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Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu

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Pappenheimer:
Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen die Tage mal die erste Episode aus der wenig mit Dumas gemein habenden Serie "Die Musketiere" anzuschauen. Wenn man die Zusammenfassungen der übrigen Folgen anschaut, haben diese ebensowenig mit Geschichte und Roman zu tun.

"The Musketeers"
UK 2014
Regie: Toby Haynes
Darsteller: Luke Pasquilano, Tom Burke, Peter Capaldi, Howard Charles, Hugo Speer, Tamla Kari, Maimie McCoy

Handlung: Auf der Reise nach Paris, wo sich 1630 Alexandre D'Artagnan (sic.!) über die zu hohen Steuern des Kardinals (sic.!) beschwere will, wird er von maskierten Mördern getötet von denen sich einer als der Musketier Athos ausgibt. Der Sohn des Ermordeten gelangt nach Paris und greift dort die berühmten drei Musketiere an, die sich offenbar zuvor bei Mytholon im Sale mit Plastikrüstungen eingedeckt haben (sic.!). Nachdem Athos inhaftiert wurde um von einem Erschießungskommando (sic.!) hingerichtet zu werden, finden die beiden übrigen Musketiere mit D'Artagnan heraus, dass Schurken einen Trupp Musketiere unter einem Hauptmann (sic.!  ;D ;D ;D ) ermordet haben, um zum einen an den König kompromitierende Briefe an den König von Spanien zu kommen und deren "Uniformen" (sic.!) zu erbeuten in denen D'Artagnans Vater ermordet wurde...

Die erste Episode gibt schon einen guten Vorgeschmack für den Level an Schwachsinn, den man in der Serie zu erwarten hat. Natürlich kann kein Hauptmann einen "Trupp" der Musketiere kommandieren, da Tréville ja im Roman DER Hauptmann der Musketiere ist. Es gibt garkeinen weiteren Hauptmann und die Musketiere sind auch kein "Regiment" wie es in der Folge heißt. Die "Uniformen" der Musketiere, die angeblich entwendet wurden, sind einfach nicht erkennbar. Was sollen denn die Uniformen sein? Diese komischen blauen Lappen mit den sinnlosen Knöpfen? Noch alberner wirken aber fast die "Uniformen" der Garde des Kardinals, die aussieht wie ein modernes Regencape für nen Fahrradfahrer (?). Dass den Machern der Serie eh alles Wurst war, sieht man in so "Details" wie wenn der Zugang zu der einen Burgruine einfach eine MODERNE Brücke aus METALL ist!  ;D Die Filmcharaktere sind schwer zu unterscheiden, weil alle Klamotten in einem Mix aus Schwarz und Braun gehalten sind. Durch diesen Plastiklook bei den "Rüstungen" spielen die erstaunlich gut aussehenden Waffen eigentlich keine Rolle - es gibt sogar Akebusen mit Lunten!

Darsteller **
Bilder *
Story
Fechtszenen *

Bonsai1411:
Ja die Serie bietet schon reichlich dummes Zeug und die Ausstattung und Uniformen ist unter aller Sau, warum muss immer Leder getragen werden in den neuen Filmen, die "bunten" Kostüme der alten Mantel und Degen filmen waren viel dichter an der Realität, ach was vermisse ich die Technicolor Ära. 
Und trotzdem hat mich die Serie irgendwie unterhalten, wenn man die Gedanken beiseite schiebt und was ich hier tatsächlich gut fand im Gegensatz zu den andern Filmen, sie durften mal das Nutzen nach dem Sie benannt sind Musketen abfeuern.

Pappenheimer:
Dieser Film hat wiederum nichts mit den Romanen von Dumas zu tun, außer ein paar einzelne Namen, da die Handlung des in die Zeit passenden Parts "Die Eiserne Maske" hier völlig konterkariert wird. Durch gealterte Topstars des Genres soll eine dämliche Handlung zusammen gekleistert werden.

