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Autor Thema: Vorstellung March Attack, Eindrücke, Spielberichte  (Gelesen 1300 mal)

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tattergreis

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Vorstellung March Attack, Eindrücke, Spielberichte
« am: 19. August 2022 - 12:44:23 »




March Attack ist ein Regelwerk aus dem Jahr 2011. Vertrieben wird es von Crusader publishing, es wird als pdf oder print-to-demand vertrieben.
https://crusaderpublishing.com/march-attack-napoleonic-rules/ 


Erst einmal ein paar Basics:

angestrebt wird ein Spiel auf Corps-Ebene für 2 Personen oder mehrere Corps für Multiplayer.
Als einzelne Einheit benutzt man Bataillone bzw Kavallerieregimenter in Form von 2 Basen à 4cm Breite, Ari normalerweise 1 Base 4x4 cm.
1. Kampfentfernung ist 3“ für Musketenfeuer, Artillerie schießt 5“ mit Bonus (Kartätschen) und je nach Kaliber ab 9-15“ mit Malus, bis zu einer Gesamtreichweite von 18“ bis 30“.
2. Bewegungsreichweiten werden unterteilt in taktisch und strategisch, Infanterie in Linie bewegt sich 5“ taktisch und doppelt so weit bei genügender Entfernung zum Gegner. Leichte Kavallerie mit Straßenbonus kommt strategisch z.B. auf 32“ als Kolonne, taktisch auf 14“.

Benötigt wird eine genaue Order of Battle, die Mannschaftsstärke und Ausbildungsstand der einzelnen Truppenkörper ergibt die Kampfkraft.

Befehle werden an Major Formations gegeben, gedacht sind Divisionen bzw. preuß. Brigaden, dem Spieler wird dabei sehr viel Freiheit gegeben, wie kleinkariert die Befehle sind, auch wie weit die Armeeorganisation in MFs aufgeschlüsselt wird, liegt im Ermessen der Spielpartner.

Die Befehle werden je nach Qualität der Befehlshaber unterschiedlich zuverlässig umgesetzt.

Infanterie- und Artilleriefeuer werden fast halbautomatisch umgesetzt, ein Bataillon mit der Kampfkraft 6 (das wären als Beispiel 600 Reguläre oder 400 Elite) feuert im frischen Zustand in Linie mit Kampfkraft 12 und erzielt damit 2 Treffer auf ein gegnerisches Btl, ohne dass gewürfelt werden muss. Sinkt die Kampfkraft durch gegnerisches Feuer auf 5, so erzielt das btl zumindest ein Treffer, und muss dann mittels W6 eine vier oder weniger erzielen, um den zweiten Treffer zu setzen.

Skirmish wird durch Vergleich der Skirmish-Kampfkraft von MFs im Abstand von weniger als 9“ abgehandelt, wer durch seine OoB eine bessere Skirmish-Kampfkraft hat, kann Treffer erwürfeln und diese auf den betroffenen Gegner verteilen. Dabei kann man das Schlachtfeld in Abschnitte einteilen und nach Absprache lokale Gefechte ermöglichen.

Beobachtungen:
March Attack vereinfacht an mancher Stelle, damit man große Truppenteile kleinteilig einsetzen kann. Es macht natürlich Spaß, jede Einheit einzeln bewegen zu können, man bewegt Btls und nicht Brigaden. Der optische Eindruck von Divisionen aufgestellt nach historischem Vorbild gefällt mir sehr. Die Möglichkeit, historische OoBs umzusetzen ist ja vorhanden, mir gefällt die Möglichkeit, Verluste einer Schlacht auch in der nächsten Auseinandersetzung darzustellen.
Die Ebene des Korpskommanders ist ungewohnt, weil man Befehle an Divisionen gibt, jedoch auch einzelne Btls bewegt. Meine Erfahrung ist noch zu gering, um ein Urteil darüber abzugeben, ob das Führen von mehreren Divisonen gelingen kann.

Die Feuerphase empfinde ich als ausreichend schnell, meinem Spielpartner gefiel der Automatismus ohne Würfeln jedoch weniger.


