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Autor Thema: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu  (Gelesen 15827 mal)

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Pappenheimer

  • Edelmann
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    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
"The Beggar's Opera" (1983)
« Antwort #135 am: 26. Februar 2021 - 12:48:10 »

Das ist zwar ein TheaterstĂŒck, aber weil diese Adaption so gelungen ist und das Thema eigentlich hundert prozentig hier reinpasst, will ich das mal hier ansprechen.

"The beggar's Opera"
UK 1983
Regie: Jonathan Miller
Darsteller: Roger Daltrey, Bob Hoskins, Stratford Johns, Peter Bayliss

Handlung: Diese folgt der Vorlage von Pepusch & Gay sehr genau. Der StraßenrĂ€uber Capatin Macheath hat Polly geheiratet. Zwar profitiert ihr Vater Peachum stets von dessen ÜberfĂ€llen, doch fĂŒrchtet er, dass Macheath als Schwiegersohn Peachums doppeltes Spiel ans Licht bringen könnte und so sorgt Peachum fĂŒr die Verhaftung des Captains. Dieser kann sich zwar mit Hilfe der Tochter des GefĂ€ngnischefs befreien, kommt aber durch seine Unachtsamkeit wieder in die FĂ€nge von Peachum und Lockit. Letztlich soll Macheath von zahlreichen Geliebten bedauert am Galgen enden...

Diese Verfilmung spielt offenbar komplett auf einer BĂŒhne - aber das wird hier als Stilmittel eingesetzt. Die KostĂŒme, Frisuren und Settings erinnern stark an GemĂ€lde von Hogarth, auch wenn sie vielleicht ein bisschen theatresk wirken. Dabei agieren die Schauspieler allen voran Daltrey unheimlich natĂŒrlich und stimmig. Keine Rolle ist irgendwie als ungelungen besetzt zu betrachten. Dies macht das StĂŒck, das an sich schon ein Meisterwerk ist, zu einem Hochgenuss, auch wenn man vielleicht nur Fan der Musik oder nur Fan des 18. Jh. oder nur Fan von RĂ€ubergeschichten ist. Denn die RĂ€uber, Prostituierten, KerkerwĂ€chter usw. sehen einfach nur malerisch aus. Die Handlung passt natĂŒrlich durchaus ins Mantel- und Degen-Genre, auch wenn weder geschossen noch gefochten wird.
Die Handlung ist in seiner Aussage unheimlich zeitlos: die Kleinen fĂ€ngt man - die Großen lĂ€sst man laufen. Damals war die Handlung fĂŒr alle verstĂ€ndlich eine Sozialkritik und Kritik an der Walpole-Regierung mit all ihrer Korruption.

Darsteller *****
Bilder *****
Story *****
Fechtszenen (nicht vorhanden)
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Pappenheimer

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Die drei Musketiere - Kampf um Frankreichs Krone
« Antwort #136 am: 08. MĂ€rz 2021 - 11:33:59 »

Man kann schon sagen, dass "Musketier"-Verfilmungen sowas wie ein eigenes Subgenre des Mantel- und Degenfilms sind. Diese Verfilmungen lassen sich ungefÀhr in 4 Kategorien einteilen:
1. Verfilmungen der Romane (die Verfilmung aus den 70ern mit Michael Yorck wĂŒrde da rein passen)
2. Spinn offs - die Geschichte wird weiter gesponnen wie in "D'Artagnan's Tochter" oder "Die Söhne der drei Musketiere" (1952).
3. Freie Verfilmungen, die sich an den Romanen leicht orientieren (das ist wohl die Masse der Filme inkl. denen mit Fairbanks aus den 20ern)
4. Filme, die beinahe nur noch die Namen der Charaktere haben aber eine völlig freie Handlung (z.B. die Steam-Punk oder Motorrad-Rocker Musketiere oder auch manche Zeichentrickserie wie die, wo Aramis sogar eine Frau ist!!!)
Komischerweise hat diese russische Verfilmung einen Titel, welcher eher in Kategorie 4 verweist, obwohl sich der Film sehr stark an die Handlung des Romans hĂ€lt. Ich habe nur den fast 2-stĂŒndigen Film gesehen, der offensichtlich in recht unbedarfter Manier die ĂŒber 8-stĂŒndige (!!!) Serie zusammen schneidet.

