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Autor Thema: [Review] A Song of Ice an Fire Tabletop  (Gelesen 392 mal)

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Decebalus

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[Review] A Song of Ice an Fire Tabletop
« am: 19. Dezember 2018 - 15:05:53 »

A Song of Ice and Fire Tabletop

Ende des Sommers endete der Kickstarter des Tabletops zur Welt von Game of Thrones. Hersteller ist CMON, Spieldesigner sind Eric M. Lang und Michael Shinall. Das Tabletop beruht auf den Büchern, nicht auf den Filmen. Ich habe den Kickstarter mitgemacht, mein Kumpel Old Nosey hat inzwischen auch zugeschlagen, so dass wir inzwischen etwa zehn Spiele hinter uns haben. An Einheiten haben wir gemeinsam wohl so alles, was es gibt. Daher haben wir die „normale“ Kombination Starks gegen Lannister, aber auch Lannister gegen Bolton und ebenfalls mit der neuesten Armeebox „Night Watch“ gegen Lannister gespielt. Eine kleine Rezension ist also möglich.

Zu den Figuren schreibe ich hier nichts, da finden sich Bilder im Netz. Aus unseren Reihen haben Frank Bauer und Frank Becker ja schon gezeigt, was man aus den Figuren rausholen kann. Die Meinungen zur Optik sind geteilt, die Figurengröße ist etwa 32mm. Gespielt wird mit Einzelfiguren auf beiliegenden Movement Trays.

Los gehts:
Das Tabletop ASOIF beruht auf drei ineinander verzahnten Spielelementen: 1. Tabletop, 2. Strategy board, 3. Taktik-Karten.

1.   Tabletop
Im Kern ist ASOIF erst einmal ein Tabletop, dass man vielleicht als Warhammer Light bezeichnen könnte. Man hat Einheiten, die fest definiert sind. Infanterie-Einheiten bestehen immer aus 12 Modellen, Kavallerie-Einheiten immer aus 4 Modellen mit je 3 Wunden (also letztlich auch 12 Lebenspunkten). Einheiten können nicht variiert werden, allerdings EINEN Charakter bekommen, der die Werte oder Fähigkeiten der Einheit beeinflusst. Mein Lieblingscharakter, der Lannister Guard Captain, kann etwa einen seiner Männer töten, um einen Moraltest automatisch zu bestehen. Rob Stark bringt z.B. automatisch seinen Wolf mit, der dann eine weitere Einheit bildet.



Jede Einheit hat eine Einheiten-Karte, auf der alle Werte stehen. Gezogen wird abwechselnd. Jede Einheit hat nur eine Aktivierung pro Runde. Bewegung ist eher gering, kann aber durch Marsch-Bewegung oder Zusatzbewegungen doch ganz gut sein. Schussreichweiten sind ziemlich gering, was spieltechnisch jedoch Sinn macht. Im Kampf greift nur der aktive Spieler an. Er hat einen to-Hit-Wurf, der abhängig von der Zahl der Ränge der Einheit ist. Der Gegner hat einen Defence-Wurf – quasi einen Save, abhängig von seiner Rüstung. Wenn der Verteidiger einen Verlust erleidet, muss er einen Moral-Test machen, der bei Mißlingen zusätzliche Modelle tötet. Außerdem gibt es drei verschiedene, sogenannte Condition Token, die Einheiten bekommen und mit denen der Gegner einen Reroll auf den To-hit, Defence oder Panic-Roll erzwingen kann.

2.   Strategy Board



Zusätzlich hat jeder Spieler sogenannte NCUs (Non Combat Units), das sind die berühmten Charaktere, die nicht selbst kämpfen, also z.B. Cersei oder Kathlyn Stark. Auch einige Kampf-Charaktere haben noch eine weitere Fassung, in der sie von außerhalb ihre Armee leiten, z.B. Eddard Stark. Als Aktivierung kann man nun diese Charaktere auf das Strategy Board setzen. Auf diesem sind fünf Felder, die zusätzliche Ereignisse herbeiführen. Das kann z.B. einen Bewegung sein, die damit keine Aktvierung der Einheit ist – diese kann sich also nochmal bewegen. Außerdem haben diese NCUs noch zusätzliche Eigenschaften, die auch in das Spiel eingreifen. Ein (fast schon klassisches) Beispiel: Cersei. Cersei hat die Eigenschaft, dass man, wenn man sie aktiviert, eine gegnerische Einheit benennen kann, die dann Moral 2 schlechter hat. Stellt man Cersei jetzt auf dem Strategy Board auf den Thron so bedeutet das, dass eine Einheit einen Panik-Test um 2 schlechter machen muss. Im Ergebnis testet eine Einheit also sofort auf minus 3. So habe ich z.B. in einem Spiel direkt meine Stark Bogenschützen verloren. Zweimal schlecht gewürfelter Paniktest und 12 Modelle sind weg. Das kann man jetzt durchaus contern, z.B. in dem man das Feld auf dem Strategy Board selbst vorher besetzt, aber dann kann man halt seine anderen Schweinereien nicht machen.

