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Autor Thema: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen  (Gelesen 93094 mal)

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Pappenheimer

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"Rächer der Meere" 1962
« Antwort #150 am: 21. Oktober 2025 - 14:29:04 »

Ich bin nun auf eine weitere Perle des europäischen B-Films mit dem fast unvermeidbaren Walter Barnes gestoßen.

"Rächer der Meere"
I, F 1962
Regie: Domenico Paolella
Darsteller: Richard Harrison, Michèle Mercier, Roldano Lupi, Marissa Belli, Walter Barnes

Handlung: In der italienischen äh britischen Gefangenenkolonie in "Australien" gehen 1790 die Verbannten fischen unter der Leitung des alten  Errol Robinson, während der fiese Kapitän Redway, der komischerweise eine Infanterieuniform trägt  :o , nur auf seinen Gewinn bedacht die Verbannten dazu zwingt für ihn nach Perlen zu tauchen, die er in 3 Monaten nach seiner Rückkehr nach Europa zu Geld machen will. Infanterie-Lieutenant David Robinson widersetzt sich seinem tyrannischen Vorgesetzten, als dieser seinen Bruder eigenhändig auspeitschen will, weil der eingeschritten ist, als Haie die tauchenden Verbannten angriffen. Anschließend wird Muskelmann David in ein Straflager voller halber Hemden verdonnert, um seine Muckis zu präsentieren. Zufällig wird, als David fast angeschmiedet ersäuft, die italienische Turmburg  ;D vom Äppelkahn von Captain van Artz angegriffen, dessen Piraten anschließend die befreiten Sträflinge bei sich am Gardasee auf ihrer geheimen Insel aufnehmen. David gelingt typisch italolike der tolle Coup - wie in jedem zweiten solcher Streifen - dass er ans Steuerruder von Redways Schiff ranschwimmt und das dünne Kettchen entfernt, wodurch das "Schiff" plötzlich manövrierunfähig ist  :o. Die wenigen Piraten schaffen das angeblich so stark besetzte Schiff zu kapern, befreien dabei nicht nur van Artz heiße Tochter Jennifer (sic.!) sondern erbeuten auch zahlreiche Perlen ehe das Schiff in die Luft fliegt. Redway hingegen gelingt auf einem Bötchen die Flucht. Er sinnt auf Rache gegenüber David und hat beschlossen die "Insel" der Piraten ausfindig zu machen um kurz vor seiner Versetzung an den Schatz (?) der Piraten zu kommen. Doch auch seine schmachtende Konkubine Blackfacing-Nike hat ein Auge auf den feschen Muskelprotz geworfen ...

Anders als in den üblichen Genrestreifen hat man sich diesmal um ein anderes Setting "bemüht". Natürlich sieht man, dass alles irgendwo in Italien gedreht ist und die beiden Motorschiffchen mit den Fake-"Masten" sehen so albern aus wie in den zahlreichen zeitgenössischen Produktionen, aber zumindest für die "Briten" wurden extra Uniformen angeschafft, auch wenn es offenbar den Filmmachern egal oder unbekannt war, dass britische Marineoffiziere keine roten Uniformen trugen und es auch hier unfreiwillig komisch wirkt, wenn "Matrosen" auf einem Schiff rumlaufen ohne offenbar etwas zu tun zu haben, weil einfach die Segel nicht gesetzt werden brauchen. Da die "Schiffe" auch für Produktionen gebraucht wurden, die in den Fantasie-1600er Jahren spielen sollten, haben sie entsprechend hohe Aufbauten, die Kanonen sind nicht wirklich in Stückpforten und einige stehen ganz oben auf dem "Hauptdeck" einfach nur rum ohne irgendwie festgemacht zu sein. Die Naivität des Drehbuchs ist aber teilweise erheiternd ebenso wie die dummen Dialoge. Ich habe eine Fassung gesehen, wo nicht alles synchronisiert war, wodurch man erfuhr, dass die Originaldialoge im Italienischen genauso hölzern sind.
Regelrecht unangenehm mutet allerdings das vollkommen unnötige Blackfacing von Marissa Belli an, zumal man ja in ein paar Szenen sogar schwarze Darsteller in der Rolle als Aborigines sieht. Vielleicht wollte man aber für eine Hauptrolle auch unbedingt eine Italienerin (?). An Schauspielern funktioniert eigentlich nur Walter Barnes, der freilich das stümperhaft geschriebene Drehbuch mit klaren Figurenaufteilungen in Böse und Gut nicht retten kann.
Inhaltlich versucht der Film einen Mix aus Sandalen-, Piratenfilm und Explotation mit erstaunlich knappen Badehandtuchkleidern v.a. für Mercier, die damals ein Star war in dem Genre.