Die Bewegungsreichweiten für Reserven/Flügelangriffen sind überraschend, vielleicht fällt das aber weniger ins Gewicht bei mehr Truppenkörpern auf dem Schlachtfeld.

Enttäuschend ist die Initiativverteilung, zwar kann man immer zurückfeuern, aber wenn man nicht die Initiative gewonnen hat, schaut man dem Spielpartner zu, wie er seine gesamte Armee bewegt. Wir werden eventuell für jede MF die Initiative auswürfeln, das klingt interessanter

Dass skirmisher gar nicht als Figuren erscheinen, war der Hauptgrund für mich, dieses Regelwerk jahrelang nur herumzuliegen zu haben. Wir werden die Skirmish-Kampfkraft doch mit kleinen Basen darstellen, Optik ist wichtig für Napoleoniker.

Mein Fazit bisher: eine sehr interessante Toolbox, die ich auf jeden Fall noch oft einsetzen werde. Ein endgültiges Urteil verbietet sich  noch, aber es sieht so weit positiv aus.

Eine eher langatmige Beschreibung
https://www.youtube.com/watch?v=kAS44b8O_pg&t=233s

Seine Schlachten haben einen vollkommen anderen look, aber Vielfalt is king. Und seine Bemerkung: "musketry combat is kind of predictable" ist durchaus zutreffend.

« Letzte Änderung: 06. Oktober 2022 - 12:46:03 von tattergreis »
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Sorandir

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Re: Vorstellung March Attack
« Antwort #1 am: 20. August 2022 - 10:34:08 »

Interessante Spielvorstellung, Danke für deine Mühe. Ich finde Regelwerke von Crusader generell nicht so schlecht.
Für uns Spieler ist es oft gewöhnungsbedürftig,  wenn man etwas nicht auswürfeln kann oder muss. Ich erinnere mich an einige Spiele mit computerunterstützten Regelsystemen, da waren auch nicht alle glücklich damit, nicht selbst mit Würfelglück eingreifen zu können und alles der Automatik überlassen zu müssen.
Bin auf deine weiteren Erfahrungen gespannt.
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- Kurpfalz Feldherren -
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tattergreis

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Re: Vorstellung March Attack
« Antwort #2 am: 05. Oktober 2022 - 13:21:16 »

Meine Erfahrung aus dem letzten Spiel bezüglich der March Attack Regeln:
-die Regeln sind komplex, während des Spiels Regelunklarheiten auszuräumen ist nicht leicht.
-die Regeln sind so komplex, dass sie Einen beim Kennenlernen und ersten Spielen verwirren
-die Mechanismen sind ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, andere Regelwerke im Kopf zu haben stört doch sehr.

-die Regeln entsprechen meinen Vorstellungen der napoleonischen Kriegsführung

Der letzte Punkt ist der Wichtigste: ich stelle an napoleonische Regeln sehr hohe Ansprüche.
Man kann bei MA weder mit Angriffskolonnen ohne intensive Vorbereitung durch Linienformation hindurchbrechen, noch kann man mit Kavallerie frische Infanterie auch nur schädigen, wenn diese ins Karree geht.
Das Befehlssystem ist flexibel, dadurch, dass man Befehle an Divisionen und nicht an Bataillone gibt, wird man auch daran erinnert, dass man die Rolle des Korpskommandeurs spielt und nicht eine Brigade führt. Trotzdem machen die Bataillone nicht unbedingt das, was man unbedingt braucht, weil schwierige Dinge in der Nähe des Gegners einen Test erforden. Und Zack! man braucht Reserven !!!

Ich habe Preußen für die Zeit nach den Militärreformen bemalt, ich spiele also die Periode 1813 plus. Wie zu diesem Zeitpunkt gekämpft wurde, hat Clausewitz beschrieben https://www.deutschestextarchiv.de/book/view/clausewitz_krieg03_1834?p=224

Genau so etwas soll in meinen Augen auf dem Tisch stattfinden, und ich denke, mit March Attack kommt das beim Spielen heraus.