"Die drei Musketiere - Kampf um Frankreichs Krone"
Russl. 2013
Regie: Sergey Zhigunov
Darsteller: Rinal Mukhametov, Yuriy Chursin, Aleksey Makarov, Ekaterina Vilkova

Handlung: D'Artagnan bĂ€ndelt bereits mit den Damen der Nachbarschaft an, als ihn sein Vater zu Monsieur de TrĂ©ville nach Paris schickt. Unterwegs begegnet D'Artagnan dem Mönsieur de Rochefort und sieht Lady de Winter. Rochfort verhindert, dass D'Artagnan sein Pferd zu einem guten Preis verkaufen kann und es kommt zum Kampf bei dem D'Artagnan niedergeschlagen wird. In Paris angekommen kommt es zu dem berĂŒhmten Duell mit den drei Musketieren. Von da an prĂŒgelt sich D'Artagnan und seine neuen Freunde zu allerhand Gelegenheiten mit der Garde des Kardinals. Der König vergibt den Musketieren, da er wohl auch Gefallen am jungen D'Artagnan findet (ausnahmsweise wird hier mal auf Louis HomosexualitĂ€t angespielt). Die drei Musketiere und D'Artagnan mĂŒssen fĂŒr die Königin die Diamanten aus England zurĂŒck holen. Unterwegs erleiden die Musketiere ihre UnglĂŒcke. Doch nachdem D'Artagnan den Ruf der Königin Anne gerettet hat, spĂŒrt er auch die Musketiere auf der ehemaligen Strecke wieder auf (!!! kommt selten in Filmen vor). D'Artagnan wird nun Musketier und muss Constance aus den FĂ€ngen von Rochefort befreien. Da dadurch auch Rochefort blamiert ist, setzt der Kardinal nun wieder auf Lady de Winter, die er zuvor wegen des misslungenen Diamanten-Coups hat fallen lassen. TatsĂ€chlich gelingt ihr die Ermordung des Duke of Buckingham, wĂ€hrend die Musketiere vor La Rochelle sind, der dennoch als Leiche zu einer Verabredung mit der Königin erscheint. Athos ist der Lady auf den Fersen und es kommt zu dem dĂŒsteren Finale...

