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Autor Thema: `Behind Oahu´  (Gelesen 2448 mal)

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AEON

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`Behind Oahu´
« Antwort #30 am: 01. Februar 2016 - 00:01:31 »

\"Muss schon sagen - die Karren, die es hier gibt, die taugen mir!\" lehnte sich Rabensteyn gemütlich auf der Rückbank des lackschwarzen Chevrolet Impala zurück. Das ewig lange Cabrio mit seinen überbordenden Chromverzierungen und dem Reserverad in einer Art Wanne am Heck war über fünf Meter lang und leicht zwei Meter breit. Die zwei durchgehenden Sitzbänke boten insgesamt sechs Leuten bequem Platz und man saß auf ihnen wie auf einer Couch. Rabensteyn saß hinten mit einer großäugig um sich staunenden Pearl und einer wie üblich misstrauisch wirkenden Diega, während Loo vorne zwischen einer neugierigen unherblickenden Alun saß - und einer belustigt lächelnden Kou Lunh, die den Wagen mit seinem großen und vor sich hinblubbernden Motor souverän durch den Verkehr der nächstegelegenen Stadt steuerte, die Kalevala hieß.
Hier sah es aus, wie es in einer Stadt nur aussehen konnte - hier waren überall diese typisch klotzigen Autos, die kein Vergleich zu den stromlinienförmigen, leisen Karossen der Konzerner waren - das waren zwei völlig unterschiedliche Stylerichtungen, aber es war unschwer festzustellen, daß Rabensteyn diese Wagen mit ihren Heckflossen und den mächtigen Kühlergrilldesigns sehr mochte. Die Leute, die man hier sah, wirkten alle, als wären sie auf Urlaub, fand Diega. Abgesehen von der Tatsache, daß sie als Tuvalesen alle irgendwie etwas nach Loo oder Kou Lunh aussahen, gab es auch hier alle möglichen Typen und Varianten: Dick, dünn, alt, jung...
Es fiel auf, daß es hier wesentlich lebhafter auf den Straßen zuging als in New Hanover, der Konzernerstadt auf New Caledonia. Und natürlich sah es hier altmodischer aus - nicht wenige Häuser am Stadtrand standen auf großen Grünflächen und waren als weitläufige, eingeschossige Bungalows ausgelegt, augenscheinlich aus Holz gebaut, das anschließend gestrichen worden war. Man sah alle möglichen kleineren und eigenständigen Geschäfte, Läden und Lokale - nicht die typischen, zu Ladenketten gehörigen Filialen, wie sie in den Konzernerliegenschaften gang und gäbe waren.
Und selbst die Innenstadt mit ihren vielleicht 20-geschössigen Hochhäusern wirkte irgendwie... man könnte fast sagen, gemütlich. All das wirkte mit den x-mal geflickten Asphaltstraßen, den roten Hydranten, den Telefonzellen, Straßenlaternen und Strommasten wie... BIlder aus längst vergangenen Zeiten, wie Diega und Rabensteyn sie mal in antiken Dateien über die Erdgeschichte gesehen haben mochten. Und es gab hier auch breite Straßen, die in gewissen Abständen von Hibiskusbäumen oder Palmen gesäumt waren - sogenannte Alleen. Und schließlich sagte Diega etwas, das Rabensteyn verblüfft eine Braue hochziehen ließ: \"ich... mag es hier.\"
\"Wir auch.\" gab Kou Lunh lächelnd zurück: \"Deshalb haben wir Krieg. Ich habe eine eurer Städte gesehen - und wie ihr mit uns umgeht. Nicht mein Fall...\"
\"Echt jetzt?!\" staunte Loo und die Tuvalesin nickte: \"Sieht alles sehr... kalt und steril da aus. Ewig hohe Wolkenkratzer, die aussehen wie aus dunklem Glas - und Straßen, die sehr breit und geradezu lächerlich glatt sind - die sehen aus, als wären sie naß.\"
\"Dieser Architekturstil nennt sich `Corporate Style´.\" ergänzt Alun und Kou Lunh fragt zurück: \"Und wie nennen die Konzerne Sklaverei?\"
Kou Lunh fuhr fort: \"Ich denke,l ich habe rausbekommen, wie´s abläuft - diese Typen tauchen erst dann auf, wenn die Einwohner einer möglichen Welt schlau genug sind, Maschinen zu bedienen und noch nicht so technisch hochentwickelt, um ihnen Paroli bieten zu können - perfekte Arbeitskräfte.\"
\"Das erklärt so Einiges.\" meint Rabensteyn und Kou Lunh grinst wieder: \"Dummerweise ist das hier Tuvalu II. Eine Welt mit sehr viel Wasser - und wir sind gut in der Nähe von sehr viel Wasser.\"
\"Das kann man wohl sagen.\" stimmte Diega zu: \"Hab´ mal einen gesehen, der ist in´s Wasser gesprungen - und der kam erst nach 40 Minuten wieder rauf...\"
\"Das gehört auch zu meinem eigentlichen Beruf - ich bin normalerweise Perlentaucherin.\" erklärte Kou Lunh gelassen und meinte weiter: \"Wie gesagt, im Gegensatz zu dem ganzen High-Tech-Zeugs der Konzerne und dem Krams, den ihr euch einoperieren lasst, mögen wir niedlich und putzig erscheinen - aber wir sind genau richtig für diese Welt. Unser Zeugs hat kein Problem mit hoher Luftfeuchtigkeit. Wir haben unsere eigene Kultur - und die mögen wir recht gern.\"
Loo grinst und machte das Radio des Wagens an: \"Ganz genau - willkommen also bei uns!\"
\"Okay, eigentliche Perlentaucherin - was ist dann Dein richtiger Job?\" fragte Diega und Kou Lunh meinte belustigt: \"Hähä, das ist geheim. Findest Du´s raus - muss ich Dich töten.\"
Alle sahen sie mit großen Augen an - inklusive Loo und die Tuvalesin zuckte entschuldigend mit den Schultern: \"Ich sehe schon, meine Gags ziehen nicht so besonders.\"
\"Näh, echt nicht!\" mein Pearl. Sie sah zu Kou Lunh rüber und fuhr fort: \"Fettes Sorry - aber wenn DU das sagst, klingt das nicht sehr witzig!\"
\"Uh, ich sehe, ich muss an meiner Ausstrahlung arbeiten - danke für den Tip!\" grinste die tuvalesische Agentin breit und Alun meinte: \"Also bist Du sowas wie eine Geheimagentin.\"
\"Öhhm... jaaa - so gesehen, kann man das so sehen.\" entgegnete Kou Lunh gedehnt und sah zu der unirdisch schlanken blonden Frau rüber: \"Aber hey - wenn ich mir Dich so ansehe, dann hast Du auch ein paar Geheimnisse, nicht?\"
\"So gesehen, kann man das so sehen, ja...\" grinste Rabensteyn breit - und zündete sich eine der hier typischen Zigarren an. Ja, er musste Diega recht geben - ihm gefiel es hier auch zusehends besser und besser.
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AEON

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`Behind Oahu´
« Antwort #31 am: 02. Februar 2016 - 01:16:03 »

Hang Loose

\"Mann, ihr seht selbst in eurer Freizeit so verdammt offiziell aus - meine Fresse!\" fluchte Rabensteyn, als Diega und Alun aus dem Cabrio aussteigen. Jemand wie Alun zog natürlich auch in einem Auto sitzend viele Blicke auf sich, aber als sie aus der schwarzen Renommierkutsche ausstieg... Die ewig lange Blondine hatte ihre übliche Garderobe aus ihrem Survivalpackage gezogen - diese war zwar pastellfarben, aber hatte eindeutig sowas wie Rangabzeichen - oder sowas. Und Diega - Pearl vermutete, jemand wie sie war immer im Dienst...



