer Gegend ist auch erklärlich. Ostelbisch war die Besiedlung dünner und der Adelsbesitz war weniger verzahnt, um die großen Güter konzentriert. Das liegt auch an der Entstehungszeit. Um 1000 erst begann der Adel seinen Besitz geographisch enger zu arrondieren und in männlicher Linie und nicht mehr einfach innerhalb der Sippe weiterzugeben. Die Ostsiedlung, die ja die Eliten austauschte oder anglich, begann damals erst. Dann ist da auch die Frage nach Landesausbau, Bevölkerungspolitik sowie der Politik gegenüber dem Adel. Clausewitz erwähnt die unterschiedlich dichte Besiedlung und Infrastruktur einige Male. Er gibt teils auch an, auf welche Gegenden er sich für bestimmte Angaben bezieht. Aber das ist natürlich wieder sehr verallgemeinernd.

Eigentlich müsste das in so einem engen Bereich genauer betrachtet werden: Schauen wir einfach mal nach Paderborn, wo ich mich besser auskenne. Da gibt es eine günstige Quellenlage. Das Gebiet nördlich der Lippe (Stadt Delbrück, Hövelhof und die Senne), ursprünglich samt Teutoburger Wald und Egge Reichsforst, wurde an den Bischof verlehnt. Der gab mehr oder weniger freiwillig einen Teil an den Rändern an die Edelherren zur Lippe weiter. Der Teil zum Gebirge hin -die heutige Senne- wurde weitgehend von Besiedlung freigehalten, für die Jagd, Bienenzucht und die Wildpferde genutzt. Im Westen  um Delbrück siedelte der Bischof unfreie Bauern an. Erst im Spätmittelalter bekam die Ritterfamile der Valepagen ein kleines Gut dort, um sich gerade so über Wasser halten zu können. Mit der Zeit konnten einige andere Adlige Besitz an einigen Bauerngütern gewinnen und die Rietberger sogar ein paar Herrschaftsrechte okkupieren, die Paderborn erst durch die Reichsexekution gegen Rietberg zurückgewann. Aber es lebte dort eigentlich kein Adliger, das 'Land Delbrück' war als familia des Bischofs mit starken Rechten der Bauern organisiert. Unverkennbar, dass auch andere Städte des Hochstifts aus einer solchen Organisationsform hervorgingen. Weiter südlich gab es in fast jedem Dorf eine Burg. Um Boke allerdings hatten die Herren von Hörde eine Herrschaft, die sei teils selbst aufbauten, teils über die Herren von Störmede von den Edelherren zur Lippe geerbt hatten. Um Paderborn wiederum lag eine sehr große Feldmark, innerhalb der eigentlich alles nach Paderborn gezogen war. Adelssitze, so sie nicht aufgegeben wurden, lagen innerhalb der Stadt. Das sind lange nicht alle Unterschiede im Paderborner Raum, nur in etwa die Nordwestecke. Und es sind schon sehr große Unterschiede in einem kleinen Radius, die entstanden, weil Gebiete zu unterschiedlichen Zeiten besiedelt wurden und weil die jeweilige Politik sich mit dem Bischof ändern konnte, während Fürstenfamilien Strategien zu Landesausbau eher über mehrere Generationen verfolgten.

Langer Rede kurzer Sinn: Für die Frage müssten wir uns die Besiedlungsgeschichte des Schlachtfelds sehr genau anschauen. Ich habe z.B. mal gelesen, dass das Gut in Mont St. Jean erst seit einiger Zeit aufgebaut wurde und Hougoumont in der Umwandlung zum reinen Wirtschaftshof begriffen war. Die damalige jüngere Geschichte trug also zur Struktur der Landschaft einiges bei.

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