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Autor Thema: HOW TO: Arminace bastelt einen Fluss  (Gelesen 208 mal)

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Arminace

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HOW TO: Arminace bastelt einen Fluss
« am: 20. Februar 2020 - 10:55:58 »

Lange, sehr lang e ist es her, dass ich ein Tutorial geschrieben habe. Ein Grund genug um mal wieder eines zu schreiben.

FĂŒr ein geplantes Spiel benötigen wir einen recht langen Fluss und somit schreibe ich ein kleines Tutorial wie man sich mit einfachen Mitteln ein entsprechendes GelĂ€ndestĂŒck selber basteln kann.

ZunÀchst einmal eine Auflistung der Materialien und Werkzeuge welche hier Verwendung fanden:

Material:
2x Laminatplatten
1x Rolle Klopapier
Leim (wasserlöslicher Holzkleber)
Styrodur
Acrylfarben (Weiß, Schwarz, GrĂŒn, Blau)
Klarlack (glÀnzend, wasserlöslich)
Reklameprospekte
Haftgrund
Sand (am besten feiner Aquariumsand)
GrĂŒnstreu

Werkzeuge:
Pinsel (1x flach klein und 1x flach groß)
Cuttermesser oder Styroporschneider
StichsÀge

Wenn man bedenkt, was so ein GelĂ€ndestĂŒck in der GrĂ¶ĂŸe kostet, kann man mit den Materialkosten von unter 10 Euro ganz gut leben. SelbstverstĂ€ndlich fallen höhere Materialkosten an, allerdings hat man dann noch jede Menge Material fĂŒr weitere GelĂ€ndestĂŒcke ĂŒber.

1. Planung
Vor dem Start der Fertigung des Moduls gilt es sich Gedanken ĂŒber folgende Kriterien gemacht werden, da ein nachtrĂ€gliches Ändern mit viel Aufwand verbunden ist:

-GelĂ€ndegestaltung (ÜbergĂ€nge zum Land, Farben, Flusslauf)
-ModulgrĂ¶ĂŸe

GelÀndegestaltung:
Als grobe Vorlage fĂŒr den Fluss habe ich einen kleinen Abschnitt des Lech genommen. Es schadet auch nicht sich ein paar Bilder von FlĂŒssen vorher anzusehen und besonders auf die Details zu achten.

Der Fluss auf meinen Bildern hat folgende Eigenschaften, welche ich ausgemacht habe und umzusetzen zu Pflege:
-er lÀuft nicht exakt gerade
-am Flussrand sind ausgewaschene Felsen zu sehen
-er ist mehrfarbig und geht von einem sehr hellen TĂŒrkis in ein dunkleres BlaugrĂŒn ĂŒber
-das Wasser ist klar, sodass man an seichten Stellen, den braunen sandigen Grund durchschimmern sehen kann
-das Flusswasser ist in starker Bewegung, weshalb einige Wellen sehr hell die kanten widerspiegeln (fast Weiß)
-die FlussoberflÀche spiegelt stark
-es gibt am Flussufer etwas Vegetation
-vor einer Furt gab es kleinere Felsen/SandbÀnke

ModulgrĂ¶ĂŸe:
Der Fluss soll eine Spielplatte mit der Breite von ca. zwei Metern in einer relativ geraden Linie ĂŒberspannen. DafĂŒr wĂ€re es möglich mehrere kleine Module oder ein großes zu bauen. Die Vorteile bei kleinen Modulen sind Transportierbarkeit sowie die Möglichkeit diese auf unterschiedliche Art und Weise auf dem Spielfeld anordnen zu können insofern diese teilend ausgearbeitet werden. Ich habe mich allerdings fĂŒr ein großes entschieden, da ich in fließenden WasserflĂ€chen einen sichtbaren optischen Spalt sehr unschön finde, insofern man diesen mehrfarbig gestalten will und genau selbiges habe ich vor.

ZusÀtzlich soll es sehr Flach werden und keine Objektdetails beinhalten, welche beschÀdigt werden, sollte ich weitere Fluss-Module zum Lagern daraufstellen.

