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Autor Thema: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu  (Gelesen 7258 mal)

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Pappenheimer

  • Edelmann
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Captain Lightfoot
« Antwort #105 am: 05. Juni 2020 - 11:47:31 »

Endlich geht's hier mal weiter - auch wenn ich zweifle, dass jemand sehns├╝chtig drauf gewartet hat.  ;D

"Captain Lightfoot"
USA 1955
Regie: Douglas Sirk
Darsteller: Rock Hudson, Barbara Rush, Jeff Morrow, Kathleen Ryan

Handlung: Der junge Stra├čenr├Ąuber Michael Martin ├╝berf├Ąllt Anfang des 19. Jh. zusammen mit einem Freund die Postkutschen und liefert das Geld an die Untergrundorganisation [wohl die United Irishmen]. Als er aber von einem Opfer erkannt wird, machen die Dragoner Jagd auf ihn und er muss nach Dublin fliehen. Unterwegs wird er von Captain Thunderbolt unter die Fittiche genommen, der ihn als Captain Lightfoot zu seinem Stellvertreter macht. Das Leben in der Dubliner Upper Class w├Ąhrt nicht lange, denn Thunderbolt wird gefasst und beim Versuch ihn zu befreien ger├Ąt Lightfoot in die F├Ąnge von Captain Hood, der ihn nach Barrymore ├╝berstellt, wo er seinem Opfer von damals gegen├╝berstellt werden soll. Denn die Beh├Ârden hoffen durch ihn die Untergrundorganisation in der Provinz auffliegen zu lassen. Doch eine Chance hat Lightfoot noch, seine Verlobte, Thunderbolts Tochter, welche die Untergrundk├Ąmpfer zur Befreiung des Gefangenen aufrufen will.

Der Film ist rein ├Ąu├čerlich ganz klar ein Produkt seiner Zeit. Die Handlung soll wohl 1815 spielen, aber die Damen erinnern eher an "Vom Winder verweht" oder sonstwas im Amerikanischen B├╝rgerkrieg. Auch ansonsten ist das Kost├╝mbild nicht so besonders, mit Ausnahme der echt cool daher kommenden Dragoner.
Ansonsten macht der Film aber wirklich Spa├č, denn er hat alles was ein solcher Klassiker braucht. Duelle, Verfolgungsjagden, Schie├čereien, eine Prise Humor, sch├Âne Frauen und sogar teilweise wundersch├Ân gefilmte Landschaftsaufnahmen, welche eindeutig nach Irland geh├Âren. Die Schauspieler sind auch durch die Bank weg ausgezeichnet. Rock Hudson ist eine Idealbesetzung f├╝r den streckenweise arg naiven Helden.

Darsteller ****
Bilder ****
Story ****
Fechtszenen (nicht vorhanden, nur Schie├čereien, die aber ****)
« Letzte ├änderung: 05. Juli 2020 - 01:45:00 von Pappenheimer »
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Rednaxela

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Re: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu
« Antwort #106 am: 02. Juli 2020 - 22:39:31 »

ich weiss nicht ob ich es ├╝bersehen hab.

Die drei Musketiere 1948 mit Gene Kelly und Lana Turner.

Sch├Ân bunt und klasse Schauspieler


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Pappenheimer

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Re: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu
« Antwort #107 am: 03. Juli 2020 - 10:04:40 »

ich weiss nicht ob ich es ├╝bersehen hab.

Die drei Musketiere 1948 mit Gene Kelly und Lana Turner.

Sch├Ân bunt und klasse Schauspieler
Bei den 9 Verfilmungen, die ich hier aufgef├╝hrt habe, ist die Version wirklich noch nicht dabei. Muss ich unbedingt nachholen.

Ich entsinne mich auch ganz dunkel an eine Stummfilmversion, die ich mal gesehen hab und die immerhin f├╝r sich hatte, dass sie insbesondere im Vergleich zu den Versuchen der 2000ern ziemlich witzig war.

Vielen Dank f├╝r den Hinweis und das Reinschauen.  :)
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Pappenheimer

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Die drei Musketiere (1935)
« Antwort #108 am: 04. Juli 2020 - 21:18:28 »

Ich habe tats├Ąchlich mal eine auf seine Weise besondere Musketier-Verfilmung zu sehen bekommen.

