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  • 14. August 2022 - 20:45:34
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Autor Thema: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu  (Gelesen 19305 mal)

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Pappenheimer

  • Edelmann
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    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
"The Beggar's Opera" (1983)
« Antwort #135 am: 26. Februar 2021 - 12:48:10 »

Das ist zwar ein TheaterstĂŒck, aber weil diese Adaption so gelungen ist und das Thema eigentlich hundert prozentig hier reinpasst, will ich das mal hier ansprechen.

"The beggar's Opera"
UK 1983
Regie: Jonathan Miller
Darsteller: Roger Daltrey, Bob Hoskins, Stratford Johns, Peter Bayliss

Handlung: Diese folgt der Vorlage von Pepusch & Gay sehr genau. Der StraßenrĂ€uber Capatin Macheath hat Polly geheiratet. Zwar profitiert ihr Vater Peachum stets von dessen ÜberfĂ€llen, doch fĂŒrchtet er, dass Macheath als Schwiegersohn Peachums doppeltes Spiel ans Licht bringen könnte und so sorgt Peachum fĂŒr die Verhaftung des Captains. Dieser kann sich zwar mit Hilfe der Tochter des GefĂ€ngnischefs befreien, kommt aber durch seine Unachtsamkeit wieder in die FĂ€nge von Peachum und Lockit. Letztlich soll Macheath von zahlreichen Geliebten bedauert am Galgen enden...

Diese Verfilmung spielt offenbar komplett auf einer BĂŒhne - aber das wird hier als Stilmittel eingesetzt. Die KostĂŒme, Frisuren und Settings erinnern stark an GemĂ€lde von Hogarth, auch wenn sie vielleicht ein bisschen theatresk wirken. Dabei agieren die Schauspieler allen voran Daltrey unheimlich natĂŒrlich und stimmig. Keine Rolle ist irgendwie als ungelungen besetzt zu betrachten. Dies macht das StĂŒck, das an sich schon ein Meisterwerk ist, zu einem Hochgenuss, auch wenn man vielleicht nur Fan der Musik oder nur Fan des 18. Jh. oder nur Fan von RĂ€ubergeschichten ist. Denn die RĂ€uber, Prostituierten, KerkerwĂ€chter usw. sehen einfach nur malerisch aus. Die Handlung passt natĂŒrlich durchaus ins Mantel- und Degen-Genre, auch wenn weder geschossen noch gefochten wird.
Die Handlung ist in seiner Aussage unheimlich zeitlos: die Kleinen fĂ€ngt man - die Großen lĂ€sst man laufen. Damals war die Handlung fĂŒr alle verstĂ€ndlich eine Sozialkritik und Kritik an der Walpole-Regierung mit all ihrer Korruption.

Darsteller *****
Bilder *****
Story *****
Fechtszenen (nicht vorhanden)
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Pappenheimer

  • Edelmann
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Die drei Musketiere - Kampf um Frankreichs Krone
« Antwort #136 am: 08. MĂ€rz 2021 - 11:33:59 »

Man kann schon sagen, dass "Musketier"-Verfilmungen sowas wie ein eigenes Subgenre des Mantel- und Degenfilms sind. Diese Verfilmungen lassen sich ungefÀhr in 4 Kategorien einteilen:
1. Verfilmungen der Romane (die Verfilmung aus den 70ern mit Michael Yorck wĂŒrde da rein passen)
2. Spinn offs - die Geschichte wird weiter gesponnen wie in "D'Artagnan's Tochter" oder "Die Söhne der drei Musketiere" (1952).
3. Freie Verfilmungen, die sich an den Romanen leicht orientieren (das ist wohl die Masse der Filme inkl. denen mit Fairbanks aus den 20ern)
4. Filme, die beinahe nur noch die Namen der Charaktere haben aber eine völlig freie Handlung (z.B. die Steam-Punk oder Motorrad-Rocker Musketiere oder auch manche Zeichentrickserie wie die, wo Aramis sogar eine Frau ist!!!)
Komischerweise hat diese russische Verfilmung einen Titel, welcher eher in Kategorie 4 verweist, obwohl sich der Film sehr stark an die Handlung des Romans hĂ€lt. Ich habe nur den fast 2-stĂŒndigen Film gesehen, der offensichtlich in recht unbedarfter Manier die ĂŒber 8-stĂŒndige (!!!) Serie zusammen schneidet.

"Die drei Musketiere - Kampf um Frankreichs Krone"
Russl. 2013
Regie: Sergey Zhigunov
Darsteller: Rinal Mukhametov, Yuriy Chursin, Aleksey Makarov, Ekaterina Vilkova

Handlung: D'Artagnan bĂ€ndelt bereits mit den Damen der Nachbarschaft an, als ihn sein Vater zu Monsieur de TrĂ©ville nach Paris schickt. Unterwegs begegnet D'Artagnan dem Mönsieur de Rochefort und sieht Lady de Winter. Rochfort verhindert, dass D'Artagnan sein Pferd zu einem guten Preis verkaufen kann und es kommt zum Kampf bei dem D'Artagnan niedergeschlagen wird. In Paris angekommen kommt es zu dem berĂŒhmten Duell mit den drei Musketieren. Von da an prĂŒgelt sich D'Artagnan und seine neuen Freunde zu allerhand Gelegenheiten mit der Garde des Kardinals. Der König vergibt den Musketieren, da er wohl auch Gefallen am jungen D'Artagnan findet (ausnahmsweise wird hier mal auf Louis HomosexualitĂ€t angespielt). Die drei Musketiere und D'Artagnan mĂŒssen fĂŒr die Königin die Diamanten aus England zurĂŒck holen. Unterwegs erleiden die Musketiere ihre UnglĂŒcke. Doch nachdem D'Artagnan den Ruf der Königin Anne gerettet hat, spĂŒrt er auch die Musketiere auf der ehemaligen Strecke wieder auf (!!! kommt selten in Filmen vor). D'Artagnan wird nun Musketier und muss Constance aus den FĂ€ngen von Rochefort befreien. Da dadurch auch Rochefort blamiert ist, setzt der Kardinal nun wieder auf Lady de Winter, die er zuvor wegen des misslungenen Diamanten-Coups hat fallen lassen. TatsĂ€chlich gelingt ihr die Ermordung des Duke of Buckingham, wĂ€hrend die Musketiere vor La Rochelle sind, der dennoch als Leiche zu einer Verabredung mit der Königin erscheint. Athos ist der Lady auf den Fersen und es kommt zu dem dĂŒsteren Finale...

