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Autor Thema: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam  (Gelesen 1750 mal)

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Zerknautscher

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Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« am: 28. Februar 2022 - 00:56:29 »

Wie bereits an anderer Stelle angekündigt habe ich nun mein ARVN-Projekt vorangetrieben. Dabei hat mir insbesondere Jens geholfen, der mir Infanterie, Unterstützungswaffen und Panzer verkauft hat. ;D Zurzeit nehme ich auf dem Minis In Arms Discord Server an einem Themenarmeeaufbauprojektwettbewerb teil, allerdings lassen sich die Informationen die ich so recherchiere und auch die Bilder nicht ganz so schön ausbreiten wie in einem Forum. Ich bin ja auch hauütsächlich Spieler und weder Historiker noch Malkünstler, aber ich dachte, ich zeige hier auch nochmal alles her.

Und damit nun ohne weitere Umschweife...

Marvin the ARVN
Südvietnamesische Streitkräfte zwischen 1965 und 1975




Xin chào!

Willkommen im Brotkorb Südostasiens und bei meinem Armeeprojekt. Ich baue eine Streitmacht für die ARVN auf, bestehend aus Infanterie, Panzern und Schützenpanzern.

Ziel ist der Aufbau einer allgemein für Südvietnam passenden Kerntruppe, die durch ihre jeweilige Ausrüstung an Einsatzjahr und Region angepasst werden kann. Im zentralen Hochland 1968 gibt es dann vielleicht eine Truppe mit amerikanischen Airmobile Rifles, für die Kämpfe um Hue im selben Jahr ein paar US-Marines (die von der Leistung der 1. ARVN Division dort beeindruckt waren), im Süden könnte ihnen die US 25th Infantry Division Tropic Lightning oder die 1st Australian Task Force zur Seite gestellt werden und für eigenständige „Sweeps“ eine Truppe mit M113 und M41 Walker Bulldogs der ARVN sowie US-Artillerie zur Unterstützung.
1972 sähen dieselben Truppen dann schon ganz anders aus und die amerikanische Unterstützung fände höchstens in Form einzelner Einheiten, wahrscheinlich jedoch nur noch als Support statt und es gäbe eine größere Verlagerung auf ARVN-eigene Artillerie, Luftunterstützung und Panzer.

Je nach Kriegsjahr, Region und Szenario können die Streitmächte außerdem entweder auf einer US-Formation (mit dem umfangreichen US-Support) oder einer ARVN-Formation aufgebaut werden.

Die ARVN – ein Überblick
Über die Armee der Republik Vietnams (ARVN) wird sehr häufig, sehr wenig geschrieben. Sie wird meistens nur beiläufig in Betrachtungen der US-Beteiligung am Vietnamkrieg erwähnt und dabei bestenfalls verkürzt als unzuverlässig, ineffektiv und korrupt beschrieben, von US-Veteranen aber zum Teil aber auch als feige, unfähig oder sogar feindlich charakterisiert. Diese Betrachtungen zielen allerdings nur auf einen bestimmten zeitlichen Abschnitt im 20 Jahre andauernden Bestehen der ARVN und gehen selten auf das Ursachengefüge ein.

Insbesondere in den Memoiren einfacher US-Soldaten wird der ARVN daher meist die Rolle eines impotenten, unzuverlässigen und unrühmlichen Schutzbefohlenen der US-Armee zugeschoben. Und selbst in größer angelegten Betrachtungen des Konfliktes und seiner Armeen wird die ARVN unterkomplex dargestellt. Ich versuche im Laufe des Projekts die häufigsten Vorwürfe zu umreißen sowie die Ursachen zu beleuchten. Die ARVN hatte in der Tat _massive_ Probleme, die jedoch weder einer inhärenten Feigheit oder Untreue der Soldaten zuzuschreiben ist, sondern durch zahlreiche Faktoren beeinflusst wurde - nicht zuletzt durch ihren größten Verbündeten, die USA.

Warum denn ausgerechnet ARVN?
Tja, warum mit der Armee anfangen, bei der sich geschichtlich alle Seiten einig zu sein scheinen, dass die nichts auf dem Kasten hatte? Das hat bei mir tatsächlich drei Gründe: Thematische Passung, Interesse an der Geschichte und spielerischer Reiz.



Mal ganz pragmatisch…
Der Auslöser für das Projekt war ehrlicherweise nicht das geschichtliche Interesse, sondern, dass ich meinen Mitspielern entgegenkommen wollte, die über nordvietnamesische Panzer verfügen. Ich bin da nämlich rigoros: Die Panzer der Volksarmee wurden realiter nur 1-2 mal probeweise im Süden eingesetzt als noch amerikanische Bodentruppen im Land waren. Deswegen kommen mir PAVN-Panzer gegen US-Truppen nicht auf den Tisch. Natürlich ist jedes Spiel irgendwie Fiktion, aber das ist mir dann etwas zu weit von der geschichtlichen Ausganslage entfernt. Die DRV (Democratic Republic of Vietnam = „Nordvietnam“) wusste schon, warum sie bis zum Abzug der Amerikaner wartete, bevor sie auf konventionelle Kriegführung umschwenkte.

Auch der Plan vielleicht mal zu viert ‘Nam zu spielen stand im Raum, doch sind die ‚Free World‘-Forces unserer Spieler allesamt inkompatibel zueinander. Allenfalls die 25th Infantry Division und die ANZACs passen einigermaßen nebeneinander, ansonsten sind all unsere Truppen ziemlich verstreut, was ja auch Sinn macht, da die Einheiten natürlich auch in der Realität auf die unterschiedlichen Corps Tactical Zones von I bis IV verteilt wurden, um ihre Wirkung zu entbündeln. Dabei konnten sie außerdem stets auf einen allgegenwärtigen Verbündeten zurückgreifen: Die ARVN.



Verborgene Schätze
Ich hab ja ohnehin ein Herz für die Normalos dieser Welt und die ARVN ist vielleicht noch mehr „Underdog“ als die Volksarmee Vietnams (People’s Army of Vietnam, kurz PAVN) oder die Volksbefreiungsarmee/Viet Cong (People’s Liberation Armed Forces, kurz PLAF) der Volksbefreiungsfront (National Liberation Front, kurz NLF). Das war dann also wieder etwas, das mich nach einiger Beschäftigung auch sehr gereizt hat. Von ihren Feinden als Marionetten verschrien, von ihren Verbündeten belächelt oder gar verhasst, hat sie keinen guten Ruf. Die Werte der Einheiten im Spiel sind auch entsprechend schlecht, wodurch die Einheiten geringe Punktkosten haben, was bedeutet, dass man leider viele Modelle braucht, selbst bei 50 Punkten. Es war also wie bei der PAVN zu Beginn meiner ‚Nam-Karriere die Frage, ob ich viel Geld für eine „Armee von Strohpuppen“ ausgeben wollen würde.

Mit der Zeit las ich immer mehr über die ARVN und streunte auch immer neugieriger abseits der klassischen US-Perspektiven, die auf vielen nicht aufgearbeiteten eigenen Verfehlungen und grundlegender Ignoranz gegenüber der vietnamesischen Kultur beruhen. Selbst Einheiten, die von den Amerikanern etwa als nicht besonders schlagkräftig eingeschätzt wurden kämpften, als es darauf ankam, bis aufs Blut und wäre der politische Wille im Süden dagewesen - wer weiß, was hätte sein können.
Im Laufe der Recherche stellte sich jedenfalls heraus, dass die ARVN bei weitem nicht die Gurkentruppe war, zu der sie so häufig erklärt wurde und schließlich war es ja nicht zuletzt die ARVN, welche das Konzept des ACAV (Armored Cavalry Assault Vehicle) entwarf, umsetzte und die Amerikaner damit dermaßen beeindruckte, dass sie es übernahmen. Zwar hatte die ARVN mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, insbesondere den Forderungen der Amerikaner nach immer mehr Truppen, was weder logistisch noch kulturell zweckmäßig war, sie war jedoch über die Zeit ihres Bestehens nicht flächendeckend feige oder schlecht. Die Moral war häufig brüchig, was jedoch vor allem am Umgang mit bzw. der Missachtung der Amerikaner ggü. zahlreichen Aspekten der vietnamesischen Kultur lag. Das ist also der Punkt „Geschichtsinteresse“. Zugegebenermaßen musste ich mich zu diesem Punkt über lange Zeit hinarbeiten, bin aber froh hier angekommen zu sein und bin von der ARVN mittlerweile ehrlich fasziniert und ja, auch ein wenig angerührt. Dazu vielleicht später nochmal mehr.