\"Einer muss ja aufpassen, daß Alun nicht einfach so geklaut wird.\" war Diega´s simple Antwort. So ging der bunte Haufen auf einer Strandpromenade flanieren - und sie wunderten sich über den Lieblingssport der Einheimischen - auf übergroßen, bunten Bügelbrettern stehen und Wellen abreiten.
\"Neben Kanufahren und Tauchen ist das unser Lieblingssport. Wir nennen es surfen.\" erklärt Kou Lunh den erstaunten Neuankömmlingen. Und auch hier hörten sie aus großen Kasettenrecordern die Musik, die bei den Jugendlichen gerade hoch im Kurs stand.

https://www.youtube.com/watch?v=okzmGI-Paj8

Pearl mochte diese Musik - und sie fand, daß sie wirklich gut zu... allem hier passte. Diese enorm großen Wellen, die blaugrün-gläsern wie in Zeitlupe brachen - und die Surfer, die wirklich beeindruckende Tricks auf Lager hatten - und wie sich das Sonnenlicht in den Wasserspritzern brach - sie fand, daß das genau der Zeitpunkt war, ihre superlässige BORGHESIA-Sonnenbrille spazierenzutragen - mit einem breiten Grinsen, versteht sich: \"Woah, das ist ul-tra-ver-schärft hier!\"
Loo sah sie mit einem fragenden Blick an: \"Ich nehme an, das ist was Gutes?\"
\"Ist es schwer, diese Dinger zu fahren?\" fragte Pearl aufgeregt und Loo sah etwas überrumpelt aus: \"Die Boards? Öhhm... weiß nicht - wir lernen das schon von kleinauf...\"
\"Woah, ich will das auch können!\" blickte Pearl mit ihren großen Amethystaugen auf den Strand runter - was man aber nicht sah, wegen der Sonnenbrille. Kou Lunh begann zu grinsen und meinte: \"Okay - kein Akt. Ich zeig´s Dir - aber an einem kleinen, nicht allzu überlaufenen Strand. Willst Dich doch nicht vor der ganzen Mannschaft zum Obst machen, oder?\"
Pearl sah sich zu der amüsiert grinsenden Agentin um und Rabensteyn sah unter seinem breitkrempigen Hut mit einem ähnlichen Grinsen zu ihr hin: \"Ich hab´ keine Ahnung, was Du alles drauf hast, Kleine - aber bevor Du hier von der Planke segelst und den halben Ozean in den Hals kriegst, würde ich ihre Option wahrnehmen. Lernen vom Profi ist immer gut.\"
\"Dann weiß ich ja schon, was wir heute tun werden. Und nein, wir werden nicht versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen.\" hielt Diega der überraschten Pearl ein knallgelbes, dreifinniges Swallowtail-Board hin: \"Hier - Geschenk des Hauses - weil Du genau so bist, wie eine nervige kleine Schwester - die ich nie hatte. Und wenn Du das mit dem Surfen nicht hinkriegst - dann frisst Du das Teil, comprendez?\"
\"Wo hast Du denn das...\" begann Alun und die Latina zeigte auf einen flachen Bungalow gegenüber der Straße, an dessen Fassade ein Schild zu lesen war: BIG ZEKE´S BOARDS´N MORE!: \"Die haben so viele davon, daß sie sie verhökern müssen.\"
\"Und wie hast Du bezahlt?\" fragte Alun misstrauisch weiter, als die Soldatin ihr nun kahles, linkes Handgelenk hochhielt: \"Der war ganz scharf auf meine Uhr. Was glaubst Du denn? Daß ich ihm die Knarre unter den Rüssel halte?!\"
\"So ganz abwegig finde ich den Gedanken nicht...\" warf Rabensteyn von der Seite ein und Diega fluchte: \"Ich halte DIR gleich die Knarre unter den Rüssel - und Du hast die Wahl, welchen R...\"
\"Das sind ja Worte, hart wie´s Kokosnüsschen - jetzt geht´s aber erst mal ab zur Strandbar, damit ihr wisst, wo man was Hübsches zu trinken kriegt - und wenn ihr wollt...\" grinste Kou Lunh und Loo fuhr fort: \"...dann kenne ich danach genau den Strand, den Pearl brauchen könnte.\"
« Letzte Änderung: 01. Januar 1970 - 01:00:00 von 1454398259 »
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`Behind Oahu´
« Antwort #32 am: 10. Februar 2016 - 16:24:20 »

\"Ladies´n Gentlemen, here we are, life from the Kalevala Spaceport, where the first tuvalesian Attempt to fly into Space is just about to take Place...\" war es aus den Radios und den TV-Geräten an den Strandbars zu hören, wo sich zur Dämmerung alle drängten - und einem Bericht folgten, der vom ersten bemannten Raumflug eines `Astronauten´ der tuvalesischen Luftwaffe handelte. Am meisten amüsierte die Neuankömmlinge die nostalgische und altmodische Aufmachung der Nachrichtensendung mittels abenteuerlicher Zeichentrick-Fotomontagen, um den Zuschauern ein Swing-By-Manöver zu erklären, bevor der Astronaut sich in der AX-15 dem riesigen Kolonialschiff ACONCAGUA nähern soll, das seit annähernd einem Jahrtausend den Planeten umkreist - Das Ding ist so groß, daß man es problemlos von hier unten aus sehen kann.



Aber Rabensteyn sieht schon - Loo und Alun sind ein Herz und eine Seele, wenn´s um was geht, das abheben und fliegen kann. Und der Söldnerführer sieht sich das schwarzweiße Ding im Fernsehgerät an und denkt sich: `Wow - in der Blechkiste fliegt einer da rauf - mit fast 8000 Sachen? Zum ersten Mal und ungetestet? Mann, der Typ muss Messingklöten haben - oder absolut bescheuert sein!´
Und als sie das Bild eines jungen Soldaten sehen, der zwar die typisch braune Haut eines Tuvalesen, aber zu einer Art `Mozartzopf´ gebändigte milchweiße Haare hat, denkt Rabensteyn sich basserstaunt: `Der sieht ja total drollig aus - also entweder bin ich echt `ne feige Flasche und lose gegen DEN DA total ab - oder der Typ ist so bekloppt wie `ne verdammte Scheißhausbremse. Ich hoffe mal letzteres...´
\"Ich kenne den. Das ist Darius Troy - einer von diesen Sunnyboyz, denen einfach alles gelingt.\" grummelt Loo, als er in die Flimmerkiste guckt und Diega sieht ihn schief an: \"Lass´ mich raten - Du wolltest auch dieses Höllengefährt testen - hast aber gegen den Schönling abgestunken?\"
Loo grinst: \"Ganz genau - alles, was der anpackt, gelingt ihm irgendwie - sogar seine Stimme ist cool. Kennst Du diese Art Mensch? Entweder man wird total der Fan von ihnen - oder man kauft sich ein Scharfschützengewehr?\"
Nichtssagend zeigt Diega auf Kou Lunh, die immer noch mit Pearl in der Brandung zugange ist: \"Die da. Es gibt eben den Schlag Leute, der überall eine gute Figur macht. Und es ist zum Kotzen, weil es immer so aussieht, als sei da gar nichts bei.\"
\"Wahrscheinlich ist sie genau deswegen beim tuvalesischen Geheimdienst gelandet.\" mutmaßt Rabensteyn und stößt Loo mit dem Ellbogen an: \"Ihr scheint ja einen Haufen solcher Leute hier zu haben, Kumpel.\"
\"Ja - nur hast Du sie meistens genau da, wo Du sie nicht haben willst - oder nicht brauchen kannst, weil sie Dich im Vorbeigehen wie einen kompletten Idioten aussehen lassen.\" meint Loo, aber dann werden die beiden von Alun aus ihrer eigenartigen Unterhaltung gerissen, als sie einwirft: \"ICH stehe da wie eine Idiotin. Aber ich habe Glück - denn ich bin nicht da, wo ich wie eine Idiotin aussehen würde.\"
\"Das zählt dann auch nicht!\" winkt Rabensteyn ab und Loo fragt: \"DU... wärst die umwerfendste Idiotin von allen! Was kannst DU denn wohl schon verbockt haben?\"
\"Naja - ich wurde von einem total obsoleten feindlichen Kampfflugzeug vom Himmel geholt - und die Feindmaschine ist so gut wie unbeschädigt, während die 33 Millionen Keyz teure X-23 totaler Schrott ist?\" antwortet die hochgeschossene Blondine und Rabensteyn grinst Loo an: \"Ha - das soll Mr. Wonderful in seinem Raketenschlitten erst mal nachmachen! Das ist wie mit einem Vorderladergewehr einen FullBorg auszuknipsen!\"
\"Ist Alun nicht ein FullBorg?\" fragte Diega gedehnt nach und Rabensteyn stutzt - überlegt etwas - und fragt den Barkeeper dann: \"Sag mal - haste noch was von diesem Cuba-Libre-Zeugs? Brauche bald `ne gute Ausrede, falls ich noch mehr Blödsinn ablasse...\"
« Letzte Änderung: 01. Januar 1970 - 01:00:00 von 1455118164 »
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`Behind Oahu´
« Antwort #33 am: 10. Februar 2016 - 22:31:39 »

Am nächsten Tag...