Die Schnittfassung lĂ€sst die AffĂ€re mit den Diamanten recht unangetastet, rafft dann aber den Stoff danach massiv zusammen, so dass das berĂŒhmte FrĂŒhstĂŒck der Musketiere z.B. wegbleibt. Die SchlĂŒsselszene in der Herberge, als Athos Milady und den Kardinal belauscht ist dann aber drinnen. Die Filmfassung wirkt etwas stĂŒmperhaft zusammen gefrickelt. Manche eher unmaßgebliche Szenen blieben in aller Breite drin und andere HandlungsstrĂ€nge, die man aus dem Roman kennt, fielen ganz weg wie z.B. dass die Lady von D'Artagnan zurĂŒckgewiesen wird, was ja erst ihren Hass auf ihn so wirklich erklĂ€rt.
Insgesamt hat der Film - und entsprechend auch die Serie - zahlreiche Gemeinsamkeiten mit vielen zeitgenössischen russischen Produktionen wie: sehr unbedarft schauspielernde Protagonisten, sehr mĂŒder Humor (v.a. wenn etwas offenbar vom Drehbuch dazu gedichtet wurde), meistenteils unpassende Drehorte (GebĂ€ude aus dem 18. oder 19. Jh., schwach gefilmte Straßenszenen ...), unpassende Schiffe (aber gut, immerhin Schiffe - in modernen Filmen stehen die Darsteller ja meistens in PC-Animationen rum). Die Regie ist immerhin ein bisschen besser als bei "Pakt des Bösen" und wie der Schmarrn alles in den 2000ern hieß.
Positiv ist anzumerken, dass sich die Verfilmung stark an die Vorlage hĂ€lt. Zahlreiche Motive werden aufgegriffen, auch wenn sich zumindest die Filmfassung nicht sklavisch an den Roman hĂ€lt. Eigenwilligerweise fallen aber just die witzigen Aspekte weg. Es gibt keine Diener der Musketiere, was zu grotesken Situationen fĂŒhrt indem sie sich um Kleinigkeiten selber kĂŒmmern mĂŒssen. M. Bonancieux ist eine sehr langweilige Figur, der bereitwillig (und auch irgendwie unmotiviert) seine Frau verpfeift. Positiv ist anzumerken, dass die KostĂŒme und Frisuren halbwegs OK sind ohne jetzt akribisch authentisch zu wirken. Die Waffen wirken ganz in Ordnung. Eigentlich frage ich mich auch, wozu man in anderen Verfilmungen was dazu erfinden musste, da ja Radschlosspistolen z.B. sowas von cool sind und auch als Schlagwaffen was hermachen. Die Fechtszenen haben manche typisch russische Spielereien wie regelrechte Balletteinlagen, wenn D'Artgnan ĂŒber die RĂŒcken von Gardisten springt (sieht man oft in heutigen "Historienfilmen" aus Russland"), aber sie sind meistenteils OK und nicht durch sinnlose Grausamkeit oder die Aufhebung physikalischer Gesetze oder jegliche Wahrscheinlichkeit (wie in der Steampunk-Verfilmung) angreichert. Die Rollen bewegen sich insgesamt im Bereich des plausiblen - also kein Musketier, der den König anpöbelt - kein Kardinal, der wie in fast allen neueren Verfilmungen den König ermorden will oder so ein Unfug.
Insgesamt eine mĂ€ĂŸige Verfilmung, die aber immerhin als regelrecht originelle Besonderheit fĂŒr sich hat mit dem Trend der letzten 30 Jahre zu brechen sich meilenweit von der Romanvorlage zu entfernen.

Darsteller **
Bilder ***
Story ****
Fechtszenen ***
« Letzte Änderung: 08. MĂ€rz 2021 - 11:46:36 von Pappenheimer »
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Pappenheimer

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"EntfĂŒhrt" 1971
« Antwort #137 am: 18. MĂ€rz 2021 - 09:10:17 »

Ich konnte mich irgendwie nur daran erinnern das Ende dieser Fassung des Klassikers mal gesehen zu haben. Der Rest ist aber auch nicht so dolle.

"Kidnapped"
UK 1971
Regie: Delbert Mann
Darsteller: Michael Caine, Lawrence Douglas, Vivien Heilbron, Donald Pleasance, Jack Hawkins, Trevor Howard

Handlung: David Balfour durchstreift 1746 die Highlands auf dem Weg zum House of Shaws und wird Zeuge der Massaker an den Highlandern. Dort angekommen versucht ihn sein Onkel Ebenezer zu ermorden. Bevor David ihn zur Rechenschaft ziehen kann trifft Captain Hoseason ein und David wird auf dessen Schiff entfĂŒhrt. Dieses rammt das Boot des Allen Breck, den Hoseason ausrauben will. Breck gelingt es mit Davids Hilfe sich der Seeleute zu erwehren und sie landen in den Highlands. Auf dem Gut von James Stewart wird Mungo Campbell ermordet. David verdĂ€chtigt Allen Breck und beide fliehen weiter durch die Highlands. SpĂ€ter erfahren sie, dass James fĂŒr den Mord an Mungo Campbell hingerichtet werden soll. James Tochter und James versuchen nun David davon abzuhalten im Sinne von James auszusagen, da dies nichts nĂŒtzen wĂŒrde und David nur in Gefahr brĂ€chte. Schließlich dringt Catriona in Allen Breck ihren Vater zu befreien...