Neue Herausforderungen
Ich habe aber auch gemerkt, dass ich mich als Spieler weiterentwickelt habe und mich die Herausforderung bzw. einzigartige Zusammenstellung der ARVN reizt. Die Fahrzeuge sind einerseits thematisch stimmig und spielerisch nicht zu vernachlässigen, aber auch sehr verwundbar. Einzig der M48 Patton ist solide – trat aber in der ARVN auch erst 1972 auf den Plan. Die Infanterie ist etwas schlechter ausgerüstet als die der Amerikaner, vor allem aber leichter zu treffen und sammelt sich noch schlechter. Allerdings hat auch die ARVN Zugriff auf Medics und Medevac, was die Zähigkeit dieser augenscheinlich schwachen Einheiten massiv erhöht. Und auch wenn komplexe Manöver dank schlechter Courage- und Skill-Werte nicht die Forte der ARVN sind: Im Nahkampf treffen sie wie ihre Cousins aus dem Norden auf 4+ und die Einheitenmoral ist immerhin „Confident“. Artillerie mit Skill 5+ im Gelände einzurichten ist auch keine neue Erfahrung. Wie bei den Kommunisten gilt: Ich rechne nicht damit das es funktioniert, bin aber absolut begeistert, falls es das doch tut. :D Ich bin ja schon seit Jahren ein Freund davon, nicht alles zu optimieren, sondern sich selbst Herausforderungen zu stellen, weil ich es eben interessanter finde, wenn ich nicht für jedes Problem sofort die Ideallösung (oder gar keine Lösung) habe.
Und dann ist da ja noch der Aspekt, im Vietnam-Setting und -Gelände tatsächlich mal mit vielen Fahrzeugen zu spielen. Das kann im Elefantengras ganz spannend sein, denke ich, auch wenn ich nach wie vor Infanterie für die unangefochten effektivste Truppe in ‚Nam halte.

Zusammenfassung
Also: Ein bisschen Pragmatismus hat zur Auseinandersetzung mit der Geschichte geführt, während meine spielerische Entwicklung mich dazu brachte in „Marvin“ eine willkommene Abwechslung und Herausforderung zu sehen. Zum Glück haben mich auch einige Freunde tatkräftig unterstützt, Danke an dieser Stelle an Dorian (Stoppelhoppser) und Jens (Tabletop Generals), ohne deren „Militärhilfe“ das Projekt vermutlich nicht zustande gekommen wäre. Derart begeistert konnte ich dann auch die Investition angehen.

Mittlerweile habe ich Modelle um drei Formationen aufzustellen:

ARVN Infantry Company (HQ, 3x ARVN Infantry Plt., AT Platoon, Mortar Plt., Medic)
ARVN M113 Cavalry Squadron (2x HQ M113, 3x 4 M113, 3x M125 Mörserträger)
ARVN Walker Bulldog Squadron (15x M41A3)

Zur Unterstützung stehen noch 3x M48 Patton (als Platoon aus 2-3 Panzern oder je 1 Panzer als Attachment für die Infantry Platoons) und ein Medevac UH-1 bereit. Da die Artillerie in ‚Nam quasi nie auf dem Tisch ist und ja auch erwartbar nur selten sinnvoll eingreifen kann, habe ich für die 105mm und 155mm Haubitzen keine Modelle gekauft (bisher).

Aus diesem Pool können bei 50 Punkten meistens zwei Formationen sinnvoll kombiniert werden, mit einer Einheit aus der dritten Formation als Support-Auswahl.




Literaturliste (wird nach Bedarf ergänzt):
Brigham, R. K. (2006). ARVN: Life and death in the South Vietnamese Army. University Press of Kansas.
Collins, J. L. (1975): The Development and Training of the South Vietnamese Army. Department of the Army.
Dunstan, S., Sarson, P., & Bryan, T. (1985). Armour of the Vietnam Wars. Osprey.
Haught, M., Yates, P., Simunovich, P., & Brisigotti, J.-P. (2018). ’Nam 1965-1972: The Vietnam War miniatures game. Osprey.
Mesko, J., & Greer, D. (1982). Armor in Vietnam: A pictorial history. Squadron/Signal Publications.
Prenatt, J., & Shumate, J. (illustrator). (2017). M113 apc 1960-75—US, ARVN, and Australian Variants in Vietnam. Osprey.
Rottman, G. L. (2010). Army of the Republic of Vietnam 1955-75. Osprey .
Starry, D. A. (1977): Mounted Combat in Vietnam. Department of the Army
Stearman, W. L. (2010): Lessons Learned From Vietnam. In: Military Review March-April 2010, S. 109-116
Willbanks, J.H. (1993): Thiet Giap! The Battle of An Loc, April 1972. Army University Press.
Windrow, M. (Ed). (1983): Armies of the Vietnam war. 2: Repr. (1995). Osprey.


Weiter geht es demnächst mit der Vorstellung der Infanterie!
« Letzte Änderung: 28. Februar 2022 - 19:55:32 von Zerknautscher »
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Parmenion

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #1 am: 28. Februar 2022 - 07:35:16 »

Ein sehr interessanter Bericht!!
Und dann auch noch mit schönen Bildern garniert!! Da bin ich doch schon sehr auf die Fortsetzung gespannt :).

Parmenion
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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #2 am: 28. Februar 2022 - 07:42:43 »

Ein sehr interessanter Eingangspost! Ich finde solche Recherchen immer toll, und ich weiß wieviel Arbeit das macht. Aber es macht auch Spaß.
Die Bilder sind richtig gut und wie immer bei Dir sehr atmosphärisch.
« Letzte Änderung: 28. Februar 2022 - 16:55:25 von meyer »
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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #3 am: 28. Februar 2022 - 15:33:59 »

Cooles Projekt, sieht schon gut aus.
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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #4 am: 01. März 2022 - 19:53:56 »

Schick, ich freue mich auf mehr
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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #5 am: 01. März 2022 - 21:27:19 »

Sieht richtig gut aus
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Zerknautscher

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #6 am: 19. November 2022 - 11:29:57 »

So. Lang ist's her...





Das Projekt hat nicht geruht, ich habe nur versäumt den Thread zu pflegen. Also, los geht's!

Das hier war die Ausgangslage:


Man sieht ein paar begonnene Bases und das fertige ARVN Infantry Company HQ. Oben links die 'Tracks' der ACAV, oben rechts die drei M48 Pattons, noch mit den guten Metallketten und generell viel Metall dank mehrteiligen Turmaufbauten, dicker Kanone und Infrarotscheinwerferbox.

Unter den M113 stehen die 15 M41A3 Walker Bulldog, vor den Pattons die 81mm Mörser, Medic und Medevac Helicopter.

Im Infanterie-Segment sind auf braunen Bases die zwei voll ausgerüsteten ARVN Infantry Platoons, unten rechts auf klassischen grauen bases das Platoon ohne Unterstützungswaffen. Mittig, ebenfalls auf grauen Bases ist das 57mm Recoilless Rifle Platoon.

