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  • 19. Juli 2024 - 11:29:07
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Autor Thema: Machen wir das Hobby kaputt? Oder auch: Regelwerke - warum / wann wechselt ihr?  (Gelesen 8909 mal)

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felixs

  • Leinwandweber
  • **
  • BeitrĂ€ge: 104

Ich schreibe hier auch nochmal was dazu, weil ich das immer noch interessant und aktuell finde.

Ich denke, es gibt einen Zusammenhang zwischen Systemwechselei und Nicht-wirklich-spielen. Es ist eine Art Teufelskreis. Man findet keine Leute zum Spielen, die Dinge dĂŒmpeln vor sich hin, Bemalen ist zĂ€h, RegellektĂŒre mögen die meisten auch nicht. Und statt sich da durchzubeissen und wirklich zum spielen zu kommen, ist es einfacher, Geld auf das nĂ€chste Projekt zu werfen, welches neue TrĂ€ume verspricht. Es gibt sehr Ă€hnliche Diskussionen im Bereich der (Tisch-)Rollenspiele und da komme ich zu Ă€hnlichen Ergebnissen. Beim Zinnfigurenspiel kommt erschwerend dazu, dass der Bling-Faktor nochmal grĂ¶ĂŸer ist und man noch mehr kaufen und sammeln kann.

Außerdem ist meine Beobachtung schon, dass Editionswechsel eine gefĂ€hrliche Sache sind. Spiele (d.i. Spiele, die nicht von GW sind) sind ja gerade deshalb populĂ€r, weil die Spieler die Regeln mögen. Wenn eine neue Edition die verĂ€ndert, dann besteht das Risiko, dass die nicht mehr auf die bisherige Spielerschaft passen. (Außer bei GW-Spielen, da ist es egal, weil das eh niemand wegen, sondern trotz den Regeln spielt; mit wenigen Ausnahmen).

Und es ist ein großes Problem, dass sich innerhalb unseres randnischigen Hobbys so viele separate Nischen bilden. Da kommt man ja kaum noch rein. Dazu noch die Idee, dass man "normalerweise" eine Armee stellt und die Mitspieler jeweils eine andere - das ist doch ein erstklassiges Rezept fĂŒr Frustration.

Eigentlich ist das im Bereich historisches Zinnfigurenspiel gar nicht so schlimm. Man kann ja mit seinen Figuren beliebige Regelwerke spielen. Wirklich schlimm sind diese ganzen Eintagsfliegen unter den Komplettpaket-Zinnfigurenspielen. Also die Angebote mit Regelwerk plus eigener Figurenreihe plus eigener Nische, welche dann nach spĂ€testens ein paar Jahren wirklich niemand mehr aus dem Schrank holt und wo Zuwachs oft auch aus VerfĂŒgbarkeitsgrĂŒnden kaum noch möglich ist. (Im Idealfall noch als einmaliges Angebot nur per Kickstarter...).

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Das Bauen, was man wirklich machen will. Und davon so viel bauen, dass man alles aufstellen kann, was man spielen möchte. Regeln vernĂŒnftig lernen, solo spielen. Und mit ein wenig GlĂŒck mal jemanden finden, der mitmachen möchte.
Oder halt akzeptieren, dass man eigentlich gar nicht spielen möchte, sondern lieber ĂŒber Zinnfiguren, Regelwerke und Basteltechniken diskutiert und vielleicht gern Fotos und Kommentare dazu teilt.

Klang vielleicht bissiger als es gemeint ist. GrundsĂ€tzlich meine ich, dass es dem GlĂŒcklichsein zutrĂ€glich ist, ehrlich zu sich selbst und zu anderen zu sein. Und - gerade bei unserem Hobby - hilft eine realistische EinschĂ€tzung der Möglichkeiten auch.

Zur anderen Ausgangfrage: Sinnvoll finde ich einen Regelwerkswechsel immer dann, wenn das derzeitig genutzte Regelwerk SchwĂ€chen/Fehler hat, welche ein anderes Regelwerk vermutlich (subjektiv) besser kann. Wenn man ein Regelwerk tatsĂ€chlich spielt, dann reichen meist Szenarien, kleinere Variationen in den Regeln fĂŒr GelĂ€nde oder Wetter etc., um wieder frischen Wind in die Sache zu bringen.

Nicht ganz selten hĂ€ngt das ja auch alles an den Mitspielern. Ich kenne Leute, mit denen macht mir fast jedes Spiel spaß, solange es nicht total gurkig ist. Und ich kenne Leute, bei denen das nicht so ist. FĂŒr mich ist der effektivste Weg, wieder Spaß an einem Spiel zu finden, es mit jemandem zu spielen, dessen Spielstil zu meinem passt.
« Letzte Änderung: 28. Januar 2024 - 14:27:31 von felixs »
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Spiele (und habe Material fĂŒr) DBA, Alien Squad Leader, Hordes of the Things.
Spiele vieles anderes gern mit (Raum Ruhrgebiet, bochumer Umland)