"Lady Musketier"
D, USA, Kroatien, 2004
Regie: Steve Boyum
Darsteller: Susie Amy, Michael York, Gérard Depardieu, Natassja Kinski, Kristina Krepela, John Rhys-Davies

Handlung: Aus einem unbekannten Grund unterstützt D'Artagnan seine sexy Tochter 1660 - oder sowas ähnliches - in ein kleines Kaff, das Paris darstellen soll (?) zu gehen, um unter einem gewissen Commandant Finot  ??? Musketier des Königs zu werden. Unterdessen erbeutet eine Lady Bolton, die ohne es scheinbar zu wissen, eine gealterte Kopie von Lady de Winter ist, einen Brief, der nachweisen soll, dass der Duke of Buckingham durch eine sonderbare Fügung der Vater von Louis XIV ist :o*. Der greise Commandant Finot reißt sich von der in seinem Büro rumhängenden Fotokopie des Porträts von Karl V.  ;D los, um sich dem Heer anzuschließen, welches durch die Unterschlagungen Mazarins gegen die Spanier verliert. Unterwegs wird sein winziger Trupp von unfähigen Musketieren von Capitaine Villerois Gardisten des Kardinals mit einer Art schwarzen Schurkenklamotte niedergemetzelt. Völlig unnötigerweise verkleiden sich anschließend die Schergen Villerois als Musketiere des Königs, um die Infantin von Spanien zu entführen, die aus wiederum unbekanntem Grund incognito mit einer unglaublichen Landgsamkeit nach Paris reist**. Der Kardinal hat inzwischen die verbliebenen Musketiere des Königs unter dem Vorwand verhaften lassen, dass sie die Mörderin der Mätresse des Königs zur Flucht verholfen haben. Dadurch wird der Lost-Place-Palast von King Louis-Louis nur noch von den schwarzen Gesellen des Kardinals bewacht und der dämliche König ist dadurch irgendwie mehr oder minder Gefangener seines eigenen Premierministers  :o. Derweil wird auch Valentine d'Artagnan, die den ominösen Brief sinnloserweise mit sich rum trägt, durch Versehen von Villeroi gefangen genommen, während er mit Lady Bolton verhandelt. In einer Art Finale müssen die alten Musketiere um D'Artagnan und deren trottelige Söhne die Infantin und Valentine aus einem Schloss befreien...

Die Handlung ergibt wie üblich hinten und vorne keinen Sinn, nicht einmal wenn wir annehmen, dass der Kardinal wagen würde die Verlobte seines eigenen Königs umbringen zu lassen. Warum vernichtet Valentine nicht einfach den Brief, wenn er so gefährlich für den König ist? Wozu reist die Tochter des KÖNIGS von Spanien nur begleitet von zwei dämlichen Schnepfen und einem nicht minder unterbelichteten spanischen Offizier incognito nach Paris und setzt sich vollkommen unnötig irgendwelcher Gefahren aus? Nichts davon wird in irgendeiner Weise erklärt.
Ebenso versteht man nicht, warum in einem Film mit Musketieren, diese als die größten Trottel und Ausgeburten an Unfähigkeit porträtiert werden - etwa wenn 6 Musketiere von einem Schurken getötet werden, der angeblich zu unfähig war in dem Corps aufgenommen zu werden.
Das Problem bei der Produktion war offensichtlich, dass die eigentlichen Zuschauermagneten Michael York und John Rhys-Davies offenbar zu unfit für Actionszenen sind, weshalb zahlreiche Szenen in einer Art Zeitlupe aufgelöst werden müssen und diejenigen, welche man agieren sehen will, nur sehr selten sieht. Zurück bleibt ein peinlich billig daher kommender Zweiteiler mit unmotiviert schauspielernden Altstars, die in ulkigen Klamotten aus der Lumpenkiste in furchtbaren Drehorten herumlaufen und sich teilweise Dialoge aufsagen, die an Primitivität nur durch das Russische Propagandakino der 2000er Jahre zu überbieten sind.
Die Jungschauspieler scheinen teilweise überfordert und Natassja Kinski durch die blöden Szenen, in denen sie auftreten muss, unangenehm berührt. Bei Gérard Depardieu hat man sich offenbar bemüht den Misscast des Jahrzehnts hinzulegen...