Was will man mehr. Oder anderesrum: warum will man sich mit was anderem zufrieden geben, wenn man Zeit und Raum dafür hat?
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tattergreis

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Re: Vorstellung March Attack
« Antwort #3 am: 05. Oktober 2022 - 16:09:26 »

Und nun zum Thema "Gewimmel":
In dem Thread "Ein Bild meiner letzten TT-Schlacht schrieb Sorandir:
Zitat
..am besten gefallen mit die Hügel und Wälder und das Gewimmel an Minis.

Das entspricht zwei meiner Erkenntnisse, zum ersten ist bei 6mm das Gelände das optisch Wichtige. Es macht mir Spaß, kleine Geländeteile zu basteln, es ist billig und schnell zu machen.
Im Umkehrschluss relativiert es auch die Wichtigkeit, die Miniaturen schön und korrekt zu bemalen. Dazu noch zwei Unterpunkte:
-napoleonische Armeen zu bemalen ist ein erheblicher Aufwand, wer Riesenarmeen aufbauen will, könnte überlegen, ob er nicht kleinere Figuren nehmen sollte
-wer kleine Figuren z.B. fürs Ausdrucken entwirft, braucht m.E. keine Uniformknöpfe zu platzieren. (Das ist eine späte Entschuldigung dafür, dass ich mir kostenlos zugesandte Figuren niemals bemalt hab, und deshalb auch nie Bilder produzierte. Sorry!!)

Wer große Truppenmengen auf den Tisch bringt, sollte die Figuren leicht unterscheidbar machen, zum einen für AARs, zum anderen für Mitspieler, die mit diesen Truppen spielen sollen.
Auf dem Bild der Schlacht

konnte ich kaum erkennen, dass die gelb umkreiste Einheit Kavallerie ist :-X

Für mich ist die gezeigte Situation eigentlich sehr einfach, rechts  links ::) unten riegelt meine französische Infanterie, genauso wie auf dem Mühlenhügel und im Dorf Großbeeren, dargestellt durch orange Pinselstriche.
Der Pfeil nach oben zeigt die Bewegung eines Teils meiner Reserve zum Ort der erwarteten Krise.

Das einzig schwierige für mich war die kleintaktische Antwort auf die Bedrohung links unten(der Blitz), wie soll die Kavallerie (gelb umrandet) gegen die Artillerie vorgehen.


Der Angreifer konnte mit der Brigade rechts im Bild (Borstell) eh nur an einer Stelle angreifen.
Die beiden anderen Infanterie-Brigaden hatten eh kaum Platz nebeneinander, die Reserve musste warten. Dass die Kavallerie (der große Pfeil nach unten) antrabt, ist ein taktischer Fehler.

Für meinen Mitspieler war das Gezeigte eher Stress, er hatte 50+ Einheiten (jeweils 2 bases) zu bewegen. In jeder Runde 50 Entscheidungen über Platzierungen zu treffen, plus einen Plan, einen versierten Gegner zu besiegen, ist einfach mal ...anstrengend*.

Für mich offensichtlich ist, das geht das nur, wenn man einen Plan im Kopf hat, wie man die Truppen grundsätzlich aufstellt. Für die preußischen Truppen gibt es da Anleitungen, dies sind drei sehr ähnliche Variationen. Dieses undurchschaubare "Gewimmel" nimmt dem Thema "Großschlachten" (war mal ein interessanter Thread) das Freizeitgemäße, es ist Stress.

Ich würde gern weitere Mitspieler finden, aber es ist mir nach dem letzten Spiel klar geworden, was ich für ein Nerd bin. Die Einstiegshürden sind einfach existent, es nicht nicht einmal die Figuren, die kann ich stellen, es sind die Regeln und die Komplexität des Themas napoleonische Kriegsführung auf Korpsebene. Das ist die zweite Erkenntnis, für mich ist das sehr ernüchternd.

cheers


*Das ist auch so, wenn das Regelwerk Black Powder heißt, nur mal so als dezenter wohlgemeinter Ratschlag nach Berlin.

