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Autor Thema: Wiesen und Felder in der FNZ  (Gelesen 2392 mal)

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Pappenheimer

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    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
Wiesen und Felder in der FNZ
« am: 20. April 2016 - 16:44:09 »

Zitat von: \'Riothamus
Der Exerzierplatz wird eben in der Schlacht nicht eingehalten. Es war ja auch oft real so, dass sich Plackerfeuer einstellte.

Bei Basegestaltungen fĂŒr das 18. Jh. muss ich immer an die Darstellung der Grenadier-Garde bei Hohenfriedberg von Röchling mit den Pusteblumen im Gras denken. Das kann nicht viel höher als Deines gewesen sein.

Es ist ja auch ein Problem: Stellt man die Basen interessanter dar, z.B. eine Chaussee (wie Windrow es vorschlĂ€gt), oder ein kleines Rinnsaal, um das das Regiment angetreten ist, passt es im Laufe des Spiels nicht mehr zur Unterlage und die Arbeit war zum Teil umsonst. Ob die Arbeit fĂŒr die Vitrine lohnt? Man mĂŒsste ja das Diorama sozusagen zerstĂŒckeln. Ein unbefestigter Weg ginge vielleicht eher? Kleinere HeideflĂ€chen oder Äcker sind auch spezifisch. Aber GrasflĂ€chen waren von West- bis Osteuropa verbreitet.

Und gleichmĂ€ĂŸig gemĂ€hte Wiesen oder Weiden, bei denen man immerhin mit unterschiedlichen GraslĂ€ngen und Blumen arbeiten könnte, waren verbreitet. Zudem passen gemĂ€hte Wiesen in MĂ€rz, Juni und August, je nach Wetter um einige Wochen verschoben. Und Weiden gehen sowieso das ganze Jahr ĂŒber. Kornfelder hingegen werden reif und sollten meist bis Mitte Juli geerntet sein. Und Gras ist, wenn kein Schnee liegt auch im Winter noch grĂŒn. Zwar nicht von derselben Farbe, wie in der warmen Jahreszeit, dennoch wirkte es nicht deplaziert.  

Wo gibt es schon FlĂ€chen mit geringer Vegetation? Einige Stellen im Gebirge. Die einzige richtige WĂŒste Mitteleuropas befand sich in Brandenburg: Ein SandhĂŒgel, bei dem das Wasser so gut abgeleitet wurde, dass er nicht bewachsen war. Aber wurde da jemals gekĂ€mpft? Es gibt Pflanzen, die selbst um Salzquellen wachsen.

Wie gesagt, mir fĂ€llt da nur eine Wiese ein, die noch nicht gemĂ€ht ist. Oder bei einem Regiment mal Laub aufstreuen, wie Vodnik vorschlĂ€gt.    

Wie man sieht, mache ich mir da gerade selbst Gedanken.
Da ziemlich viel Sinnvolles schon in meinem 1744/45-Thread geschrieben wurde, will ich lieber einen eigenen aufmachen.

Ich selber bin bekanntlich Base-Minimalist. Es gibt wohl auch Leute, die ihre Figuren einfach auf ein StĂŒck Pappe oder sowas kleben und das Ganze grĂŒn anmalen. Soweit wĂŒrde ich jetzt nicht gehen, aber mir reicht meine Basegestaltung mit NOCH-Rasen, insbesondere wenn dieser nicht abbröselt.  :cursing:

Zitat von: \'Pappenheimer
@ Don
...

Zu den Bases:
Unser Hauptproblem ist, dass dieses Gras immer runterfĂ€llt. Ich schmiere da mittlerweile massig Kleister drauf und es hĂ€lt dennoch suboptimal.  :cursing:
Mit den meisten Bases hier im Forum und auch denen von BlĂŒchi werde ich irgendwie nicht warm. Die sehen mir eher nach Geröllhalden aus, als nach mitteleuropĂ€ischer Kulturlandschaft des 18.Jh.. Wenn die Kieselchen so groß wie ein Fuß sind, latschen die MĂ€nner offensichtlich ĂŒber nicht landwirtschaftlich genutztes Land und davon gab es im 18.Jh. verflixt wenig. Selbst das Oderbruch wurde schon unter FW I. begonnen am Fuße des Barnim trocken zu legen. Entsprechend wurden Findlinge und dergleichen beiseite gerĂ€umt und in den Bau der Kirchen der Kolonistendörfer eingesetzt.
Die Alternative ist bei vielen Bases so eine Art Sandstrand mit Grasnarben. Wenn ich mir die authentisch bewirtschafteten FlÀchen in Freilandmuseen anschauen, sind da drei Situationen das Normale:
1. Wiesen
Wiesen wurde extrem zurĂŒckhaltend bewirtschaftet. Die meisten FlĂ€chen waren Gemeindewiesen bis die Allmenden in der 2. HĂ€lfte des Jh. aufgehoben wurden. Damit diese nicht heruntergewirtschaftet wurden, wurde der Auftrieb des Viehs der Gemeindsleute akribisch ĂŒberwacht. Schon die Dorfordnungen des 16.Jh. bezeugen dies.
Rasen von NOCH gibt ungefĂ€hr den Zustand nach einer halbwegs gemĂ€hten Wiese wider. Heu musste ja auch fĂŒr den Winter oder die herrschaftlichen Stallungen, deren Pferde man evtl. nicht so sehr weiden lassen konnte, gemacht werden.
2. Acker
Felder, die gerade brach liegen (3-Felderwirtschaft), bzw. je nach Jahreszeit entweder keine Frucht mehr oder noch keine Frucht tragen.
3. Bestelltes Feld
Dass das Getreide hoch steht ist nur ein recht kurzer Moment im Jahr - auf das gesamte Jahr gerechnet. Damit man was von den Minis noch sieht, wĂ€re wohl niedergetrampeltes Feld das Übliche, was man sehen wĂŒrde.