Die Schnittfassung lĂ€sst die AffĂ€re mit den Diamanten recht unangetastet, rafft dann aber den Stoff danach massiv zusammen, so dass das berĂŒhmte FrĂŒhstĂŒck der Musketiere z.B. wegbleibt. Die SchlĂŒsselszene in der Herberge, als Athos Milady und den Kardinal belauscht ist dann aber drinnen. Die Filmfassung wirkt etwas stĂŒmperhaft zusammen gefrickelt. Manche eher unmaßgebliche Szenen blieben in aller Breite drin und andere HandlungsstrĂ€nge, die man aus dem Roman kennt, fielen ganz weg wie z.B. dass die Lady von D'Artagnan zurĂŒckgewiesen wird, was ja erst ihren Hass auf ihn so wirklich erklĂ€rt.
Insgesamt hat der Film - und entsprechend auch die Serie - zahlreiche Gemeinsamkeiten mit vielen zeitgenössischen russischen Produktionen wie: sehr unbedarft schauspielernde Protagonisten, sehr mĂŒder Humor (v.a. wenn etwas offenbar vom Drehbuch dazu gedichtet wurde), meistenteils unpassende Drehorte (GebĂ€ude aus dem 18. oder 19. Jh., schwach gefilmte Straßenszenen ...), unpassende Schiffe (aber gut, immerhin Schiffe - in modernen Filmen stehen die Darsteller ja meistens in PC-Animationen rum). Die Regie ist immerhin ein bisschen besser als bei "Pakt des Bösen" und wie der Schmarrn alles in den 2000ern hieß.
Positiv ist anzumerken, dass sich die Verfilmung stark an die Vorlage hĂ€lt. Zahlreiche Motive werden aufgegriffen, auch wenn sich zumindest die Filmfassung nicht sklavisch an den Roman hĂ€lt. Eigenwilligerweise fallen aber just die witzigen Aspekte weg. Es gibt keine Diener der Musketiere, was zu grotesken Situationen fĂŒhrt indem sie sich um Kleinigkeiten selber kĂŒmmern mĂŒssen. M. Bonancieux ist eine sehr langweilige Figur, der bereitwillig (und auch irgendwie unmotiviert) seine Frau verpfeift. Positiv ist anzumerken, dass die KostĂŒme und Frisuren halbwegs OK sind ohne jetzt akribisch authentisch zu wirken. Die Waffen wirken ganz in Ordnung. Eigentlich frage ich mich auch, wozu man in anderen Verfilmungen was dazu erfinden musste, da ja Radschlosspistolen z.B. sowas von cool sind und auch als Schlagwaffen was hermachen. Die Fechtszenen haben manche typisch russische Spielereien wie regelrechte Balletteinlagen, wenn D'Artgnan ĂŒber die RĂŒcken von Gardisten springt (sieht man oft in heutigen "Historienfilmen" aus Russland"), aber sie sind meistenteils OK und nicht durch sinnlose Grausamkeit oder die Aufhebung physikalischer Gesetze oder jegliche Wahrscheinlichkeit (wie in der Steampunk-Verfilmung) angreichert. Die Rollen bewegen sich insgesamt im Bereich des plausiblen - also kein Musketier, der den König anpöbelt - kein Kardinal, der wie in fast allen neueren Verfilmungen den König ermorden will oder so ein Unfug.
Insgesamt eine mĂ€ĂŸige Verfilmung, die aber immerhin als regelrecht originelle Besonderheit fĂŒr sich hat mit dem Trend der letzten 30 Jahre zu brechen sich meilenweit von der Romanvorlage zu entfernen.

Darsteller **
Bilder ***
Story ****
Fechtszenen ***
« Letzte Änderung: 08. MĂ€rz 2021 - 11:46:36 von Pappenheimer »
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Pappenheimer

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"EntfĂŒhrt" 1971
« Antwort #137 am: 18. MĂ€rz 2021 - 09:10:17 »

Ich konnte mich irgendwie nur daran erinnern das Ende dieser Fassung des Klassikers mal gesehen zu haben. Der Rest ist aber auch nicht so dolle.

"Kidnapped"
UK 1971
Regie: Delbert Mann
Darsteller: Michael Caine, Lawrence Douglas, Vivien Heilbron, Donald Pleasance, Jack Hawkins, Trevor Howard

Handlung: David Balfour durchstreift 1746 die Highlands auf dem Weg zum House of Shaws und wird Zeuge der Massaker an den Highlandern. Dort angekommen versucht ihn sein Onkel Ebenezer zu ermorden. Bevor David ihn zur Rechenschaft ziehen kann trifft Captain Hoseason ein und David wird auf dessen Schiff entfĂŒhrt. Dieses rammt das Boot des Allen Breck, den Hoseason ausrauben will. Breck gelingt es mit Davids Hilfe sich der Seeleute zu erwehren und sie landen in den Highlands. Auf dem Gut von James Stewart wird Mungo Campbell ermordet. David verdĂ€chtigt Allen Breck und beide fliehen weiter durch die Highlands. SpĂ€ter erfahren sie, dass James fĂŒr den Mord an Mungo Campbell hingerichtet werden soll. James Tochter und James versuchen nun David davon abzuhalten im Sinne von James auszusagen, da dies nichts nĂŒtzen wĂŒrde und David nur in Gefahr brĂ€chte. Schließlich dringt Catriona in Allen Breck ihren Vater zu befreien...