Dann führte mich die Recherche zunächst in eine etwas andere Richtung: Musik!
Gut, das mag beim Thema Vietnamkrieg nahe liegen, aber dabei denkt man ja meist nur an CCR, Buffalo Springfield, Jefferson Airplane und Co.

Ich mag den Sound der 60er und frühen 70er Jahre zugegebenermaßen sehr gern, aber gerade weil die amerikanische Phase des Vietnamkrieges in der medialen Darstellung natürlich häufig musikalisch durch die Rockmusik der Zeit gerahmt ist, stellte sich mir die Frage: Was hörten wohl ARVN Soldaten im Radio, neben den amerikanischen Importschlagern? Vielleicht sowas:

Thanh Lan - Sáng Rừng (Der glänzende Wald)
https://youtu.be/bC-R2UeOy2c

Die englische Fassung des Textes gibt es hier, wen es interessiert: https://infracom.bandcamp.com/track/s-ng-r-ng

Es gibt natürlich eine ausgiebige Sprachbarriere, die die weitere Recherche erschwert und das Verschwinden des Ursprungslandes trägt natürlich seinen Teil dazu bei, dass es schwierig ist sich wirklich "umzuhören". 1-2 Sammlungen habe ich aber entdeckt und sie - soweit möglich - meiner 'Nam-Playlist auf Spotify hinzugefügt.

So, nun folgen endlich Minis!  ;D

Medic Team

Die Bandagen zwischen den Beinen des Medics mache ich vielleicht nochmal etwas schmutziger, aktuell sind die sehr, sehr sauber, aber ich wollte auch nicht, dass sie untergehen. Mal gucken. Insgesamt bin ich zufrieden. Wie man sieht rechne ich mit ein paar mehr Verlusten als bei den Amerikanern (Hit On 3+ statt Hit On 4+) und hatte zum Glück noch die Modelle übrig, um das abzubilden. Das etwas überfüllte Medic Base passt nicht nur zum angesprochenen Hit On-Wert, die ARVN-Soldaten beschwerten sich auch tatsächlich regelmäßig, dass ihre Verwundetentransporte denen der Amerikaner nachgeordnet würden. Insofern ergäbe es doppelt Sinn, dass der Medic sich länger um eine größere Anzahl Verwundeter kümmern muss.

Offizielle Angaben widersprechen einer solchen Bevorzugung allerdings und sie könnte sich tatsächlich eher im Observation-Bias der ARVN-Soldaten abgespielt haben, die - zurecht - auf die vielen Vorzüge der Amerikaner neidisch waren: Bessere Unterbringung, Urlaubszeiten, Versorgung und Ausbildung. Bevorzugte Notversorgung würde diese Reihe also gut ergänzen.

Im Spiel dient das Medic Team als „Schwamm“ für bis zu drei Wounded-Tokens, um Infanterieteams zu entlasten, die jeweils nur ein Wounded Token aufnehmen können – und dann weder assaulten noch mit voller ROF schießen können. Da bei Hit On 3+ mit entsprechend vielen Wounded Tokens zu rechnen ist also eine für die ARVN noch wichtigere Einheit als für andere Truppen der „Freien Welt“.



Infantry HQ

Das ARVN Infantry Company HQ hier sind eigentlich zwei ehemalige Platoon Command Teams des Machine-Gun Platoons und Mortar Platoons meiner US Airmobile Rifle Company, die jedoch in NAM nicht mehr als solche gebraucht werden und die ich deshalb umgemalt habe. Beim Chef habe ich mich an der Tiger Stripe Camo der Rangers versucht, die später auch von den amerikanischen Special Forces gern getragen wurde. Ich bin ganz zufrieden soweit, werde es aber wohl beim Chef belassen, den man dadurch perfekt erkennt und für den so eine „Sonderuniform“ auch historisch passt. Außerdem möchte ich ja gerade keine Marines, Airborne oder Ranger Kompanie, sondern eben die durchschnittliche Infanterie abbilden.



Wie alle Company Command Teams der ‚Free World‘ Forces kommen die M16 Teams im HQ ohne Buckshot Sonderregel (+1 ROF im Defensive Fire) und mit Firepower 6 statt 5+ daher, weil sie keine M79 Granatwerfer dabei haben. Auch die LAW der Infanterie fehlt. Daran sollte man während des Spiels definitiv denken! Spielerisch kann der Wiederholungswurf für Motivation, insbesondere für Rally/Remount durch den ARVN Commander entscheidend sein, da ARVN-Einheiten für diese Tests nur Reluctant motiviert sind. Da die HQ-Teams wie alle ARVN-Einheiten auf 3+ getroffen werden ist es wichtig den CO einerseits in Sicherheit, aber gleichzeitig in einer günstigen Position in Sicht- und Reichweite der eigenen Unit Leader zu halten.

Kleiner Geschichtsexkurs zu den ARVN Offizieren

Wie in vielen anderen Armeen gab es auch in der ARVN eine spürbare Kluft zwischen den Offizieren und den einfachen Soldaten. Viele Offiziere stammten aus wohlhabenden Familien von Landbesitzern oder aus den großen Städten , hatten französische Oberschulen besucht und teilweise in Frankreich studiert. Sie waren katholisch erzogen und verstanden wenig vom täglichen Leben der Landbevölkerung. Die einfachen Soldaten und Unteroffiziere stammten hingegen aus den buddhistisch geprägten Dörfern und einfachsten Verhältnissen. Es wurden keine organisierten Versuche unternommen, diese Spaltung zu überwinden.

Korrupte Offiziere nutzten ihre Posten zur Abzweigung (auch militärischer) Hilfslieferungen für den Eigengebrauch oder Schwarzmarkt und ließen sich vom Widerstand oder Politikern bezahlen, um in ihren Stützpunkten zu bleiben, Umstürze auszuführen oder abzuwehren. Dieses Verhalten, insbesondere der Kavallerietruppen brachte ihnen den spöttischen Titel "Palastwachen" ein, die auf "Search and Avoid"-Einsätze "gingen".

Unfähige Offiziere wurden vielfach in die Ausbildung versetzt, entweder aufgrund ihrer guten Beziehungen oder damit sie im Feld keinen Schaden anrichteten. Darunter litt merklich die Qualität der Ausbildung, was auch den auszubildenden Soldaten nicht verborgen blieb, deren Fragen mit Verweisen auf Handbücher beantwortet wurden und die von Veteranen und US-Soldaten natürlich auch ein Bild vom Einsatz bekommen hatten. Dies war einer der Faktoren, die die Etablierung eines Zusammengehörigkeitsgefühls und Kampfgeistes in der Truppe untergruben.

Es sorgte auch dafür, dass die wirklich guten Offiziere der ARVN bis zum Tod oder Zusammenbruch im Einsatz blieben; sie mussten die Truppe im Feld zusammenhalten, was sie erschöpfte, entmutigte und verhinderte, dass sie ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben konnten.

Infantry Mortar Firebase

Die ARVN Infantry Mortar Firebase bildet die vier Mörser ab, über die ein Infanterie-Bataillon in der ARVN verfügte. Wie bei so viel Ausrüstung der ARVN handelt es sich um geerbtes US-Gerät aus Beständen der französischen Kolonialarmee und Neuanschaffungen aus den USA. Die 81mm Mörser wurden, wie die meisten schweren Waffen, nicht mit ins Feld genommen, sondern in Fire Support Bases aufgestellt und dort eingegraben. Diese Fire Support Bases wurden ausgiebig mit Bulldozern umgegraben und bestanden nur noch aus Lehm, Erde und Sand; deshalb haben meine Bases auch kein Flock drauf. Vielleicht kommen irgendwann nochmal „Firebase-Utensilien“, aber eigentlich passen sie so schön für Firebases oder falls sie mal als Airborne gespielt doch ins Feld dürfen.

