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Autor Thema: Sharpe forever - was ist an Sharpe top?  (Gelesen 182 mal)

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Pappenheimer

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Sharpe forever - was ist an Sharpe top?
« am: 22. Mai 2019 - 12:11:50 »

Ich muss sagen, dass mir in den letzten Tagen aufgegangen ist, warum Sharpe doch so ein Dauerbrenner ist.

Ich hab die Serie in den 90ern auf RTL2 geschaut. Das war damals wohl die deutsche Erstausstrahlung. Sean Bean war damals Mitte Dreißig bis Vierzig und von daher als einer, der aus den RĂ€ngen aufgestiegen ist in einem glaubhaften Alter.

NatĂŒrlich ist die Story meistenteils gaga und auch die Uniformen sind nicht das Gelbe vom Ei.

Aber was macht den Reiz von Sharpe aus?
1. Die Schauspieler passen einfach zu ihren Rollen.
Mein Lieblingsdarsteller war Pete Postlethwaite, seine Rolle war so schön eindimensional bitterböse und gerissen.
Überhaupt war die Serie eine Gelegenheit fĂŒr zahlreiche erst spĂ€ter bekannt gewordene Darsteller in einer Kultsendung aufzutreten wie z.B. Daniel Craig und Mark Strong.

2. Die Stories v.a. im Zusammenhang mögen ziemlich albern sein, aber einzelne Gefechte sehen durchaus realistisch aus (also nicht von der Kampfweise, sondern vom Thema her) und fĂŒr sich betrachtet ergeben einzelne Episoden durchaus Sinn.
Kein Wunder, dass Buchreihe und Serie zu "Sharp Practice" oder auch dem einen oder anderen Skirmish-Szenario animierte. Denn wĂ€hrend die "großen" Feldschlachten wohl auch budgetbedingt ziemlich affig aussahen in der Serie, wirkten kleine ScharmĂŒtzel halbwegs gut besetzt.

3. Die Serie fĂŒhlt sich noch recht gut erhalten an.
Viele Filme oder Serien selbst aus den 90ern sind heute recht angestaubt. Ich erinnere mich da z.B. an eine (ich glaub kanadische) Lederstrumpf-Serie, die heute dermaßen nach 1990ern ausschaut, dass es kaum zu ertragen ist - also ein bisschen wie Dr. Quinn mit Dreispitzen.  ;D

4. Sharpe ist einfach perfekt als eine Art Einstiegsdroge.
Damals als die Serie lief, hab ich meine ersten britischen Revells gehabt, die Linieninfanterie. Wird wohl auch miteinander zusammengehangen haben, dass dann Mitte der 90er auch die Rifles rauskamen, auch wenn die im VerhÀltnis zu Sharpe zu clean und obendrein mit Tschakos auf dem Kopp daher kamen. Auch mit dem Reenactment hab ich damals angefangen. Dass die Franzosen in der Serie Clowns sind oder Trottel, hat mir eigentlich nie was ausgemacht, auch wenn ich französische Leichte Infanterie darstellte.

5. Die Serie ist nach wie vor wohldosiert noch ziemlich unterhaltsam.
Ich quĂ€le mich ja die letzten Monate durch zahlreiche Abenteuerfilme. Einige sind ĂŒberaus zĂ€h mit hölzernen Darstellern und laaaangweiliger "Action", die den Namen nicht verdient, mit Fechtern, die quasi in Zeitlupe kĂ€mpfen (egal ob meinetwegen aus den 1950ern oder 2000ern).
Sharpe hat auch weitesgehend nicht den Fehler begangen, dass einzelne Folgen zu dialoglastig wurden. Nicht wie andere Serien, wo meinetwegen eine Folge in Dialogen die Handlung der Schlacht-Folge davor aufbereitet. Dadurch sind die Folgen oftmals als Stand-Alone-Filme brauchbar, auch wenn manchmal das Vorwissen der vorigen Folge sinnvoll sein kann.

