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Autor Thema: [REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)  (Gelesen 4069 mal)

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MacGuffin

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[REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)
« am: 11. Juli 2014 - 22:55:15 »

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Sklaven!

Jugula ist ja nun ein paar Tage auf dem Markt und manch einer hat es schon gespielt oder bastelt fleißig an Figuren und Arenen in gar merkwĂŒrdigen MaßstĂ€ben.
FĂŒr alle anderen, die sich fĂŒr das Thema im Allgemeinen oder dieses Regelsystem im Speziellen interessieren, probiere ich mich mal an meinem ersten Review und hoffe, dass sich der Daumen nicht senkt.


WAS SPIELT MAN DA?
Die Frage mag zunÀchst seltsam erscheinen, ist aber berechtigt.
Jugula ist kein gewöhnliches Tabletop. Manche mögen es auch eher als Brettspiel ansehen, da es auf vorgegebenen Feldern (8x8 wie bei einem Schachbrett) gespielt wird. Nennen wir es der Einfachheit halber ein Miniaturenspiel.

Der nĂ€chste wichtige Aspekt sind die Karten, die zur Spielmechanik gehören und separat erworben werden mĂŒssen. Diese ersetzen im laufenden Spiel einerseits die WĂŒrfel, andererseits sind sie die wichtigste, wenn auch nicht einzige taktische Ressource der Spieler. Durch sie kommt ein zusĂ€tzlicher spielerischer Aspekt hinzu - wer mit den sogenannten Deck Building Games vertraut ist, wird sich sofort zuhause fĂŒhlen. Mehr dazu spĂ€ter.

Das Spiel ist fĂŒr zwei bis vier Spieler konzipiert, wobei jeder gegen jeden antritt. Es sind Einzelspiele möglich, aber etwa die HĂ€lfte des Buches ist dem Kampagnen-Modus gewidmet, in dem jeder Teilnehmer als Lanista seine Gladiatorenschule (Ludus) leitet und seinen Ruhm zu mehren sucht.


WAS BRAUCHT MAN?
- Figuren: genau 4 Gladiatoren pro Spieler
- ein Jugula-Kartendeck pro Spieler (~ 9 Euro)
- das Regelwerk (~ 25 Euro)
- ein paar Marker
- ein Spielfeld mit 8x8 Feldern (dem Regelwerk liegt ein gefaltetes bei)


WIE LÄUFT SO EIN SPIEL AB?
Vorweg: Gespielt habe ich es selbst noch nicht, aber ein Spielbericht wird hoffentlich bald folgen. Da die Regeln jedoch sehr klar definiert und, wo hilfreich, illustriert sind, gehe ich auf die Mechanik als solche ein und werde versuchen, mich mit Wertungen vorerst zurĂŒckzuhalten.

Jeder Spieler hat vier unterschiedliche Gladiatoren-Typen (Dopplungen sind nicht erlaubt, so kann und muss man einen Mix fĂŒr den eigenen Spielstil finden), die aus insgesamt zwölf unterschiedlichen AusrĂŒstungsoptionen (je sechs leichte und schwere Varianten) gewĂ€hlt werden können. Der römische Gladiatorenkampf folgte festen Mustern und eines davon waren die Archetypen, die sich in der Arena gegenĂŒberstanden. Der Retiarius mit seinem Netz dĂŒrfte jedem bekannt vorkommen, wĂ€hrend man sich schon etwas mit der Thematik befasst haben muss, um beim Sagittarius gleich den Bogen rauszuhaben (höhö).

FĂŒr jeden Typen ist eine Karte im Deck enthalten, deren eine Seite die unversehrte Version zeigt, wĂ€hrend die andere einen verwundeten Gladiator mit entsprechenden Mali darstellt; bei einer zweiten Wunde ist Schicht und die Figur wird entfernt. Gladiatoren haben einen Bewegungswert in Feldern und jeweils Modifikatoren, mit denen sie leichte oder schwere Gegner angreifen oder sich gegen diese verteidigen; manch ein Typus hat noch eine SonderfĂ€higkeit.