Genau wie andere Artillerie in NAM werden die Mörser der Firebase nur in der Mission ‚Firebase Assault‘ auf den Tisch gestellt; es gibt keine andere Möglichkeit sie auf den Tisch zu bringen. Das bedeutet einerseits, dass die Mörser in Sicherheit sind, aber andererseits auch, dass sie nicht für den Formation Last Stand (Company Morale) zählen und sich selbst keine Ziele suchen können. Allerdings dürfen alle ARVN Unit Leader Artillerie anfordern - US Funkgeräten sei Dank! Mit Skill 5+ sind sie aber sehr unzuverlässig, was die Verlegung von Beschuss angeht, womit sowohl mangelnde Ausbildung als auch die ab 1972 extreme Rationierung von Munition abgebildet wird; es wird schlichtweg nicht immer geschossen, wenn Feuer angefordert wird. Als pre-planned Bombardment können sie aber Einfluss auf die Aufstellung und Vorstoßachsen des Gegners nehmen und ich habe auch schon erlebt, dass sie mehrfach im selben Spiel beim ersten Versuch eingerichtet haben – wohlgemerkt auf die sechs!
Für 5 Punkte sind sie fast ein bisschen zu teuer, aber gegen die Infanteriemassen der Kommunisten ist jede Schablone Gold wert.

Infantry Anti-Tank Platoon

Das ARVN Infantry Anti-Tank Platoon ist nur dem Namen nach eine Panzerabwehr-Einheit. Dabei war die geringe Durchschlagsleistung bereits bei der Einführung des M18 57mm recoilless rifle bei der US Army im März 1945 ein Problem (der erste Kampfeinsatz war übrigens bei der 17th Airborne Division). Die schlechte Leistung des 57mm Leichtgeschützes bei der Panzerabwehr war jedoch angesichts der nach wie vor ausreichenden Bazooka sowie späteren ‘Super Bazooka‘ unproblematisch. Stattdessen diente die Waffe, insbesondere im Pazifik als ‘pocket artillery‘ bei der Bekämpfung befestigter Stellungen, da sie schlagkräftig und gleichzeitig leicht zu transportieren war und von der Schulter aus abgefeuert werden konnte. Da die Waffe also in dieser Funktion nach wie vor überzeugte und durch die während des Krieges und danach amerikanisch ausgerüstete französische Kolonialarmee bereits im Land war, übernahm die ARVN also ebenfalls das M18 57mm Recoilless Rifle in ihren Bestand - offiziell in Panzerabwehr-Einheiten, defacto aber für die Bekämpfung von Bunkern und verschanzter Infanterie. Auch die PLAF (Viet Cong) konnte die Waffe in größeren Stückzahlen erbeuten und setzte diese regelmäßig bei Angriffen auf leichtgepanzerte Konvois, Special Forces Camps und Fire Support Bases ein. Die Modelle von Battlefront feuern alle von der Schulter, in der Realität gab es jedoch auch die Möglichkeit stabilisiert von der Lafette des schweren M1917A1 Maschinengewehrs zu feuern.



Im Spiel erfüllen die 57mm Recoilless dieselbe Aufgabe wie in der Realität: Mit schlechter AT (7), aber guter Reichweite (20“/50cm) und Firepower (4+) eingegrabene Infanterie und MG-Nester bekämpfen. Zwei Punkte für vier Teams sind trotz des schwachen Profils okay. Und selbst, wenn es keine guten Ziele für sie geben sollte, kann man mit ihnen Aufstellungsräume für Guerilla Fighter blockieren. Die Leichtgeschütze haben natürlich auch noch die Sonderregel Recoilless, sind also nach dem Feuern nie Concealed, was sie recht verwundbar macht.

UH-1H 'Dustoff' Medevac


Weiter geht es mit dem ARVN Medevac Hubschrauber, der die Verwundeten ausfliegt. Im Gegensatz zu den Amerikanern, bei denen die Army (nach erheblichen Zuständigkeitsdebatten mit der Air Force!) diverse Hubschrauber einsetzte, blieben die Hubschrauber der RVN der dortigen Air Force (VNAF = Vietnamese Air Force) unterstellt. Eingebunden in das amerikanische System und ausgebildet in der entsprechenden Doktrin flogen die Piloten der VNAF auch „Dustoff“-Einsätze, also die Evakuierung von Verwundeten, die so vom Schlachtfeld direkt in richtige Krankenhäuser gebrachten werden konnten, oft innerhalb von 15 Minuten. Dies steigerte die Überlebenschancen verwundeter Soldaten drastisch.

Die Überlebenschancen der oft in noch laufende, dichte Feuergefechte einfliegenden Medevac oder Dustoff-Hubschrauber sanken indes rapide, unter anderem, weil die PLAF und PAVN die roten Kreuze auf weißem Grund nur allzu gern als Zielmarkierung verstand, da sich derart markierte Fahrzeuge und Personen ideal eigneten, um die Moral des Gegners zu brechen – so hoffte man.



Die USA hielten sich über die Dauer des Konflikts an ihre eigenen Regeln, nach denen medizinisches Personal (inklusive der Transporter) unbewaffnet blieb. Die Südvietnamesen gingen die Sache pragmatischer an und bewaffneten ihre Sanitäter und Medevac-Hubschrauber ganz regulär.



Im Spiel ist ein Medevac-Hubschrauber geradezu Pflicht, wenn man auch nur ein einziges Platoon Infanterie in der Armee hat. Er kostet lediglich einen Punkt und kann alle zwei Runden bis zu sechs Verwundete abtransportieren, wodurch die entsprechenden Teams wieder voll einsatzbereit werden. Insofern ist es auch immer wichtiger einen Medevac zu haben als einen Medic. Der Medic kann die Verwundeten nur bis zu seinem Limit von drei sammeln, der Medevac evakuiert die Verwundeten tatsächlich.¹ Und: Der Medevac kann nie dauerhaft zerstört werden, selbst wenn er abgeschossen werden sollte. Der Gegner bekommt zwar Punkte für den zerstörten Hubschrauber, der Medevac wird allerdings umgehend durch einen neuen ersetzt. Es handelt sich also um eine extrem wertvolle Einheit, insbesondere für die ARVN, die „Hit On 3+“ mit wesentlich mehr Verlusten rechnen muss!

Der ARVN Medevac verfügt außerdem über Doorgunner. Die sind jetzt nicht wahnsinnig effektiv, aber: zwei Würfel haben oder nicht haben!  ;D

Ich habe mich nach langer Zeit durchgerungen Decals zu suchen und zu bestellen. Kommen aus den USA und sind eigentlich für T-28 gedacht. Bin froh, dass so eine zentrale Einheit damit endlich fertig gestellt ist. Als nächstes folgen (vermutlich) die neuen M41A3, vielleicht schummeln sich aber auch die M114 dazwischen.
___
¹in V3 konnten sowohl Medics als auch Medevacs Verwundete einfach auf 3+ "wegwürfeln" - da finde ich das tatsächliche "Ausfliegen" in V4 eine stilistisch sehr schöne Änderung!