3.   Tactic Cards
Jeder Spieler hat auĂźerdem einen Stapel von 20 Taktik Karten. Diesen bestehen aus 2*7 Taktik Karten der eigenen Partei (also bisher Stark, Lannister, Neutral, Nights Watch) plus 2*3 Karten des Kommandeurs. Eine Stark-Armee unter Eddard Stark hat also ein etwas anderes Deck als eine Stark-Armee unter Rob Stark. Diese Karten kann man unter bestimmten Bedingungen spielen und sie unterstĂĽtzen jeweils einen ganz bestimmten Spielstil. So ist z.B. die Stark-Armee sowieso einen eher kampforientierte Armee, nimmt man den berittenen Brynden Tully als Kommandanten, dann hat man Karten die eine hochbewegliche Kavallerie-Armee erzeugen, mit der man den Gegner ausflanken kann.

Eine Armee aufzubauen ist sehr einfach, da man nur wenige Variablen hat und (im Unterschied etwa zu Warhammer) Einheiten eben nicht unendlich variieren kann. So geht es so: Man nimmt sich ein paar Einheiten, packt ein paar Charaktere ´rein, wählt einen passenden Kommandanten (der umsonst ist) und schließlich noch mindestens 2 NCUs. Für 40 Pkte. hat man dann etwa 4-5 Einheiten mit einem teuren und vielleicht 2-3 billigen Charakteren und 2 NCUs.

Wie spielt es sich?
Ein Spiel dauert trotz der geringen Anzahl an Truppen etwa 3 Stunden. Auffallend ist dabei, dass das Bewegen der Truppen auf dem Tisch nur einer von vielen anderen Aspekten ist. Tatsächlich steht man etwas (wie bei einem Euro-Game) vor dem Problem, jedesmal wenn man am Zug ist, gerne tausend Dinge tun zu wollen, aber nur eins machen zu können. Aktiviert man einen NCU, um eine Einheit aufzufüllen, oder versucht einen Angriff, solange man das noch kann, oder spielt jetzt endlich die Karte, die den Gegner überraschen wird. Insgesamt sind die Regeln sehr überschaubar, es wird also selten kompliziert und man muss wenig nachschauen. Jede Armee hat einen ganz eigenen Charakter: Die Starks sind am kampfstärksten, die Lannister können die meisten Schweinereien mit NCUs machen, die Boltons (=neutral) vergeben dauernd Panic-Token, die Nights Watch hat sonderbare Spezialregeln (=Oath), die Einheiten langfristig aufwerten.

Zu den Szenarien: Im Regelbuch gibt es 5 Szenarien, die teilweise problematisch sind. Szenario 1 ist sicher das Standard-Szenario. Man hat 5 Objectives, die neben den zerstörten Gegnern Punkte geben. M.E. krankt dieses Szenario daran, dass 1. Es zuviele Objectives gibt, womit fast alle Einheiten fest liegen, um ein Objective zu verteidigen. 2. Die Objectives zu entscheidend sind und da Einheiten nicht flüchten, meine Einheit selbst wenn ich weiß, dass sie vernichtet werden wird, vorher zuviele Siegpunkte einsammelt. Ich würde hier empfehlen, nur soviele Objectives zu nehmen, wie ein Spieler Punkte durch 10 hat. Also bei 40 Pkten. Nur 4 Objectives. Szenario 2 bringt Verstärkungen auf den Tisch. Fanden wir irgendwie nicht so gut. Szenario 3 ist ein belagerungs-Szenario, haben wir nch nicht gespielt. Szenario 4 war unser Favorit. Es geht nur darum Einheiten zu töten, die aber unterschiedlich viele Punkte bringen, je nachdem wie sie mit Leichenbergen auf dem Schlachtfeld umgehen. Szenario 5 gibt jede Runde neue Siegbedingungen und bringt absolute Beliebigkeit ins Spiel. Mal habe ich eine Bedingung, die nicht zu erfüllen ist. Mal hat mein Gegner eine Bedingung, die er sowieso schon erfüllt hat.