« Letzte Änderung: 05. Oktober 2022 - 17:03:37 von tattergreis »
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Jens von Tabletop Generals

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Re: Vorstellung March Attack
« Antwort #4 am: 05. Oktober 2022 - 17:56:35 »

Das sieht echt gut aus. Da komme ich echt wieder in die Zwickmühle, große Gefechte spielen in kleinem Maßstab und dann Armeen und Gelände doppelt und dreifach haben, oder nicht ganz so groß spielen und dafür alles nur in 28mm haben. Verdammte Axt, wie löst man das nur.
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Parmenion

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Re: Vorstellung March Attack
« Antwort #5 am: 06. Oktober 2022 - 08:01:53 »

Danke für deine ausführliche Darstellung des Regelsystems und vor allem deinem Fazit!!
Das hilft doch ungemein, sich ggf ein Regelwerk mal näher anzuschauen oder es doch lieber zu lassen ;).

Parmenion
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tattergreis

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Re: Vorstellung March Attack
« Antwort #6 am: 06. Oktober 2022 - 10:59:39 »

Hier noch ein paar Eindrücke vom Spiel:
Begonnen wurde historisch korrekt mit der Artillerievorbereitung, allerdings wählte der preußische Oberbefehlshaber den Beschuss aus dem long range. Verblüffend dabei war für mich, wie zuverlässig große russische Batterien dabei Wirkung entfalten.

Man sieht vielleicht schon den Schadensmarker an meiner Batterie. Ich schoss auf seine Infanterie.

Wie üblich  ;D leitet der preuß. Befehlshaber (ich nenne ihn hier ab nun nur "J" )einen Flankenangriff ein, er nutzte dazu die Totenkopfhusaren und zwei Batterien reitende Artillerie die an Ruhlsdorf vorbei einen kleinenWald umfuhren, dabei allerdings einen Treffer erhielten

Das etwas exponierte Bataillon stellt 1000 ostpreußische Grenadiere dar. Ein anderes Bataillon hatte das Pech, das einzig mögliche Ziel zweier franz. Batterien gewesen zu sein, deshalb hatte es schon 4 Schadenspunkte.

Am anderen Ende des Tisches griffen die Truppen Bertrands (allerdings nur eine Division) Blankenfelde an, welches von Bayern verteidigt wurde



Nach einigen Verlusten durch Artilleriebeschuss brach der franz. General den Angriff ab.
Ich wollte als General auch einen Angriff leiten, einfach nur die preuß. Attacke bei Großbeeren abzuwehren war mir zu passiv. Wir hatten mal ein Spiel, bei dem J. seine enorme artilleristische Überlegenheit nutzte, um mich langsam meiner eigenen Artillerie zu berauben. Historisch korrekt, aber eher langweilig. Diese Erfahrung sollte die Strategie von J. in diesem Spiel beeinflussen.
Bevor er seine gesamte Artillerie nutzbringend plaziert hatte, begann der Vormarsch der Infanterie, der natürlich das Feuer der Artillerie behinderte.



Die Brigade Borstell rückte aus Klein-Beeren auf Groß-Beeren vor
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tattergreis

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Re: Vorstellung March Attack
« Antwort #7 am: 06. Oktober 2022 - 11:18:47 »

Auch die Korpskavallerie rückte in Richtung Groß-Beeren vor. Ganz vorn waren 300 Landwehrreiter, eventuell erkennbar am Kreutz auf dem Schako. Ihr heldenmutiger Angriff auf meine Infanterie verleitete mich zu einer nichtwertschätzenden Bemerkung, immerhin hatte ich die Jungs mühselig bemalt.

Auf der anderen Flanke attackierten die Totenkopfhusaren ein frisches Bataillon. Natürlich kann es einem Bataillon immer misslingen, ein Karree zu bilden, aber da der Angriff aus großer Entfernung gestartet wurde, klappte der Test.

Das Ergebnis war natürlich ziemliches Aua für die Husaren.

Der preußische Vormarsch war soweit, den Mühlenhügel mit Infanteriefeuer zu belegen. Vor der Brücke über den Lilo-Graben brachte sich die Brigade Borstell in Stellung.