Demnächst™ mehr! Dann auch mit Bildern außerhalb des Ladebildschirms der Matrix, sondern mit Spielzeug in seinem natürlichen Umfeld.
« Letzte Änderung: 30. November 2022 - 23:57:53 von Zerknautscher »
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Zerknautscher

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #7 am: 20. November 2022 - 14:45:33 »

Kommen wir nun zum Herz jeder Streitmacht und der Königin aller Waffen: Der Infanterie! Ich präsentiere hier gleich alle drei Platoons, was mir auch etwas Platz gibt über die Ausrüstung der Infanterie und etwas detaillierter über „Marvin“ zu sprechen…

ARVN Infantry Platoon




Battlefronts ARVN Infantry Platoons stellen ARVN Infanterie ab 1968 dar. Von diesem Jahr an erhielten ARVN Einheiten M16A1 Sturmgewehre und M79 Granatwerfer, welche die alten M1 Garand bzw. M2 Karabiner sowie BARs ersetzten. Man könnte also notfalls mit Flames Of War US-Infanterie französische Kolonialsoldaten bzw. die ARVN vor 1968 darstellen. Ihre Uniformen erhielten ARVN Soldaten aus lokaler Fertigung und passten diese häufig noch an die eigene Körperform an, damit diese konturiert und eng saßen. Die Stoffe konnten die Soldaten teilweise je nach Expertise und Vermögen selbst organisieren, so also zum Beispiel auch an bestimmte Tarnmuster gelangen. Auch die Helme wurden zum Teil von den Soldaten selbst mit Tarnfarben bestrichen oder mit eigenen Überzügen und je nach Ausbildung und Erfahrung mit Zweigen, Blättern und Gräsern zusätzlich getarnt. In der Regel war aber alles olivfarben und trugen die Soldaten die (Tarn)uniformen, die für den Truppenteil vorgesehen waren.

Bei meinen drei Platoons handelt es sich um einen Mix aus den für die ARVN vorgesehenen US Airmobile-Modellen (die generell für leichte Infanterie herhalten) sowie Modelle aus dem US Infantry Platoon. Diese unterscheiden sich teilweise stark in der Modellierung. Einiges davon ist gewollt: die Airmobile-Infanterie schleppt weniger Zeug mit sich herum, da sie als Elitetruppe gezielt ein- und ausgeflogen wurde, während die US-Infanterie teilweise über 90 Tage im „Busch“ verbringen und entsprechend viel Ausrüstung mitführen musste. Allerdings fallen die M79 Granatwerfer tlw. sehr unterschiedlich groß aus. Insgesamt bin ich aber froh über die Mischung, mehr Abwechslung ist ja eigentlich immer gut.

Meine Infanterie habe ich in Standard „OD“ (Olive Drab) bemalt. Die ARVN bietet zwar viele interessante Tarnmuster (von denen die US-Spezialkräfte einige übernahmen, wie die bekannten „Tiger Stripes“), ich möchte aber gern eine 08/15-Truppe darstellen und nicht die Ranger, Airborne oder Marines. Eventuell bekommen einzelne Modelle noch die US-Helmbezüge, aber das wäre dann auch das höchste der Gefühle. Aufmerksame Betrachter werden feststellen, dass es noch das ein oder andere Detail zu bemalen gäbe; das wird irgendwann folgen. Ich male stufenweise und frische gewohnheitsmäßig alte Modelle nach einer Weile auf, weil sich zwischenzeitlich zum Beispiel meine Technik verbessert hat oder ich einfach Lust habe mehr mit den Modellen zu machen. In erster Linie bin ich aber kein Modellbauer, sondern Spieler und die Modelle sind für mich Spielsteine. Ich male daher meistens erst alles „spielfertig“, also so, dass alles bemalt ist und auf dem Tisch in Ordnung aussieht und verbessere dann später mal hier, mal dort, wie ich Lust habe. Wirklich „fertig“ sind Modelle – auf dem Niveau auf dem ich male und zu malen bereit bin – ohnehin nicht. Man könnte ganz viel tolles Zeug mit dem Rohmaterial machen, aber mir reicht eben „gut“ – goldene Dämonen mögen andere anstreben; ist nicht meins.


2nd Platoon.

Jede der Infanteriekompanien eines Bataillons verfügte über drei bzw. vier Züge Infanterie sowie einen Zug mit schweren Waffen mit Gruppen aus je zwei M19 60mm Mörsern, zwei M20A1 Super Bazookas und zwei schweren Maschinengewehren M1919 (ab 1968 M60). Die schweren Bazookas wurden allerdings – ebenso wie die M18 57mm Leichtgeschütze und M1 bzw. M29 81mm Mörser des Bataillons – meistens nicht auf die Patrouillen mitgenommen, da sie selten sinnvoll zum Einsatz gebracht werden konnten und die Soldaten dafür über Gebühr beim Marsch durch das schwierige Gelände erschöpften.

Der leichte Mörser funktioniert in 'Nam noch so, wie auch früher in FoW V3 oder Mörser in Great War und kann mit ROF 2/1 und Firepower 4+ im Direktbeschuss schießen und dabei über verbündete Infanterie hinwegfeuern, allerdings keine Bombardements schießen. Die Super Bazooka verschießt ein dickeres Ei als die nicht-super-Variante aus dem Zweiten Weltkrieg (AT14 FP 4+), allerdings ebenfalls nur 8“/20cm weit. Neben den zahlreichen LAWs des Platoons ein weiteres Argument mit Panzern fernzubleiben. Das LMG Team gibt dem Platoon dann noch etwas Feuerkraft gegen Infanterie.

Wie oft man die Feuerkraft der Super Bazooka und des leichten Mörsers wirklich braucht, sei mal dahingestellt, aber sie fügen dem Platoon natürlich weitere Teams hinzu, sodass es schließlich auf immerhin 10 Bases kommen kann, was die Punktkosten direkt verdoppelt. Gekoppelt mit der Verwundungsregel der ‚Free World‘ Forces wird somit aber auch aus diesen RT-Jungs ein brauchbarer Blocker.


Übersicht der Ausstattung eines Infanterie-Bataillons.
Aus: Rottman, G. L. (2010). Army of the Republic of Vietnam 1955-75. Osprey.



Die schweren Waffen der Kompanie: zwei leichte Maschinengewehre M60, zwei 'Superbazookas' und zwei 60mm Mörser.

Aber Moment: Warum haben denn nur die ersten beiden Platoons Upgrades? Nun, das ist wieder dieser verdammten Geschichte geschuldet. Auch wenn Battlefront beim Listenbau erlaubt, auch dem dritten Platoon die Waffenteams zu spendieren und auch wenn das durchaus irgendwie zu erklären wäre (Beutewaffen, Übernahme von anderen Einheiten etc.) halte ich mich da an die TO&E. Demnach hat eine Infanteriekompanie insgesamt zwei M60, zwei leichte Mörser und zwei Super Bazookas. In FoW:V, also der V3 Version, lief das noch über ein Extra Platoon, aus dem dann die Spezialwaffen wieder ausgegliedert und verteilt werden mussten. In ‚Nam (V4) ist es ein organisches Upgrade der Einheit, aber die Einhaltung der TO&E und historischen Grenzen liegt beim Spieler. Man könnte beim dritten Platoon auf diese Weise auch (zurück)eroberte Waffen darstellen oder ein angegliedertes Platoon einer Nachbarkompanie abbilden, wenn man sich nicht an die strikte Ordnung auf dem Papier halten mag. Ich für meinen Teil bleibe erstmal bei der TO&E ohne Extrawürste.

Die drei Platoons im Gelände:


1st Platoon auf dem Weg durch die Reisfelder Richtung Dorf, 2nd Platoon durch die Reisfelder jenseits des Feldwegs Richtung Dschungel und 3rd Platoon als Checkpoint an der Kreuzung.



3rd Platoon.

Die finale Aufwertung besteht in der Möglichkeit einen M48 Patton als ‚Tank Attachment‘ anzugliedern. Der ist dann eine im wahrsten Sinne ‚Independent Unit‘ (die nicht zum ARVN Infantry Platoon gehört was Moral, Treffer etc. angeht), wird aber zeitgleich mit diesem aufgestellt. Den M48 werde ich allerdings an anderer Stelle besprechen. Die Option ist spielerisch sehr praktisch, da sie erlaubt die Feuerkraft der Pattons auf eine größere Fläche zu verteilen, historisch aber auch sehr eingeschränkt, da die Fahrzeuge erst ab 1972 und auch nur in CTZ I (Corps Tactical Zone I, auch: „I Corps“) in den nördlichsten Provinzen Südvietnams eingesetzt wurden.