Diese Verfilmung wirkt leider enorm uninspiriert. Viele SchlĂŒsselszenen fehlen völlig wie etwa die als Allen mit einer Angel durch die Felsen lĂ€uft. Der Versuch "Kidnapped" und "Catriona" miteinander zu vermengen kann als vollkommen ungelungen gelten. In "Catriona" ist der Vater einfach nicht James of the Glens sondern ein schurkischer Kerl, der sogar Allen reinlegen will. Die Rolle der Tochter des Lord Advocate scheint hier in der Verfilmung deplatziert - im Roman soll sie David ablenken und verliebt sich auch scheinbar in ihn. Manns Verfilmung legt stĂ€rker den Fokus auf die fiesen EnglĂ€nder (und Campbells) und wie brutal sie die Highlander unterdrĂŒcken. Der Film ist am stĂ€rksten, wenn Michael Caine als Allen Breck brillieren kann - auch das Ende (wenngleich es nix mit dem Roman zu tun hat) fand ich gelungen. Dass es offen ist, finde ich weniger störend. Die deutsche Synchronfassung ist unterirdisch.

Darsteller ****
Bilder ****
Story **
Fechtszenen **
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Pappenheimer

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"Le chevalier Ă  la rose rouge" (1966)
« Antwort #138 am: 01. November 2021 - 21:39:56 »

Endlich geht's hier weiter. Nach der erfolgreichen Miniserie "Le chevalier de la Maison-rouge" versuchte diese franz.-ital.-span. Koproduktion auf der kleinen Welle Àhnlicher Filme bzw. Serien zu schwimmen.

"Le chevalier Ă  la rose rouge" / "Rote Rosen fĂŒr Angelika"
F, I, E 1966
Regie: Stefano Vanzina (Steno)
Darsteller: Jacques Perrin, Raffaela CarrĂ , Carlos Estrada, MichĂšle Girardon

Handlung: Im Frankreich des Jahres 1789 macht der BrigantenfĂŒhrer Le Marseillais die Gegend unsicher und erbeutet Lebensmittel auf einem Schloss. Als der feige Chevalier Ă  la Rose rouge Soldaten zur Hilfe ruft, kann Marseillais allerdings erfolgreich entkommen. Der windige Chevalier beißt sich an Maria, die als Magd in einer Taverne arbeitet, die ZĂ€hne aus und lĂ€sst sich endlich in die Kreise von Marseillais hinein ziehen und landet schließlich mit Maria im Kerker. Doch der politische Umsturz in Paris könnte das Blatt nochmals wenden...

Dieser Film strotzt nur so vor einer dĂ€mlichen Handlung mit wenig logischen Wendungen. Der Vorlage von Dumas "Le Chevalier de la Maison-Rouge" wird regelrecht Gewalt angetan und wo der Roman subtil und selbst die Miniserie mit Royer in der Hauptrolle KomplexitĂ€t besitzt, hat dieser Streifen nur hohle Schauwerte, die nichtmal ansprechend aussehen. Der Film wirkt eher wie ein Billigstreifen der Abenteuerfilmschwemme. So spielt es auch keine Rolle, dass die französischen Soldaten des Ancien RĂ©gime Uniformen der Nationalgarden der Revolution haben (oder halt ne Billigversion davon). Da man fĂŒr die Briganten offenbar kein Budget hatte, haben die auch nicht mehr als nur irgendwie Hemden und so ne Art Piratenklamotten (?). Die Schauspieler sind auch ungefĂ€hr auf dem Niveau der schwĂ€cheren italienischen Piratenfilmchen.

Darsteller *
Bilder *
Story
Fechtszenen *
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Die Geheimnisse von Lissabon
« Antwort #139 am: 17. November 2021 - 14:05:01 »

Ich weiß nicht genau in welche Kategorie diese Miniserie hinein passt, aber da Duelle erwĂ€hnt werden und mindestens eines wirklich vorkommt, wollte ich sie hier mal auflisten.

"Die Geheimnisse von Lissabon" / "Mistérios de Lisboa"
Port./ F 2010
Regie: RaĂșl Ruiz
Darsteller: Adriano Luz, Maria JoĂŁo David da Silva Bastos, Ricardo Pereira

Handlung: Die Handlung ist stark episodenhaft und wird in laufenden ineinander verschachtelten Retrospektiven erzĂ€hlt, die auch sehr gestelzt und maniriert wirken können. Sie reicht von der 2. HĂ€lfte des 18. Jh. bis in die Mitte des 19. Jh.. Alles umgibt das Leben des unehelichen Kindes der Comtessa de Santa Barbara, der spĂ€ter als Pedro da Silva eigentlich studieren und sich weiter entwickeln soll. Doch sein Lebensweg ist von zahlreichen Ă€ußeren Bedingungen geprĂ€gt.
Da wĂ€re der Geistliche, Pater Denis, der seinerseits der Spross einer unehelichen Verbindung ist und daher vielleicht insbesondere mit dem jungen Don Pedro mitfĂŒhlt, als dieser von den HĂ€schern seines Großvaters ermordet werden soll um den Fehltritt seiner Mutter zu verschleiern.
Da wĂ€re auch eine gewisse Blanche de Montfort, die einen dem Kaiser NapolĂ©on nahe stehenden Offizier heiratet, welcher sich im Krieg in Portugal ausgezeichnet hat. Ihr Gemahl hat einen Colonel Lacroze in den Selbstmord getrieben indem er dessen Briefe unterschlug. Pater Denis hĂ€tte sich beinahe mit dem Comte de Montfort geschlagen, ging dann aber doch nach Portugal zurĂŒck und wurde Geistlicher. SpĂ€ter trifft er wieder auf die Monforts in Person der Tochter der Blanche, welche unterdessen Rache sinnt, da der mysteriöse Alberto de MagalhĂŁes ihren Bruder in einem nĂ€chtlichen Gerangel getötet hat.
Der unglĂŒckliche Pedro da Silva verliebt sich in Elisa de Montfort und wird von dieser dazu getrieben den besagten Alberto de MagalhĂŁes zum Duell zu fordern ohne zu wissen, was er alles seinem Duellgegner zu verdanken hat...