2. Gestaltung der Platte
ZunĂ€chst Leimen wir uns das Laminat in der entsprechenden LĂ€nge zusammen und sĂ€gen uns mit einer StichsĂ€ge die RĂ€nder etwas unregelmĂ€ĂŸig zurecht. Wichtig, die RĂ€nder sollten nicht in 90°, sondern in einem Flacheren Winkel ausgesĂ€gt werden, damit das GelĂ€ndestĂŒck sanfter auf die restliche Platte ĂŒbergehen kann.

Als nĂ€chstes schneiden wir uns etwas Styrodur mit einem Cuttermesser oder Styropor grob zurecht. Das Styrodur wird unser Flussufer und die Felsen. Letztere mĂŒssen nicht fein ausgearbeitet werden ,da wir die feinere Struktur mit einem kleinen Trick spĂ€ter ausarbeiten (ich bin etwas fau
. Ă€h „Arbeitszeitsparender“ orientiert und habe keine Lust mich da Stundenlang hinzusetzen).

Die braunen RĂ€nder auf dem Bild kann man ignorieren, das war ein Versuch wie das Flussufer nur mit aufgeleimten Sand aussehen wĂŒrde und das sah mir bei weitem nicht plastisch genug aus.

3. Feinstruktur
Nachdem wir das Modul grob gestaltet haben, nutzen wir in einem 50:50 Wasser-Leim Gemisch getrÀnkte Prospekte/Zeitung um den Felsen ein kantigeres und unebenes Profil zu geben.

Hinterher wird fĂŒr das Wasser (und nochmals Felsen) selbiges mit Klopapier wiederholt.
Warum nun Klopapier? Es lÀsst sich leichter nachbearbeiten und weichere Formen geben.
Das Klopapier darf hierbei ruhig strukturiert/gemustert sein, das sieht man hinterher eh nicht mehr.

Anmerkung Klopapier:
-Da nasses Klopapier sehr leicht reißt, empfiehlt es sich die FlĂ€che vorher mit dem Leimgemisch einzunĂ€ssen, das trockene Klopapier grob darauf zu platzieren und dann nochmals einzunĂ€ssen und dies nicht wie die Zeitung zu trĂ€nken.
-Die Klopapierfetzen sollten nahtfrei, ĂŒberlappend und mindestens zweilagig aufgebracht werden (siehe Bild).

Nachdem das Klopapier aufgebracht wurde, wird mit einem Pinsel die OberflĂ€che grob nass abgetupft um eine evtl. Muster auf dem Klopapier zu entfernen (auch eine regelmĂ€ĂŸige Maserung wĂŒrde hinterher unschön wirken). Dann wird mit dem Pinsel das „Flusswasser“ leicht modelliert, um Wellen abzubilden. Einfach den Pinsel schrĂ€g auf der OberflĂ€che ansetzen und 1-2mm grob in „Fließrichting“ verschieben. GrĂ¶ĂŸere Distanzen und hĂ€ufiger, wenn es unruhiger erscheinen soll und gar nicht, wenn das Wasser einen nahezu stillen Eindruck vermitteln soll.

4. Grundieren
Nach einer Trocknungsphase von MINDESTENS 24 Stunden wird der Haftgrund aufgebracht:


5. Gestaltung der Uferfelsen (Bemalen und Besanden)
Bemalen:
Da das Ufer durch eingefĂ€rbten Sand und GrĂŒnmaterial dargestellt wird, mĂŒssen nur die Felsen bemalt werden. Die Drybrush-Technik liefert hierfĂŒr schnell (Arbeitszeiteffizient) recht ansehnliche Ergebnisse.

FĂŒr die erste Lage wird ein Anthrazit angemischt. Generell verwende ich fĂŒr GelĂ€ndeteile immer Acryl Tuben aus den 1-Euro Shops. Teure Acrylfarben fĂŒr Miniaturen sind hier unnötig.