"The three musketeers"
USA, 1935
Regie: Rowland V. Lee
Darsteller: Walter Abel, Heather Angel, Ian Keith

Handlung: Der junge D'Artagnan macht sich mit einigen guten Ratschl├Ągen auf den Weg nach Paris. Unterwegs begegnet er auf der Landstra├če Lady de Winter.
In Paris angekommen st├╝rzt er sich in die bekannten Abenteuer. Schlie├člich soll er f├╝r die K├Ânigin, die er aus einer prek├Ąren Situation rettet, Diamanten aus England zur├╝ck holen. Seine drei Musketierfreunde stehen ihm bei. Auf dem R├╝ckweg aber f├Ąllt er in die H├Ąnde von Lady de Winter. Doch seine Freunde befreien ihn aus seiner Lage. Sie kommen rechtzeitig zum Ball des K├Ânigs. Rochefort, der ihn noch aufhalten will, wird von D'Artagnan entlarvt und verhaftet. Der K├Ânig ist h├Âchst zufrieden mit seiner Garde, dem ver├Ąrgerten Richelieu zum Trotz.

Die Verfilmung beschr├Ąnkt sich auf die Geschichte mit dem Collier. Bestimmte Elemente aus dem Rest des Romans wie die Verf├╝hrungsversuche von Milady sind einfach hinein gewoben.
Augenf├Ąllig ist ein Wechsel von Kammerspielszenen und Massenszenen wie am Hof des K├Ânigs. Besonders aufw├Ąndig sind die Actionszenen - beeindruckend die rasende von 6 Pferden gezogene Kutsche von Milady.
Das wirklich herausstechende ist aber der Pazifismus. Die Gardisten Richelieus werden bei der Duellszene am Luxembourg vertrieben und keiner get├Âtet. Selbst Lady de Winter entkommt mit einem Sprung von einer Br├╝cke, Rochefort wird blo├č verhaftet.
Das ist alles sch├Ân friedlich, aber auch irgendwie wenig packend und Abel ist f├╝r D'Artagnan zu alt und wie auch die drei Musketiere kaum mit einem individuellen Charakter ausgestattet. Im Verh├Ąltnis zu modernen Verfilmungen f├Ąllt aber zumindest abschnittsweise die Werktreue aus - etwa wenn D'Artagnans Vater seinem Sohn die Tipps wie im Buch gibt.

Darsteller **
Bilder **
Story **
Fechtszenen **
« Letzte ├änderung: 10. Juli 2020 - 08:47:20 von Pappenheimer »
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Pappenheimer

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Die drei Musketiere (1921)
« Antwort #109 am: 05. Juli 2020 - 01:41:01 »

Diesen Klassiker musste ich mir nat├╝rlich auch antun, v.a. weil die 1935er Fassung oft damit verglichen wird.

"The three musketeers"

USA 1921
Regie: Fred Niblo
Darsteller: Douglas Fairbanks sr., Leon Bary, George Siegmann, Eugene Pallette, Margueritte de la Motte

Handlung: Der Film konzentriert sich wiederum auf die Colliergeschichte. Lady de Winter geh├Ârt hier der Einfachheit halber den Hofdamen der K├Ânigin Anne an. Es gelingt ihr ├Ąhnlich wie 1935 Buckingham den Schmuck zu entwenden. Auf einem Schiff kommt d'Artagnan an das Geschmeide und stellt es allen Widerst├Ąnden zum Trotz der K├Ânigin zu. Der K├Ânig, der ohnehin schon durch die Tapferkeit von d'Artagnan angetan ist, ernennt ihn am Ende zum Musketier nachdem Richelieu d'Artagnan und seine Freunde sowie Constance zusammen gef├╝hrt hat.

Auff├Ąllig sind einige Abweichungen von der Romanhandlung. V.a. dass d'Artagnan hier ├╝berhauptnicht Lady de Winter verf├Ąllt. Die Nebenhandlung mit der Beziehung der Lady zu Athos wird ganz weggelassen. Nur d'Artagnan wird v.a. am Anfang als Hei├čsporn charakterisiert, w├Ąhrend seine drei Freunde eher Staffage sind. Ganz offensichtlich hat Fairbanks als Produzent den Film ganz auf sich selbst zugeschnitten um in einer Abfolge von Slapstickeinlagen und akrobatischen Spr├╝ngen zu brillieren.
Alle ernsthafteren Untert├Âne des Romans wie Athos schlechter Zustand vor Tr├ęville am Anfang des Romans, ja selbst dass d'Artagnan bei seinem ersten Zusammentreffen mit Rochefort bewusstlos geschlagen wird, f├Ąllt alles weg zugunsten v.a. wilder Raufereien, aber auch l├Ąngerer Dialogpassagen, die teilweise die Handlung wenig weiter bringen.
Wie auch bei Fairbanks "The black pirate" sieht man die Vorliebe zu theatralisch wirkenden Fahrzeugen wie dem eigenwilligen Schiff und den wenig robust scheinenden Kutschen der Lady de Winter. Die Fechtszenen sind, obwohl offensichtlich mit modernen Florettklingen gefochten wird, die sich unglaublich biegen, herzerfrischend choreogaphiert und unterhaltsamer als die oftmals endlosen Fechtereien in heutigen Adaptionen.