6. Hey, der Peninsular War kommt vor!
Der Aspekt ist nicht ohne. In Filmen kommt der Spanienfeldzug eher selten vor.
Mir fÀllt auf Anhieb "The Pride and the Passion" mit Sophia Loren und "Wellington's lines" mit u.a. John Malcovich ein - und beide sind ziemlich langweilig. "Die GrÀfin und der Oberst" ist da vergleichsweise noch unterhaltsam (Eli Walach als Napi! Huaaha!)....
Also ein seltenes Thema, das eigentlich soviel mehr hergeben wĂŒrde.

7. Man kann die Serie "sogar" zusammen mit Frauen gucken.  ;)
Sharpe/Sean Bean war wohl damals der Traum schlafloser NÀchte von Damen um die 40 bis 50 und darauf - hat mal meine Frau bemerkt - zielen auch zahlreiche Szenen ab. Mindestens einmal pro Folge - so die Theorie meiner Frau - muss sich Sharpe mit nacktem Oberkörper zeigen.
In frĂŒheren Filmen mit Sean Bean wurde diese Facette ignoriert. In "Clarissa" z.B. sah er einfach so dĂ€mlich in den Klamotten aus, dass die ganze VerfĂŒhrungsstory daneben ging (in einer "Lady Chaterley"-Verfilmung der 90er hat er aber wieder nen Part wie bei Sharpe).

Habt ihr noch weitere positive Seiten an Sharpe oder haben wir dazu noch nen Thread wie toll Sharpe eigentlich ist? 
« Letzte Änderung: 22. Mai 2019 - 12:15:22 von Pappenheimer »
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D.J.

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Re: Sharpe forever - was ist an Sharpe top?
« Antwort #1 am: 22. Mai 2019 - 15:02:55 »

Ich habe die Serie erst vor einigen Monaten fĂŒr mich entdeckt ... und schaue sie mir gerade zum zweiten Mal an ;D

1. Punkt wo Sharpe bei mir gewinnt: Der Unterschied zu den modernen Serien.
Ich habe nix gegen wackelnde Möpse, Sex und Gewalt in Serien oder im Kino. Aber heutzutage wird diese Melange immer mehr zum Selbstzweck und zur Kaschierung von derben Fehlern im Drehbuch genutzt. Nach der dritten Brust, dem drölfzigsten verschwitzten Akt, den dreihundertsten ausgestochenen Auge und dem tausendsten Blinddarm im Blindflug wird es einfach lahmarschig.

Die Sharpe-Serie besticht nicht durch historisch 1000% korrekte Kleidung, die Handlung ist politisch oftmals vollkommen inkorrekt. Die Musik ist nicht immer passend und manchmal schrammt die Serie hart am Trash vorbei.
Aber sie kommt eben ohne diese sinnlose Gewalt und Sex aus der Softporno-Ecke aus :)

2. Punkt wo Sharpe bei mir gewinnt: Die Darsteller.
Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber die heutigen Darsteller in Kino und TV sind oftmals nichts anderes, als leere Platzhalter.
Leere Gesichter ohne Aussage, blutleeres Spiel ... was fĂŒr Zeiten, als zum Beispiel Al Pacino in "Heat" in einem Ausbruch von Overacting einem VerdĂ€chtigen die VorzĂŒge von dicken WeiberĂ€rschen erklĂ€rt ;D
Dieses Spiel mit Mimik, Gestik und Haltung haben in Sharpe's Rifles restlos alle Darsteller drauf.
Da ist Leben in der HĂŒtte, da wird geflucht, geschwitzt, die ZĂ€hne gefletscht oder auch dieses Kopfzucken des unvergessenen Pete Postlethwaite ... ich gebe es zu, ich steh da voll drauf.
Wenn ich die Wahl hĂ€tte, auf einer einsamen Insel "G.o.T" oder "Die ScharfschĂŒtzen" mitnehmen zu können ... Die Rifles wĂ€ren meine Wahl