Die ganze Story ist nicht nur weitesgehend staubtrocken sondern bis ins völlig unglaubhafte in sich verschachtelt. Wer da alles sich gegenseitig irgendwann getroffen haben soll, ist schon irgendwann regelrecht verrĂŒckt. Es ist offensichtlich, dass der Autor Camilo Castelo Branco, der zwar ein Zeitgenosse Fontanes war, aber nun garnicht dessen Auffassung von Realismus teilte. Auf die Dauer fand ich diese Verbindungen und auch diese angeblichen "Geheimnisse" doch sehr bemĂŒht. Bis auf die Verbrechen der MĂ€tresse des Bischofs sind die meisten Dinge garkeine Geheimnisse im engeren Sinne und die UmstĂ€nde teilweise regelrecht banal. Besonders störend fand ich, dass der Wortlaut praktisch aller Rollen so ziemlich gleich war. Also da sprach keine Rolle eine irgendwie geschliffene Sprache, die zur Aristokratie dieser Zeit gepasst hĂ€tte. Da macht auch keiner nichtmal einen schlechten Witz. Das macht bei allem in Angesicht von Produktionskosten von nur 2,5 Millionen Dollar (man denke an die 100 Mio. fĂŒr "The last duel") die Miniserie schwer verdaulich. Obendrein ist die schauspielerische QualitĂ€t der Darsteller sehr unterschiedlich. WĂ€hrend LĂ©a Seydoux wie gewohnt brilliert, sind doch manche Charaktere mit sogar mehr Screentime regelrecht blass.
Die QualitĂ€t der Ausstattung ist doch sehr durchmischt. Die Episoden, die im 18.Jh. spielen, sind regelrecht erbĂ€rmlich. FĂŒr das 19.Jh. sieht man einen kruden Mix und bemerkt eine gewisse Unsicherheit, was es oft schwer macht auf Anhieb auseinander zu halten, wann diese oder jene Handlungsebene nun spielen soll, wenn das KostĂŒmbild so wenig eindeutig ist. Die Uniformen, auch wenn sie den Figuren teils garnicht zu passen scheinen (typisch bei einer Low-Budget-Produktion) wirken an sich auf die Entfernung ganz OK. Schlachten oder sowas kommen eh nicht vor.
Da wir hier in dem Thread sind, muss ich allerdings was zu dem gezeigten Duell in Folge 6 der Reihe sagen (war zumindest Ep.6 in der Version wie sie momentan auf arte zu sehen ist). BEIDE Figuren obwohl Upper Class des 19.Jh. können offensichtlich mit Stichwaffen garnicht umgehen. Man fragt sich, warum denn dann da Silva ĂŒberhaupt diese Waffen gewĂŒnscht hat, wenn er offenbar nichts von ihrem Umgang versteht. Da stimmt einfach garnichts hinsichtlich Fußstellung etc. und die Sekundanten wirken wie Pappkameraden, die keine Ahnung von Duellen haben. Wenn man sich in der Serie in vielen Szenen soviel Zeit gelassen hat, hĂ€tte man sich mit dieser wirklichen SchlĂŒsselszene im Leben des Protagonisten (!) doch auch mal MĂŒhe geben können, zumal das Resultat auch cineastisch sicher besser ausgesehen hĂ€tte.
Als positiv sind die zahlreichen Drehorte und teilweise die Innenaufnahmen zu bewerten.
Insgesamt leider ne typisch portugisische Ware Ă  la "Linien von Wellington" mit einem Mangel an Esprit.

Darsteller **
Bilder **
Story **
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Der Stern von Indien (1954)
« Antwort #140 am: 11. Dezember 2021 - 01:18:48 »

Mal ein Film, der hochkarĂ€tig fĂŒr so eine Produktion besetzt war.

"Der Stern von Indien"
UK, I 1954
Regie: A.R. Lubin
Darsteller: Colonel Wilde, Herbert Lom, Jean Wallace, Walter Rilla

Handlung: Der Offizier St. Laurent kehrt aus Indien zurĂŒck, um festzustellen, dass sein Schloss auf Geheiß des Gouverneurs Narbonne an jemand anderen verkauft wurde. Die neue EigentĂŒmerin bietet ihm an ihm das Schloss zurĂŒck zu geben, wenn er ihr einen Edelstein beschafft. Doch St. Laurent erfĂ€hrt rasch, dass mehr dahinter steckt als ein FamilienerbstĂŒck und auch sein König, der Sonnenkönig und Mme. de Montespan sind hinter dem Schatz her. Nun muss sich der Offizier zwischen der Schönen und seiner Treue fĂŒr den König entscheiden...