Die französische Kavallerie rückte vor, um die Totenkopfhusaren und die reitende Artillerie zu bedrohen. Dies wird auf dem anderen Bild besser mit Farbkringeln markiert  :) (in diesem thread ein paar Beiträge früher)




« Letzte Änderung: 06. Oktober 2022 - 12:16:47 von tattergreis »
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tattergreis

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Re: Vorstellung March Attack
« Antwort #8 am: 06. Oktober 2022 - 11:54:12 »

Nun kam es zum Angriff der Brigade Borstell auf Groß-Beeren. Wichtig war, dass die Grenadiere dieser Brigade bereits Verluste durch das Feuer der Verteidiger erlitten hatten, bevor sie über die Brücke stürmten. Unterstützt wurden sie durch ein weiteres Bataillon.
Dies war der spannenste Moment des Abends, wenn Groß-Beeren fällt, kann die Brigade Borstell die gesamte Flanke der franz. Stellung zum Einsturz bringen.
Historisch gesehen waren die Verteidiger Sachsen. Sie forderten Unterstützung an, die sie in überraschender Form erhielten:

Gott, einmal soviel Truppen bei Fow unter Template! (ist mir sogar mal passiert, so schlimm war es nicht 8) )

Es gab erst ein Unentschieden nach Würfeln und inklusive Mali/Bonus.
Dann wurde das Melee einfach durch 2 Würfel entschieden. (war übrigens regeltechnisch falsch  :o , allerdings muss man wirklich vor einem Spiel ganz genau sagen, welches Terrain wirklich wo vorhanden ist. Ist die Brücke vor Groß-Beeren oder in Groß-Beeren, sind die Grenadiere automatisch disordered?)
Der Angriff des anderen Bataillon wurde auch abgewehrt, dieses musste ja auf jeden Fall durch Schlamm gewatet sein. Die zurückflutenden Truppen brachten fast die gesamte Brigade durcheinander (T-Marker).


An anderer Stelle hatten die Preußen mehr Erfolg, Truppen der Brigade Krafft durchbrachen die Linien der Verteidiger. Allerdings waren dies schon die Truppen des zweiten Treffens, die Tiefenstaffelung ermöglichte das schnelle Nachstoßen.

Die französische Artillerie hatte zwar erfolgreich die sie angreifende Infanterie abgewehrt und arg reduziert, war aber in ihrer Flanke bedroht und damit fast schutzlos. Deshalb fuhr sie ab (blaue Pfeile).
Zu diesem Zeitpunkt wurde es arg heikel für die Franzosen. Zwar standen auch frische Reserven zur Verfügung, allerdings war der französische Oberbefehlshaber nicht sicher, ob er ohne Artillerieunterstützung seine Position halten konnte. Er hatte zwar durchaus einen Plan zur Abwehr, allerdings war J. bereits abberufen worden, der Franzose spielte zu diesem Zeitpunkt solo.
Die Schlacht wurde zum Glück beendet, Verluste entstehen durch Infanteriefeuer doch sehr schnell. Und irgendwie empfinde ich Soloplay als schizophren, meine Sympathie ist halt immer auf meiner Seite  :o
Der Endzustand:


« Letzte Änderung: 06. Oktober 2022 - 11:56:46 von tattergreis »
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Pappenheimer

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Re: Vorstellung March Attack, Eindrücke, Spielberichte
« Antwort #9 am: 06. Oktober 2022 - 17:23:04 »

Für mich sieht das alles super aus und mir macht das richtig Spaß Deine Nachbetrachtung zu verfolgen.

Kannst Du kurz was zu den Bayern sagen? Haben diese nicht erst Anfang Oktober die Seiten gewechselt? Stehe gerade ein bisschen auf dem Schlauch.

Großbeeren ist aber auch eine sehr einseitige Schlacht - schon allein wegen der Kräfteverhältnisse. Wie werden denn die Sachsen eingestuft? Das ist ja erhellend zu wissen, um zu bewerten ob eine Verteidigung des Windmühlenhügels regeltechnisch machbar ist. Was sind denn die Siegbedingungen? Gewinnt ein nummerisch unterlegener Kontrahent, wenn er einfach eine Weile durchhält?