Darsteller **
Bilder
Schiffe
Story *
« Letzte Änderung: 05. Januar 2026 - 17:35:55 von Pappenheimer »
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Pappenheimer

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"Allein gegen die Freibeuter" (1965)
« Antwort #151 am: 05. November 2025 - 10:58:14 »

Ein herrlich blöder Film ist mir diesmal untergekommen, der fast so blöde ist, dass es lustig ist.

"Allein gegen die Freibeuter"
I 1965
Regie: Vertunnio Angelis
Darsteller: Tony Kendall, George Hilton, Luciano Benetti, Giovanni Vari, Gina Rovere

Handlung: Der komplett verblödete Piratenkapitän Garcia (ja auch die Piraten sind hier Spanier!) überfällt mit der "Albatros" (sic.!) eine spanische Galeone, weil er sie für ein Handelsschiff hält. Wahrscheinlich drückt der riesige Hut mit dem Totenkopf drauf (kein Joke!) zu sehr, dass er die Stückpforten (es gibt wirklich welche!) nicht sieht. Seine Mannschaft unterliegt zwar im Enterkampf. Aber als seine rechte Hand Juarez die spanische Prinzessin Anna  :o gefangen nimmt und bedroht, wendet sich das Blatt und der spanische Kommandeur gibt sich gefangen. Anschließend verhilft Juarez einem spanischen Offizier zur Flucht und beansprucht für seine Tat die Prinzessin für sich. Auf der Insel lässt Captain Garcia die Frauen einkerkern, während er die spanischen Anführer grausam hinrichten lassen will, wozu er sie dafür auf die Insel gebracht und bis dahin durchgefüttert hat, erfährt man nicht. Dann aber mischt sich Juarez ein. Doch wer ist der in hautenge Strumpfhosen gekleidete Geheimnisvolle, der dem spanischen Leutnant vor dessen Flucht eine Nachricht zukommen ließ - na schon drauf gekommen?

Dieser Film ist wirklich unfreiwillig komisch. Denn über die "Witze" von Captain Garcia oder sonst einer Figur - wie etwa wenn sich ein angeblich betrunkener Pirat an den Mönch ranmachen will, weil er ihn für eine Frau hält - kann man einfach nicht lachen. Aber diese Kostüme sind der Hammer. Nicht nur dass viele "Piraten" wie auf einem Kindergeburtstag Totenköpfe mit gekreuzten Knochen auf den Hüten tragen - einer hat sowas sogar wie ein Badge auf seinem Ambientewestchen. Erstaunlicherweise sehen die Schiffe sogar nach mehr aus als in zeitgenössischen Produktionen wie "Rächer der Meere", da es hier wirklich Geschützpforten gibt und die Dimensionen der Schiffe auch ganz andere sind.
Richtig dumm aber sind wie gewohnt die Dialoge und das Schauspiel ist so unterirdisch, dass man es fast als Kunst bezeichnen kann, wenn etwa Gina Rovere in völlig unpassenden Szenen lächelt oder sich ein "Pirat" aus Versehen beinahe selber erhängt, weil er in die Schlaufe des Stricks rutscht - wahrscheinlich weil bei diesen Billigfilmen einfach keine Szene nachgedreht wurde. Das Drehbuch ist grob zusammengezimmert. Dass mit George Hilton ein typischer Darsteller der Billigableger, der späteren Spaghetti-Westernwelle dabei ist, spricht schon irgendwie für sich. Dass er als "Held" der Story null taugt, liegt auf der Hand. Einzig interessant, dass in der Synchronfassung offenbar der Standardsprecher von Bud Spencer den dämlichen Piratenkapitän spricht.
Die Handlung ist komplett zum an den Kopf fassen. Warum lässt Juarez es nicht zu, dass sein Gegner Garcia einfach gekillt wird? Warum versucht der Piratenchef nicht Lösegeld für seine Gefangenen zu bekommen - insbesondere, wenn er angeblich eine spanische Prinzessin gefangen hat, die auf einem winzigen Schiffchen und so ziemlich ungeschützt übers Meer segelte? Die Motivation von praktisch allen Figuren bleibt im Dunklen oder ist einfach so bescheuert, dass man sie sich als normal denkender Mensch nicht erschließen kann.