Die Handlung ist reichlich vorhersehbar und versucht ein bisschen unbeholfen Agentenfilm und Abenteuerfilm miteinander zu verbinden. Die immer selben GesichtsausdrĂŒcke von Colonel Wilde helfen dem auf die Dauer wenig ĂŒberzeugenden hin und her von Handlung nicht wirklich weiter. Spannung und Action sind eher mĂŒde. 
Einzig die Burg von Narbonne bietet einige Schauwerte und Herbert Lom weiß als unberechenbarer Besessener zu ĂŒberzeugen.

Darsteller **
Bilder **
Story *
Fechtszenen
« Letzte Änderung: 13. Dezember 2021 - 12:09:21 von Pappenheimer »
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Pappenheimer

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"Fracasse, der freche Kavalier" (1961)
« Antwort #141 am: 25. April 2022 - 12:31:29 »

Vor ein paar Tagen bin ich auf einen Film gestoßen, den ich garnicht aus meiner Jugend kenne. Das Darstellerensemble im Vorspann machte mich zumindest gespannt.

"Le capitaine Fracasse"
F, I 1961
Regie: Pierre Gaspard-Huit
Darsteller: Jean Marais, Gérard Barray, Anna-Maria Ferrero, GeneviÚve Grad, Philippe Noiret, Sacha Pitoëff, Jean Rochefort, Louis de FunÚs, Riccardo Garrone

Handlung: Der arme Baron de Sigognac muss sogar wildern um einer Truppe Gaukler auf seinem einer Ruine gleichen Schloss eine Mahlzeit vorsetzen zu können. Fasziniert von der jungen Isabelle schließt sich der Baron der Schauspielkompanie des HĂ©rode an. Doch der ruchlose Duc de Vallambreuse verfĂ€llt der Schönen und will sie allen WiderstĂ€nden zum Trotz in ihre Gewalt bringen. Sigognac springt fĂŒr einen unterwegs verstorbenen Schauspieler ein und begleitet die Truppe als Capitaine de Fracasse.  Durch seine FechtkĂŒnste und anderen Fertigkeiten vermag Sigognac allen AnschlĂ€gen des lĂŒsternen Vallambreuse zu widerstehen. So schmiedet dieser einen Plan Isabelle zu entfĂŒhren, die den Baron nicht heiraten will, da sie sich nur fĂŒr eine einfache herumziehende Schauspielerin hĂ€lt. Doch findet der Vater von Vallambreuse durch einen Zufall die wahre IdentitĂ€t von Isabelle durch eine Wegelagerin heraus, die sich Isabelle verpflichtet fĂŒhlt, obwohl ihr Geliebter eine Scherge des heißblĂŒtigen Verbrechers Vallambreuse geworden ist. Schließlich versucht Sigognac nun mit Hilfe seiner neuen Freunde von der Schauspielkompanie wie dem einfachen, aber herzlichen HĂ©rode die Geliebte aus dem schwer bewachten Schloss des jungen Duc zu befreien ...

Die Handlung ist irgendwie sehr plump. Man fragt sich wie bei einem solchen Spitzenensemble jeder der groß klingenden Namen des französischen Kinos der 60er bis 80er genug Screentime bekommen soll. Und tatsĂ€chlich ist die Rolle von Louis de FunĂšs total winzig. Dabei ĂŒbertrumpfen er, Noiret, Garrone und Rochefort alle Hauptdarsteller in einer winzigen Szene in der sie die Geschichte gleichermaßen zuende erzĂ€hlen. Es ist erstaunlich wie bei einem dermaßen gewitzten Ensemble ein derart dröger Film heraus kommen kann und das bei einem erheblichen Aufwand. Es macht auch viel mehr Spaß etwa zuzusehen wie sich die Schauspieler auf ihrem Wagen durch einen Schneesturm kĂ€mpfen oder einen Kameraden begraben als wie der damals schon so unheimlich alte Marais an die junge Grad ranmacht.
Ein eigenwilliger Film eher fĂŒr die ganz Harten oder fĂŒr diejenigen, die große Fans von de FunĂšs und Großmeistern wie Rochefort sind, die auch mal deren kleine Rollen sehen wollen. Denn an deren Leistung ist kein Zweifel und ihnen zuzusehen macht wirklich Spaß.

Darsteller ***
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Die Rache der Borgia (1959)
« Antwort #142 am: 17. Mai 2022 - 11:42:12 »

Diese französisch-italienische Koproduktion war mir bislang unbekannt. Ich kannte einen Àhnlich gelagerten aber ungleich spannender gemachten Film "In den Klauen des Borgia" (1949). Was all diesen Filmen meistenteils gemeinsam ist, ist dass sie kaum etwas bis nichts mit dem historischen Cesare Borgia zu tun haben.

"Die Rache der Borgia" / "La notte del grande assalto"
F, I 1959
Regie: Giuseppe Maria Scotese
Darsteller: Agnés Laurent, Sergio Fantoni, Kerima, Fausto Tozzi, Gianni Rizzo

Handlung: Der verrĂ€terische Hauptmann Zanco di Montforte paktiert 1488 mit Cesare Borgia um die Stadt und das Schloss seines Herrn, des Grafen Fabio, in seine Gewalt zu bringen. Viel zu spĂ€t durchschaut der Fremde, der sich Marco da Volterra nennt, die PlĂ€ne der VerrĂ€ter, die den Grafen in einen Hinterhalt locken. So vermag es der Hauptmann, der so getan hat, als sei er von Cesare Borgia gefangen genommen worden, sich wieder in das Schloss der Schwester des Ermordeten zu begeben und dort nicht nur die Macht an sich zu reißen sondern auch die GrĂ€fin Isabella di Fabi in den Kerker zu werfen. Doch hat Marco einen Plan wobei er sich die Freundschaft zu den RĂ€ubern der Gegend zu Nutze machen will. In der Nacht (daher der viel passendere italienische Titel) greift er die Stadt und das Schloss von mehreren Seiten an und es gelingt ihm beides zu erobern. Aber er weiß auch, dass am nĂ€chsten Tag Cesare Borgia mit dem Hauptmann di Montforte und ihrem Gefolge in die Stadt einziehen will. Niemand seiner Freunde ahnte aber bis vor Kurzem seine Beziehung zu Katharina Sforza...