Nachdem die erste Lage Getrocknet ist, wird mit Airbrush oder SprĂŒhdosen (z.B. Haftgrund) unregelmĂ€ĂŸige braune Flecken aufgesprĂŒht.
Nach einer erneuten Trocknungsphase wird ein Grauton angemischt, der Pinsel darin getaucht und auf einem KĂŒchentuch/Klopapier abgetupft bis kaum noch Farbe aus dem Pinsel kommt (lieber zu wenig als zuviel!). Mit diesem Pinsel wird dann grob mehrmals ĂŒber die Felsenstruktur gefahren. Die im Pinsel verbliebene restliche Farbe wird an den Kanten das ganze Gebilde entsprechend aufhellen.

Bereits wĂ€hrend des erneuten Trocknens mischen wir diesmal einen hellen Braunton an und vermischen ihn mit einem Leim Wasser Gemisch (ca: 70:30). Das darf ruhig eine grĂ¶ĂŸere Menge sein, da wir Reste davon fĂŒr eine Korrektur des Ufers und des Wassers benötigen. Dieses Gemisch wird grob an alle Stellen aufgetragen auf dem die Erde/Sand des Ufers sein soll. Nach Auftragen wird der Sand aufgestreut und vom Model direkt abgeschĂŒttelt.

Nun NICHT trocknen lassen aber das GelĂ€ndestĂŒck sollte nun grob so aussehen:

Das restliche braune Leimgemisch heben wir uns auf!

6. BegrĂŒnen und grobe Gestaltung des Wassers
Nach abschĂŒtteln des Sandes wird direkt auf dessen feuchte Stellen GrĂŒnmaterial aufgestreut, sollten die Stellen zu Trocken sein, einfach nochmal mit dem braunen Leimgemisch darĂŒberstreichen.

Nun lĂ€sst man alles fĂŒr 24 Stunden+ erneut trocknen. Lieber lĂ€nger als zu wenig damit man das Streu nun sehr sorgfĂ€ltig abklopfen kann. Dies ist nötig damit kein Streu in das „Wasser“ kommt, was sehr unschön aussehen wĂŒrde.

Als nÀchstes Packen wir unsere 4 Acrylfarben auf eine Palette und malen noch im nassen Zustand der Farben die Farben auf den Flusslauf auf.

Dabei fangen wir mit einem Schwarz und GrĂŒn in der Mitte an 
.ĂŒberstreichen es grob mit Blau und Mischen ein helleres blau fĂŒr den seichteren Flussrand an.

FĂŒr den Fluss auf den Bildern habe ich zunĂ€chst in der Flussmitte eine Mischung aus Blau-Schwarz-GrĂŒn aufgetragen. Dann am Rande ein sehr helles Blau aufgetragen. Die Reste der sehr hellen Farbe habe ich mit einem dunklen grĂŒn gestreckt und stark verwĂ€ssert. Diese verwĂ€sserte Farbe habe ich dann auf den ÜbergĂ€ngen zwischen Schwarz und Hellblau aufgetupft. Und lassen das nun gut antrocknen.


Bevor der Fluss vollstĂ€ndig getrocknet ist nehmen wir uns etwas von dem ĂŒbriggebliebenen braunen Leimgemisch ab und verwĂ€ssern dies nochmals ca. 50:50
 zuviel Wasser gibt es allerdings nicht :wink:.
Hiermit gehen wir den „Uferbereich“ der WasserflĂ€che grob mit dem Pinsel ab. Das Gemisch setzt sich hierbei in den Vertiefungen der Wellen ab und wird nach dem Trocknen einen halbtransparenten Film bilden. Dies vermittelt den Eindruck von seichtem Wasser, bei dem man den sandigen Flussgrund noch sieht.

7. Aufhellen der Wellen
Mit der bereits angesprochenen Drybrush-Technik und einem Weißton gehen wir nun mit einem etwas feineren Pinsel ĂŒber die komplette WasserflĂ€che. Nochmals der Hinweis: Zu wenig Farbe ist weit besser fĂŒr das Endresultat als zu viel.


