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Endlich wieder da!

Autor Thema: Go West! at the Movies  (Gelesen 5853 mal)

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Pappenheimer

  • Edelmann
  • ****
  • Beitr├Ąge: 4.669
    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
Enzo Barboni macht Western
« Antwort #45 am: 21. Juni 2022 - 13:24:39 »

Mir ist aufgefallen, dass ich hier noch nie ├╝ber die Western von Enzo Barboni geschrieben habe. Fast jeder aus meiner Generation wird die Filme irgendwann gesehen haben, ich meine hier seine Regiearbeiten mit Bud Spencer und Terence Hill, welche den Bruch vom ernsthaften zum Klamaukwestern darstellen. Dabei sei gesagt, dass die Filme bei genauerem Hinsehen doch nicht solche Meilensteine sind, weil es schon z.B. 1967 "Blaue Bohnen f├╝r ein Halleluja" (Little Rita nel West) gab. Dennoch finde ich beide Filme in ihrer Parodie des Italowesterns ganz interessant.

"Die rechte und die linke Hand des Teufels" (Lo chiamavano Trinità)
I 1970
Regie: Enzo Barboni
Darsteller: Bud Spencer, Terence Hill, Farley Granger, Steffen Zacharias, Dan Sturkie, Gisela Hahn

Handlung: Der m├╝de Joe rettet in einem heruntergekommenen Saloon einen angeschossenen Mexikaner aus den F├Ąngen von zwei Kopfgeldj├Ągern und bringt ihn in ein Kaff. Dort stellt Joe ├╝berrascht fest, dass sein Bruder, genannt "der Kleine", den Posten des Sheriffs ├╝bernommen hat. Der Kleine gibt sich f├╝r den eigentlichen Amtstr├Ąger aus, den er unterwegs niedergeschossen und dessen Identit├Ąt ├╝bernommen hat. W├Ąhrend der Kleine jedem Konflikt in der Stadt aus dem Weg geht und sein Leben genie├čt, sucht der m├╝de Joe Streit mit den Leuten von Major Harriman, welcher die Stadt tyrannisiert. Der Kleine versucht daher seinen Bruder loszuwerden um ungest├Ârt seinen Pferderaub durchf├╝hren zu k├Ânnen, den er plant. Doch freundet sich Joe mit den unweit der Stadt lebenden friedlichen Mormonen an, welche von einer mexikanischen R├Ąuberbande drangsaliert werden. Schlie├člich schafft es Joe doch seinen Bruder in den Konflikt hinein zu ziehen indem er ihn mit dem Diebstahl der Pferde des Majors locken kann. Die Bande des Majors wird abgewehrt, doch die beiden m├╝ssen fliehen, als der rechtm├Ą├čige Sheriff anr├╝ckt. Joe hat seinen Bruder hintergangen indem er zu guter Letzt den Siedlern die Pferde zugeschanzt hat.

Der Film vollzieht in sich selbst den ├ťbergang vom bleihaltigen Italowestern zum harmlosen Spa├čwestern. Sobald die Mormonen auftreten werden keine Leute mehr erschossen, auch wenn "der Kleine" mit dieser Vorgehensweise ohne Waffen nichts anfangen kann. Rein ├Ąu├čerlich sieht Terence Hill vom Kost├╝m her noch ganz ├Ąhnlich heruntergekommen aus wie man ihn aus seinen blutigen Westernfilmen kennt, als er beispielsweise als Franco-Nero-Nachfolger in die Rolle des Django (Django und die Bande der Gehenkten) schl├╝pfte oder auch in der Colizzi-Triologie seine Widersacher dutzendweise niederschoss. Der Anfang ist auch recht spannend gemacht und gut gefilmt. Doch m.E. flacht der Film zum Ende hin ab und vermag auch keine sinnvolle Balance aus Witz, Spannung und Action zu erhalten. Er war aber auch einer der ersten Regiearbeiten von Kameramann Enzo Barboni, der auch am Drehbuch mitwirkte. Insgesamt scheint man erst dabei gewesen zu sein die sp├Ąter typische Bud Spencer-Terence Hill Mischung auszuloten.
Die Story ist immerhin m.E. noch recht interessant und wendungsreich und daher ist der Film mit den zahlreichen Billigprodukten der Schwemme an Italowesternkom├Âdien dann doch nicht in einen Topf zu werfen, wenn auch manches wie die Sheriff-Sterne irgendwie arg billig daher kommt.
Das Titellied ist allerdings ein brutal sich einpflanzender Ohrwurm.