Der Film ist ein reichlich naiver Versuch auf der Mantel- und Degenwelle mitzureiten. Dabei ist er recht aufwĂ€ndig gemacht, da man sieht dass die zahlreichen groß angelegten Kampfszenen extra fĂŒr den Streifen gedreht wurden. Die Kleidung der 1480er wurde aber offenbar als zu langweilig gefunden. Deswegen wurde einfach kleidungsmĂ€ĂŸig alles in die 1520er bis auch ins spĂ€te 16.Jh. verlegt aber die fĂŒr diese Zeit schon ĂŒblichen Schusswaffen wie Musketen weggelassen, was insgesamt irgendwie wenig stimmig wirkt, v.a. da es ja auch 1488 schon HakenbĂŒchsen und dergleichen gab. So ergibt der ganze Kampf um die Stadt wenig bis kein Sinn. Überhaupt fragt man sich warum hunderte Wegelagerer ihr Leben fĂŒr einen ihnen komplett fremden Adligen wegwerfen. Eine RĂ€uberin scheint auch eher aus einem Steinzeitfilm entsprungen mit einem "Lederkleid", das vielleicht sexy wirken soll? Überhaupt ist der Film fĂŒr die 1950er und das Genre recht bemĂŒht erotisierend. Warum vor dem Angriff auf die Stadt bereits die spĂ€ter von den MĂ€nnern der Sforza getragenen Fahnen schon in der Stadt zu sehen sind, erschloss sich mir nicht.
Den Bösewicht, Tozzi, kennt man schon aus einem berĂŒhmteren Film nĂ€mlich als SchwertfĂŒhrer des Königs von Aragon in "El Cid" (1961). Ansonsten werden gewöhnliche Stereotype des Genres bedient mit einer treudoofen, schönen RĂ€uberin, die natĂŒrlich draufgehen muss und einem Schönling, der natĂŒrlich der Gute ist. Es ist amĂŒsant wie Cesare Borgia öfter wie auch hier als Ă€lterer Mann dargestellt wird, wo er doch mit 32 gestorben ist...
Die Hauptpluspunkte liegen in den schönen Drehorten wie der typisch italienischen Burg.

Darsteller **
Bilder **
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Fechtszenen *
« Letzte Änderung: 17. Mai 2022 - 11:43:58 von Pappenheimer »
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    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
"Der Henker von Venedig" (1963)
« Antwort #143 am: 23. Mai 2022 - 13:13:21 »

Dies ist einer der Lex Barker Filme, die bei der Kritik ein bisschen besser weggekommen sind.

"Der Henker von Venedig"
I 1960
Regie: Luigi Capuano
Darsteller: Lex Barker, Guy Madison, Alessandra Panaro, Mario Petri

Handlung: Der junge Sandrigo Bembo scheint 1645 hoch hinaus zu kommen. Wie er am Tag seiner VermĂ€hlung mit Leonora Danin vom Dogen Bembo erfĂ€hrt, ist er nur ein Findelkind des Dogen gewesen. Doch genießt Sandrigo das Wohlwollen der Unterschicht der Stadt und v.a. des blinden Bartolo. Sandrigos Erzfeind ist der Inquisitor Rodrigo Zeno, der Sandrigo verklagt mit den Feinden der Stadt zu paktieren. Statt irgendwelcher Beweise sagt nur der Pirat Guarneri gegen ihn aus, der als der Doge ihn aufsuchen will, verschwunden ist. Zeno schickt einen VerrĂ€ter aus dem Freundeskreis Sandrigos zu diesem um eine Flucht zu fingieren. In Wahrheit soll Guarneri Sandrigo ermorden. Schwer verwundet gelingt Sandrigo die Flucht. Als Leonora von Sandrigos angeblichen Tod erfĂ€hrt, begibt sie sich in ein Kloster. Zeno schickt daraufhin den gewissenlosen Guarneri um auf der Insel mit dem Kloster einzudringen und Leonora zu entfĂŒhren. Aber Sandrigo ist wieder fit und schafft es die Piraten zurĂŒck zu schlagen. Anschließend will er sich an der Verwörern rund um Zeno rĂ€chen, denn diese besetzen ganz ĂŒberwiegend den Rat der Zehn, die Sansrigo abgeurteilt haben. Zeno beschließt seinerseits Sandrigo endgĂŒltig auszuschalten. Er befiehlt Guaneri in Bartolos Versteck einzudringen, da Guarneri scheinbar das Vertrauen Bartolos (why?) genießt, um Sandrigo zu verhaften. Damit gelangen Leonora und Sandrigo in die Gewalt Zenos, der beschließt auch Leonora hinrichten zu lassen, als er erfĂ€hrt, dass diese bereits insgeheim mit Sandrigo vermĂ€hlt worden ist. Zeno setzt auch den Dogen Bembo ab, der eine Befreiung Sandrigos plante. Guarneri erkennt endlich, dass er von Zeno immer getĂ€uscht wurde und Sandrigo eigentlich sein Sohn ist, den er mehrfach hatte töten wollen um sich am Dogen zu rĂ€chen, den er eigentlich fĂŒr den Tod seines Sohnes fĂŒr verantwortlich hĂ€lt. So kommt es vor dem Dogenpalast zum Finale. In einem Aufruhr wird der Iquisitor gestĂŒrzt und seiner Strafe zugefĂŒhrt.

