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  • 18. August 2019 - 22:12:43
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Endlich wieder da!

Autor Thema: Montrose´s Feldzug in Schottland 1644-1645 (ECW) (1.Spielbericht: Tippermuir)  (Gelesen 150 mal)

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Sorandir

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Nachdem ich mich die letzten Monate im Hobby fast nur mit Fantasy und Sci-Fi beschäftigt habe, wirds mal wieder Zeit für gutes altes historisches Wargaming.

Bei der Epoche bin ich wieder in meiner "Wohlfühlzone", der Renaissance d.h. Europa im 17. Jahrhundert.

Kürzlich hatte ich seit einigen Jahren mal wieder meine kleine 15mm Armee der schottischen Covenanter für den englischen Bürgerkrieg (ECW) in der Hand. Da ich von meinen letzten beiden Schottland-Urlauben auch neue Literatur über dieses Thema mitgebracht hatte, nahm ich mir vor, ein paar Schlachten aus Montrose´s Highland-Feldzug 1644-1645 nachzuspielen.

Dabei kommt mir zugute, dass es sich um verhältnismäßig kleine Armeen handelte, so dass ich ohne allzu großen Aufwand die noch fehlenden Einheiten spielfertig bekommen sollte.

Ob meine Motivation reicht, den ganzen Feldzug durchzuspielen, weis ich noch nicht, aber irgendwo muss man ja mal anfangen :-)

Zum historischen Hintergrund und den einzelnen Schlachten werde ich nicht allzu viel schreiben da das bei Wikipedia & Co. gut nachgelesen werden kann.

Grundsätzlich geht es darum, dass James Graham, Marquis of Montrose im engl. Bürgerkrieg von König Charles I. beauftragt wurde, in Schottland eine Armee aufzustellen und das feindliche Regime der schottischen Covenanter anzugreifen. Es sollte versucht werden, das Regime in Edinburgh zu stürzen um Schottland wieder an die Seite des Königs zu bringen, oder zumindest mit einer Armee den König in England zu unterstützen, da dort dessen Feldzug überhaupt nicht gut lief oder mindestens die Schotten davon abzuhalten, weitere Truppen auf Seiten der Parliamentarians nach England zu schicken...

Merkmal des Feldzuges ist, dass für Montrose die Unterstützung hauptsächlich aus den Highlands und Irland kam. Währenddessen kämpfen die Veteranen der Covenanter, die in den schwedischen Armeen des 30jährigen Krieges ihr Handwerk gelernt haben, in Nordengland und Nordirland. Deswegen sind die Covenanter gezwungen, in Schottland schnell Armeen auszuheben, die hauptsächlich aus untrainierten Rekruten und Bürgern bestehen.

Militärhistorisch soll es dieser Feldzug gewesen sein, in dem die Highlander von Montrose selbst oder seinem Verbündeten Alisdair McDonald (McColla) den berühmten Highland-Charge gelernt haben, in dem sich die Highlander rennend auf ca. 50m dem Gegner nähern, eine komplette Salve ihrer Musketen und Pistolen abgeben und dann mit Schwert, Dolch (dirk), Tartsche und Claymore in den Nahkampf stürmen.

Als Regelwerk benutze ich Field of Glory-Renaissance mit dem Armeebuch Wars of Religion, da hierin die beteiligten Armeeaufstellungen enthalten sind und das Regelsystem passende Ergebnisse liefert, die sich "richtig" anfühlen.
« Letzte Änderung: 09. August 2019 - 10:49:07 von Sorandir »
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Sorandir

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1.Schlacht: Tippermuir 01.September 1644
https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Tippermuir

Der Kern von Montroses Armee besteht aus irischen Truppen, die unter ihrem schottischen Anführer Alisdair McDonald (McColla) von Nordirland in die Highlands übergesetzt haben. Sie erhielten Verstärkung vor allem vom Clan McDonald aus den westlichen Isles und Highlands. Montrose marschiert Richtung Perth. Eine hastig aufgestellte Covenanter-Armee legt sich ihm bei Tippermuir (heute: Tibbermore) ca. 3 Meilen vor Perth in den Weg.


Die Armee der Covenanter


Montrose´s Irish und Highlander Armee. Da er keine Reiterei hatte, stellte er seine Highlander nur 3 Reihen tief auf, um eine Überflügelung durch gegnerische Berittene zu verhindern und ggfs. seinerseits den Gegner zu überflügeln. Die beiden Irischen Brigaden im Zentrum (Bildmitte) stehen tiefer in der klassischen Pike&Shot-Formation.




Beide Schlachtlinien marschieren aufeinander zu. Die kleine Reiterabteilung von Lord Elcho verlässt die Linie um die Highlander zum ungeordneten Vorrücken zu provozieren, muss aber schon bald Verluste durch gegnerische Bogenschützen (ja die gab es bei den Hochländern sporadisch noch) einstecken.


Die schottischen Royalisten rücken auf ganzer Linie entschlossen vor und sobald die Musketenschützen beider Seiten in Reichweite sind, entspinnt sich das Feuergefecht.


