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Autor Thema: Die gab\'s, die Karolinger  (Gelesen 334 mal)

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Riothamus

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Die gab\'s, die Karolinger
« am: 01. Mai 2018 - 13:42:45 »

Bei der Diskussion um die Existenz Karl des Großen im Thread zu seiner Gripping Beast Miniatur bei den Tiny soldiers, Ă€ußerten einige Interesse am Thema. Da es zu keiner richtigen Diskussion mehr kam, wollte ich wenigstens etwas Literatur vorstellen. Dies erklĂ€rt den Titel des Threads. Nun, da das Forum seine Tore schließt, kopiere ich einige meiner Posts auf meine Festplatte. Da sich fĂŒr den Hintergrund der Karolinger auch hier einige interessieren könnten, setze ich diese Literaturliste mal auch hier herein. Wer sich nicht fĂŒr den Fluff interessiert, der braucht ja nicht weiter zu lesen.

Leider gibt es bei der Literatur ein Problem. In mancherlei Hinsicht ist da kein einzelnes Werk rundum zu empfehlen. Und ich sehe auch keines, was entsprechend herausgehoben wĂ€re. Einiges ist anspruchsvoll geschrieben, nach anderem kann man zwar gut lernen, bietet seinen Inhalt aber nur knochentrocken dar und Ähnliches.

Aber auch die AnsprĂŒche sind verschieden. Der eine will mehr Information, der andere weniger. Der eine ist wissenschaftliche und trockene Sprache gewöhnt, der nĂ€chste leidet, wenn die literarische QualitĂ€t zu gering ist und der Dritte bevorzugt bei SachbĂŒchern die klare, einfache Sprache wie bei CĂ€sar. Da bleibt also nur, verschiedene Werke anzugeben. Das ist dann natĂŒrlich meine persönliche Auswahl und ich hoffe, dass andere ihre bevorzugten Werke zur Zeit hier ebenfalls nennen und sagen, was sie vom schon Genannten halten.

Einige wollen sich nicht viel ins Regal stellen und bevorzugen Übersichtswerke und Reihen, die mehr behandeln.

Wenn es um die Deutsche Geschichte geht, ist da Heinrich Pleticha (Hg.), Deutsche Geschichte in 12 BĂ€nden, GĂŒtersloh 1981ff zu empfehlen. Hervorragende Bebilderung, in einer Sprache, die es gleichzeitig zur guten Geschichtsnachhilfe fĂŒr die Kinder macht, wobei es auf dem damaligen Forschungsstand zuverlĂ€ssig ist. Der erste Band enthĂ€lt die Zeit der Karolinger- und Ottonen. (374 Seiten)

Johannes Fried, Der Weg in die Geschichte - Die UrsprĂŒnge Deutschlands bis 1024, Frankfurt, Berlin 1994 ist mit ĂŒber 1000 Seiten wesentlich umfangreicher, die Sprache nicht so klar, dafĂŒr schöner.

Kommen wir zu BĂŒchern, die sich mit der Geschichte der Dynastie als Thema befassen. Da möchte ich drei nennen.

ZunÀchst Rudolf Schiefer, Die Karolinger, Stuttgart, Berlin Köln 1992. SpÀtere Auflagen sind durch NachtrÀge auf den aktuellen Forschungsstand gebracht. Hat durch die Orientierung an der Forschungsdiskussion und den zum Lernen gut geeigneten Aufbau wohl jeder Geschichtsstudent mal in HÀnden gehalten.

Etwas gemĂŒtlicher liest sich Pierre RichĂ©, Die Karolinger - eine Familie formt Europa, Stuttgart 1987. Das Original erschien 1983 in Paris. Ebenfalls ein hochkarĂ€tiger Autor, allerdings nicht so aktuell gehalten.

NatĂŒrlich veraltet und -wie schon der Titel zeigt- der Ideologie seiner Zeit verhaftet, ist Engelbert MĂŒhlbacher, Deutsche Geschichte unter den Karolingern, Stuttgart 1896, bis heute zahlreiche Nachdrucke, meist in 2 BĂ€nden. Wegen der FĂŒlle des Wissens, der klaren Darstellung, des Muts zum Urteil und der mitreißenden Schreibweise kann es immer noch gelesen werden. Hier empfehle ich es aber, weil er auch das Thema Krieg nicht zu kurz kommen lĂ€sst und dabei die Quellenarmut geschickt umspielt und so eine gute lesbare Darstellung z.B. der Sachsenkriege herauskommt, obwohl die Quellen sehr lakonisch sind. Als alleinige Informationsquelle zu den Karolingern wĂŒrde ich es nicht lesen.