Die Handlung des Films erinnert stark an "Der Löwe von San Marco" (https://sweetwater-forum.net/index.php/topic,23430.msg292491.html#msg292491), der ebenfalls 1963 erschienen ist. Wiederum gibt es fiktive Piraten, die scheinbar unweit der Lagunenstadt existieren. Nur spielen die Piraten hier weniger die Hauptrolle als Degenduelle und Intrigen. Das Ganze ergibt wiederum wenig Sinn, da die Verfassung von Venedig offensichtlich den Drehbuchschreibern ziemlich unbekannt ist. 1645 wĂŒrde natĂŒrlich eigentlich der Dauerkonflikt Venedigs mit den Osmanen um Kreta und die Vorherrschaft im Mittelmeer die Hauptrolle spielen. Der Doge wird als machtloses Staatsoberhaupt dargestellt, das alle anderen MĂ€chtigen der Stadt gegen sich hat. Immerhin sind die Intrigen relativ in sich nachvollziehbar. Mit Guy Madison wird der Bösewicht von einem geschickt den skrupellosen Machtmenschen spielenden Akteur besetzt, wĂ€hrend Lex Barker eher die Rolle des regelrecht naiven Schönlings hat. Dass Barker kaum Ă€lter als sein Filmvater Mario Petri aussieht, macht das Ganze aber wiederum recht unglaubwĂŒrdig. Immerhin wissen die Aufnahmen der schönen Stadt Venedig zu gefallen und es gibt tatsĂ€chlich zahlreiche Außenszenen auf den KanĂ€len und PlĂ€tzen der Stadt, was sicherlich auch in den 1960ern bereits einen ziemlich logistischen Aufwand bedeutet haben dĂŒrfte. Die KostĂŒme sind teilweise regelrecht lĂ€cherlich. Besonders lachen musste ich aber bei den Szenen mit den "Äxten"...

Darsteller **
Bilder ***
Story **
Fechtszenen *
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Pappenheimer

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    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
"Das Zeichen der Musketiere" (1962)
« Antwort #144 am: 25. Mai 2022 - 17:57:57 »

Auch die Italiener versuchten sich mit den Musketieren. Da aber Millionen fĂŒr die Schminke in frĂŒheren Filmen drauf gegangen sind, sind von den vier Musketieren nur noch zwei ĂŒbrig geblieben...

"Das Zeichen der Musketiere"
I 1962
Regie: Siro Marcellini
Darsteller: George Nader, Alessandra Panaro, Mario Petri, Georges Marchal, Magali Noël

Handlung: D'Artagnan und Porthos sind 1632 einer Verschwörung um den Duc de Montserrat auf der Spur, welche Gaston d'OrlĂ©ans auf den Thron bringen möchte. Nachdem man die Verschwörer belauscht hat, flieht D'Artagnan verwundet in die GemĂ€cher von Diane de Montserrat, der Nichte des RedelsfĂŒhrers. Louis XIII glaubt allerdings Richelieu nicht, der D'Artagnans Erkenntnisse meldet. D'Artagnan muss Beweise heranschaffen. Es gelingt D'Artagnan nicht nur einen Boten der Frondeure mit einem X zu markieren, sondern auch Montfort zu kennzeichnen. Durch dieses Zeichen wird Montfort als VerrĂ€ter vor dem König ĂŒberfĂŒhrt (was auch immer das fĂŒr ein Beweis sein soll???). Der Duc de Montserrat sieht keine andere Möglichkeit um die aus den Niederlanden angeforderten 10 Millionen GoldmĂŒnzen aufzutreiben, da seine AnhĂ€nger nichts mehr geben wollen, als diese seiner Nichte abzunehmen, die dazu gefoltert werden muss. Ihr Vater hatte einen so gewaltigen Schatz (also eine damals regelrecht utopische Summe) in einem Kloster in Paris versteckt. Statt den Duc und die seinen einfach zu verhaften, erlaubt D'Artagnan ihnen das Gold aus dem Kloster St. Germain abzuholen und sich in Dianes Palais zu versammeln. Zwei unglaublich starke MĂ€nner tragen die 10 Millionen ( ???) in einer Truhe in den Palast. Ein winziges Boot soll die Moneten auf einem Fluss, der offenbar nicht die Seine ist ( :o ), aus Paris schaffen. Als Porthos und D'Artagnan bereits die meisten Verschwörer ausgeschaltet haben, tauchen endlich 2 Kompanien Musketiere ein...

Der Film versucht offenbar auf rein komerzieller Art erfolgreich zu sein. Irgendwie wird versucht einen Film zusammen zu kitten. Die Masse der Szenen sind Innenraumaufnahmen/Studioaufnahmen in einer unwirklich wirkenden Kulisse. Selbst eine einfache Kammer in einem Gasthaus hat man nicht in irgendeiner Weise glaubhaft darstellen können. Das Motiv mit dem X ergibt fĂŒr die Handlung keinen Sinn und es scheint unfreiwillig komisch, wenn der Duc de Montserrat ernsthaft seinen Hirn anzustrengen versucht, was das denn ĂŒberhaupt soll. Es ergibt halt einfach auch keinen Sinn. Statt jemandem eine winzige oberflĂ€chliche Wunde auf der Stirn zu versetzen, wĂŒrde man den Gegner natĂŒrlich einfach erstmal entwaffnen oder kampfunfĂ€hig machen. Doch die Darsteller und Choreographen haben von den Waffen dieser Zeit offenbar keine Ahnung. Selbst die einfachsten Soldaten haben eine Art Floretts und keiner hat einen fĂŒr die Zeit typischen Dolch, was auch daran liegen mag, dass keiner damit hĂ€tte umgehen sollen. Von den historischen UmstĂ€nden hat man offenbar null Ahnung. Wie hĂ€tten die Niederlande gegen Louis XIII intervenieren sollen (und wozu???), wenn sie 1632 immernoch mit dem 80-jĂ€hrigen Krieg beschĂ€ftigt waren, zumal ja Richelieu sowieso ein Feind der Spanier also mindestens indirekt ein natĂŒrlicher VerbĂŒndeter der NiederlĂ€nder war. Leider wirken selbst die Charaktere, denen der Zuschauer positiv gegenĂŒber stehen soll, massiv unsympathisch. D'Artagnan (Nader) herrscht laufend Porthos barsch an und es wird so getan, als ob dieser ein Diener von D'Artgnan wĂ€re (in den Romanen ist freilich D'Artagnan irgendwann Offizier bei den Musketieren, aber das wird hier nicht thematisiert). Mario Petri wirkt einfach meistens dĂ€mlich statt rustikal und ist fĂŒr einen Porthos einfach zu "dĂŒnn". Einzig Richelieu ist recht ĂŒberzeugend besetzt und Louis XIII wird ausnahmsweise nicht als trotteliger Typ dargestellt, sondern eher ein bisschen wie Charles I. in "Cromwell".