Darsteller: ***
Bilder ***
Story ****
Sound *****

Nach dem enormen Erfolg von "Die rechte und die linke Hand des Teufels" v.a. auch in Italien folgte diese Fortsetzung:

"Vier F├Ąuste f├╝r ein Halleluja" (ÔÇŽcontinuavano a chiamarlo Trinit├á)
I 1971
Regie: Enzo Barboni
Darsteller: Terence Hill, Bud Spencer, Yanti Sommer, Pipo De Luca

Handlung: Nachdem sich Joe und "der Kleine" im Streit getrennt haben, treffen beide bei ihren Eltern ein. Der versoffene Vater und die ebenfalls ruppige Mutter fordern den Kleinen auf seinen j├╝ngeren Bruder ins Gesch├Ąft also in den Diebstahl und Raub einzuf├╝hren. Das gelingt auch indem sie den Kleinen reinlegen. Doch alle Versuche des Kleinen nun Joe auf die schiefe Bahn zu bringen misslingen kl├Ąglich. Statt Pferde zu stehlen helfen sie immer wieder einer Siedlerfamilie. Statt eine Postkutsche zu ├╝berfallen, raubt der als Postkutschenr├Ąuber auftretende Joe nur seinen eigenen Bruder aus. In einer Stadt geben sich beide f├╝r Regierungsbeamte aus und erwecken dadurch das Misstrauen von Mr. Parker, dem alle Halsabschneider bis zu den Sheriffs in der Gegend zuarbeiten. Es gelingt Mr. Parker nicht die beiden zu kaufen. Joe vermag es schlie├člich doch die Achtung des Kleinen zu gewinnen indem er ein geheimes Geldversteck einer mexikanischen Bande entdeckt, welche in einem Kloster das Geld f├╝r Waffen hinterlegt, welche ihnen dort von Mr. Parker zur Verf├╝gung gestellt werden. Am Ende entbrennt ein Kampf um den Zaster - doch die beiden Schlitzohren ahnen nicht, dass der Prior des Klosters unterdessen die Gesetzesh├╝ter gerufen hat.

Interessanterweise steht in den Filmtiteln beider Filme nur Trinit├á (Trinity) - also der m├╝de Joe. Wahrscheinlich war Terence Hill einfach damals noch der viel ber├╝hmtere Name. Im ersten Film der Colizzi-Triologie hat auch Terence Hill eindeutig die herausragende Hauptrolle gehabt, w├Ąhrend Bud Spencer in den Italowestern der 1960er immer wieder lediglich kleinere Nebenrollen und bisweilen sogar kaum Sprechanteile hatte.
Dieser Film schafft die richtige Mischung aus Gags und Schl├Ągereien und unterh├Ąlt zumindest mich noch heute und nachdem ich ihn bestimmt schon dutzende Male gesehen habe. Die Handlung ist ziemlich wendungsreich und w├Ąre wahrscheinlich auch als ernsthafter Western irgendwie durchgegangen. Anders als "Ben & Charlie" sind die vielen Episoden doch irgendwie miteinander verwoben, was man am Ende auch sieht, als die Ganoven vom Anfang mit der Bohnensuppe in Parkers Bande wieder auftauchen.
Anders als Colizzi vertraute Barboni komplett auf die Qualit├Ąt seines Duos Spencer und Hill statt etwa andere Italowesterngr├Â├čen wie Klaus Kinski oder Frank Wolff als Backup auftreten zu lassen. Wie in zahlreichen sp├Ąteren Filmen liefern die Br├╝der Angelis den Soundtrack, der auch kaum an Western erinnert.
Obwohl sich der Film direkt an den vorigen anschlie├čen soll, gibt es mindestens in der Deutschen Synchronfassung einen inhaltlichen Lapsus, da es im ersten Film so scheint, als ob die Mutter noch als Hure irgendwo arbeitet, w├Ąhrend sie hier mit dem Vater (der kaum ├Ąlter als die S├Âhne aussieht) zusammen wohnt.

Darsteller: ***
Bilder ****
Story ****
Sound ****
« Letzte ├änderung: 21. Juni 2022 - 13:55:59 von Pappenheimer »
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