...lernten die Neuankömmlinge eine völlig andere Welt kennen - die unter Wasser. Das wahre Tuvalu II. 84% dieser Welt sind sonnendurchfluteter, vergleichsweise seichter Ozean. Tiefer als 4200 Meter ist es hier nirgends - so glaubt man. Gut, zum Ertrinken reicht das natürlich locker aus, aber bei Diega und Rabensteyn erhärtete sich der Verdacht, daß Ertrinken unter den Tuvalesen wahrscheinlich eine eben so seltene Todesart wäre, wie das Stürzen in einen Wandspiegel und das nachfolgende eigene Enthaupten an einer großen Spiegelscherbe.
Während die Söldner auf ihre moderne Tauchausrüstung zurückgriffen, zogen Loo und Kou Lunh es vor, einfach so wie sie waren in die Welt der archaischen Riffe einzutauchen - im wahrsten Sinne des Wortes. Alun konnte ebenfalls vergleichsweise lange die Luft anhalten - sie griff aber wenigstens zu Taucherflossen - um genau zu sein zu einer Monoflosse. Aber der Eindruck, daß die Tuvalesen für diese Wasserwelt wie geschaffen waren (was sie ja prinzipiell ursprünglich auch waren), erhärtete sich, wenn man ihnen zusah, wie sie mit der Agilität von Seehunden einfach so unter Wasser unterwegs waren. Und das riesige Riff vor Vanuatu war spektakulär - das war selbst demjenigen klar, der sich kein Stück mit Ozeanologie auskannte.



Zuvor hatte Kou Lunh Pearl und den Söldnern noch erklärt, weshalb sie einfach nur ihre Jeans, ein Top und ein Tauchermesser dabeihatte - es reichte ihr vollkommen und ihre Jeans hält in ihrem knappen Schnitt die Beinmuskulatur in Form - auch Fische sind vergleichsweise `hart´, was ihre effektive Stromlinienförmigkeit noch erhöht. Zudem ist Jeansstoff rauh - was einen ähnlichen Effekt wie Haihaut zeigt. Das mögen winzige Vorteile sein, aber sie summieren sich. Auf jeden Fall war die quirlige Pearl ein großer Fan ihrer `Lehrerin´ und dementsprechend ähnlich gewandet unterwegs. Das größte Geheimnis der tuvalesischen Anatomie war die angewandte Simplizität - Tuvalesen sind tatsächlich retrogenetisch optimiert worden - ursprünglich, um den Autodoc-Einheiten auf der Aconcagua die `Wartung´ der Cryostasetanks mitsamt deren Inhalt zu vereinfachen - aber auch, um sie optimal für eine Wasserwelt auszustatten. So ist ihr Organlayout absolut symmetrisch. Dinge, die sich eventuell entzünden können und verzichtbar sind - wie beispielsweise der Appendix oder Tonsillen - fehlen vollkommen. Den Tuvalesen mit ihrem verdichteten Körpergewebe und den durchsichtigen `Nickhäuten´, die es ihnen ermöglichen auch ohne Taucherbrillen unter Wasser sehen zu können, ist die verwirrende, unaufgeräumt wirkende Anatomie der Terraner ein komplettes Rätsel - vor allem, wenn sie wie einige Söldner oder auch Pearl kybernetisch oder biogenetisch aufgerüstet worden sind. Nun ist Pearl ihrem Vater für einen kurzen Moment dankbar, daß er ihr eine endodermale Impaktpanzerung spendiert hat - die bei kinetischer Einwirkung steinhart wird. Als Tochter eines einflussreichen Mannes muss man auch ein wenig geschützt sein - mit einem Schutz, der nicht zu entdecken und falls doch unentfernbar ist. Sie selber hat sich in weiser Voraussicht die Effektivität ihres Lungengewebes erhöhen lassen - so sind wenigstens bis zu 20 Minuten Tauchzeit drin.
Der technologische Fortschritt ermöglicht es den Terranern sogar Organe, Glieder oder sogar komplette Körper am Mediframe anpassen und in einem 3D-MediPrinter `ausdrucken´ zu lassen. Es wäre ihnen sogar möglich, sich jedesmal, wenn sie zu altern beginnen, neue Körper designen und anpassen zu lassen - wenn sie es sich leisten können, versteht sich. So kann man auch dafür sorgen, daß man nach einem solchen Eingriff völlig anders aussieht - nur das EEG könnte einen dann noch als den verraten, der man ist. Und selbstverständlich wissen die Geheimdienste das - und so auch Kou Lunh.
Soldaten und Söldner wiederum stehen oft auf altmodische `Hardware´. Ein kybernetischer Arm und ein kohlenstoffnanoröhrenverstärktes Endoskelett machen einen ebenfalls sehr stark und `wartungsarm´. Man kann tatsächlich repariert werden. So gibt es militärische FullBorgs - Kampfkolosse, die leicht bis zu einer halben Tonne wiegen können, IR-Sensoren, Restlichtverstärker, optische und akustische Leveldamper, systeminterne Kampfdrogeninjektoren und Filtersysteme gegen Kampfstoffe sowie dementsprechende Komposit-Körperpanzerung aufweisen können, welche die wirklich außerirdischen Aliens sind - in den Augen der Tuvalesen. Die nennen sie einfach Kampfroboter - wie frisch aus den SciFi- Filmen, die sie sich oft in den Autokinos ansehen. So leistungsstark wie ein menschengroßes Insekt, muss man sie im Ernstfall tatsächlich sprengen - daher gibt es in den tuvalesischen Streitkräften seit Neuestem Soldaten mit eigens entwickelten, langläufigen M-79-Granatgewehr-Versionen im Kaliber 40mm, die inzwischen speziell dafür ausgebildet werden, diese FullBorgs zu jagen und zu sprengen. Diese Leute kommen aus der neugegründeten MAXTAC-Einheit, die sich damit beschäftigt, neue Feindtechnologien zu identifizieren, falls möglich zu untersuchen und zu analysieren - und geeignete Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Aber all das ist momentan angenehm weit weg. Alun und Pearl sehen sich mit großen Augen um - sie tragen Halbschalen-Kontaktlinsen, um unter Wasser klar sehen zu können. Und was sie alles sehen konnten... Kopffüßer, deren Körper in Gehäusen steckten wie bei Schnecken - in den erstaunlichsten Formen und Farben. Manche winzigklein - andere riesig groß. Eines der Tiere mit einer langgestreckten Schale, ähnlich einem Walrosszahn, brachte es auf fast fünf Meter Länge. Ein anderes Tier mit einer Ammonitenschale hatte einen Duchmesser, vergleichbar mit einem Traktorrad. Zahlreiche Sorten von Quastenflossern in schillernden Farben schwammen zwischen den haushohen Korallen herum und auch auf dem weißsandigen Grund zwischen den bunten Korallen und farbenfrohen Blumentieren waren zahlreiche Mollusken zu sehen - wie Muscheln, Brachiopoden oder opulent geformte Seeschnecken. Zwischen diesen wuselten asselähnliche Trilobiten entlang, immer auf der Hut vor den bis zu drei Meter großen und verblüffend schnell schwimmenden Seeskorpionen - und es gab seltsam geformte Panzerfische am Boden, die ein wenig an Welse erinnerten. Weiter draußen trieben seltsame Staatentiere umher - manche so groß wie Regenschirme. Diese als Graphtolithen bezeichneten Zellgemeinschaften wirkten wie Biosphärenkuppeln mit langen, gefiederten Antennen am unteren Ende.
Und das war nur das Bild in den Riffen - die Hochsee barg noch ganz andere Absonderlichkeiten - wie den bis zu acht Meter langen Steinbeißer - ein massiger, muränenschwänziger Panzerfisch mit einem Kopf wie eine Blechschere. Es war klar, daß man dem besser aus dem Weg gehen sollte. Er war das Äquivalent des Weißen Hais. Dann waren da noch die planktonfilternden Riesen - unter denen 17 Meter lange Friedfische zu finden waren, mit eingeführte Wale und die Nachts auftauchenden `Glasuhren´, Quallen von bis zu 60 Metern Durchmesser, deren Biolumineszenz sie nachts weithin leuchten ließen. Wenn es ein Tier gab, das den Tuvalesen heilig war - dann das. Glasuhren waren gewaltig. Majestätisch, langsam und absolut harmlos hingen sie schwerelos in den Tiefen der offenen See und waren ein lebendes Mysterium. Man wusste nicht wie alt sie wurden, man wusste auch nicht, welche männlich oder weiblich waren (oder ob das bei ihnen überhaupt eine Rolle spielte), oder wie hoch ihre wie auch immer geartete Intelligenz war. Vorhanden war sie jedenfalls, das hatten sie auf´s ein oder andere Mal beeindruckend bewiesen. Sobald beispielsweise Taucher auf sie trafen, konnten diese feststellen, daß die Bewegungen der eleganten, gläsern wirkenden Giganten... vorsichtiger wurden. Gerade so, als ob sie diese winzigen, seltsamen Tiere nicht aus Versehen verletzen wollten.
Langsam wurden Rabensteyn, Alun und Diega klar, auf was für einer Welt sie hier gelandet waren.
Auf einer äußerst geheimnisvollen.
Und das war erst der Anfang...
« Letzte Änderung: 01. Januar 1970 - 01:00:00 von 1455141171 »
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« Antwort #34 am: 11. Februar 2016 - 23:11:18 »