Und einfach weil wir, wie Alfred Hitchcock sagt, alle Voyeure sind: Blicke aus dem Unterholz.


1st Platoon.


1st Platoon aus Sicht des Viet Cong.




MARVIN the ARVN – Woher kommt die Verachtung?

In den folgenden Zeilen versuche ich grob zu skizzieren, mit welchen Schwierigkeiten die ARVN zu kämpfen hatte. Dabei geht es um die korrupte Führungselite des Landes, die Forderungen der USA, die operative und organisatorische Umsetzung dieser Forderungen und „Marvin“ selbst, den durchschnittlichen Soldaten Südvietnams.

Also: Wer war ‚Marvin‘ und woher stammt die Verachtung der Verbündeten und Feinde?

Es gäbe viel zu sagen, was jedoch zahlreiche Posts füllen würde und vermutlich eh keine Sau liest. :D Daher nur soviel:

Die ARVN wurde auf Druck der USA, die unter dem Eindruck des Korea-Krieges eine große eigene Armee forderten, zu groß. Sie konnte ihre Soldaten nicht unterbringen und – da sie immer länger im Militärdienst bleiben mussten und folglich nicht auf den Reisfeldern helfen konnten – auch nicht ernähren. „Marvin“ wurde entwurzelt, schlecht ausgebildet und nicht politisch geschult. Er kämpfte verbissen für sein Dorf und seine Familie, gegen den Terror des Viet Cong, gegen Zwangskollektivierung und das Zertrümmern seiner Traditionen und Religion durch den Kommunismus, aber nie für die Idee einer demokratischen Nation oder füreinander.

Darüber hinaus herrschten in der Führungsriege der ARVN interne Machtkämpfe und schlichtweg persönliche Abneigungen, die dazu führten, dass Befehle nicht oder verzögert ausgeführt wurden, Einheiten andere nicht wie vorgesehen unterstützten oder Nachschub sein Ziel nicht erreichte. Schlagkräftige Einheiten, wie die Kavallerieregimenter, wurden vor 1968 von Politikern hauptsächlich als Versicherung gegen Umstürze in der Nähe der Regierungssitze gehalten, statt ihre enorme Feuerkraft und Wirkung im Feld auszuspielen.

Die Amerikaner traten überheblich auf und schulten die ARVN zwar in der Nutzung der US-Feuerkraft, beanspruchten diese aber meistens für die eigenen Truppen und ließen die ARVN auch zeitweise gar nicht selbst operieren. Nicht nur waren ARVN-Einheiten derart „angeleint“, sie wurden auch zum Teil aus erfolgreichen Befriedungsmissionen, bei denen die Soldaten in direktem Kontakt mit der Bevölkerung lebten und konkrete Verbesserungen der Lebenssituation durch Arbeitseinsatz und Sicherheit erreichten herausgelöst, da sie dort nicht den von den USA gewünschten „Bodycount“ lieferten.

Mangelnde Versorgung und Unterbringung, Entwurzelung von der eigenen Heimat, mangelnder Zusammenhalt in der Truppe, Misstrauen gegenüber den Offizieren und das Bewusstsein schlecht ausgebildet zu sein sorgte für eine niedrige Kampfmoral. Die Soldaten wollten vielfach kämpfen, aber fühlten sich von der Politik und ihren Vorgesetzten verraten. Dermaßen demotiviert und operativ von ihren Verbündeten überwacht und eingehegt erschienen sie diesen als feige und unfähig. Die Verachtung der Verbündeten und deren großspuriges Auftreten belastete die niedrige Moral weiter.

Wenn die ARVN aber selbstgesteuert, mit angemessener Feuerunterstützung agieren konnte und ein konkretes Ziel hatte, war sie durchaus in der Lage selbst in Unterzahl gegen die PAVN zu bestehen. 1968 war es die ARVN, die die Tet-Offensive blutig niederschlug und weder brach noch überlief. 1972 erreichte die PAVN trotz einer vollen Invasion an drei Fronten mit 11 Divisionen keinen durchschlagenden Erfolg und wurde stellenweise nach ersten Landnahmen wieder weit zurückgeworfen, wie im Falle der Stadt Quang Tri im Norden der RVN. Erst als die USA ihre Unterstützung de facto einstellten, also keine Munition und keinen Kraftstoff mehr lieferten und Nixon die RVN durch seine Geheimverhandlungen zum zweiten Mal verriet wurde die Lage vollkommen unhaltbar. Die Art der Kriegführung, die die ARVN von den Amerikanern gelernt hatte, war nicht mehr umsetzbar. Feuerunterstützung war aufgrund Munitionsmangels unmöglich, die zahlreichen Panzer konnten ihre Mobilität nicht mehr ausspielen, für die zahllosen Kriegsmaschinen fehlte es an Wartungspersonal und Ersatzteilen. Gleichzeitig persistierten die Probleme der Uneinigkeit, Machtkämpfe und Korruption, die letztlich dafür sorgten, dass die entschlossenen vietnamesischen Kämpfer im Süden ihr volles militärisches Potenzial nicht entfalten konnten.

Die Feinde der ARVN blickten auf sie herab und bezeichneten sie als „Marionettensoldaten“. Ihre Verbündeten sahen sie als „Feiglinge“, die ihren eigenen Krieg nicht führen wollten. Doch weder liefen die Soldaten der ARVN in ähnlichen Zahlen über, wie es die kommunistischen Kämpfer taten, noch ergaben sie sich - bis am 30. April 1975 der politische Befehl dazu erteilt wurde.

Nach diesem Exkurs geht es nun weiter mit einer weiteren Einheit, die gleichzeitig auch die letzte Aufwertungsmöglichkeit für die ARVN Infantry Platoons darstellt:

M48 Patton

Ein M48A3 der ARVN unterstützt verbündete Infanterie beim Vormarsch.

Historisch setzte die ARVN den M48A3 nur in der nördlichsten Taktischen Zone (I Corps) und auch erst ab 1972 ein. Ab Ende 1971 übergaben die Amerikaner die Fahrzeuge bei ihrem Abzug an Südvietnam. Die Ausbildung der Besatzungen war noch in vollem Gang als vor 50 Jahren, am 30. März 1972, die Großoffensive Nordvietnams mit konventionellen Truppen begann, die im Westen „Osteroffensive“ genannt wird. Anders als die Amerikaner setzte die ARVN den M48 also nicht nur zur Unterstützung der Infanterie ein, sondern tatsächlich im symmetrischen Gefecht gegen gegnerische Panzer.


Ein M48 rollt einen Feldweg entlang, den er auf ganzer Breite einnimmt.

Der M48A3 litt in den Diensten der ARVN unter mangelnder Ausbildungszeit für die Besatzungen, sowie später unter der überall grassierenden Kraftstoff- und Munitionsknappheit. Insbesondere der Mangel an Kraftstoff für die äußerst durstigen Benzinmotoren verleitete viele Befehlshaber dazu, aus den Pattons (immer seltener rollende) MG-Bunker zu machen, die die Mobilität des Waffensystems negierten und sie zu leichter Beute für gegnerische T-54, T-55 und Typ-59 Panzer, sowie die von der Sowjetunion zur Verfügung gestellte Maljutka PALR ("AT-3 Sagger") machte.


Ein Patton beim Überwinden eines Damms in einem Reisfeld.