Darsteller
Bilder *
Schiffe **
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Pappenheimer

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Damn the Defiant!
« Antwort #152 am: 05. Januar 2026 - 12:14:40 »

"Rebellion" mit Alec Guiness, Geschichte eines englischen Linienschiffes, etwas heroisch aber sonst klasse. Der rote Korsar, zwar humoristisch angelegt aber tolle Bilder.

Ich habe den Film unter "Damn the Defiant" gestern gesehen. Da war es nur kein Linienschiff, sondern eine recht kleine Fregatte. Ich weiß nicht, was da heroisch sein sollte. Nur typisches 1960er Kino mit recht viel Anspruch.

"Damn the Defiant!"
UK 1962
Regie: Lewis Gilbert
Darsteller: Sir Alec Guinness, Dirk Bogarde, Anthony Quayle, Maurice Denham, Nigel Stock, Tom Bell

Handlung: Entgegen dem Rat seines Admirals beschließt Cpt. Crawford 1797 unvoreingenommen mit seinem neuen 1. Lt. Scott-Padget auf der Fregatte HMS Defiant umzugehen, der nicht nur ein selbstsüchtiger Karrierist, sondern auch ein Sadist ist, der sich an Brutalität gegen die Matrosen aufgeilt. Zum Unheil des Captains hat er seinen eigenen Sohn dabei, den der älteste Midshipman Kilpatrick in einer geheimen Übereinkunft mit Scott-Padget heftig misshandelt unter dem Deckmantel von angeblichen Vergehen des unschuldigen jungen Seekadetten. Obendrein erweist sich der Routineauftrag einen Convoy aus dem Mittelmeer abzuholen um Holz für die Navy zu transportieren als gefährlicher als zuvor angenommen. Crawford gelingt es erst nachdem er eine französische Fregatte gekapert hat seinen Sohn dem 3. Offizier seines Schiffes samt der Prise mitzugeben und dadurch seine Autorität auf dem eigenen Schiff wiederherzustellen. Scott-Padget wird nach einer weiteren Auflehnung gegen eine Anweisung seines Captains bestraft, kann aber das Kommando des Schiffes übernehmen, als Crawford in einem Gefecht schwer verwundet wird. Das bösartige Verhalten von Scott-Padget und Klpatrick münden in einer Meuterei unter Führung des erfahrenen Seemannes Vizard. Erst als ein französischer Agent, den die Defiant gefangen genommen hat, geheime Pläne offenbart, gelingt es Crawford die Mannschaft zu überzeugen zur Flotte zurück zu segeln. Hier kann sich die Besatzung auszeichnen, welche die gefangenen Offiziere samt dem unverbesserlichen Scott-Padget aus dem Gewahrsam entlässt ...

Der Film spielt fast nur zur See und ist ein typisches Psychogram, welcher die Probleme aus Disziplin, Vorschriften der Navy und persönlichen Bindungen offen legt. Ganz ohne irgendeine romantische Liebesgeschichte ist es schwer einen Helden der Geschichte auszumachen, denn auch Crawford hat seine Fehler, die ihn sehr menschlich machen, selbst wenn er mit stoischer Mine und gezogenem Degen das Kapitänsdeck regiert. Für das Jahr 1962 sind die Kostüme, Waffen und die Schiffsszenen exquisit. Wer aber einen action- und spannungsreichen Film erwartet, wird hier enttäuscht. Der Sound nimmt bewusst die Heftigkeit aus den Actionszenen raus, um den Blick auf die Abgründe der manigfaltigen Personengeflechte und Gefühle der Protagonisten offen zu legen. Auch Scott-Padget ist ja irgendwie eine tragische Figur, der bei den Admirälen offensichtlich wegen seiner besserwisserischen ebenso wie egoistischen Art verhasst zu sein scheint und auch mit seiner brutalen Intrige kein Glück hat. Großes Charaktermimen-Kino der anspruchsvolleren Art. Details würde man heute anders machen. Es fehlt etwas an der für die Navy üblichen Ehrerbietung gegenüber Vorgesetzten und der Daumen an der Stirn.

Darsteller ****
Bilder ****
Schiffe ****
Story *****
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