Wenn Großbeeren als zu anspruchsvoll empfunden wird - was ist dann erst mit Dresden?
Bietet Hagelberg bei dem Regelwerk schon ein taktisch reizvolles Szenario?
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tattergreis

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Re: Vorstellung March Attack, Eindrücke, Spielberichte
« Antwort #10 am: 06. Oktober 2022 - 19:35:18 »

Die Bayern sind die vom Befehlshaber der Preußen bemalten ehemaligen Figuren des Oberbefehlshaber der Franzosen. Stehst Du jetzt weniger auf dem Schlauch?  ;D

Für den Angriff der Preußen standen historisch gesehen 4 Brigaden/Divisionen zur Verfügung, die habe ich auch als Figuren. Da ich als "Reynier"/Oberbefehlshaber der Franzosen auch aktiv werden wollte, habe ich noch die Kämpfe um Blankenfelde ins Szenario geholt, da habe ich mich vom blog Blunders on the Danube
https://blundersonthedanube.blogspot.com/2017/03/battle-of-grossbeeren-august-23-1813.html
inspirieren lassen.
Da fehlten mir aber weitere Preußen, deshalb hat J. seine Bayern mitgebracht.

Als Franzosenspieler würde ich die Sachsen als "unzuverlässig" einstufen... ;)

Die Sachsen waren wie die anderen Franzosen auch "regular", genauso wie preußische Linie und Reserve.
Man kann Truppen bei March Attack unterschiedliche Ausbildungslevel geben, da gibt es im Regelbuch auch Listen zu, und über historische OoBs bekommt man dann den Kampfwert. Man kann also sehr gut fine tuning betreiben, aber das müsste man dann auch irgendwie an den Minis markieren. Für mich ist das zu aufwendig, bei mir haben alle Bataillone volle Soll-Stärke, damit leicht merkbare Stärkepunkte und gut ist. Franzosen hatten Kampfwert 6, Preußen Linie/Reserve 7, Grenadiere 9 (Veteranen) und Landwehr 6.
Bzgl. Verteidigung des Mühlenhügels: Meinst Du "Regeltechnisch machbar" oder Kräftemäßig aussichtsreich?
Die Verteidiger hatten keine Boni durch die Höhe des Hügels, ich glaube, von den Stärkepunkten der Infanterie sind alle drei franz. Divisionen ihren Counterparts head to head unterlegen. Von der Artilleriezahl her haben die Preußen große Vorteile, auch bei der Kavallerie. Deshalb war es von enormer Wichtigkeit, dass der Brigade Borstell das Überwinden des Lilograbens verwehrt wurde.
Wir sagten, dass nach 12 Runden die Nacht hereinbrechen würde. Dann hätten wir abschließend die Lage evaluiert.

Hagelberg ist mir nicht wirklich bekannt, dazu kann ich nix sagen.

Grossbeeren wurde nicht als zu anspruchsvoll empfunden(wie kommst Du darauf?), der Vorschlag für das Szenario kam vom Preußenspieler. Wie erwähnt haben wir bereits einmal Großbeeren mit einem anderen Regelwerk gespielt, das hat meinen Gegner meines Erachtens sogar noch zusätzlich unter Druck gesetzt, ich vermute, er wollte in dieser Schlacht nicht nur einfach gewinnen, sondern auch noch ein schönes Spielerlebnis für mich garantieren (wie gesagt war das erste mal eher langweilig).
Bei mir im Hinterkopf ist immer die Absicht, das jeweilige Gefecht zu gewinnen. Dazu später noch eine taktische Erläuterung  8)

Das Anspruchsvolle an dem Spiel war zum Einen die Neuheit der Regeln: Du weißt ganz genau, wie Honours of War  funktioniert, Dirk Tietten macht keiner so schnell etwas bei seiner Black Powder Variante vor. Sowohl ich als auch mein Partner hatten keine Ahnung, was russische schwere Batterien anrichten können. Wir hatten noch nie mit Build-up Areas (Großbeeren) gespielt, zusätzlich galten die Truppen dort als Garnison, was ihnen mal einen +3 Bonus im Melee gab.
Dann das Gelände:
Der Lilograben ist sumpfig, es ist kaum Platz, Hessen-Homburg und Krafft nebeneinander vollständig zu deployieren.Wenn man die linke Flanke der Franzosen an Ruhlsdorf vorbei attackieren will, wird das zu einem bottleneck?
Wie lange braucht die preußische Artillerie, um die französische Ari zu neutralisieren? Sollte man einfach vorstürmen und die überlegene Zahl an Soldaten nutzen, um die Franzosen zu zermürben?
Das sind alles Problematiken, die noch komplizierter werden, wenn Dein Gegenüber ein erfahrener Tabletop-Spieler ist.