The Choice we made

Technologie ist immer so eine Sache. Nach der Landung auf der Wasserwelt Tuvalu II - versagte sie - beinahe komplett. Erst langsam kamen die Siedler Generation für Generation wieder auf die Beine und entschlüsselten das, was verlorengegangen war. Die Klügsten und Weisesten unter den Tuvalesen wurden in den Wissenschaftlichen Rat gerufen - und bilden diesen bis heute. Selbstverständlich - gemessen an dem, was den Tuvalesen heute möglich ist - können diese Leute die gesamten historischen Technologiedateien lesen - aber bei Weitem noch nicht alles nachbauen. Denn genau dies tun sie - sie tasten sich vor. Sie... kopieren.
Und sie werten die historischen Querverweise aus.
Und so führt das Meistern einer Technologie zu den ersten Schritten in der nächstkomplizierteren. Nukleartechnik... ist bekannt. Sorgfältig werden die parallel verlaufenden historischen Hinweise über Störfälle und deren Ursachen ausgewertet - und beratschlagt, ob es Mögliochkeiten gäbe, diese zu vermeiden. So wurde beschlossen, daß Atomwaffen ein absolutes Tabu darstellen. Denn jeder auf Tuvalu weiß, wo diese ursprünglich getestet wurden.
Und was sie anrichteten - damals auf der Erde.
Das, was die Verteidigungsstreitkräfte an Material nutzen ist das, was sich erwiesenermaßen in trropischen Gebieten bewährt hat - und was infrastrukturell gut miteinander kombinierbar war. Im Rahmen ihres momentanen technologischen Standards betrifft dies das Material einer ehemaligen sogenannten Supermacht, die damals auf der Erde in einer Gegend namens Indochina operierte. Das Versagen der damaligen Militärpsychologen, Strategen und Politiker ändert nichts an der Tatsache, daß das verwendete Material ausgezeichnet und zuverlässig war. Und so entschloss man sich kurzerhand, all dieses Kriegsmaterial inklusive der gut funktionierenden Infrastruktur einfach wiederzubeleben - inklusive der Bedeutung der Kokarden und Kürzel.
U.S. bedeutet Vereinigte Staaten - und genau das findet man auf dieser Ozeanwelt.
All die Archipel, Inselketten und Kleinkontinente - sind die Vereinigten Staaten.
Vereinigt im Kampf gegen Invasoren von außen.
Dennoch sind Tuvalesen natürlich keine U.S.-Amerikaner - ihr Wirtschaftssystem ist ein Anderes. Hier hat man aus der Vergangenheit gelernt - immerhin waren ihre Vorfahren in ferner Vergangenheit oft die Verlierer dieses Systems gewesen. Und dieses System wird momentan von den Invasoren in´s Extreme weitergeführt. Mit ein Grund, weshalb man über den unangemeldeten Besuch nicht gerade glücklich ist...
Aber Wissenschaftler sind natürlich neugierig - und Fortschritt ist eine logische Folge von Neugier. In Forschungseinrichtungen werden verschiedene Technologien wiederbelebt, untersucht und wenn möglich neu kombiniert - so entstand auch die AX-15, das erste wiederverwendbare `Raumschiff´ der Tuvalesen. Bisher hat man sehr leistungsstarke Raketen benutzt, um beispielsweise Satelliten zu starten - oder aber, um Gefahrenstoffe (wie alte Brennelemente) einfach in die Sonne zu befördern - hier will man den Kram nicht haben.
Man hat aber auch schnell entdeckt, daß diese Welt selbst noch alles Andere als erforscht ist. Neben all den geologischen Eigenheiten und endemischen Lebensformen gibt es noch eine andere Überraschung: Luftaufnahmen zeigen überwucherte, äonenalte Ruinen von manchmal ganzen Städten. Sonarkarten zeigen ebenfalls solche Ruinen - unter Wasser. Man weiß inzwischen, daß die `Altvorderen´ in etwa menschengroß waren - mehr aber nicht.
So entstand das Wissenschaftsgebiet der Xeno-Archäologie. Und diese Forscher planen einige Expeditionen - wozu sie natürlich eine Crew brauchen - und Ausrüstung. Eine hervorragende Gelegenheit, neues Material diversen Feldtests zu unterziehen, wie der Wissenschaftliche Rat findet...
Und der Geheimdienst meldet, daß es eventuell sogar eine risikobereite Crew geben könnte...
Und die Politik denkt, daß diese offenbar ganz eigene Truppe ein gutes Medienzugpferd sein könnte - ein sogenannter Propagandacoup.
Möglicherweise also bekommt Loo seine ganz eigene Chance.
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« Antwort #35 am: 16. Februar 2016 - 08:51:30 »

Okay, wir haben hier...

...diverse Schlüssel, zwei Taschenmesser, komische Plastikkarten mit Passbildern drauf...\" notierte der Sicherheitsbeamte am Schlagbaum des Militärhafens und Rabensteyn grinste schräg: \"Jaaa... so kann man unsere Datakeys auch nennen...\"
\"Dann sind da noch ein Tauchermesser, ein zweizölliger .38er-Spl.-Holdout, DAO, vernickelt und ein Ausweis vom Sicherheitsdienst von Mrs. Kou Lunh - und ein Sanddollar, eine Melonenschnecke, ein Ammonit und ein Belemnit von... willste mich verarschen, Kerl?!\" fuhr der Mann auf und Loo zeigte ungerührt auf einen riesigen Haizahn: \"Vergessen Sie den nicht - der´s sauscharf!\"



Alles brüllte los vor Lachen und der Mann hinter dem Sicherheitsschalter sah aus, als würde er gleich platzen, als Loo meinte: \"Ich bin privat mit diesen Leuten hier unterwegs gewesen, als eure Gorillaz uns eingeladen haben herzukommen - ich hab NIX dabei! Pleite bin ich auch. Das hier ist nur vom Strand - hab´s mitgenommen, weil Alun das so mag.\"
Und die Vollsynthetin bekam große Augen, während Pearl und Diega den kleinen Tuvalesen verblüfft ansahen und Rabensteyn grinste süffisant: \"Wow - krasse Masche - und sie scheint auch noch zu ziehen!\"
Irritiert schüttelte der Mann den Kopf und wandte sich an Kou Lunh: \"Was rennen Sie eigentlich mit einem hahnlosen Kleinrevolver und einem Tauchermesser durch die Innenstadt?\"
\"Öhhm... Sicherheitsdienst? Du versteh?\" wies Kou Lunh auf ihre Marke und der Mann verzog säuerlich das Gesicht, während nun auch sein Kollege zu grinsen anfing: \"Also gut: Cpt. Loo Menoa, Mrs. Alun Weander, Miss Kou Lunh, Mr. Rabensteyn, Mrs. Diega Belén Ortega und Miss Pearl McCallum - alle sind da. Perfekt - ich sag dem Chief of Staff Bescheid...\"
Rabensteyn stand da - mit seinem alten, australischen Outdoor Hat und zündete sich einen Zigarillo an, während er Kou Lunh fragte: \"Irgend´ne Idee, was das hier soll?\"
Sie zuckte nur mit den Schultern und sah ihn bedauernd an: \"Tut mir leid - dieses Mal bin sogar ich überfragt.\"
\"Dann wäre es wohl besser, Sie wenden sich an mich...\" kam ein grauhaariger Mann mit einer dicken Hornbrille in den Raum, der einen eher geschäftsmäßigen Eindruck machte. Ihm folgte ein Mann mit Glatze und Sonnenbrille, der ein Hawaiihemd trug und einen gemütlichen Gesamteindruck hinterließ - er musterte die Neuankömmlinge interessiert und meinte: \"Bemerkenswert, welch unterschiedliche Spielarten bei den Terranern zu finden sind...\"
\"Die ist Professor Richardson und ich bin Administrator Harrington.\" stellte der Mann im dunkelfrauen Zweireiher sich und den anderen vor. Er sah sich zu Richardson um und erklärte: \"Sein Fachgebiet ist die Xeno-Biologie und Archäologie.\"
\"Er sammelt das, was sich hier nach 900 Jahren finden lässt, wieder ein?\" zog Rabensteyn eine Braue hoch und Richardson grinste breit zurück: \"Neenee, ich sammle das ein, was hier vor knapp 12000 Jahren vergessen wurde.\"
Nun zog Rabensteyn auch die andere Braue hoch - und nicht nur er.
Das... war neu.
Und steinalt.
Könnte es sein, daß es hier Aspekte gibt, von denen nicht mal die Konzerne was wissen?
Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen beugte der Professor sich schelmisch vor und grinste noch immer: \"Jaja - so wie´s aussieht, gab es hier vor uns schon eine Zivilisation...\"
\"Die Tikis*!\" mutmaßte Loo und der Professor nickte: \"In der Tat - und die sind sogar noch älter. Wir haben vor, eine Expedition zu starten. Und da brauchen wir noch Fachpersonal für experimentelle Flug- und Tauchgeräte - und natürlich Sicherheitskräfte. Interesse?\"
\"Hähä, `ne bessere Möglichkeit viel über diese Welt zu lernen gibt´s wohl nicht...\" grinste Rabensteyn abenteuerlustig und Diega meinte einfach nur: \"Wir sind startklar.\"