Fazit:
ASOIF macht SpaĂź. Es gibt die richtige Mischung aus simplem Wargame und Brettspiel, Armeeaufbau und Regeln sind einfach, GlĂĽck und taktisches Geschick halten sich gut die Waage. Als Spiel finde ich ASOIF sehr empfehlenswert.

Aber: Wie es eine Youtube-Rezension treffend bemerkte, ist ASOIF ein „Hybrid“ von Table Top und Brettspiel. Das hat auch Vorteile. Aber es hat auch ein zentrales Ergebnis. Zwei wichtige Aspekte des Table Tops sind völlig unterbelichtet. 1. Der Rollenspiel-Aspekt. Normalerweise stört mich bei anderen Tabletop-Regeln, wenn etwas nicht realistisch oder nicht vorstellbar ist. Bei ASOIF dagegen, sehe ich das als ein reines Brettspiel. Das sind halt Spielregeln, ob die etwas passend abbilden, ist mir egal. Ich finde es schön, dass die NCUs Regeln haben, die zur Figur passen. So wird das intrigante von Cersei eben darüber abgebildet, dass sie die Moral eines Gegners schwächt. Aber wenn meine Bogenschützen wegrennen, weil mein Gegner Cersei aktiviert, dann habe ich nicht das Gefühl, hier passiert irgendwas, was ich mir vorstelle. Nein, das sind einfach Regeln. 2. Ästhetik. Tabletop will gut aussehen, will modellhaft ein Schlachtfeld abbilden. ASOIF ist das eigentlich egal. Dauernd legt man irgendwelche Karten oder Counter auf das Spielfeld. Nur ein Beispiel: Bei Szenario 1 muss man Karten neben die Objectives legen, die deren Besonderheit beschreiben. Ein „schönes“ Tabletop hätte wohl eher den Objectives Nummern gegeben, um die Karten neben den Tisch zu legen. Tatsächlich habe ich hier auch das erstemal gedacht, dass man doch auch schön auf einer Spielmatte (Mousepad-Material) spielen könnte. Und auch bei den Figuren, die ja schon für jede Fraktion in anderer Farbe kommen, fehlt mir fast die Motivation zum anmalen. Selbstverständlich kann man die Figuren und das Spielfeld auch „schön“ machen. Aber das ist auf jeden Fall völlig nebensächlich vom Spiel aus. Ich will ja auch nicht meine Risiko-Figuren anmalen.

Wer also Lust auf eine gelungene Mischung aus Brettspiel und Table Top in der Games of Thrones Welt hat, ist hier gut bedient. Wer ein klassisches Tabletop sucht, wird hier eher nicht fĂĽndig.
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Frank Bauer

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Re: [Review] A Song of Ice an Fire Tabletop
« Antwort #1 am: 20. Dezember 2018 - 14:29:25 »

Hallo Frank,
das hast du sehr treffend und ausfĂĽhrlich zusammengefasst. Ist ein ganz interessantes Spiel und definitiv ein Brettspiel/Tabetop-Hybrid.
Deine Vorbehalte zum System und den Folgen fĂĽr die Optik teile ich.
Die Anzahl Marker und Karten auf dem Tisch lässt sich zwar mit etwas Disziplin verringern, aber es liegen immer störende Elemente herum. Und auch die Optik dieser Einheiten-Movement-Trays ist ja nicht die Krone der Ästethik, egal, wie man sie gestaltet.

Wie das Ganze bemalt aussehen kann, seht ihr hier: https://sweetwater-forum.net/index.php/topic,23280.0.html

und hier: https://tabletopdeutschland.com/2018/09/25/a-song-of-ice-and-fire-tabletop-lannister-teil-2/
« Letzte Ă„nderung: 20. Dezember 2018 - 14:32:52 von Frank Bauer »
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Besucht die Hamburger Tactica!

http://www.hamburger-tactica.de:thumbup:

Frank Becker

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Re: [Review] A Song of Ice an Fire Tabletop
« Antwort #2 am: 24. Dezember 2018 - 09:37:44 »

Eine sehr schöne Besprechung des Spiels. Du hast völlig recht mit deinem Fazit, das Spiel ist eine gelungene Mischung aus Brettspiel und TableTop. Mein Kaufimpuls wurde durch die schönen Figuren ausgelöst, aber auch das Spielsystem gefällt mir mittlerweile sehr gut. Also auch von mir eine klare Kaufempfehlung.