Dresden ist interessant. Da müsste ich aber noch ein wenig malen...
« Letzte Änderung: 06. Oktober 2022 - 20:51:46 von tattergreis »
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Maréchal Davout

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Re: Vorstellung March Attack, Eindrücke, Spielberichte
« Antwort #11 am: 06. Oktober 2022 - 20:21:27 »

Ich fand das alles auch sehr spannend, macht einen guten Eindruck! Danke fürs Präsentieren!


 Dresden finde ich auch interessant und ich habe wohl schon die Truppen dafür zusammen 🙂
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tattergreis

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Re: Vorstellung March Attack, Eindrücke, Spielberichte
« Antwort #12 am: 06. Oktober 2022 - 20:24:42 »


Auf dem Bild habe ich mal versucht darzustellen, was meine Überlegungen und Pläne in der Endphase waren. Der gelbe Stern stellt die Krise dar, ein Bataillon dort war in Kolonnenform und konnte sich nicht neu zum durchgebrochenen Gegner ausrichten. ???  Es sicherte leider auch noch das an Großbeeren angelehnte Bataillon ab, welches mit seinem Feuer nicht unbedingt die feindliche Kavallerie vertreiben sollte, sondern in erster Linie die Aufmerksamkeit des Gegners binden sollte.
Reserven waren immerhin dorthin unterwegs.

Auf dem anderen Flügel wollte ich allein mit dem Vormarsch meiner Kavallerie in die Flanke der dort befindlichen feindlichen berittenen Batterien diese zum Abfahren zwingen. Meine Infanterie dort sollte vorrücken, ebenso die Batterie, was ich allerdings irgendwie verschleiern musste.

Meine erste Linie auf dem linken Teil des Hügels war im Feuerkampf mit den Preußen. Dieses Gefecht lief positiv für mich, der Sturmangriff der beiden preußischen Btls war abgewiesen worden. Wenn ich nun diesen Bataillonen eine Bedrohung in die Flanke stellen konnte und zusätzliche Truppen nach vorn ziehen würde, hätte dies gewiss Eindruck auf den Gegner gemacht.

Die Brigade Borstell war so durcheinander, dass sie Zeit brauchte, sich wieder zu ordnen.
Da Thümen mit seiner Brigade gar nicht in den Kampf eingreifen konnte und die allermeiste Artillerie des Gegners nutzlos war, stand es nicht schlecht für mich. Ich hatte sogar noch eine Brigade in Reserve, und eine weitere Division war auf dem Weg zu mir. Sie sollte den Szenariobedingungen nach gar nicht in die Kämpfe eingreifen, und der Gedanke an sie hat mich meine eigene Reserve vergessen lassen. Aber wenn mein Gegner noch am Tisch gewesen wäre, hätte er zumindest ein sorgenvolles Gesicht gemacht  :)
« Letzte Änderung: 06. Oktober 2022 - 20:26:20 von tattergreis »
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Sorandir

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Re: Vorstellung March Attack, Eindrücke, Spielberichte
« Antwort #13 am: 06. Oktober 2022 - 20:35:27 »

Zitat
...eventuell erkennbar am Kreutz auf dem Schako...

Der war gut  ;D ;D ROFL
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tattergreis

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Re: Vorstellung March Attack, Eindrücke, Spielberichte
« Antwort #14 am: 06. Oktober 2022 - 20:54:37 »

 ;D eijh jetzt ehrlich?

Ich schau mir die Bilder an meinem PC an, und ich weiß, dass die Kreutze da sind, deshalb sehe ich die auch.

Die Totenkopfhusaren haben übrigens auch Totenköpfe gemalt bekommen...ist ja nicht 2mm!!
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