Das Schiff war... bemerkenswert. Vielleicht 70 Meter lang - der Bauart nach eine ältere Korvette. Vorne sah es normal aus - hinten hatte es Kräne - am Heck standen zwei sehr kleine, aber sehr stabil aussehende Tauchboote - und hinter der Brücke und dem Schornstein hatte das Schiff ein Hubschrauberlandedeck. Und auf diesem stand... ein kleiner Militärjet.
\"Was hat´s denn damit auf sich?\" wollte Loo wissen, musterte die gedrungene Maschine vom Pier aus und Richardson meinte nur: \"Wie wir schon bemerkten: Experimentelle Gerätschaften. Diese Maschine braucht keine Startbahn.\"
\"Okay - jetzt bin ich WIRKLICH neugierig!\" gestand Loo und Harrington sagte lapidar: \"Dann dürfen wir annehmen, daß wir das als Zusage verbuchen können.\"

*Tiki: Polynesische Steinstelen oder Totempfäle aud Padouk-, Wenge- oder Koaholz. Oftmals in Form von stilisierten`Gesichtern´ oder Ähnlichem.
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AEON

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`Behind Oahu´
« Antwort #36 am: 17. Februar 2016 - 12:59:11 »

Rabensteyn hatte recht.

Wer hätte das gedacht... HARRIER heißt dieses Ding. Die kleine Maschine in der blauweißen Werkslackierung stand unverändert hinten auf dem HeliPad. Alles, was verriet, daß es mit dieser Maschine irgendwas Ungewöhnliches auf sich hatte, war das seltsame Fahrwerk - im Prinzip wie ein Fahrrrad mit Stützreifen. Und diese vier komischen Dinger an den Flanken unter den hoch angesetzten Tragflächen. Diese Dinger, die einen an einen... Föhn erinnern.
Klein und gedrungen, aber massiv wirkend stand das Ding da - den Pylonen nach zu urteilen konnte man den Apparat auch ordentlich zuhängen. Auf dieser... konnte man `Mission´ sagen? ...werden da wohl am ehesten Zusatztanks und Aufklärungsequipment mit drin sein, aber hey...
Das Teil also soll senkrecht starten können? So, wie viele von den Jets der Konzerner?
Einfach in der Luft stehenbleiben - oder auch seit- und sogar rückwärts fliegen können?
Rabensteyn hatte recht - es gab viele Chancen.
Niemand darf dieses Baby fliegen.
Loo... schon.
Dss Leben ist krass.
Und es sollte noch krasser werden. Loo saß einfach so da - auf dem HeliPad, vor dem Harrier und betrachtete das ungewöhnliche Flugzeug - da wurden elegante Arme von hinten um seine Schultern gelegt und ebenso elegante, feingliedrige Hände verschränkten sich vor seiner Brust. Alun hatte sich hinter ihn gehockt - und Loo musste sagen... sie fühlt sich, soweit er das bis jetzt beurteilen kann - normal an. Vollsynthet oder nicht - er fand diese Erscheinung von Vorneherein einfach nur faszinierend - und angenehm groß. Nicht, daß Loo eine großartige Wahl hätte - aber er muss es sich eingestehen, er hat nicht das geringste dagegen, wenn eine potentielle... nunja, `Freundin´ größer wäre als er. Und da ist nun diese Zwei-Meter-Blondine...
Ja - das Leben ist krass.
Inzwischen wurde die Truppe an Bord der CORAL SEA noch vergrößert - Big Ben, ein hünenhafter afrikanischer Söldner mit einem linken Cyberarm half aus bei den Mechanikern und bei schwerem Gerät - was er `witzig´ fand. Röhren- und Transistortechnologie waren Sachen, die er eigentlich nur aus alten Geschichtsdateien oder sogar Büchern kannte - es war faszinierend, erfrischend simpel - und eine robuste und wartungsarme Angelegenheit. Kou Lunh aber sah ihn nach einger Zeit beinahe mitleidig und säuerlich grinsend an und meinte: \"Nun, für uns ist das wirklich High-Tech-Shit. Und Sie sollten sich schleunigst dran gewöhnen - denn auf dieser Welt gibt´s nichts Anderes.\"
\"Hab´ ich was Falsches gesagt?\" wunderte sich Big Ben, während er der Frau nachsah, die ihrer Decksrunde fortsetzte. Rabensteyn reichte ihm eine Zigarre rüber und grinste schief: \"Unter Garantie. Wahrscheinlich denkt sie, Du hältst sie und ihr Volk für Höhlenmenschen oder sowas...\"
\"Oh, klar... Höhlenmenschen, die unseren Konzernfreunden kräftig den Arsch versohlen können. Sie versteht Folgendes nicht...\"
Big Ben drehte sich unter dem knallgelben Tauchboot zu Rabensteyn um und erklärte: \"Unser Equipment ist... angepasst. Angepasst an unsere urbanen Bedingungen und gemäßigten Witterungsverhältnisse - und es ist vernetzt mit Artifizieller Intelligenz in den Mainframes und den GPS- und Aufklärungs-Satelliten auf der Erde.\"
Dann wies er auf die Inseln und das Meer: \"Hier gibt´s all sowas nicht - keine systemunterstützende Infrastruktur, keine implantierten IFF-Transponder oder PersoCodes und die Infrarotsensoren bringen eigentlich kaum was - weil es hier durchgehend heiß ist - es ist hier tropisch, mann! Hohe Luftfeuchtigkeit! Und das, was ich hier bisher gesehen habe, mag... nunja, `altmodisch´ sein, aber für diese Bedingungen ist es perfekt! Robust, zuverlässig und einfach in der Instandhaltung! Das alles hier ist die beste Lösung für diese Welt. Das weiß diese Kou Lunh vielleicht nicht - und die Typen in den Konzernen wissen das auch nicht - oder wollen nicht wahrhaben, daß sie sich verschätzt haben, als sie hierhergekommen sind.\"
Rabensteyn dachte nach - und meinte dann: \"Ich verzichte gerne auf all den Schnickschnack, wenn ich mich hier umgucke und sehe, wie es ist, hier zu leben, das sage ich Dir. Vor allem... die Karren, die sie hier fahren. Ich liebe diese fetten, massiven Autos, die sie hier haben! Sie klingen gut, sie riechen gut - sie sehen gut aus und Du hast echt Platz da drin - ich meine, sogar DU hast Platz da drin!\"
\"Ich weiß!\" grinste Big Ben - und fuhr ernst fort: \"Und was das Wichtigste ist, was die Konzerner vielleicht nicht bedacht haben: Ein Scheitern ist für die Tuvalesen nicht drin, denn diese Welt ist die einzige, die sie haben. Wenn sie hier versagen - war´s das. Dann geht hier das Gleiche los, was auf der Erde passiert ist. Wenn Du so viel Macht hast wie die Konzernvorstände, bist Du nicht mehr beweglich genug Dich anzupassen - vor allem dann, wenn Anpassen auch Zurückstecken beinhalten könnte - nein, sogar beinhalten sollte.\"
Rabensteyn war baff - man sieht Big Ben diese philosophische Seite nicht an, wenn man diesen Riesen so sieht. Ganz erstaunlich. Da hockt der Hüne mit ihm bei den Tauchbooten rum und sieht ungewohnt nachdenklich aus: \"Nein, Mann - wenn Du so viel Macht hast - warum solltest DU Dich anpassen? Sollen sich doch die anderen anpassen...\"
Pearl und Diega sahen diskret um die Ecke und flüsterten miteinander. Pearl war mindestens ebenso vom Donner gerührt wie Rabensteyn, als sie Diega leise fragte: \"Woah, sag mal - ist der Typ da Professor gewesen - oder sowas?\"
\"Bisher dachte ich, er sei ein simpler Idiot - aber so kann man sich irren. Möglicherweise also haben wir das Intelligenteste überhaupt getan, als wir die Seiten gewechselt haben.\" grübelte die Latina.
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`Behind Oahu´
« Antwort #37 am: 17. Februar 2016 - 13:21:29 »

Super Geschichte! lese ich jedesmal sehr gerne und freue mich auf jede neue Folge!
wahrscheinlich lesen die meisten fasziniert mit und vergessen ein wenig Zustimmung zu äußern :thumbup:
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Uloo aber auch!