In ‘NAM sind die Fahrzeuge zweifellos die ‚Heavy Hitter‘ der ARVN und verbinden die exzellente Ausrüstung der Amerikaner mit den niedrigen Punktkosten des schlechten ARVN-Profils. Die Panzerung kann selbst der 100mm Kanone des T-54 widerstehen. Die eigene 90mm Kanone hat eine bessere Reichweite, Genauigkeit und Feuerrate, wenn auch schlechtere Firepower. Für eine flexiblere Verteilung der Feuerkraft können die Panzer statt als Platoon auch einzeln eingesetzt werden, wobei die einzelnen Fahrzeuge jeweils einem ARVN Infantry Platoon als Independent Unit zugewiesen werden. Zu Bedenken ist in diesem Fall, dass ein Bailed Out Ergebnis ohne gelingenden Remount (5+) direkt zu einem Last Stand Check der Unit führt (4+) und jeder Patton einen Battle Point liefert. Daher ist der Einsatz als Platoon ggf. zweckmäßiger.


Die drei Pattons im Gelände.

Obwohl sie thematisch stark eingeschränkt sind, was den Zeit- und Frontabschnitt angeht, freue ich mich darauf sie im Spiel gegen die nordvietnamesischen T-55 einzusetzen und so die sehr empfindlichen M41 Walker Bulldogs mit ein wenig mehr Panzerung und Feuerkraft unterstützen zu können – zumindest in und um Quang Tri, Hue und die DMZ.

Weiter geht es bald mit den Armored Cavalry Assault Vehicles (ACAV) der ARVN Panzer-Kavallerie! :)
« Letzte Änderung: 20. Januar 2023 - 09:38:11 von Zerknautscher »
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Parmenion

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #8 am: 20. November 2022 - 16:22:14 »

Sehr schöner Bericht und tolle Bilder!!
Freue mich schon auf die Fortsetzung :)!!

Parmenion
« Letzte Änderung: 21. November 2022 - 07:07:31 von Parmenion »
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Kaiww

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #9 am: 20. November 2022 - 21:42:25 »

In der Tat ein wirklich schöner Bericht und tolle Bilder die Lust auf mehr machen.  :)
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Zerknautscher

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #10 am: 21. November 2022 - 16:08:42 »

Das freut mich zu hören, Leute, danke!  :D

Weiter geht es heute mit der Panzer-Kavallerie.

ARVN ACAV Cavalry Squadron HQ

Meine vorläufigen M113 ACAV HQ 'Tracks' - werden irgendwann durch die Variante mit Zwillings-MG-Geschützturm ersetzt.

Das ARVN ACAV Cavalry Squadron HQ besteht aus zwei M113 APCs. Zur genauen Ausführung sage ich später noch etwas. Der M113 Schützenpanzer war das Ergebnis eines Entwicklugnsprozesses, der über den M114 schließlich in dem Fahrzeug mündete, das ab den frühen 60er Jahren ausgeliefert und unter anderem in Vietnam im Feld erprobt wurde. Als ‘Battle Taxi‘ geplant, erwies es sich als vielseitige Plattform für zahlreiche unterschiedliche Konfigurationen. Neben den „klassischen“ Rollen des bewaffneten Truppentransporters, Mörserträgers und Ambulanzfahrzeugs auch als Feuerleit- und Befehlswagen, FlaK-Fahrzeug und eben ACAV. ACAV steht nicht, wie man denken könnte, für ‘Armored Cavalry‘, sondern für Armored Cavalry Assault Vehicle.

Die Idee dazu stammt übrigens auch nicht von den Amerikanern, sondern von der ARVN selbst: entgegen der Doktrin der Amerikaner und ihrer ausgesandten Militärberater setzten die Südvietnamesen die M113 als Sturmfahrzeuge ein. Statt abzusitzen, kämpften die Besatzungen aufgesessen aus dem hinteren Kampfraum. Neben der Beweglichkeit und dem Panzerschutz, den die Fahrzeuge boten, waren auch das Mitführen zusätzlicher schwerer Waffen und der Munition erheblich leichter, insbesondere für die etwas kleineren Südostasiatischen Bauern. Auch die meisten Anti-Personen-Minen wurden auf diese Weise weit weniger bedrohlich, wenngleich Panzerabwehrminen stets eine große Gefahr blieben. Gegen die Guerrillas boten die Fahrzeuge jedoch meist ausreichenden Schutz.

Für die ACAV-Konfiguration entwarfen und bauten die Amerikaner schließlich sogenannte ‘ACAV Upgrade Kits‘, also Rüstsätze, die in Feldwerkstätten aber zum Teil auch schon ab Werk nachgerüstet werden konnten und die ad hoc Modifikationen aus angebrachten Stahlplatten ergänzten und schließlich ersetzten. Je nach Typ und Produktionsort tragen diese unterschiedliche Bezeichnungen wie z.B. das ‘Okinawa‘-Schema mit den markant gewinkelten Seitenplatten.

Neben diesen zunächst improvisierten und später industriell gefertigten Panzerplatten gab es auch verschiedene vollständig geschlossene Geschütztürme für den M113, unter anderem in einer Konfiguration mit einem .50Cal MG und einem .30 Cal MG (T50) und mit zwei .30 Cal MGs (M47C). Diese Türme setzten die Amerikaner nicht selbst ein, der M47C war jedoch bei den ARVN-Besatzungen sehr beliebt, da er rundum Schutz und viel Feuerkraft bot. Außerdem hatten die vietnamesischen Besatzungen weniger Schwierigkeiten mit dem kleinen und engen Turm als ihre größer gebauten, amerikanischen Verbündeten.

In ‘Nam dient diese HQ Einheit als Anker für die Formation, durch die Möglichkeit Motivationstests einschließlich Last Stand/Unit Morale zu wiederholen. Die Fahrzeuge verfügen außerdem über ein etwas anderes Profil als die anderen ACAV-Fahrzeuge der Formation, was darauf schließen lässt, dass der M47C-Turm für diese vorgesehen ist (MGs ROF 4/4, kein .50Cal MG).
Ich habe hier (noch) Modelle mit .50Cal MGs darauf, eines mit s.g. „Okinawa-Pattern“ Schilden, eines ohne. Allerdings besitze ich bereits einen Blister mit den passenden Türmen und werde die Formation sicher irgendwann nochmal um ein paar M113 aufstocken, dann bekommen diese gebraucht übernommenen Fahrzeuge einen neuen Platz in einem ACAV Platoon und die neuen M113 erhalten die korrekten Geschütztürme für das HQ. In diesem Zuge folgt dann ggf. auch noch ein M113 ACAV der Amerikaner als Militärberater (und Spearhead Team).




ARVN M113 ACAV Cavalry Platoon


Die ARVN M113 ACAV Cavalry Platoons bestehen aus bis zu 5 Fahrzeugen und entsprechen damit der späteren Organisationsstruktur ab 1967/68; von der Einführung des Fahrzeugs 1962 bis 1967 wurden nur 3 Fahrzeuge pro Platoon eingesetzt. Wie bereits im Beitrag zum ARVN M113 ACAV Cavalry Squadron HQ erwähnt, musste sich die ACAV-Doktrin erst entwickeln und der M113 durchlief zahlreiche Konfigurationen ehe man schließlich bei den finalen Varianten ankam, die bis Kriegsende im Einsatz blieben. Die Infanterie und ihre mitgeführten Unterstützungswaffen, die ursprünglich dem amerikanischen Konzept folgen und abgesessen kämpfen sollten, erhielten nach und nach andere Waffen und kämpften aufgesessen vom Fahrzeug aus. Neben den .50cal und 7,62mm Maschinengewehren wurden auch verschiedene 60mm und 81mm Mörser, 3.5“ Raketenwerfer und 57mm Leichtgeschütze montiert. Ab 1968 schließlich trug ein Fahrzeug pro Platoon ein M40 „106“mm Leichtgeschütz zur Bekämpfung harter Ziele (Kaliber 105mm, allerdings als „106mm“ geführt, da andere, inkompatible Munition in 105mm verfügbar war).