Während die Covenanter aus allen Rohren schießen, antworten manche Highlander mit Bögen und geworfenen Steinen (sic!)


Trotz um ihn herumfliegendem Blei findet der Highlander-Kommandant Alaisdair McColla noch die Zeit, für ein schnelles Bild zu posieren  ;D


Die Abteilung Lanziere der Covenanter mag nicht mehr im Pfeilbeschuss aushalten und greift aus Verzweiflung die McDonalds of Keppoch an...


...die verstehen aber keinen Spass und zerhauen die paar Reiter. Der Rest galoppiert vom Schlachtfeld, durchbricht aber bei seiner Flucht noch ein Infanterieregiment und bringt es in Unordnung.

Fortsetzung folgt ...
« Letzte Änderung: 07. August 2019 - 17:20:11 von Sorandir »
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Sorandir

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Tippermuir (2.Teil)



Auf der rechten royalistischen Flanke nimmt Montrose es mit zwei Gegnern auf (rechts). Aber die gegnerische Infanterieinheit gibt langsam nach.
Aber im Zentrum schaffen es die Bauern und Bürger von Perth, einige Iren das fürchten zu lehren (links im Bild).



Kurz darauf brechen die Iren und werden von den jubelnden Covenantern verfolgt.


Auch McCollas Iren tun sich schwer: die gegnerischen Zwangsverpflichteten wollen einfach nicht gegenüber den professionellen irischen Soldaten nachgeben.


Die tapferen Highlander von Lord Kilpont, die zu Beginn des Gefechtes noch wild Lord Elchos Kavallerieangriff abwehrten, werden sogar von schlecht trainierter Infantrie der Covenanter überrannt. Auf diesem Bild wurde die Einheit bereits als Verlust entfernt. Die Covenanter in der Bildmitte wenden sich um, um McCollas Flanke und Rücken zu bedrohen.


Zuletzt setzt sich aber doch die Kampfstärke von McCollas Iren durch und sie reiben ihren Gegner auf.


Auch Montrose treibt alles vor sich her und hat den linken Flügel der Covenanter komplett geschlagen.
Damit bricht die Armee der Covenanter und viele weitere Verluste werden bei der Verfolgung der Geschlagenen durch die erbarmungslosen Iren und Highlander verursacht.
(Eine Erzählung besagt, dass man die 3 Meilen von Tippermuir bis Perth auf den Leichen gehen konnte ohne einmal echten Boden berühren zu müssen. Eine offensichtliche Übertreibung, aber die Mehrzahl der über 1000 Toten der Covenanter, sind wohl wirklich erst bei der Flucht entstanden).

Fazit:
Der Refight endete historisch mit einem Sieg der Royalisten. Allerdings haben sich die Covenanter-Rekruten bedeutend besser geschlagen als ihre historischen Vorbilder. Durch teils sehr gute Würfel der Covenanter, wäre das Gefecht fast für Montrose verloren gegangen.

Perth fiel nach dem Sieg von Tippermuir an Montrose und er erhielt dadurch dringend benötigte Versorgung an Geld, Munition, Waffen und Lebensmittel. Aber er hatte dann weniger Truppen zur Verfügung als vorher, da viele Highlander heimkehrten um ihre Beute in Sicherheit zu bringen und von ihren Heldentaten zu erzählen. Sie würden zwar bald wieder vielleicht mit weiteren Begeisterten zurückkommen, aber bis dahin blieb Montrose fast nur seine irische Brigade.
Währenddessen schickten die Covenanter bereits eine zweite Armee aus Osten heran, um einem weiteren Vorstoß von Montrose zu begegnen. Schon 2 Wochen später kam es zur nächsten Schlacht bei Aberdeen.
... aber das ist eine andere Geschichte (bis dahin muss ich erstmal mein 3.irisches Regiment anmalen
 ;))
« Letzte Änderung: 09. August 2019 - 11:27:39 von Sorandir »
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Driscoles

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Hallo,
das sieht alles sehr schön aus.
Toller Bericht.
Björn
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Maréchal Davout

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Guter, spannender Spielbericht, danke!
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D.J.

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Ah! Ein Spielbericht! Der Link wird zum späteren Genießen und Feedback geben abgespeichert :D
Danke dir für deine Mühen :)
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(Sir Philip Anthony Hopkins)

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(1.Spielbericht: Tippermuir)
« Antwort #6 am: 09. August 2019 - 13:59:11 »

Eindeutig nicht mein Konflikt, aber die Erzählweise finde ich sehr gelungen. Man sieht, dass es tatsächlich scheinbar eher um das individuelle Glück bei den Kämpfen ging und ich dacht auch zwischendrin, jetzt geht's für Montrose schlecht aus.

Vielen Dank fürs Teilen und den Einblick auch in FOG.

Ich freue mich schon auf mehr.  :)
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flytime

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Sehr schöner Bericht. :)
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Oh  ye\'ll take the high road and I\'ll take the low road,And I\'ll be in Scotland afore ye;
But me and my true love will never meet again. On the bonnie, bonnie banks of Loch Lomond.