Kommen wir zum Ausgangspunkt der Diskussion, Karl den Großen. Die Biographien sind recht zahlreich. Ich nenne wieder zwei neue und ein altes Werk, diesmal an erster Stelle:

Einhard kam als SchĂŒler an Karls Hof und wurde spĂ€ter Leiter der Hochschule. Er kannte Karl nicht nur persönlich, sondern war auch als Ratgeber in Entscheidungen einbezogen. Dass so jemand ĂŒber seinen Herrscher eine Biographie schreibt, ist ein außergewöhnlicher GlĂŒcksfall. Im Mittelalter wurde es vergleichsweise oft abgeschrieben und heute ist die zweisprachige Reclamausgabe der Vita Karoli Magni (Leben Karls des Großen) sehr gĂŒnstig erhĂ€ltlich. Noch dazu war Einhard kein Geistlicher. Er war zwar mit Klöstern ausgestattet, war aber nur sogenannter Laienabt. Sprich: Die EinkĂŒnfte gingen an ihn und solange er die Substanz erhielt und die Mönche nicht verhungerten, konnte sich keiner beschweren. Zwei Kirchen, die nach seinen PlĂ€nen gebaut worden sein sollen, existieren noch. Dennoch spricht hier, ungewöhnlich fĂŒr das Mittelalter, ein gelehrter Laie zu uns, der bei vielem Augenzeuge und Mithandelnder war. Bei ihm handelt nur Karl. Das gehört aber zur damaligen Sichtweise. Der König ist das Reich, steht fĂŒr das Volk. (unter 40 Seiten deutscher Text, dazu kurze erklĂ€rende Anmerkungen und ein Nachwort von 8 oder 9 Seiten)

Dann kann ich, kurz und knackig, Matthias Becher, Karl der Große, MĂŒnchen 1999 aus der Beck\'schen Reihe Wissen empfehlen. Informativ, aber mit ca. 120 Seiten definitiv kein zuviel an Wissen.

Um so ausfĂŒhrlicher dann wieder Johannes Fried, Karl der Große - Gewalt und Glaube, MĂŒnchen 2013. Hier gilt wieder das schon zum Weg in die Geschichte Gesagte. Ein Manko ist, dass er mitunter Dinge, die sich noch in der Diskussion befinden, mehr oder weniger als Gewissheit hinstellt. Karls Onkel Karlmann z.B. kann genauso gut freiwillig ins Kloster gegangen sein. Aber immerhin nennt er dabei Argumente und so kann jeder selbst ein wenig rĂ€tseln, wenn er kritisch liest. Das macht auch einen Teil der Spannung des Buchs aus. Zudem bringt er einige neue Gesichtspunkte in die Darstellung. (ĂŒber 600 Seiten)
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Riothamus

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Die gab\'s, die Karolinger
« Antwort #1 am: 01. Mai 2018 - 13:44:14 »

Damit es nicht zu lang wird, ein neuer Post.

Die genannten BĂ€nde beleuchten vorwiegend die Politische Geschichte. Aber wie sah damals die Welt aus, wie lebten und dachten ihre Bewohner?

Hier ist es einfacher, hier mĂŒssen zwei Werke einfach genannt werden.

ZunĂ€chst Pierre RichĂ©, Die Welt der Karolinger, Stuttgart 1981, das Original erschien 1963 in Paris. Das Werk zu Alltag, Leben und Welt der Zeit. Punkt. Wer etwas darĂŒber wissen will, kommt daran nicht vorbei.

Zur Einstellung, zur MentalitĂ€t und den LebensentwĂŒrfe im Mittelalter muss man Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter lesen. Ebenfalls Punkt. Nur beschĂ€ftigt er sich mit dem Ganzen Mittelalter, zeigt auch Entwicklungen auf. Zudem eine Fundgrube und ein Lesebuch in bestem Sinne, das viele Quellen abdruckt und erklĂ€rt.