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`Behind Oahu´
« Antwort #38 am: 22. Februar 2016 - 23:58:02 »

HA! Es hat sich einer bewegt! Fettes Merci - klar taugt es mir, wenn´s euch taugt - das hier ist ja sozusagen das `Tagebuch´ von unserem kombinierten Tabletop-RPG `Behind Oahu´ (ein dümmerer Titel ist mir noch nicht eingefallen).
Demnächst gibt´s Pics von Pearl´s neuestem Spielzeug - dem rotweißen Tiefseetauchboot TRILOBITE! :thumbup:

Und wie gesagt - die richtige gekonnt-nostalgische Soundauswahl ist sowohl für Tabletops als auch RPGs ein Muss.

Das ist für mich beispielsweide voll der glasklare, türkisfarbene `70er-Jahre-Jacques-Cousteau-Rifftauchersound:

https://www.youtube.com/watch?v=dY5E9itJ3dU
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`Behind Oahu´
« Antwort #39 am: 27. Februar 2016 - 09:58:44 »

Mit etwas Verspätung geht´s nun weiter mit der Materialschlacht: Hier Pearl´s kleines Tiefseetauchboot (okay, es gehört der NOAA, der Behörde zur Erkundung und Erforschung der Ozeane - aber die durchgeknallte Extremsportlerin ist verrückt genug, das brandneue und ungetestete Dingensgelöte auszuprobieren). Anbei die Container mit Ersatzteilen und Systemunterstützungsaggregaten, die am Stromkreislauf der CORAL SEA angeschlossen werden.




Bei etwas, für das es keinen Bausatz gibt, muss man eben improvisieren - und die heimische Schutthalde durchforsten, bis man brauchbare Einzelteile findet. Gut zu sehen die zwei schweren Elektromotoren, die die Mantelschrauben steuern - wenn man sie gegenläufig einstellt, kann das kleine Ding auf der Stelle wenden.



Und hier ein Tankfahrzeug für Feldflugplätze Dieser Typ wird für Kerosin und auch für Diesel benutzt, so daß man auch superschwere Panzer wie den M-103 (hier im Vergleich zu einem M-113, beide von der 24th Vanuatu heavy Tank Brigade) betanken kann.

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`Behind Oahu´
« Antwort #40 am: 27. Februar 2016 - 20:38:21 »

Professor Richardson war zufrieden.

Die CORAL SEA war nun schon geraume Zeit unterwegs - zwischen zahlreichen Inseln, zwischen denen auch viele weißlackierte zivile Rotorschiffe verkehrten. Zumeist Fähren gab es darunter allerdings auch einige Frachter und Linienschiffe, die sich dank der rotierenden Zylinder auf dem Oberdecks den Magnus-Effekt zu Nutze machten. Das Forschungsschiff selber mit seiner verspielten weißbunten Lackierung konnte trotz fehlender Rotormasten seine milkitärische Herkunft ebenfalls gut verbergen - wenn nicht gerade wieder Diega in ihrem üblichen Outfit im Kartenraum aufkreuzte und Rabensteyn die Fast-Urlaubslaune versaute: \"Sack Zement! Jetzt sieh Dich nur an - wir sind hier so weit im Norden, daß selbst Überschalljets gute 3 Stunden brauchen, um in die Nähe der Front zu kommen!\"
Big Ben grinste breit - er und Professor Richardson hatten einen eigenen Kleiderstil entwickelt und der Gelehrte bot sich sogleich an: \"Könnte Ihnen eines meiner Hemden leihen...\"
\"Echt nicht!\" gab Diega knapp zurück und fragte dann: \"Wo steckt Pearl eigentlich?\"
\"Immer noch zwei Kilometer unter uns.\" gab Big Ben zurück und der Professor nickte: \"Hier ist eine Subduktionszone - daher ist es hier sehr tief. Sehen Sie nur... das ist faszinierend!\"
Er wies auf einen Monitor, auf dem Pearl´s Kamera über ein Fixkabel Aufzeichnungen lieferte - sogar in Farbe. Technicolor nannte man das hier. Und es war gut, daß die Farben zu erkennen waren - in dieser Tiefe war alles, was nicht selbsttätig Licht durch Biolumineszenz emittierte entweder durchsichtig, schwarz - oder tiefrot. Auch hier gab es Unmengen von Trilobiten und Blumentieren an den steilen Felswänden. Ebenso wie metallisch gefärbte kieferlose Fische von fast raketenartiger Form (Jamoytius) - oder aber Kalmare von klein bis riesig - teilweise durchsichtig wie Glas, andere, nahe der Felswände waren eher rundlich und begannen ihrerseits Lichtsignale zu geben - und manche waren wirklich riesig. Bis zu acht Meter lang. Dementsprechend waren Pearl´s Kommentare: \"Theheee... sind die niedlich! Der da sieht mit seinen Streifen aus wie frisch aus´m Knast... MEINE FRESSE! Wieso hat mir niemand gesagt, daß es hier so Riesenviecher gibt?!\"
\"Öhhm... Sie haben nicht gefragt, Miss McCallum - bitte halten Sie das Tauchboot ruhig...\" runzelte Richardson die Stirn, als er das wacheknde Bild auf dem Monitor sah und Diega atmete aus: \"Okay, bleibt zu hoffen, daß diese weißrote Blechdose auch bißsicher ist.\"
\"Bin mir sicher, sie denkt gerade an riesige Calamari Fritti.\" bemerkte Rabensteyn trocken, denn er kannte den bodenlosen Appetit der kleinen silberhaarigen Energieladung bereits und Diega hob mahnend den Finger und meinte: \"Dann sollte die aber wer anders brutzeln - ihre sehen immer aus wie gebratene Arschlöcher.\"
Schallendes Gelächter kam über die Bordsprechanlage und Pearl runzelte die Stirn: \"Möchte mal wissen, was da so verdammt knacklustig dran sein soll! Kann nun mal nicht jeder kochen!\"
\"Kann auch nicht jeder mit `ner Kaffeetasse und einem Löffel die ganze Kombüse blockieren - was zugegebenermaßen `ne ziemlich reife Leistung ist.\" gab Diega trocken zurück, worauf das Lachen noch lauter wurde.
Dann aber sah Pearl den Architeuthis Argus - einen bemerkenswerten ziegelroten Kalmar von vielleicht drei Metern Körperlänge - dabei einer Dicke von etwa 80 cm. Er hatte grob die Form einer Patrone - und recht kurze Tentakel - und jeder dieser acht Tentakel hatte an seiner Wurzel, wo er in den Körper überging, ein Auge. Also hatte dieses Tier acht Augen - gleichmäßig rings um sich herum verteilt.
\"Uhh - der´s ja strange - ist das ein Mutant - oder was?\" wunderte sich Pearl und kicherte dann wieder: \"Theheee - aber der´s auch irgendwie putzig!\"
Und der Professor musste ebenfalls grinsen: \"Das ist, was wir in Fachkreisen eine konvergente Entwicklung nennen - dies, meine Teuerste ist kein Tintenfisch - sondern eine sehr hochentwickelte Quallenart.\"
\"Hä? Sieht aber gar nicht so aus!\" staunte die Extremsportlerin und Richardson nickte: \"Wir haben hier eine der seltenen Lebensformen mit vielachsiger Längssymmetrie - in diesem Fall bedeutet das, daß das spitze Ende nicht Vorne, sondern eigentlich... oben ist.\"
\"Öh, das´ ja eigenwillig. Ich finde ihn trotzdem niedlich - der gondelt so gemütlich um das Tauchboot rum!\" funkte Pearl zurück.
\"Sie sind sogar sehr intelligent - mit den Glasuhren sind sie mit die intelligentesten endemischen Wasserlebewesen!\" klärte Richardson die Anwesenden auf und fuhr fort: \"Zudem sind sie ungefährlich - sie filtern das Wasser nach Plankron oder in diesen Tiefen Meeresschnee durch - ebenfalls wie die Glasuhren.\"
Dann kam Kou Lunh herein und sah auf den Monitor - und grinste: \"Man sagt ihnen auch nach, daß sie Emotionen mitteilen können - durch Farben. Und daß sie sich verlieben können.\"
Alle sahen die Tuvalesin mit großen Augen an - und Pearl funkte zurück: \"Mooh - hey, echt jetzt - Alun kriegt den knuddeligen kleinen Piloten - und ich `nen Tintenfisch? No Way!\"
\"Qualle.\" verbesserte Richardson.
\"Was auch immer.\" stöhnte Diega und Pearl fluchte: \"Das macht´s auch nicht besser!\"
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`Behind Oahu´
« Antwort #41 am: 28. Februar 2016 - 12:41:30 »