8. WasseroberflÀche und Ufervegetation
FĂŒr die OberflĂ€che kann man das teure Resin oder aber gĂŒnstigen glĂ€nzenden Klarlack verwenden. Je nachdem was man fĂŒr Effekte erzielen möchte. Ich habe mich fĂŒr einen Klarlack auf Wasserbasis entschieden, damit ich diesen mit etwas grĂŒner Acrylfarbe einfĂ€rben kann. Der nun sehr leicht eingefĂ€rbte Klarlack wird auf der kompletten WasserflĂ€che verteilt und 24 Stunden trocknen gelassen.
Dies wird mindestens ein weiteres Mal wiederholt!

Zwischenzeitlich kann man etwas GrĂŒnmaterial, Schilf, Steinchen, BĂ€ume und sonstiges Material am Ufer anbringen um das Objekt etwas aufzulockern. Da ich vorhabe mehrere Module ĂŒbereinander zu lagern, halte ich mich hierbei zurĂŒck, da dieses sonst unschön PlattgedrĂŒckt wird. Je mehr Material ihr hier verwendet desto imposanter wird das GelĂ€ndeobjekt aussehen
 und nicht so spartanisch wie mein Beispiel. Lasst euch hierfĂŒr Zeit!

9. Finish
Nach dem alles erneut getrocknet ist, empfiehlt es sich etwas Klarlack mit weißer Farbe anzumischen und nochmals mit der Drybruschtechnik ĂŒber die Wellen zu gehen, denn der vorher eingefĂ€rbte Klarlack wird die vorherigen Wellen etwas ĂŒbertönt haben.
Achtet diesmal darauf, etwas mehr Farbe an die Stellen aufzubringen an denen das „fließende Wasser“ auf GegenstĂ€nde auftreffen wĂŒrde (z.B. Felsen)

10. Fertig.

Das wars
 ihr habt nun ein weiteres GelÀndeteil in eurer Sammlung:
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Re: HOW TO: Arminace bastelt einen Fluss
« Antwort #1 am: 20. Februar 2020 - 12:42:38 »

Ein sehr schönes Endergebnis und danke fĂŒr die detailierte und bebilderte Anleitung. Ein kleiner Tipp, der mir mittlerweile schon öfter zu Ohren gekommen ist: Mehrere Leute, die mit der Klopapiertechnik Wasser dargestellt haben, haben davon erzĂ€hlt, dass sie mehrere Schichten Glanzlack nehmen und zwischendurch nochmal eine, oder zwei Schichte mit verdĂŒnnten Holzleim einfĂŒgen. Dadurch werden die HohlrĂ€ume zwischen den Wellen wohl etwas aufgefĂŒllt und das Ganze wirkt am Ende etwas tiefer und realistischer. Habe ich selbst allerdings noch nicht getestet. Steht aber noch auf der Liste.

Davon ab, trotzdem ein schönes Ergebnis.  :)
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Arminace

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Re: HOW TO: Arminace bastelt einen Fluss
« Antwort #2 am: 20. Februar 2020 - 13:04:06 »

@ Montka

Ja kenne ich, habe ich dadurch gelöst, dass ich den Klarlack mit Wasser verdĂŒnne. Hat den gleichen Effekt. FĂŒr solch eine kleine FlĂ€che wie bei dem Fluss ist das aber eher unerheblich.

Bei grĂ¶ĂŸeren FlĂ€chen...wie z.B. ein See oder Meeresstrand etc, wĂ€re es wichtiger.
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montka

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Re: HOW TO: Arminace bastelt einen Fluss
« Antwort #3 am: 20. Februar 2020 - 14:06:50 »

Ah ok. Alles klar. Dann habe ich nichts gesagt. :D
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Arminace

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Re: HOW TO: Arminace bastelt einen Fluss
« Antwort #4 am: 21. Februar 2020 - 07:39:29 »

:D

Ne ich freue mich immer ĂŒber Tipps.
Niemand weiß alles und ich schon gar nicht ;)

Gruß

P.
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