WĂ€lder wurden in den 1740ern als Schlachtfeld noch gemieden wie der Teufel das Weihwasser. NatĂŒrlich ließen sie sich nicht in jedem Fall umgehen, bspw. bei Hohenfriedberg als die Preußen nach der Vernichtung der Sachsen zwischen Eisdorf und GĂŒntersdorf den Österreichern in die Flanke fielen. Bei Fontenoy hingegen zeigt sich deutlich, dass die Briten/Hannoveraner lieber dicht gedrĂ€ngt das Risiko eingingen ihre FeuerĂŒberlegenheit ungenutzt zu lassen, statt ihre Linien durch ein Vorgehen durch den Wald bei der Redoute d\'Eu in Unordnung zu bringen.
Überhaupt gab es bekanntlich im 18.Jh. deutlich weniger Wald als im 21.Jh. in Mitteleuropa. Holz war ein begehrtes wertvolles Gut, selbst in typischen heutigen Waldregionen. Selbst der ThĂŒringer Wald war auf Import von Holz angewiesen. Reiche ReichsstĂ€dte hatten ihre Achillesverse bei der Unterversorgung mit Holz als Baumaterial und fĂŒr die Industrie.

Daher das Gras als eine Option. Wenn ich mal ganz viel Zeit habe, gehe ich vielleicht an niedergetretenes Feld.

Ich war am Wochenende auf einer LH-Veranstaltung (\"Landleben 1616\") und habe mir recht gut die Vegetation eingeprĂ€gt. Es hat teilweise sintflutartig geregnet, aber selbst auf der winzigen Weide von unserem Hengst, den Freunde dabei hatten, war die Grasdecke noch komplett erhalten, bzw. die Vertiefungen, wo das Pferd bspw. zum Verlassen der Koppel am hĂ€ufigsten lang lief, so gering, dass sie maßstĂ€blich in 1/72 kaum widerzugeben sind. An Blumen gab es ein paar GĂ€nseblĂŒmchen, teilweise in grĂ¶ĂŸeren Gruppen. Herumwatschelnde GĂ€nse, die sich von einem im Stil des 17./18.Jh. errichteten Zaun wenig imponieren lassen, scheinen die einzigen Viecher zu sein, die normal da rum rennen. Die RasenflĂ€chen werden als Futter fĂŒr die Rinder des Freilandmuseums wahrscheinlich modern und nur seltener historisch gemĂ€ht.


Das Thema Vegetation in einer Kulturlandschaft - also wohl der Großteil Mitteleuropas in der FrĂŒhen Neuzeit - ist etwas vertrackt.

Denn was fĂŒr die erste HĂ€lfte des 18.Jh. gilt, hat dank extremer Innovationen in der 2. HĂ€lfte des Jahrhunderts keine Bedeutung mehr!
 
Das Extrem ist das Aufkommen der Stallhaltung in bestimmten Regionen Deutschlands. Das Viehfutter wurde oftmals auf den Getreidefeldern (!) gewonnen indem Klee zwischendrin eingestreut wurde. Der massive Einsatz von Gips - man denke an Gipsapostel Meyer! - machte die Felder deutlich ertragreicher ab der Jahrhundertmitte.

Aber es ist nicht nur der Gips und die Aufhebung der Gemeindewiesen: auch die grĂ¶ĂŸere Effizienz von Pferden im Feldbau wurde erkannt (auch wenn noch bis ins 20.Jh. Ochsen als Zugtiere nicht ganz ausgedient hatten - alte Fotos mit Ochsengespannen aus den 1930ern belegen dies).
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Dunlaender

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Wiesen und Felder in der FNZ
« Antwort #1 am: 20. Oktober 2016 - 09:52:34 »

Habe auch sehr lange mit dem Streugras und Leim gearbeitet. War aber nie richtig zufrieden (Bröckeln, Bröseln und unmengen an Leimverbrauch) :crying_1: ..

Bin jetzt auf das Sortiment von Mininatur gestoßen
http://www.mininatur.de/shop_onlineshop.php
Da die Firma aus dem Modelleisenbahnbereich kommt passen die MaßstĂ€be natĂŒrlich nicht 100%, aber m.E ist das bei Gras und BĂ€umen und Co auch egal wenn man das in den richtigen Kontext setzt. Es gibt halt langes und kurzes Gras genauso wie große und kleine BĂ€ume ....
Gerade im Bereich Bodenbwuchs stellen die viele Fertige Grasmatten (Als BĂŒschel oder als Matte verwendbar) her die echt cool aussehn.
Bei dem Dragonerregiment das ich in die Galerie gestellt habe siehst Du den Unterschied ganz gut (Alte Version = Streurasen bei den Grenadieren / Der folgende StandartentrĂ€ger mit GrasbĂŒscheln von \"mininatur\")
Ausserdem möchte ich mich bei den Bases auch nicht verkĂŒnsteln ;) ..soll aber gut aussehen! ?( ... Also Fertigprodukte :D
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