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Autor Thema: historical wargaming - was formt unser Bild?  (Gelesen 3241 mal)

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Wellington

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historical wargaming - was formt unser Bild?
« Antwort #90 am: 06. Juni 2018 - 10:31:48 »

Zitat von: \'Darkfire\',\'index.php?page=Thread&postID=274048#post274048
H.G. Wells \"spielte\" eigentlich nur die britischen FeldzĂŒge nach, bzw. wollte Kinder auf die militĂ€rische Laufbahn vorbereiten...
Äh hast Du da irgendwelche Quellen fĂŒr? Ich hab die Regeln fĂŒr Little Wars schon öfter durchgelesen, aber dass der Kinder auf die MilitĂ€rische Laufbahn vorbereiten wollte kann ich daraus nicht schliessen:

Zitat Wells
Zitat
\"how much better is this amiable miniature [war] than the real thing\"
Und der Spielbericht in den Regeln passt eher zum ACW, als zu irgendwelchen Britischen FeldzĂŒgen.
Zitat von: \'Barbarus\',\'index.php?page=Thread&postID=274373#post274373
Will sagen: ich hab so meine Zweifel, dass Filme einen großen Einfluss auf den Wargamer ausĂŒben. Aber mag sein, dass das bei den Ă€lteren Generationen anders aussieht. Immerhin war Film frĂŒher mal \"DAS Medium\" und sicher ganz allgemein prĂ€gender als er es heute ist...
Zum mindestens den Einfluss von aktuellen Serien kann man wunderbar an den unsÀglichen Undercut Wikinger, die in der Saga Szene sehr stark verbreitet sind, nachvollziehen.
Zitat
Es gibt jede Menge Firmen die speziell Figuren aus Filmen anbieten. Ich krieg die bestimmt nicht alle zusammen:
[....]

Zu ĂŒbersehen daß es fĂŒr diese Referenzen einen Markt gibt ist irgendwie eine Wahrnehmuns-Schieflage.....
Seh ich auch so. Man erinnere sich nur an den fantastischen WĂŒstenthemenraum bei der letzten Tactica.
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newood

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Wellington

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« Antwort #92 am: 06. Juni 2018 - 13:11:36 »

Ne ... die Plagen durften nur manchmal mit machen

Er hat behauptet, er sei mit einem Freund in der Nursery (Spielzimmer) am Tisch gesessen und der Freund hĂ€tte mit der Federkannone der Kinder gespielt. Worauf sie die Kinder aus der Nursery entfernt haben und ungestört mal zum Spielen anfingen. SpĂ€ter durfte dann die Frau Fotos machen und die Kinder durften unterstĂŒtzen.
Zitat
Little Wars: a game for boys from twelve years of age to one hundred and fifty and for that more intelligent sort of girl who likes
boys\' games and books
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Riothamus

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« Antwort #93 am: 06. Juni 2018 - 13:45:04 »

Zum besseren VerstĂ€ndnis habe ich im Folgenden versucht eher wörtlich als elegant zu ĂŒbersetzen.

Zu Beginn des Anhangs, der Little Wars und das in der Britischen Armee damals ĂŒbliche Kriegsspiel vergleicht, bzw. entwickeln will, spricht er darĂŒber, dass ihm durch den Austausch mit Offizieren klar wurde, dass das militĂ€rische Kriegsspiel, sagen wir es in heutigen Worten, nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ war. Dabei wird der Gedanke ausgedrĂŒckt, dass Erfahrungen mit den Little Wars Regeln, die weitgehend unabhĂ€ngig entstanden sind, dazu beitragen können, das militĂ€rische Kriegsspiel zur Ausbildung von jungen Offizieren geeigneter zu machen. Wörtlich formuliert er al Ziel des Anhangs: \"..., pointing out how a Kriegsspiel of real educational value for junior officers may be developed out of the amusing methods of Little War. If Great War is to played at all, the better it is played the more humanely it will be done.\" (dt.: \"..., aufzuzeigen wie ein Kriegsspiel von wirklich bildendem Wert fĂŒr \"Junior Officers\" aus den unterhaltsamen Mechanismen von Little Wars entwickelt werden könnte. Wenn der Große Krieg (er meint hier den richtigen Krieg) ĂŒberhaupt gespielt werden muss, wird er, je besser er gespielt wird, um so humaner gespielt.\" Dann fĂŒhrt er aus, dass diese Haltung nicht im Widerspruch zu seiner pazifistischen Grundhaltung steht. Mit \'Junior Officers\' sind hier sicher keine Kinder gemeint. Auf der vorletzten Seite wird daraus \'any Military men\', zu dt.: \"jeder Mann des MilitĂ€rs\" oder \"jeder MilitĂ€r\" und nicht etwa \"jeder militĂ€rische Mann\", wie man aus dem Zusammenhang sehen kann. (Dort erwĂ€hnt er ĂŒbrigens auch brauchbarere Figuren fĂŒr ernstere Zwecke: \"the infantry about an inch high\" (dt.:\"die Infanterie ungefĂ€hr ein Inch hoch\")) (Und er weist ganz zum Schluss darauf hin, \"wie flexibel die MaßstĂ€be ziemlich ehrlicher und ehrbarer MĂ€nner werden können.\" Im ersten Weltkrieg verletzten alle Teilnehmer die ĂŒber den Krieg geschlossenen VertrĂ€ge.)