In Jugula sind die Gladiatoren eigentlich Mittel zum Zweck. Auch jenseits der Kampagne ist es eher der Wettstreit der Lanistae, die gewieft ihre Karten ausspielen und damit die folgenden Dinge tun können - aber stets nur eine der Optionen, man hat also die Qual der Wahl:
- eine bestimmte Anzahl der eigenen Gladiatoren bewegen
- eine bestimmte Anzahl Attacken ausfĂŒhren
- seinen Vox Populi-Wert um einen bestimmten Betrag erhöhen (die Beliebtheit beim Publikum bietet Boni)
- eine auf der Karte formulierte besondere Aktion durchfĂŒhren
- neue Karten vom Stapel ziehen (je nach Wert mehr oder weniger; ist es die letzte Karte auf der Hand, muss man dies tun)
- \"wĂŒrfeln\" (jede Karte hat ein WĂŒrfelsymbol - wie beispielsweise bei Malifaux hat man die Wahl, ob man eine Karte von der Hand nimmt und das Ergebnis kennt, oder ob man sich lieber auf sein GlĂŒck verlĂ€sst und vom Stapel zieht, um die eigene Hand zu bewahren)
- eine Prima Jugula-Karte seinem Stapel hinzufĂŒgen

Wie bei einem Deck Building Game kann man versuchen, sich bessere Karten in den Stapel zu holen, denn auf die besseren Karten der Kategorie Prima Jugula hat man zunĂ€chst keinen Zugriff. Außerdem ermöglichen manche Karten es, die schlechteren Exemplare aus seinem Stapel zu entfernen. Man optimiert also, wenn man etwas Energie darauf verwendet, seine Kampfkraft und taktischen Optionen. Muss man aber nicht. Ebensowenig muss man seinen Vox Populi-Wert steigern - vielleicht ist es jetzt eher an der Zeit, diesem vorlauten Thraex mal ordentlich eine vor den Helm zu zimmern! Es ist ein stetes AbwĂ€gen der eigenen Optionen, da man immer nur eine davon auswĂ€hlen kann, dann ist wieder der Gegner dran.

Aber die Gladiatoren kommen natĂŒrlich nicht zu kurz. Das Manövrieren auf den Feldern, die Zonen (derer fĂŒnf hat ein jeder KĂ€mpfer; klingt aber komplizierter als es ist, wenn man mal das Bildchen dazu gesehen hat!) und das Zusammenspiel der StĂ€rken und SchwĂ€chen der Klassen - all das macht Jugula zu einem vollwertigen taktischen Miniaturenspiel. Und letztlich gewinnt man eben nur, indem man in der Arena eine bestimmte Menge an Verwundungen verursacht. Der Pöbel will Blut sehen!

Das Kampagnen-System fĂŒgt noch einige Diener im Hintergrund hinzu, die im Ludus bestimmte Aufgaben ĂŒbernehmen und ebenso in ihren FĂ€higkeiten gesteigert werden können wie die Gladiatoren, die nun Erfahrung sammeln.
Der Lanista sammelt derweil Bekanntheit und wird vielleicht irgendwann in grĂ¶ĂŸeren Arenen antreten (lassen) können. Das bringt auch mehr Geld. Ach ja, Geld: Man kann dieses sogar leihen oder verleihen, inklusive Zinsen. Gladiatoren und Diener kann man kaufen und verkaufen. Es kommt also in der Kampagne noch eine rudimentĂ€re Wirtschaftssimulation mit hinzu, aber auch diese fĂ€llt sehr unkompliziert aus und rĂŒckt einmal mehr in den Fokus, dass man hier eben als Lanista die Geschicke seiner Familie leitet.


WIE IST DAS OFFIZIELLE SPIELMATERIAL?
Das Regelbuch (vollfarbig, Softcover) umfasst 64 Seiten. Diese sind ansprechend gestaltet und vor allem ĂŒbersichtlich. SchmĂŒckende Bilder von Gladiatoren oder Szenen aus Arenen sind immer wieder eingestreut, aber wichtiger sind die sinnvollen und deutlichen Bildbeispiele fĂŒr die wenigen komplexen Situationen des Spiels.
Gleich zu Beginn gibt es einen Index und Glossar, an entsprechender Stelle werden wieder die Effekte der Karten erlĂ€utert, das Buch endet mit verschiedenen Appendizes und einer SchnellĂŒbersicht (inklusive der Studio Tomahawk-typischen Tabelle der zehn Dinge, die man im Eifer des Gefechts gerne vergisst). Die wenigen Marker und das Blatt fĂŒr den eigenen Ludus kann man sich hinten kopieren - oder einfach bei Studio Tomahawk herunterladen.
Die Texte sind verstĂ€ndlich und gleichzeitig locker bis sĂŒffisant geschrieben. Wer Serien wie Rome oder Blood and Sand gesehen hat, kennt diese jovial-robuste Gang- und Tonart ja aus dem Fernsehn.