Diese Verfilmung wirkt leider enorm uninspiriert. Viele SchlĂŒsselszenen fehlen völlig wie etwa die als Allen mit einer Angel durch die Felsen lĂ€uft. Der Versuch "Kidnapped" und "Catriona" miteinander zu vermengen kann als vollkommen ungelungen gelten. In "Catriona" ist der Vater einfach nicht James of the Glens sondern ein schurkischer Kerl, der sogar Allen reinlegen will. Die Rolle der Tochter des Lord Advocate scheint hier in der Verfilmung deplatziert - im Roman soll sie David ablenken und verliebt sich auch scheinbar in ihn. Manns Verfilmung legt stĂ€rker den Fokus auf die fiesen EnglĂ€nder (und Campbells) und wie brutal sie die Highlander unterdrĂŒcken. Der Film ist am stĂ€rksten, wenn Michael Caine als Allen Breck brillieren kann - auch das Ende (wenngleich es nix mit dem Roman zu tun hat) fand ich gelungen. Dass es offen ist, finde ich weniger störend. Die deutsche Synchronfassung ist unterirdisch.

Darsteller ****
Bilder ****
Story **
Fechtszenen **
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Pappenheimer

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"Le chevalier Ă  la rose rouge" (1966)
« Antwort #138 am: 01. November 2021 - 21:39:56 »

Endlich geht's hier weiter. Nach der erfolgreichen Miniserie "Le chevalier de la Maison-rouge" versuchte diese franz.-ital.-span. Koproduktion auf der kleinen Welle Àhnlicher Filme bzw. Serien zu schwimmen.

"Le chevalier Ă  la rose rouge" / "Rote Rosen fĂŒr Angelika"
F, I, E 1966
Regie: Stefano Vanzina (Steno)
Darsteller: Jacques Perrin, Raffaela CarrĂ , Carlos Estrada, MichĂšle Girardon

Handlung: Im Frankreich des Jahres 1789 macht der BrigantenfĂŒhrer Le Marseillais die Gegend unsicher und erbeutet Lebensmittel auf einem Schloss. Als der feige Chevalier Ă  la Rose rouge Soldaten zur Hilfe ruft, kann Marseillais allerdings erfolgreich entkommen. Der windige Chevalier beißt sich an Maria, die als Magd in einer Taverne arbeitet, die ZĂ€hne aus und lĂ€sst sich endlich in die Kreise von Marseillais hinein ziehen und landet schließlich mit Maria im Kerker. Doch der politische Umsturz in Paris könnte das Blatt nochmals wenden...

Dieser Film strotzt nur so vor einer dĂ€mlichen Handlung mit wenig logischen Wendungen. Der Vorlage von Dumas "Le Chevalier de la Maison-Rouge" wird regelrecht Gewalt angetan und wo der Roman subtil und selbst die Miniserie mit Royer in der Hauptrolle KomplexitĂ€t besitzt, hat dieser Streifen nur hohle Schauwerte, die nichtmal ansprechend aussehen. Der Film wirkt eher wie ein Billigstreifen der Abenteuerfilmschwemme. So spielt es auch keine Rolle, dass die französischen Soldaten des Ancien RĂ©gime Uniformen der Nationalgarden der Revolution haben (oder halt ne Billigversion davon). Da man fĂŒr die Briganten offenbar kein Budget hatte, haben die auch nicht mehr als nur irgendwie Hemden und so ne Art Piratenklamotten (?). Die Schauspieler sind auch ungefĂ€hr auf dem Niveau der schwĂ€cheren italienischen Piratenfilmchen.