* Dass das nicht sein kann, da der Duke ja auf Geheiß von Lady de Winter zuvor längst ermordet worden ist, ist scheinbar jedermann unbekannt.
** Valentine d'Artagnan schafft es in der selben Zeit aus der Gascogne kommend nach "Paris" zu gehen, dort ein paar Tage zu verbringen und dann wieder nach Süden, um Maria Theresia zu suchen.

Darsteller ** (nur für Michael York und John Rhys-Davies)
Bilder *
Story
Fechtszenen **

Pappenheimer:

--- Zitat von: Bonsai1411 am 09. Februar 2026 - 19:49:09 ---Und trotzdem hat mich die Serie irgendwie unterhalten, wenn man die Gedanken beiseite schiebt und was ich hier tatsächlich gut fand im Gegensatz zu den andern Filmen, sie durften mal das Nutzen nach dem Sie benannt sind Musketen abfeuern.

--- Ende Zitat ---
Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass die Musketiere hier KEINE Musketen haben und auch von der Funktion her nichts mit der militärischen Einheit gemein haben. Sie haben Arkebusen und da sie praktisch nie zu Fuß in einer Formation den König eskortieren oder Wache stehen am Palast, werden die Arkebusen auch garnicht gebraucht.

Ich habe jetzt mal den 2. Teil und den Anfang des 3. Teils gesehen und konnte mich vor Lachen nicht halten. Ich hatte ja durch Teil 1 gedacht, dass es sich um eine Story handelt, die sich praktisch so einfach fortsetzt. Aber offenbar ist es doch eher wieder das Konzept, dass die Folgen untereinander nur ein bisschen zu tun haben und v.a. wird es noch (unfreiwillig) lustiger.

PT 2 - "Sleight of Hand"
Regie: Toby Haynes
Darsteller: Luca Pasqualino, Hugo Speer, Howard Charles, Jason Flemyng

Handlung: Hier gibt es angelehnt an das Komplott von Guy Fawkes und Co eine Verschwörung den König und die Königin zu ermorden. Statt den Redelsführer Vadim ( ;D ;D ;D) einfach umzubringen, lässt man ihn zusammen mit D'Artagnan als Spion unter der Gruppe aus dem Gefängnis entkommen, obwohl das sogar einmal die Königin in Lebensgefahr bringt, was man ja eigentlich verhindern will (???). D'Artagnan trifft sich daraufhin mehrfach ungeschickt mit seinen Musketier-Kumpels und liefert diesen dann einen "Plan" des Anschlages, welcher ganz offensichtlich eine Finte ist, da Vadim von Anfang an ebenso offensichtlich den trotteligen Musketier durchschaut, der ja auch nur für eine Banalität in Haft sitzt (dass Haftstrafen im 17.Jh. garkein Ding sind, nur so nebenbei...). Anschließend versuchen die religiösen Fanatiker den ebenfalls katholischen König mit Bombenattrappen ( :o) zu töten, während Vadim allein ( ;D ;D ;D) in den Louvre eindringt um in einer Schatzkammer, die von ganzen 2 Pappnasen bewacht wird die Kronjuwelen zu klauen...