Die Karten machen einen hochwertigen Eindruck und sind, wie auch das Regelwerk (*hust* - siehe unten), zweisprachig: Die Texte sind sowohl in französischer als auch englischer Sprache enthalten. Das stört nicht und ist fĂŒr den Hersteller sicherlich sinnvoll, um nicht unnötig mit Kartensets in mehreren Sprachen kalkulieren zu mĂŒssen. In jedem Deck sind dreimal zwölf Karten enthalten: Jeder Gladiatoren-Typus, jede Jugula- und Prima Jugula-Karte ist jeweils einmal vorhanden.

Das im Buch enthaltene Spielfeld ist zweckmĂ€ĂŸig und keineswegs schlecht, aber man sollte auch nicht zu viel davon erwarten.
Es gibt darĂŒber hinaus noch eine hochwertige Variante als Spielmatte zu erwerben, aber diese besitze ich nicht.
(Ebensowenig die von Gripping Beast neu aufgelegten Gladiatoren, aber Figuren fĂŒr historische Settings halte ich fĂŒr so generisch, dass ich da keine zwangslĂ€ufige Verbindung herstellen möchte - wie beispielsweise bei einem Spielplan mit 8x8 Feldern und Vox Populi-Leisten.)


GIBT ES KRITIKPUNKTE?
Ohne das Spiel selbst gespielt zu haben, möchte ich nur auf die augenfĂ€lligen Sachen eingehen. Ob das Ganze nun zu viel mit Karten zu tun hat und man zu wenig PĂŒppchen schubst, ist ohnehin eine Frage des persönlichen Geschmacks. Mir zumindest gefĂ€llt die Idee, dass die Gladiatoren nicht gleich auf die Gegner losstĂŒrzen mĂŒssen, sondern stattdessen erst einmal etwas Show gemacht wird. Die Jungs und MĂ€dels warn halt die Rockstars ihrer Epoche, da gehört etwas Posen schon dazu (Vox Populi) und manchmal belauert und umkreist man sich eben erst (metaphorisch, wenn man seine Optionen eben ĂŒber bessere Karten optimiert, wĂ€hrend die Figuren sich mal ein paar ZĂŒge lang nicht bewegen).

Manche werden wieder den Preis bemĂ€ngeln. So viel Geld fĂŒr verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenige Seiten oder Karten. Das mag stimmen, aber man kauft ja nicht das Papier, sondern das Spiel - und da steckt eben mehr dahinter. Außerdem hat man dann alles, was man benötigt, bis auf vier Figuren pro Nase - und auch diese kosten nicht die Welt. Es handelt sich also um ein ingesamt ziemlich gĂŒnstiges Spiel.

Aber wie steht es eigentlich um die QualitÀt der Texte? Nun ja...
Ich sollte an dieser Stelle erwĂ€hnen, dass ich mein Geld (und die viel zu vielen Zinnfiguren) seit nun doch einiger Zeit mit Übersetzungen und mittlerweile Korrekturen verdiene und da entsprechend wenigstens MindestansprĂŒche habe. Kurz gesagt: Ein Lektorat hat nicht - oder nur schlampig - stattgefunden.
An vielen Stellen ist das nicht weiter wild. Die obige Anspielung auf zwei französische Elemente im eigentlich englischen Buch - geschenkt. Das ist ja fast schon drollig und auch wirklich kein Problem an der jeweiligen Stelle. Dass Charaktere ihren Namen Àndern, dass ein Stern-Symbol kein Helm-Symbol ist und dass die GladiatorenrÀnge mehr als einmal durcheinander geraten - das kriegt man schon noch selbst auf die Kette.
Ärgerlich wird es, wenn in der ErlĂ€uterung der Karten identischer Text mal als \"kann\" und mal als \"muss\" ausgelegt wird. Hier kommt man nicht umhin, das (extrem werbeverseuchte) Forum von Studio Tomahawk aufzusuchen und nachzufragen, was jetzt eigentlich gemeint ist.

Dennoch: Ich wĂŒrde es jederzeit wieder kaufen!

In diesem Sinne: Wir sehen uns in der Arena.