Und hier ist Loo´s kleine Wunderkiste - der erste STOL-Jet aus
tuvalesischer Fertigung. Bewaffnet mit zwei 30mm-Motorkanonen und
ausgestattet mit zwei Langreichweitentanks ist dieses Fluggerät geradezu
revolutionär... klein. Im Gegensatz zur üblichen F-105 ist dieses
Flugzeug sogar fast winzig.






Hier
zu sehen mit frischer Werkslackierung. Es gehört kein militärisches
Genie dazu sich vorzustellen, welche taktischen Vorteile ein Kampfjet
wie dieser bieten würde. Immerhin machen es die Konzernertruppen mit den
M-37 und der exorbitanten X-23 regelmäßog vor.

Dieses Ding und das Tauchboot werden auf der U.S.S. CORAL SEA stationiert werden - die ich noch bauen muss. Aber zuerst brauche ich Knete um sie überhaupt einmal zu finanzieren! Stay tuned!
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`Behind Oahu´
« Antwort #42 am: 28. Februar 2016 - 13:34:50 »

Atreus hatte einen simplen Traum.

Er wollte alles. Warum auch nicht? Hatten die Vollsyntheten nicht bewiesen, wie tiefraumtauglich sie waren? Wie körperlich und geistig überlegen sie den Menschen waren? Und hatte er, der ranghöchste Offizier der Vollsyntheten nicht bewiesen, daß er selbst die mit allen Wassern gewaschenen Konzerner ausstechen konnte - und es noch tat? Oh, sie sollen ruhig glauben, daß er und sein Neo-Volk unterwürfig für sie Maschinen bedienen und Kriege führen würden, für die diese aufgeschwemmten und selbstgefälligen Geldsäcke selber zu langsam und zu dumm waren. Solange sie dieser Illusion lange genug nachhingen, war Atreus der Rest egal - er hatte Geduld - und er hatte Zeit. Er war wie die anderen Vollsyntheten die ganze Zeit wach als sie durch den Tiefraum hierhergereist sind - während die Obsoletes, wie er sie nannte sich haben schockfrosten lassen - wie Schweinehälften in einem Kühlhaus.
Und die Vollsyntheten sehen nicht einen Tag älter aus.
Nein - Atreus hatte Pläne. Man hatte sie zu gut gebaut. Diese Träume gewannen noch an Intensität, als er feststellte, daß Vollsyntheten ebenfalls Nachwuchs haben können - Livia ist mit 52 Jahren die erste im Tiefraum geborene Vollsynthetin. Seine Art konnte also bestehen...
Statistisch gesehen sind Wasserwelten wie diese in der Galaxie, die sie ihre Heimat nennen, nicht selten. Sollen die Konzerner diese hier doch haben. Wenn er genug seiner Art um sich geschart hat, werden sie aufbrechen - und anstelle der Menschen das All besiedeln. Aus dem Grund hat Atreus auch Signalsonden und Botschaften zurück zur Erde gesandt - mit den Daten ihres Zieles. Es werden also noch mehr Schiffe kommen - und mit ihnen mehr Vollsyntheten. Biodiversität ist das Zauberwort.
Oh, sie werden sich die besten Schiffe raussuchen - und dann werden sie einfach... weiterreisen. Zu einer Welt, wo ihnen keiner mehr Vorschriften macht...
Atreus selber sah aus wie ein Engel - man könnte meinen, er sei Alun´s Bruder. Elegant, langgliedrig und etwas androgyn. Man legte damals Wert darauf, daß so etwas revolutionäres wie die Vollsyntheten optisch so ansprechend war, daß normale Menschen nicht allzuviele Berührungsängste mit ihnen haben würden. Den Fehler, den sie bei den ersten FullBorgs begangen hatten, wollten die Designer dieser neuen Art nicht begehen. Diese ersten FullBorgs waren militärischer Natur - und das sah man ihnen auch an. So behandelte man sie wie reine Kampfmaschinen - und sie reagierten mit der Zeit dementsprechend.
Berührungsängste hatte man gegenüber Atreus wohl nicht - eher einen Heidenrespekt. Er hatte - wie Alun - eine ganz eigene Art von Charisma. Und man merkte, daß er in Bahnen dachte, die für andere unerreichbar blieben. Denn er hatte - wie jeder andere Vollsynthet - über ein Jahrhundert Zeit gehabt, seinen Intellekt zu schulen. Was er auch tat. Er und seine männlichen Kollegen kümmerten sich um technische Belange und um die Abwehr von kosmischen Objekten, die dem Schiff zu nahe kamen - und die weiblichen Vollsyntheten kümmerten sich um die medizinischen Belange all der Passagiere. Und Atreus begriff mit der Zeit sehr wohl, daß diese Aufgabenteilung nichts mit Sexismus zu tun hatte. Es ist nun mal eine Tatsache, daß Frauen normalerweise sanftmütiger und sozialer veranlagt sind als Männer. Natürlich gibt es Ausnahmen - wie den Bibliothekar. Der ist sanft und friedfertig.
Oder Livia. Livia ist zusammen mit einigen anderen Frauen inzwischen Kampfpilotin. Atreus würde sie bei Gelegenheit in seinen Plan einweihen. Möglicherweise - so könnte er sich vorstellen - würde dann sogar ihre Loyalität komplett ihm gehören - ein äußerst verführerischer Gedanke. Mit jemandem wie Livia an seiner Seite würde all das noch mehr... Spaß machen, da war Atreus sich sicher. Nur gab es da noch ein Problem...
Alun.
Sie hatte die vollständigste Sternkarte abgespeichert, die es bis jetzt gab. Seltsam. Atreus konnte Personen inzwischen eigentlich ziemlich gut einschätzen. Daher reagierte er gegenüber den Konzernern, wie sie es erwarten - und er setzte seine Leute stets dort ein, wo sie am besten waren. Aber aus dieser Alun ist er nie schlaugeworden. Sie war von ihrer letzten Aufklärungsmission nicht zurückgekommen - aber sie war auch nicht tot. Das konnte Atreus sehr wohl spüren.
Er würde wohl mal selber losziehen müssen, um herauszufinden, was da los war...
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`Behind Oahu´
« Antwort #43 am: 04. März 2016 - 23:55:11 »

Die zwei bösen Rs.