Kommen wir zur Geistesgeschichte. Religion und Philosophie.

Das FrĂŒhmittelalter in Hinblick auf die Kirche und das Christentum beschreibt Arnold Angenendt, Das FrĂŒhmittelalter - Die abendlĂ€ndische Christenheit von 400 bis 900, Stuttgart, Berlin, Köln 1990.

FĂŒr mich kommt Lutz E. von Padberg, Die Christianisierung Europas im Mittelalter, Stuttgart 1998 wesentlich weniger akademisch daher. Zudem wirft es auch ein wenig Licht auf das Heidentum. Viel mehr geht in dieser Hinsicht nicht, da zum Heidentum bei Sachsen und Franken wenig ĂŒberliefert ist.

Philosophen schreiben selten verstÀndlich. Die zugrundeliegende Vorlesung des folgenden Werks wandte sich aber auch an Nichtstudenten. Dennoch sollte man langsamer und teils auch wiederholt lesen: Franz Schupp, Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie, 2.Teil, christliche Antike und Mittelalter (mittlerweile unter dem Titel Geschichte der Philosophie). Ich empfehle ihn nicht nur, weil ich die Vorlesung gehört habe. Ich kenne Leute, die es toll finden und Leute, die eher das Gegenteil sagen. Aber bei der Darstellung von Philosophie ist das zu erwarten. Also kann ich an dieser Stelle empfehlen, was mir gefÀllt.

Einfacher soll Hans Joachim Störig, Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Stuttgart, Berlin, Köln 1950 sein. (Auch als Weltgeschichte der Philosophie erschienen.) Mir liegt es nicht so nahe.
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Riothamus

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Die gab\'s, die Karolinger
« Antwort #2 am: 01. Mai 2018 - 13:45:40 »

Im dritten Post wieder Handfesteres.

Zur Architektur gibt es einiges. Ich nenne Dietrich Conrad, Kirchenbau im Mittelalter, Leipzig 1990. Es ist anschaulich und bietet Inspiration fĂŒr Modelle. Zudem sollte es gĂŒnstig zu bekommen sein. Ein Manko ist, dass der Verlust von Techniken am Ende der Antike etwas ĂŒberbetont wird. Das wird klar, wenn man den fortlaufenden Kirchenbau bedenkt. Auf niedrigem Niveau, aber vorhanden bleibt durchaus einiges Knowhow.

Die Kunst wird schon in der Deutschen Geschichte in 12 BĂ€nden thematisiert, auch Fried, Der Weg in die Geschichte und Angenendt schreiben dazu einiges, auch zur Architektur.

Mitunter kann man Ausstellungskatalog kleinerer Ausstellungen gĂŒnstig finden. Die können eine gute Quelle zu AlltagsgegenstĂ€nden sein. Hier fĂ€llt mir sonst nur teures ein. Das liegt aber vielleicht nur an der Uhrzeit, zu der dies geschrieben wurde. Heute sei auf Google und Amazon verwiesen, da sich Angebot und Preise hier stetig Ă€ndern.

Es könnte noch jemand auf die Idee kommen, Literatur der Zeit lesen zu wollen. Andere Fragen vielleicht nach anschaulichen Beschreibungen. Wer nicht vor Poesie zurĂŒckschreckt kann das Epos De Karolo rege et Leone Papa (Von Karl dem König und Leo dem Papst), auch als Paderborner Epos oder Aachener Epos bekannt, zur Hand nehmen. Der Pfalzbau in Aachen, die Jagd und der Auszug Karls werden z.B. beschrieben. In Paderborn ist 1999 ein Faksimile mit Übersetzung mit Wilhelm Hentze als Herausgeber erschienen. Recht gĂŒnstig sogar, fĂŒr ein Faksimile Ă€ußerst gĂŒnstig. Wie es heute gehandelt wird, kann ich nicht sagen, aber ich wĂŒrde erstmal nach einer anderen Übersetzung googeln. Die findet man eventuell kostenlos.

Ich hoffe, meine Autokorrektur hat nicht allzu viele Fehler produziert. Beim einstellen im Sweetwater nin ich zwar nochmal drĂŒber gegangen, aber wahrscheinlich habe ich nicht alles erwischt.
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Riothamus