NACHTRAG: NACH DEM ERSTEN SPIEL
Das erste Spiel fand unlĂ€ngst statt. Gespielt haben vier andere Personen, je zwei haben sich ein Set geteilt (gemeinsame Karten und ein Team aus je 3 MĂ€nnlein, 1 Weiblein). In jedem der Teams war eine Spielerin, die zwar mit Brett-, nicht aber Tabletopspielen vertraut war. Ich saß daneben, half beim Erinnern und der Auslegung der Regeln, gab hin und wieder Tipps und dĂ€mliche Kommentare zum Besten :thumbsup:

Beide Seiten hatten je einen Thraex und Hoplomachus, dazu kamen hier Provocator und Retiarius, dort Murmillo und Dimachaerius.

Beide Seiten bewegten sich zunĂ€chst nach vorn und tauschten ein paar SchlĂ€ge aus, merkten dann aber schnell, dass ohne Vox Populi und vielleicht ein paar stĂ€rkere Karten wirklich mehr als etwas Raumgewinn unwahrscheinlich wĂ€re. Auch wurde festgestellt, dass nur noch eine Karte auf der Hand absolut tödlich enden konnte, da der Gegner zwei freie ZĂŒge haben kann, eigene Karten vorausgesetzt. Also wurden ein paar Runden damit verbracht, taktisch hochzurĂŒsten - wobei zwischenzeitlich immer wieder Bewegung hereinkam.
Es war schön zu sehen, wie beide Teams sich daran gewöhnten, bei guten Karten in der passenden Situation die Initiative zu ergreifen und sich ansonsten eher defensiv zu verhalten.

Ein Fehler einer Seite vom Spielbeginn rĂ€chte sich spĂ€ter. Sie hatten sich ziemlich an die Wand drĂ€ngen lassen und mussten mehr Ressourcen aufwenden, sich wieder Platz zu verschaffen. Das gelang, aber ermöglichte ein Flankenmanöver, und plötzlich starb ein Gladiator in nur einem Zug, weil er - von \"Rear\" aus attackiert - nur in mit Gladiatoren (eigenen wie gegnersichen) besetzte Felder hĂ€tte zurĂŒckweichen können. Die Attacke verursachte also zwei Wunden.

Ich denke also, dass man mit etwas Erfahrung aus dem Spiel noch viel mehr herausholen kann. Ein kurzes Studium der Karten - normale wie auch Prima Jugula - gibt eben noch kein gutes GefĂŒhl fĂŒr die Optionen und Wahrscheinlichkeiten (auch wenn einer der Spieler wusste, dass die letzte Karte im Stapel die \"1\" sein musste - ein Dilemma, weil nur noch zwei Karten auf der eigenen Hand waren). Und die langfristigen Auswirkungen der Manöver ĂŒberraschen einen AnfĂ€nger natĂŒrlich mehr als einen Veteranen. Oder welchen Gladiator man am besten gegen welchen schickt...

Aber auch so war es schon eine mordsmĂ€ĂŸige Gaudi! 8)
« Letzte Änderung: 01. Januar 1970 - 01:00:00 von 1406199299 »
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[REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)
« Antwort #1 am: 12. Juli 2014 - 06:30:41 »

sehr fein und spiegelt in etwa meinen Ersteindruck wieder (ebenfalls ohne es gelesen zu haben). Was ich mich gerade wirklich frag; in welchem Umfang ist es als one-off Spiel geeignet? Oder braucht es unbedingt den Kampagnenmodus um ĂŒberhaupt Sinn und Spaß zu machen?

Nikfu

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[REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)
« Antwort #2 am: 12. Juli 2014 - 08:09:11 »

Ich hab es auch nur gelesen (immerhin), gefĂ€llt mir von daher sehr gut, auf jeden fall deutlich komplexer (Bewegung!) als die anderen gladiatorenspiele die ich kenne (da ist\'s meist gerade in den Nahkampf gehen, wer höher wĂŒrfelt gewinnt). Ist wohl eher Brett- als \"freies\" tabletopspiel. Insofern kann man sicher zum AufwĂ€rmen eines netten HTT abends ein zwei spiele spielen ohne dass die Kampagne notwendig wĂ€re. Warum ich es noch nicht gespielt habe? Aus dem Ă€rgerlichen Grund dass man zwar nur einmal die regeln, aber zweimal die kartendecks(1 pro Spieler) benötigt. Das steht zwar klein am Regelbuch, aber in der Hektik eines salutebesuchs kann man das schon mal ĂŒberlesen... :S
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Wraith

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[REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)
« Antwort #3 am: 12. Juli 2014 - 10:10:59 »

Herr Oberst! Da wird wohl eine Beförderung fÀllig!?
Klasse Review jedenfalls, das solltest du öfter machen. Eindeutiges Talent dafĂŒr hast du hiermit bewiesen. Übersichtlich und unterhaltsam geschrieben, im Prinzip auf alles wichtige zu sprechen gekommen. Habe ja in meiner Großspurigkeit selbst eins angekĂŒndig, aber bin froh, dass du mir zuvor gekommen bist (wer weiss ob ich es je gemacht hĂ€tte... :whistling: )
Ich hab bis jetzt an die 10 Spiele gemacht und kann sagen, dass dein Review hier das Spiel sehr gut vermittelt.