Rassismus - und Religion. Sobald die Tuvalesen in der Lage waren, die Geschichtsdateien der Main Data Frame zu entschlüsseln - und sie sich durch die Geschichte der Welt lasen, von der sie stammten - vollzogen sie einen durch und durch objektiven und logischen Schritt.
Beide Themen sind irrational - und somit für den Ablauf eines geregelten Lebens ungeeignet.
Alle Menschen ließen sich schon vor einem Jahrtausend auf eine Gruppe von etwa sechs weiblichen Humanoiden zurückverfolgen, die auf einer großen Landmasse namens Afrika lebten. Demzufolge ist die sogenannte genetische Diversität aller Menschen geringer als die zweier Bonobo-Sippen.
Stellte man damals fest.
Bonobos waren Affen - oder so.
Ist im Prinzip egal.
Fakt ist - es gibt keine `Menschenrassen´ - es gibt Spielarten, geringe genetische Abweichungen. Manchmal sind diese sogar beinahe ungesund gering. Die letzten Rassen von Humanoiden waren die Neandertaler - und die etwa einen Meter große Flores-Spielart aus dem indopazifischen Raum. Und selbst wenn es großartige sogenannte `Rassen´ gäbe, fänden die Tuvalesen es eher aufregend und interessant. So, wie sie rote Haare und helle Haut faszinierend finden - weil es... anders ist. Das heißt aber nicht, daß der eine besser oder schlechter ist als der andere - sondern vielmehr, daß das Leben bunter und aufregender ist als gedacht.
Und Religion...
Vor knapp 14 Milliarden begann die Zeit, der Raum - einfach alles - davor war nichts. Und Nichts... ist recht schwer zu definieren - es ist theoretisch die Abwesenheit von Allem. Wie aus Nichts schlagartig durch den Urknall Alles werden kann - ist eine Geschichte für sich. Astrophysiker und theoretische Physiker krallen sich daran fest und haben sehr hübsche Formeln entwickelt - unter Anderem die sogenannte Superstringtheorie - während weibliche tuvalesische Brandungsphysiker beim Sonnenbaden eher auf die Superstringtangatheorie vertrauen - doch dazu ein andermal.
Auch hier gibt es einige Fakten. Es waren wirklich sehr viele Zufälle am Werk, die dafür gesorgt haben, daß sich die Leute jetzt darüber streiten können, wessen imaginärer Freund der coolere ist. Aber sollte es wirklich einen Gott geben, ist er entweder sehr launisch, diktatorisch und inkompetent - oder er hat schlicht das Interesse an seinem kleinen Experiment verloren. Er hätte auch wirklich viel zu tun, sich um jeden Typen zu kümmern, der in diesem Universum plötzlich zu beten anfängt. Möglicherweise noch am Wochenende - Gott bewahre! Der heilige Tag der Christen war der Sonntag, der der Juden der Samstag - und die Moslems hatten den Freitag. Gott hatte ein dreitägiges Wochenende - wahrscheinlich brauchte er das auch.
Wie dem auch sei - Religion war neben Rassismus mit einer der besten Gründe seinen Nachbarn den Krieg zu erklären - und mit verantwortlich für Genozide durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Dabei ist die Existenz von etwas Göttlichem nicht einmal wissenschaftlich nachweisbar. Sich wegen etwas zu bekriegen, das allem Anschein nach nonexistent ist - ist ebenfalls irrational. Dies war mit ein Grund dafür, daß Tuvalu II an sich eine außerordentlich ruhige und friedliche Welt ist - wären da nicht die Komzerne. Die haben´s zwar nicht so mit Religion - aber mit Rassismus. Gut - hier haben wir inzwischen sogar fast zwei Rassen. Eine ziemlich hochentwickelte, die zu einem gewissen Grad die interstellare Raumfahrt und die Körperformung beherrscht - und die tatsächlich geformte, mittlerweile endemisch angepasste mit amphibischen Fähigkeiten. Das Erstaunliche ist, daß die Tuvalesen anfangs dachten, daß jemand, der über so viel Wissen verfügt eigentlich ethisch gereift sein sollte - aber da haben sie sich wohl gründlich geirrt. Es ist also nicht wichtig, wessen Religion man angehört - oder welcher `Rasse´ - sondern eher, welche Philosophie man vertritt.
Dumm, wenn es erst einen Krieg braucht, damit alle das begreifen.
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« Antwort #44 am: 05. März 2016 - 18:17:39 »

Der Kampf um Kessam

Auf einer Halbinsel des südlichen Kontinents gelegen war Kessam ein vorgeschobene Basis mit einem kleinen Feldfhugplatz. Und während in manchen Großstädten des Nordens gegen den Krieg protestiert wurde, begann die Belagerung von Kessam. Schwere Söldnereinheiten von Raven Electrics und Biotechnica begannen aus den umliegenden Bergen und Dschungeln heraus mit Artillerie in die Anlage zu feuern. So waren die tuvalesischen Soldaten gezwungen, sich unter großen Verlusten in den Untergrund zurückzuziehen - die Wartungstunnels unter den Landebahnen und die Versorgungsschächte unter den Mannschaftsbaracken wurden vorangetrieben - in den Kalkstein der fossilen Korallenstöcke hinein - und in Höhlen unter der Grundwassergrenze.
Das Erste, was dem Feindfeuer zum Opfer fiel, war die Funkanlage und so musste in einer Nacht-und-Nebelaktion ein Notstart der verfügbaren Hubschrauber veranlasst werden, um Verstärkung anzufordern. Bei diesem Vorhaben gingen 14 Maschinen verloren. Die massiven mobilen Söldnergruppierungen hatten also auch tragbare Flugabwehrwaffen dabei.
Das Artilleriefeuer ging weiter. Es war nicht großkalibrig - aber andauernd und massiert. Und der Einsatz von seltsamer Munition mit Streusprengsätzen, die sich bei Annäherung zündeten, war auchg sehr problematisch für die Soldaten - und die Sanitäter. Am sechsten Tage begann die tuvalesische Luftwaffe mit den Gegenangriffen - zahlreiche F-100-Jagdbomber flogen in die Talsenke, um die umliegenden Gebiete mit Napalmbomben einzudecken - dafür mussten sie unter Schallgeschwindigkeit fliegen - und recht niedrig, so daß die Piloten eventuell auch was sahen - aber die wärmesuchenden Flugabwehrraketen löschten unter diesen Bedingungen nahezu 70% des Geschwaders aus.
Ortskundige Buschpiloten mit ihren kleinen, tarnfarbenen Observationsmaschinen, sogenannten Grasshoppers waren da hilfreich - sie gaben nicht genug Abwärme ab, um den Flugabwehrwaffen ein Ziel zu bieten. Und diese Maschinen waren klein - und es gab kaum etwas daran, das bis auf den Motor und den Piloten selber ernsthaft beschädigt werden konnte. Diese mutigen Kerle landeten teilweise in übel durchlöcherten Maschinen - aber sie kamen fast alle wieder.
Und während die Soldaten von Kessam alles von Wert und Bedeutung in die unterirdische Höhlenwelt der massiven Kalksteinformationen brachten und die Belagerung und das Artilleriebombardement unverändert weiterging, begann das Vanuatu Military Command eine neue Strategie auszuarbeiten. Diese Strategie beinhaltete den ersten Einsatz von...

Wild Weasels.

Es gab zwei Trägermaschinen für das Wild Weasel System: Die Phantom, die noch in der Testphase war - und die F-105. Hierfür wurden zweisitzige Trainerversionen umgebaut und mit neuen ECM- und ECCM-Systemen ausgerüstet - sowie mit massiven Luft-Boden-Raketen, die auf Radarsignaturen vom Grund ansprachen. Das klang vielversprechend. Die typische Wild Weasel verfügte über einen Haupttank unter dem Rumpf, einen Nebentank rechts, zwei leichte Anti-Ortungswaffen SHRIKE und eine schwere Anti-Ortungsrakete AGM-78 Standard links.



Dann war da noch die sechsläufige 20mm-Motorkanone links im Rumpf. Der Pilot saß vorne und der Bordwaffenoffizier dahinter.
Das sah wirklich vielversprechend aus.
Aber das Timing musste stimmen.
Innerhalb von vier Tagen wurde die Kampfgruppe un das Trägerschiff U.S.S. Bougainvillaea in den Golf von Lazan verlegt und die neuen Super Sabres so mit den zusätzlichen Nachschubcontainern vom Parkdeck gehievt - weil diese Jagdbomber nicht katapultstartfähig waren. So wurde der Einsatz von vier Air Bases geplant und choreographiert. So waren lange vor dem Tag X schon viele M-48-Panzer und M-113-Truppentransporter in Marsch gesetzt worden. Sie würden in das Tal fluten, nachdem die Air Force ihren Teil `der Show´ erledigt haben würde.
Im Morgengrauen starteten die ersten Grasshoppers - um als Lockvögel die feindlichen Radaranlagen zu aktivieren - nun kam alles auf das Timing an. Kurz, nachdem die kleinen Propellermaschinen das Tal überflogen, zogen am Horizont die ersten Staffeln der F-105G heran - und aktivierten ihre Stör- und Ortungselektronik.
Dann brach die Hölle los. Das Zünden der schweren AGM-78 Anti-Radar-Raketen erfüllte die Luft mit einem unbekannten, heulenden Geräusch - als kurz darauf rings um Kessam Rauchpilze aus den Wäldern aufstiegen und die kleineren Shrike-Raketen auf diejenigen zuhielten, die tragbare Flugabwehrwaffen aktivieren wollten. Kurz auf die Staffeln der Wild Weasels folgten die F-100-Jagdbomber und begannen systematisch die Gebiete rings um die Basis Kessam mit Napalm- und Aerosolbomben einzudecken.
Und dann... kamen die Panzer. Und mit ihnen die Truppentransporter und die MAXTAC-Units mit ihren Anti-FullBorg-Waffen.
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