Darsteller *
Bilder *
Story
Fechtszenen *
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Die Geheimnisse von Lissabon
« Antwort #139 am: 17. November 2021 - 14:05:01 »

Ich weiß nicht genau in welche Kategorie diese Miniserie hinein passt, aber da Duelle erwĂ€hnt werden und mindestens eines wirklich vorkommt, wollte ich sie hier mal auflisten.

"Die Geheimnisse von Lissabon" / "Mistérios de Lisboa"
Port./ F 2010
Regie: RaĂșl Ruiz
Darsteller: Adriano Luz, Maria JoĂŁo David da Silva Bastos, Ricardo Pereira

Handlung: Die Handlung ist stark episodenhaft und wird in laufenden ineinander verschachtelten Retrospektiven erzĂ€hlt, die auch sehr gestelzt und maniriert wirken können. Sie reicht von der 2. HĂ€lfte des 18. Jh. bis in die Mitte des 19. Jh.. Alles umgibt das Leben des unehelichen Kindes der Comtessa de Santa Barbara, der spĂ€ter als Pedro da Silva eigentlich studieren und sich weiter entwickeln soll. Doch sein Lebensweg ist von zahlreichen Ă€ußeren Bedingungen geprĂ€gt.
Da wĂ€re der Geistliche, Pater Denis, der seinerseits der Spross einer unehelichen Verbindung ist und daher vielleicht insbesondere mit dem jungen Don Pedro mitfĂŒhlt, als dieser von den HĂ€schern seines Großvaters ermordet werden soll um den Fehltritt seiner Mutter zu verschleiern.
Da wĂ€re auch eine gewisse Blanche de Montfort, die einen dem Kaiser NapolĂ©on nahe stehenden Offizier heiratet, welcher sich im Krieg in Portugal ausgezeichnet hat. Ihr Gemahl hat einen Colonel Lacroze in den Selbstmord getrieben indem er dessen Briefe unterschlug. Pater Denis hĂ€tte sich beinahe mit dem Comte de Montfort geschlagen, ging dann aber doch nach Portugal zurĂŒck und wurde Geistlicher. SpĂ€ter trifft er wieder auf die Monforts in Person der Tochter der Blanche, welche unterdessen Rache sinnt, da der mysteriöse Alberto de MagalhĂŁes ihren Bruder in einem nĂ€chtlichen Gerangel getötet hat.
Der unglĂŒckliche Pedro da Silva verliebt sich in Elisa de Montfort und wird von dieser dazu getrieben den besagten Alberto de MagalhĂŁes zum Duell zu fordern ohne zu wissen, was er alles seinem Duellgegner zu verdanken hat...