Im die eigentliche Darstellung abschließenden Abschnitt kurz zuvor, schlĂ€gt er vor, Kriegstreiber in einen Raum zu sperren und Little Wars spielen zu lassen, damit sie keinen realen Schaden anrichten. Jeder Offizier, der Little Wars gespielt habe, habe ĂŒber kurz oder lang in Schwierigkeiten bekommen und sei keinesfalls durch die Ausbildung ĂŒberlegen gewesen. Dabei spricht er vom richtigen Krieg als \'Great War\'. \"You have only to play at Little Wars three or four times to realise just what a blundering thing Great War must be.\" (zu dt.:\"Man muss Little Wars nur drei oder vier mal spielen, um genau zu erkennen, welch fehleranfĂ€llige Sache der Große Krieg sein muss.\") Daraufhin stellt er seine Überzeugung dar, dass Kriege nicht beherrschbar sind und schließt:

\"That, I think, is the most pacific realisation conceivable, and Little War brings you to it as nothing else but Great War can do.\" (zu dt.: \"Dass, denke ich, ist die pazifistischte der vorstellbaren Erkenntnisse und Little Wars fĂŒhrt Sie dahin, wie es sonst nichts anderes als der Große Krieg kann.\")

Er schreibt von harmlosen AnfĂ€ngen und einem Spiel, bei dem sich erwachsene MĂ€nner amĂŒsieren. Er schildert es so, als schreibe er fĂŒr Jungen und MĂ€dchen, aber ich denke, wir können davon ausgehen, dass der Politiker Wells erst am Ende seine wahre Motivation der Veröffentlichung zu erkennen gibt und sich eher an Erwachsene wendet. Nicht in allen Kreisen war die Ablehnung des Krieges 1913 gesellschaftsfĂ€hig, schon gar nicht bei den Heranwachsenden und den jungen MĂ€nnern Europas, die ein Jahr spĂ€ter jubelnd in den Krieg zogen, der dann, wenn auch aus anderem Grunde, tatsĂ€chlich als \"der Große Krieg\" bezeichnet wurde.
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Gruß

Riothamus

Yogsothoth

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« Antwort #94 am: 06. Juni 2018 - 15:48:47 »

Hallo!

Ich möchte nichts wiederholen, was in dieser langen aber interessanten Diskussion bereits geschrieben wurde, daher fasse ich mich kurz. FĂŒr mich gibt es im Wesentlichen drei Arten von Tabletop-Spielen mit Miniaturen: Rollenspiele oder rollenspiellastige Szenarios, in der Regel als kleinere PlĂ€nkelgefechte, taktische oder großtaktische Simulationen und wettbewerbsorientierte Spiele. Das erste sind in meiner Spielrunde zahlenmĂ€ĂŸig die hĂ€ufigsten, weil vorbereitungsĂ€rmer. Meistens geht es in die Richtung von Darkest Africa, Witchfinder General oder Ă€hnlichem, auch Fantasy wie Armalion. Man hat immer persönliche Heldenfiguren, mit denen man sich identifizieren kann und es kann ruhig in Richtung Pulp gehen, wichtig ist uns ein \"heroisches\" GrundgefĂŒhl. Das zweite sind Spiele, in denen die historische Situation nachempfunden wird, die Umsetzung unseres VerstĂ€ndnisses der Epoche steht im Mittelpunkt, nicht Listen oder Regeln. Wir bevorzugen hier entsprechend sehr epochenspezifische Systeme wie Johnny Reb , Napoleon\'s Battles, Father Tilly u.Ă€., verfassen aber auch eigene Hausregeln und/oder adaptieren verbreitete Systeme fĂŒr unsere Zwecke. Das dritte sind nach gĂŒltigen Listen zusammengestellte Spiele mit \"turniertauglichen\" Armeen, in denen ruhig auch die Regeln nach wirksamen Mechanismen ausgelotet werden können, allerdings spielen wir nur selten auf Turnieren (wenn dann WRG 6te) und es geht am heimischen Tisch auch nicht aggressiv \"wettbewerbsorientiert\" zu, aber in diese Kategorie fallen fĂŒr uns WRG 6te, ARMATI, die DBX-Familie usw., DBA ist aber auch eine \"Bier&Bretzel\"-Unterart.
Alle drei Arten haben ihren eigenen Reiz, auch wenn mir grundsĂ€tzlich das Spiel mit Anspruch auf historische Simulation noch am liebsten ist. SelbstverstĂ€ndlich sind die Grenzen auch fließend, Wettbewerbsarmeen dĂŒrfen gern historisch korrekt und \"heroisch\" personalisiert sein usw., da kann man nicht scharf trennen.

Mein Bild von dem, was da auf dem Tisch ablĂ€uft, ist dabei durch verschiedene EinflĂŒsse inspiriert. Klassische Abenteuerfilme wie \"The Men Who Would Be Kings\" sind immer im Hinterkopf, wenn man Kolonialsachen spielt, v.a. bei Rollenspiel-/Skirmish-Szenarios. Die taktischen/großtaktischen Simulationen sind meistens von tatsĂ€chlicher historischer Recherche inspiriert, man hat Augenzeugen- oder Stabsberichte und Ă€hnliches im Hinterkopf. Die Freude liegt entsprechend in der Beobachtung der Ereignisse, die sich entfalten, und dem Fachsimpeln ĂŒber den Vergleich zum historischen Vorbild. Dass es egal ist, wenn man verliert, ist vielleicht zu viel gesagt, aber es geht schon in diese Richtung. Bei Wettbewerbsspielen muss man einrĂ€umen, dass man wohl v.a. gewinnen will, aber hier schwingen auch \"Heldenlieder\" ĂŒber vergangene Turniererlebnisse als Inspiration mit. Eher Nostalgie als kalter Ehrgeiz.

Viele GrĂŒĂŸe,

Yogsothoth
« Letzte Änderung: 01. Januar 1970 - 01:00:00 von 1528293520 »
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