Zitat
Figuren und Arenen in gar merkwĂŒrdigen MaßstĂ€ben.
Wie mÀÀnschn des?  8)

Zitat
Was ich mich gerade wirklich frag; in welchem Umfang ist es als one-off Spiel geeignet?

In meinen Augen ein perfektes \"Pickup\" Spiel. Die Grundmechanik ist relativ einfach, die taktische Tiefe kommt ĂŒber die Karten und die haarigen Entscheidungen die man jede Runde treffen muss aufgrund der Karten in der Hand. Man hat die Mechanik also sehr schnell verinnerlicht und kann loslegen. Habe es bisher glaube ich 5 Leuten gezeigt, die waren alle sehr schnell im Spiel drin. GlĂŒcklicherweise ist das Spiel dadurch genau so wie ich es mir vorgestellt habe. Wenn man mal eine gewisse Erfahrung gesammelt hat und die Karten alle kennt, kann man natĂŒrlich beginnen bestimmte Taktiken ganz gezielt zu verfolgen und sich einen Vorteil erarbeiten. Hier ist es sehr Ă€hnlich zu beispielsweise Dominion.

Bisher habe ich auch nur normale 1vs1 Spiele gemacht. Mit dem Kampagnenmodus habe ich mich bislang nicht beschĂ€ftigt, daher kann ich dazu nichts aus der Praxis berichten, steht aber auf dem Speiseplan. Ich erwarte davon generell Positives, bin aber auch mit dem Grundspiel schon sehr glĂŒcklich.

Generell finde ich persönlich bei den Studio-Tomahawk Sachen die Preis-Kritik ja ĂŒberwiegend nicht so angepasst. Ich habe bereits zig Regelwerke gekauft, die 5-10mal soviel Seite hatten bei Ă€hnlichem Preis, die Regeln aber einfach scheisse und einfallslos waren. Ich bin gern bereit den Preis fĂŒr innovatives Regeldesign hinzulegen, auch wenn am Ende nur ein dickeres Heftchen bei rauskommt. Allerdings gibt es auch bei ST schon ausnahmen: Basileus & Varjazi war z.B. schon SEHR wenig Material (also auch inhaltlich) fĂŒrs Geld... Bin gespannt ob es fĂŒr Jugula noch Erweiterung in irgendeiner Form geben wird.
Beim Lesen fielen mir einige Passagen auf, die ich ein wenig unpassend flach und zotig fand... von wegen \"man will keinen anderen Gladiator hinter sich haben, jedenfalls nicht in der Arena\" zwinkerzwinkerschenkelklopf...  :rolleyes:  ...in dem Kaliber waren ein paar Sachen dabei. Solch flachen Humor muss ich jetzt nicht in nem Regelbuch haben, auch wenn ich sonst die lockere Schreibweise der Jungs sehr mag.
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[REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)
« Antwort #4 am: 12. Juli 2014 - 10:36:47 »

gut zu hören dass es recht einfach von der Hand geht und auch ohne Kampagnensystem was hermacht. Wir sind ja am Überlegen das bei der nĂ€chsten Vivat zu machen und da hat ein extremes Kampagnenaufbauspiel kaum Sinn, wenn man das immer nur 1x spielt. Welche Spieldauer habt ihr durchschnittlich Herr Wraith?

ad Preis; gĂŒnstig sind sie nicht aber auch nicht ĂŒberteuert imo. Man bekommt da ja sehr oft ein innovatives Spiel und nicht den zehnten Abklatsch und das in einer sehr ansprechenden Verpackung bzw. AUfmachung. Finde ich okay.