3. Punkt wo Sharpe bei mir gewinnt: Dialoge und Handlung.
Ich weiß, es ist verdammt schwer eine Serie spannend zu halten. Aber seit dem großen Autorenstreik in Amerika, wo die Drehbuchautoren eine angemessene Beteiligung und ErwĂ€hnung an den Blockbustern einforderten, habe ich oft das GefĂŒhl, man lĂ€sst nur noch Absolventen des VHS-Kurses "Wie man seine Urlaubsfilme spannend gestaltet" an die DrehbĂŒcher.
Sind billiger, diese Neulinge, klar.
Aber das darunter die Handlung einer Serie oder eines Filmes derart leiden muss, wird sich mir nie erschließen. Gut, man hat dank HBO und den Sopranos, Boardwalk Empire und Games of Thrones Sex und Gewalt als LĂŒckenfĂŒller entdeckt und erreicht damit auch die Zuschauer, welche die durchschnitttliche Aufmerksamkeitsspanne einer gemeinen Fruchtfliege haben.
Nur zu welchem Preis?
Dialoge, in denen auch der letzte Darmwind aus der Folge zuvor nochmal aufgewÀrmt wird?
Logiklöcher und inkonsequente Figurenzeichnung, wo man als Zuschauer am liebsten vor lauter KopfschĂŒtteln gleich headbangen will?
Die ScharfschĂŒtzen gehen straight ahaed vorraus, Sharpe will nach oben und damit basta :)
Wer einer Folge mit der LĂ€nge eines abendfĂŒllenden Spielfilms nicht folgen kann, hat eben Pech gehabt und bleibt auf dem Schlachtfeld liegen.
Okay, die Handlungen der einzelnen Filme sind jetzt nicht sonderlich tiefgreifend, als das man da viel verpassen könnte. Dennoch macht da niemand ein großes Bohei um das was in der letzten Folge war.
Jede Folge ist in sich abgeschlossen und die nĂ€chste schließt nur lose an die Ereignisse im großen Feldzug von Lord Wellington und dem vorherigen Abenteuer von Sharpe an.
Trotzdem weiß man sofort wo man ist und was Sache ist:
Es gilt Spanien zu befreien, den Franzosen eines auf die MĂŒtze zu geben und immer den Kolben der Rifle zweimal auf den Boden zu klopfen, damit die Kugel nicht rausfĂ€llt ;)

4. Punkt wo Sharpe bei mir gewinnt: Humor und Selbstironie.
Und da ist auch schon der nÀchste Punkt, wo die alte Serie bei mir punktet.
Sie nimmt sich selber nicht allzu ernst und Humor ist, wenn man als Zuschauer breit grinsen kann.
Es gibt Lacher, es gibt echte Ätz-Momente (als die letzten der Choosen Men sterben. Da habe ich Cornwell von ganzem Herzen gehasst!) und es gibt angemessen dargestellte Schlachten, wenn man das Budget einer damaligen TV-Serie zugrunde legt.

5. Punkt wo Sharpe bei mir gewinnt: Peninsular War.
So wie fĂŒr mich Fackeln im Sturm die große Saga um den ACW ist, ist fĂŒr mich "Die ScharfschĂŒtzen" eben die Serie, die den Peninsular War in groben ZĂŒgen behandelt.
Sie ist dabei eine Mischung aus Western, napoleonischer Kriegsfilm und Abenteuerserie ala Sandokan.
Sie will weder den moralinsauren Zeigefinger erheben noch in irgendeiner Form kĂŒnstlerisch erhellen.
Sie will, wie auch die BĂŒcher von Cornwell, einfach nur unterhalten.
Schnörkellos.
Und das tut sie verdammt gut, möchte man sagen :)

6. und letzter Punkt wo Sharpe bei mir gewinnt: Vorlage fĂŒr Skirmisher.
Bisher ist es nur in Planung, aber in einigen Wochen werde ich wohl das erste Mal mit "La damnée douzaine", meinem verdammten Dutzend aus einem französischen Fremdenregiment, den Peninsular War unsicher machen :)
Alle sind ganz spezielle Typen, alle sind als Voltigeure ausgebildet.
Im Grunde also Sharpe's Rifles auf französisch.
Und da macht die Serie auch einfach Laune, weil jede Folge zwischen zwei und X Ideen fĂŒr Missionen bereithĂ€lt.
« Letzte Änderung: 22. Mai 2019 - 15:15:17 von D.J. »
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