Organisatorisch bildeten zwei Squadrons M113 und eine Squadron M24 Chaffee (ab 1965 M41A3 Walker Bulldog) ein Panzer-Kavallerie-Regiment. Zur Unterstützung verfügte jede Squadron über ein Platoon 81mm Mörser (ab 1967/68 81mm Mörserträger M125). Das Regiment konnte außerdem auf vier M106 4.2“ Mörserträger und später drei M132 ‘Zippo‘ mit Flammenwerfer zur Unterstützung zurückgreifen. Jeder Infanterie-Division war ein Panzer-Kavallerie-Regiment zugewiesen.

In ‚NAM verfügen die M113 ACAV über eine Menge Feuerkraft: 3/2 Schuss .50Cal und 2/2 Schuss MG pro Fahrzeug. Das macht sie einerseits zu einer schlagkräftigen Einheit gegen ihren hauptsächlichen Gegner, die auf 3+ getroffene Infanterie der PAVN bzw. PLAF. Andererseits haben die Fahrzeuge selbst dem B40 (RPG-2) nichts entgegenzusetzen und werden selbst bei 3+ getroffen, sind also entsprechend anfällig für Gegenfeuer. Das Leichtgeschütz kann die Frontpanzerung eines K2 (T-54) frontal durchschlagen und auf kurze Distanz ‚Beehive‘-Streugranaten gegen ungeschützte Infanterie verschießen, allerdings macht der Einsatz der Waffe durch die ‚Recoilless‘-Sonderregel das Platoon auch äußerst verwundbar für Gegenfeuer. Gegen Panzer lohnt sich der Einsatz also nur aus dem Hinterhalt und in absoluten Notsituationen.


Ein ACAV Platoon mit vier Fahrzeugen, davon eines mit M40 '106mm' recoilless rifle, unterstützt einen Zug Infanterie mit seiner Feuerkraft beim Vorgehen in einem Reisfeld.

Politischer Exkurs – „Palastwachen“
Das Panzer-Korps der ARVN wurde spöttisch auch als „Palastwachen“ bezeichnet. Dies hatte mehrere Ursachen. Einerseits verblieben die gepanzerten Einheiten trotz ihrer Mobilität, Schlagkraft und ihres relativ guten Schutzes zumeist in den Städten oder ihrer unmittelbaren Umgebung. Zum anderen dienten sie ganz unverhohlen der Einflussnahme auf die Politik und waren ein wichtiges Werkzeug um Macht in der RVN zu verteilen, zu erhalten oder zu stürzen.


Dunstan, S., Sarson, P., & Bryan, T. (1985): Armour of the Vietnam Wars. Osprey Publishing Ltd. S. 13

Ab 1968 änderte sich jedoch zumindest die Einsatzweise merklich: Die Tet-Offensive im Januar 1968 forderte die Stärke der ARVN heraus, welche daraufhin die Feuerkraft und Mobilität der Panzer-Kavallerie erstmals voll ausspielte. Die Kavallerie-Einheiten waren ein wichtiger Faktor in der blutigen Niederschlagung der Offensive und wurden infolge des überraschenden Angriffs auch erstmals in größerem Ausmaß außerhalb der Städte eingesetzt. 1971 gipfelte dies im Unternehmen Lam Son 719, bei dem die Grenze nach Laos überschritten und die Versorgungslinien und Nachschublager der PAVN (Schnellstraße 559/Ho-Chi-Minh-Pfad) in Tschepone anvisiert wurden, wobei es erstmals zu schweren Gefechten zwischen regulären nordvietnamesischen und südvietnamesischen Truppen kam.

ARVN M125 Mortar Platoon

M125 81mm Mörser auf APC in Feuerstellung auf einem Marktplatz.

Ich hatte ja von den zahlreichen M113-Varianten berichtet; hier nun also das ARVN M125 Mortar Platoon mit drei 81mm Mörsern auf M113 APC. Nachdem die Kavallerie ja mit 60mm Mörsern gestartet war und dann auf 81mm Mörser aufrüstete, war es nur logisch diesen Mörsern dieselbe Beweglichkeit wie dem Rest der Truppe angedeihen zu lassen. Auch der Panzerschutz und das .50Cal Maschinengewehr kam den Mörserzügen der Kavallerie nicht ungelegen. Üblicherweise waren zwar die Patrouillengebiete durch das (idealerweise überlappende) Feuer aus verbündeten Fire Support Bases abgedeckt und auch Luftunterstützung stand gelegentlich zur Verfügung. Die mobilen Mörser konnten jedoch auch – für den Gegner schwieriger einzuschätzen – diese Feuerzonen verschieben bzw. erweitern. Diese Beweglichkeit war aber hauptsächlich außerhalb des Guerrillakampfes von Vorteil, wo sich die Fronten und Anforderungen schneller änderten.

Wie auch schon die 81mm Mörser der Infanterie sind die M125 leider nicht wahnsinnig zuverlässig, was an ihrem Skill von 5+ in Kombination mit den Geländeregeln in ‘Nam liegt, wodurch sie immer auf 6 einrichten und nachts das Feuer gar nicht verlegen können. Im Gegensatz zu den Firebase-Mörsern sind die Teams aber auf dem Tisch, beweglich, gepanzert und mit MGs ausgerüstet. Damit kann man also immerhin Aufstellungsräume blockieren und im Notfall auch Infanterie Teams bekämpfen oder ein Missionsziel bedrohen. Die dünne Panzerung der APCs bleibt aber auch hier ein Problem, denn sie macht aus den Kisten ein gefundenes Fressen für RPGs. Zusätzlich ist der offene Kampfraum empfindlich gegen Sturmangriffe… Trotzdem war es mir ein Anliegen, dass auch die ACAV eine eigene Schablone dabei hat und die Mörser haben sich mit beeindruckender Konsistenz (trotz Range in auf 6!) im Spiel bewährt.


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Sorandir

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #11 am: 21. November 2022 - 19:52:23 »

Bewundernswert, wie akribisch du die ganzen Sachen recherchierst. Sehr interessant zu lesen.
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http://www.kurpfalz-feldherren.de

thrifles (Koppi)

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #12 am: 21. November 2022 - 19:58:19 »

Bisher komplett an mir vorbeigegangen. Tolles Thema, klasse umgesetzt, muss ich mir die Woche in Ruhe durchlesen... 8)
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 http://www.dminis.com/thrifles/galleries/

\" ... Artillerieeinheiten der wichtigsten Nationen (Preußen, Österreich, Russland, Großbritannien ...) sind \"gefärbt\". Das Holz der Kanonen ist bei den Preußen z.B. blau, weil das die Farbe der Nation im Spiel ist (grün für Russland usw.). Das alles sieht scheiße und spielzeugmäßig aus...\"
Zitat aus einer Besprechung von Napoleon Total War

Commissar Caos

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #13 am: 21. November 2022 - 21:35:46 »

Tolles Projekt! ich bin gerade echt erschlagen von deiner Recherche.  :o
Deine Fotos sind wahnsinnig schön. Da kommt richtig feeling rüber!
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Parmenion

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Re: Marvin the ARVN - Südvietnamesische Streitkräfte für 'Nam
« Antwort #14 am: 22. November 2022 - 06:51:04 »

Wieder ein super Bericht und sehr detailiert! Gerade die Ausführungen über den M113 finde ich sehr gut.
Habe ich mit ein wenig Wehmut gelesen, da ich auch einige Jahre auf  der Kiste herum geschaukelt bin :D.

Deine Bilder sind weiterhin serh inspirierend  :)!! Alle Daumen hoch!! Wo hast du denn diese etwas "dickeren Palmen" her?? Die gefallen mir auch sehr gut.

Parmenion
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