Die ganze Story ist nicht nur weitesgehend staubtrocken sondern bis ins völlig unglaubhafte in sich verschachtelt. Wer da alles sich gegenseitig irgendwann getroffen haben soll, ist schon irgendwann regelrecht verrĂŒckt. Es ist offensichtlich, dass der Autor Camilo Castelo Branco, der zwar ein Zeitgenosse Fontanes war, aber nun garnicht dessen Auffassung von Realismus teilte. Auf die Dauer fand ich diese Verbindungen und auch diese angeblichen "Geheimnisse" doch sehr bemĂŒht. Bis auf die Verbrechen der MĂ€tresse des Bischofs sind die meisten Dinge garkeine Geheimnisse im engeren Sinne und die UmstĂ€nde teilweise regelrecht banal. Besonders störend fand ich, dass der Wortlaut praktisch aller Rollen so ziemlich gleich war. Also da sprach keine Rolle eine irgendwie geschliffene Sprache, die zur Aristokratie dieser Zeit gepasst hĂ€tte. Da macht auch keiner nichtmal einen schlechten Witz. Das macht bei allem in Angesicht von Produktionskosten von nur 2,5 Millionen Dollar (man denke an die 100 Mio. fĂŒr "The last duel") die Miniserie schwer verdaulich. Obendrein ist die schauspielerische QualitĂ€t der Darsteller sehr unterschiedlich. WĂ€hrend LĂ©a Seydoux wie gewohnt brilliert, sind doch manche Charaktere mit sogar mehr Screentime regelrecht blass.
Die QualitĂ€t der Ausstattung ist doch sehr durchmischt. Die Episoden, die im 18.Jh. spielen, sind regelrecht erbĂ€rmlich. FĂŒr das 19.Jh. sieht man einen kruden Mix und bemerkt eine gewisse Unsicherheit, was es oft schwer macht auf Anhieb auseinander zu halten, wann diese oder jene Handlungsebene nun spielen soll, wenn das KostĂŒmbild so wenig eindeutig ist. Die Uniformen, auch wenn sie den Figuren teils garnicht zu passen scheinen (typisch bei einer Low-Budget-Produktion) wirken an sich auf die Entfernung ganz OK. Schlachten oder sowas kommen eh nicht vor.
Da wir hier in dem Thread sind, muss ich allerdings was zu dem gezeigten Duell in Folge 6 der Reihe sagen (war zumindest Ep.6 in der Version wie sie momentan auf arte zu sehen ist). BEIDE Figuren obwohl Upper Class des 19.Jh. können offensichtlich mit Stichwaffen garnicht umgehen. Man fragt sich, warum denn dann da Silva ĂŒberhaupt diese Waffen gewĂŒnscht hat, wenn er offenbar nichts von ihrem Umgang versteht. Da stimmt einfach garnichts hinsichtlich Fußstellung etc. und die Sekundanten wirken wie Pappkameraden, die keine Ahnung von Duellen haben. Wenn man sich in der Serie in vielen Szenen soviel Zeit gelassen hat, hĂ€tte man sich mit dieser wirklichen SchlĂŒsselszene im Leben des Protagonisten (!) doch auch mal MĂŒhe geben können, zumal das Resultat auch cineastisch sicher besser ausgesehen hĂ€tte.
Als positiv sind die zahlreichen Drehorte und teilweise die Innenaufnahmen zu bewerten.
Insgesamt leider ne typisch portugisische Ware Ă  la "Linien von Wellington" mit einem Mangel an Esprit.

Darsteller **
Bilder **
Story **
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Pappenheimer

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Der Stern von Indien (1954)
« Antwort #140 am: 11. Dezember 2021 - 01:18:48 »

Mal ein Film, der hochkarĂ€tig fĂŒr so eine Produktion besetzt war.

"Der Stern von Indien"
UK, I 1954
Regie: A.R. Lubin
Darsteller: Colonel Wilde, Herbert Lom, Jean Wallace, Walter Rilla

Handlung: Der Offizier St. Laurent kehrt aus Indien zurĂŒck, um festzustellen, dass sein Schloss auf Geheiß des Gouverneurs Narbonne an jemand anderen verkauft wurde. Die neue EigentĂŒmerin bietet ihm an ihm das Schloss zurĂŒck zu geben, wenn er ihr einen Edelstein beschafft. Doch St. Laurent erfĂ€hrt rasch, dass mehr dahinter steckt als ein FamilienerbstĂŒck und auch sein König, der Sonnenkönig und Mme. de Montespan sind hinter dem Schatz her. Nun muss sich der Offizier zwischen der Schönen und seiner Treue fĂŒr den König entscheiden...

Die Handlung ist reichlich vorhersehbar und versucht ein bisschen unbeholfen Agentenfilm und Abenteuerfilm miteinander zu verbinden. Die immer selben GesichtsausdrĂŒcke von Colonel Wilde helfen dem auf die Dauer wenig ĂŒberzeugenden hin und her von Handlung nicht wirklich weiter. Spannung und Action sind eher mĂŒde. 
Einzig die Burg von Narbonne bietet einige Schauwerte und Herbert Lom weiß als unberechenbarer Besessener zu ĂŒberzeugen.

Darsteller **
Bilder **
Story *
Fechtszenen
« Letzte Änderung: 13. Dezember 2021 - 12:09:21 von Pappenheimer »
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