Hier in der Folge gefiel mir vor allem, dass die Handlung nochmal hirnrissiger war in einem Umfang, der schon schwer an "Der Kurier der Kaiserin" mit Jürgen Wussow aus den 1960ern erinnerte, wo auch seltsamste Konstelationen vorkommen. Dafür, dass die Handlung hinten und vorne keinen Sinn ergibt und wohl auch so eigentlich nicht ernst gemeint ist, sind die Folgen aber - insbesondere diese - viel zu lang. Der dämliche Versuch D'Artagnan einzuschleusen und der Anschlag etc. hätte auch in einer klassischen 25-30 Minuten Folge reingepasst. Der Rest sind unnötige Dialoge wie wenn die Musketiere in so nem modernen Wohnzimmer mit Ambientekamin rumstehen und darüber beraten, ob D'Artagnans Einsatz nicht zu gefährlich sei. Was hat Vadim davon, dass die Komplizen keine echten Bomben kriegen? Das habe ich garnicht verstanden. Schießpulver hat er ja genug. Bei dem Berg an Fässern - woher er die sich auch leisten konnte (?) - hätte er ja gleich ähnlich wie beim Londoner Parlament gleich das ganze Schloss in die Luft gesprengt. Deswegen war ich nachher auch enttäuscht, als es keine so große Explosion gab. So richtig hielt ich mich aber vor Lachen nicht mehr, als "Vadim" - wer heißt im Frankreich des 17. Jh. bitteschön Vadim??? - mutterseelenallein ohne auf irgendeinen Widerstand zu stoßen durch das Schloss laufen und Bomben schmeißen kann.
Insgesamt könnte Milady verführerischer sein. Ihre Rolle hab ich bis jetzt nicht verstanden. Aber Part 3 ist ja offenbar auch in der Hinsicht noch skuriler.

Darsteller *
Bilder
Story
Fechtszenen *

Pappenheimer:
PT 3 - "Commdities"
Regie: Toby Haynes
Darsteller: Luca Pasqualino, James Callis, Howard Charles, Anna Skellern, Andres Williams, Jim High, Maimie McCoy

Handlung: Diese Folge war bislang die ödeste. Die vier Musketiere sollen einen Entdecker oder Händler oder Plantagenbesitzer - so wirklich wird man daraus nicht schlau - namens Beaunnaire von einem Hafen abholen und zu Richelieu eskortieren. Unterwegs werden sie von spanischen Agenten und den Leuten von Beaunaires Gläubiger angegriffen. Sie machen wegen Porthos Verwundung auf Athos Schloss Halt, wo sich D'Artagnan darüber verwundert, dass Athos ein Adliger ist  ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D ;D . Nach einer längeren Episode in der man erfährt, dass Beaunnaire Sklavenhändler ist, der Schiffe aus dem 18. Jh. hat (???), ist Porthos sehr erbost, weil er von Sklaven abstammt (???). Derweil setzt Milady aus unbekanntem Grund das Schloss in Brand, während die anderen Musketiere weiter gezogen sind. Später kommen sie nach Paris und Porthos hofft, dass Richelieu Beaunaire dafür bestraft, dass er Sklavenhandel betreibt und dadurch den Vertrag mit Spanien bricht (?).

Die Episode ist total langweilig. Der Konflikt ergibt hinten und vorne keinen Sinn. Das fängt natürlich damit an, dass ja die Musketiere allesamt Adelige sind. Dann ist es auch schwachsinnig, wenn Athos behauptet, dass er nichts mit Dienstboten anfangen kann, wo doch JEDER der Musketiere im Roman einen Diener hat und diese Diener wesentliche Handlungsträger sind und oftmals mit extrem gefährlichen Missionen betraut werden. Ich habe den Sinn auch hier wieder nicht verstanden, warum die Serie das Gegenteil vom Roman darstellen will. Getoppt wird das noch davon, dass Milady dem Krämer Bonancieux eine Arbeit anbietet. Was soll denn der Humbug? V.a. weil all diese Änderungen keinerlei Spaß oder Spannung erzeugen, sondern stattdessen irgendwie mit dem Holzhammer reingehauen scheinen. Und dann natürlich, warum sollte sich 1626 oder so irgendwer über Sklaverei aufregen? Für ein sinniges Drehbuch hatte man scheinbar keine Lust und das Geld wurde für die Serie extrem zusammen gestrichen, was man an sehr mickrigen Drehorten sieht wie diesem Schloss aus der Zukunft, was Athos gehören soll und scheinbar nur ausgewählt wurde, weil es leer stand (?). Dann dieses hin und her mit Beaunnaire und seiner Frau.
Gab es diesmal überhaupt Fechtszenen? Ich weiß nicht wie man diese Episode mit mehr als null Sternen bewerten soll.

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Story
Fechtszenen

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