Darsteller **
Bilder
Story
Fechtszenen *
« Letzte Änderung: 25. Mai 2022 - 18:01:27 von Pappenheimer »
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"Der maskierte Kavalier" (1951)
« Antwort #145 am: 18. Juli 2022 - 13:08:34 »

Ich bin endlich mal auf einen "neuen" alten Mantel- und Degenfilm gestoßen. Der hat mich am Anfang sogar angesprochen.

"Der maskierte Kavalier" (The Highwayman)
USA 1951
Regie: Lesley Selander
Darsteller: Philip Friend, Charles Coburn, Wanda Hendrix, Victor Jory, Virginia Huston

Handlung: Der maskierte Kavalier ĂŒberfĂ€llt 1763 die reichen Reisenden in ihren Kutschen und lĂ€sst die Beute von Bess, der Tochter des Wirts, bei dem er untergebracht ist, unter den Armen verteilen. Er gibt sich als QuĂ€ker aus und ist eigentlich Jeremy Lord Northwood, der nach dem Krieg als tot galt, weshalb seine Verlobte auf den Befehl des Königs hin Lord Douglas geheiratet hat. Lord und Lady Douglas sind unterdessen aus Amerika gekommen. Douglas werden von Minister Lord Walters Geld und MĂ€nner versprochen, die Douglas vom König zugeteilt werden [why???], wenn Douglas den maskierten Kavalier zur Strecke bringt. Es gelingt Douglas zwar Jeremy auf einen Ball zu locken, doch versagt er immer wieder ihn zu stellen und seine IdentitĂ€t aufzuklĂ€ren. Schließlich lĂ€sst sich Lord Barton dazu verleiten sich Douglas anzuvertrauen, weil er und weitere Verschwörer Lord Walters durch einen Beschluss im Oberhaus stĂŒrzen wollen. Douglas beschließt gleich im Sinne Walters vorzugehen und lĂ€sst Barton entfĂŒhren. Jeremy und sein neuer Companion Merry schaffen es nicht Barton lebendig zu retten. So versammelt Jeremy die Verschwörer, doch einer von ihnen ist ein VerrĂ€ter, der Douglas nun den Politiker Oglethorpe in die HĂ€nde spielt. Douglas will Oglethorpe nun ermorden und es als Tat des maskierten Kavaliers hinstellen. Nun aber greift Jeremy ein und er kann mit Hilfe der von ihm gerettetenen Verschwörer Oglethorpe befreien und Douglas töten. Im Wirtshaus aber hat sich der eifersĂŒchtige Knecht, der Bess liebt, die Soldaten herbei gerufen, welche dem heimkehrenden maskierten Kavalier eine Falle stellen...

Die politischen ZusammenhĂ€nge sind regelrecht haarstrĂ€ubend und die Handlung wirkt vollkommen naiv. Wer der maskierte Kavalier ist, soll bei allen offensichtlichen Anzeichen (Jeremy hat sich in der NĂ€he der Tatorte als QuĂ€ker einquartiert und tritt sogar als ein solcher auf Douglas Ball auf!!!) dem angeblich gewieften Douglas nicht einleuchten. Die ganze Art und Weise wie hier die angebliche MachtfĂŒlle des Königs gezeichnet wird, ist natĂŒrlich vollkommener Schwachsinn; auch wird offenbar vergessen, dass 1763 der junge König George III an der Macht war. Die ganze Verschwörung ergibt ebensowenig Sinn wie der Umstand, dass britische Soldaten ohne irgendeine ErklĂ€rung einen der Peers of England (Lord Barton) entfĂŒhren sollen.
Die KostĂŒme sind aus der Sparte Mottenkiste. Es gibt sogar grĂŒn uniformierte Dragoner (???), die eher nach einem österr. Dragonerregiment aussehen (Ligne nĂ€mlich). Das KostĂŒmbild ist ein irrer Mix durch die Jahrhunderte; auch die Waffen wirken eigenartig.
"Plot convenience" nennt man das, glaube ich, wenn in einer Szene etliche SchĂŒtzen den Helden nicht mit ihren Schusswaffen treffen können, dann aber als es reinpasst, klappen soll. Die Darsteller spielen ganz ĂŒberwiegend extrem hölzern und Victor Joy und den anderen Schauspielern, die wie Opas aussehen, ist einfach nicht abzunehmen, dass sie es mit einem jungen Offizier, der gut fechten kann, aufnehmen können. Als Einzige konnte mich Wanda Hendrix ĂŒberzeugen. Ansonsten hat mir teilweise die Kameraarbeit gefallen, die auf der Höhe der Zeit war.

Darsteller *
Bilder **
Story
Fechtszenen *
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