ad Kartensets; DAS ist wirklich doof. Sorry.....ich habe ja meine Sachen erst Monate nach der Salute bekommen weil sie eh nicht an die HĂ€ndler liefern konnten und dann kam zuerst das Regelbuch was GlĂŒck im UnglĂŒck war...so habe ich gelesen dass ich zum Spielen zwei Kartendecks kaufe. Das ist ein wenig snobistisch von einer Firma zu glauben dass sich eh gleich jeder alles kauft und so immer Leute gegeneinander antreten wo jeder ein Regelbuch und Karten hat. Umgekehrt ist wohl eher der Fall...jemand hat das mit, ĂŒberzeugt andere und dann erst wird gekauft...aber gut. minor fail

Eversor

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[REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)
« Antwort #5 am: 12. Juli 2014 - 16:00:09 »

Ich habe das Regelwerk auch seit ein paar Tagen, habe es allerdings noch nicht testen können, da mein zweites Kartenset nicht gleich mitgekommen ist und jetzt noch im Laden liegt. Und nach ausgiebiger LektĂŒre möchte ich die Rezension so unterschreiben. Als Hinweis sollte man vielleicht noch auffĂŒhren, dass jeder Spieler maximal einen von jedem Gladiatorentyp in seiner Familia haben kann, zwei Sagitarii sind also z.B. nicht möglich.

Sehr gut gefĂ€llt mir ĂŒbrigens das Kampagnensystem, da es einfach und ĂŒbersichtlich gehalten ist. Dabei finde ich es z.B. klarer als die beiden Kampagnenvarianten in Gladiator.
Toll ist dabei, dass es eben nicht nur um die KĂ€mpfe selbst geht, sondern um die Entwicklung des Ludus\'. Gerade die Beeinflussung durch gezielte Servitores bringt noch etwas Taktik in die Zeit zwischen den Ludi: \"Hey Maximus, kĂ€mpf nicht fĂŒr Rufus, geh lieber zu Marcellus. Der Ludus hat eine echt gute Matratz... Ă€h... Lupa.\" ;)

Ein kleiner Kritikpunkt ist die starke Festlegung der \"Spielvarianten\". Letztendlich tritt man immer mit vier Gladiatoren an und die Szenario- und Siegbedingungen unterscheiden sich nur zwischen Zwei- und MehrspielerkÀmpfen. Da bietet z.B. Gladiator, auch ohne Seeschlachten oder Wagenrennen, mehr Vielfalt.

Insgesamt sehe ich das Spiel aber auch als Pflichkauf fĂŒr jeden, der Gladiatoren mag. Ich hatte mir jedenfalls erst einmal zwei nackte Gladiatoren geschnappt und angepinselt. Nicht, dass ich nicht schon genug fĂŒr die Spiele bemalt hĂ€tte...

MacGuffin

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[REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)
« Antwort #6 am: 12. Juli 2014 - 16:52:22 »

Es steht zwar schon im Text, dass man unteschiedliche Gladiatoren hat, aber ich stelle es noch einmal klarer heraus, da man das sonst vielleicht ĂŒberliest. Ist ja ungewöhnlich genug, aber eine gute Idee, um die Spieler zu motivieren, mit verschiedenen Teams zu experimentieren.
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MacGuffin

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[REVIEW] morituri ludant \"JUGULA\" (oder so)
« Antwort #7 am: 24. Juli 2014 - 12:56:03 »

Ich habe als Nachtrag Impressionen aus dem ersten Spiel niedergeschrieben.
Deckt sich das so weit mit dem, was ihr in euren Spielen erlebt habt?
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Eversor

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« Antwort #8 am: 03. August 2014 - 22:14:03 »

Ich hatte gestern StadtRandKind zum Austesten des Systems zwangsverpflichtet. Da wir beide keine Spielerfahrung hatten, haben wir die Teams eher blind aus meinen BestĂ€nden zusammengesucht, wobei außer Secutor und Scissor alles zur VerfĂŒgung stand.

Im ersten Spiel sind wir relativ schnell aufeinander losgegangen und haben erst dann auf Prima Jugula Karten zurĂŒckgegriffen und Vox Populi langsam hochgeschraubt. Im zweiten Spiel erfolgte das AufrĂŒsten der Karten recht frĂŒh, danach kam der Schlagabtausch. Und im dritten Spiel gab es eine (fĂŒr die Gladiatoren un)gesunde Mischung aus beidem. Gerade im dritten Spiel wurden die Karten dann doch schon sehr taktisch gespielt.

Mir haben die ersten Spiele jedenfalls riesigen Spaß gemacht und bei StadtRandKind schien es nicht anders zu sein.