Darsteller ****
Bilder ***
Story **
Fechtszenen ***
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Riothamus

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Re: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu
« Antwort #110 am: 06. Juli 2020 - 05:14:51 »

Sollte dann nicht auch die Fortsetzung 'Die eiserne Maske' von 1929 erw├Ąhnt werden?

Zu Beginn verpflichtet Richelieu D'Artagnon f├╝r die Sicherheit des Dauphin zu sorgen. Als Ludwig XIV. dann den Thron besteigt, entf├╝hrt Rochefort ihn, um ihn gegen seinen Zwilling auszutauschen. Am Ende ist zwar der K├Ânig gerettet, aber die vier Musketiere sind tot und schreiten ├╝berlebensgro├č gen Himmel.

Wegen der Abneigung Fairbanks gegen den Tonfilm eigentlich wie ein Stummfilm produziert, wurde er als "Nadeltonfilm" gezeigt, d.h. der Ton wurde von einer Schallplatte abgespielt. Dass er der erste Tonfilm Fairbanks war, ist also nicht ganz korrekt.
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Gru├č

Riothamus

Pappenheimer

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Re: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu
« Antwort #111 am: 09. Juli 2020 - 12:07:27 »

Sollte dann nicht auch die Fortsetzung 'Die eiserne Maske' von 1929 erw├Ąhnt werden?

Zu Beginn verpflichtet Richelieu D'Artagnon f├╝r die Sicherheit des Dauphin zu sorgen. Als Ludwig XIV. dann den Thron besteigt, entf├╝hrt Rochefort ihn, um ihn gegen seinen Zwilling auszutauschen. Am Ende ist zwar der K├Ânig gerettet, aber die vier Musketiere sind tot und schreiten ├╝berlebensgro├č gen Himmel.

Wegen der Abneigung Fairbanks gegen den Tonfilm eigentlich wie ein Stummfilm produziert, wurde er als "Nadeltonfilm" gezeigt, d.h. der Ton wurde von einer Schallplatte abgespielt. Dass er der erste Tonfilm Fairbanks war, ist also nicht ganz korrekt.
Auf den werde ich sicher auch noch en Detail eingehen. Habe mich erstmal durch die "Musketier"verfilmung von 2011 gequ├Ąlt.
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Pappenheimer

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"Die drei Musketiere" (2011)
« Antwort #112 am: 09. Juli 2020 - 12:35:35 »

Nun habe ich mir endlich mal diesen Schund angetan.

Anfangs dachte ich ja, der Film sei einfach lustiger Klamauk mit Steampunk kombiniert, aber lest selbst!

"The three musketeers"
D, USA, F, UK 2011
Regie: Paul W.S. Anderson
Darsteller: Logan Lerman, Matthew Macfayden, Ray Stevenson, Milla Jovovich, Orlando Bloom, Christoph Waltz, Juno Temple, Mads Mikkelsen, Gabriella Wilde

Handlung: Die drei Musketiere erbeuten zusammen mit Lady de Winter geheime Pl├Ąne zum Bau eines Luftschiffs. Doch dann hintergeht Milady die Compagnons und ├╝berl├Ąsst Buckingham die Pl├Ąne, der dieses Kriegsger├Ąt baut.
D'Artagnan kommt nach "Paris" und schlie├čt sich den Musketieren an. Zusammen sollen sie eine Intrige des Kardinals verhindern. Denn Milady hat den Schmuck der K├Ânigin entwendet um Zwietracht zu s├Ąen und damit Richelieu einen Grund hat den Krieg gegen England zu forcieren. Zwar erf├╝llen die Musketiere mehr oder minder den Auftrag. Doch dann kommt Buckingham mit einer gewaltigen Flotte dieser Luftschiffe...

In groben Z├╝gen ist die Handlung des ersten Drittels des Romans erkennbar, aber unsagbar aufgebl├Ąht durch irgendwie hirnlose Zugaben.
Zahlreiche Figuren der Romane wie Tr├ęville oder Monsieur Bonancieux kommen garnicht vor, da sie in die flache Handlung nicht hinein gepasst h├Ątten. Planchet wird zu einer Art universellen Diener aller Musketiere transformiert, statt d'Artagnans Diener zu sein... Wo Passagen aus dem Roman doch vorkommen, ergeben sie in der Handlung bisweilen keinen Sinn - etwa wenn sich Rochefort ├╝ber d'Artagnans Pferd am├╝siert, das entgegen dem Roman ein stattliches Reittier ist.
Wie in modernen Superheldenfilmen k├Ânnen die Helden irgendwie durch die Luft fliegen und sind eher Akrobaten als Soldaten oder Hofdamen. Ich muss sagen, dass ich mich nichtmal in den alten Schinken aus den 1960ern derma├čen gelangweilt habe wie hier. Es kommt einfach null Spannung auf, da den Figuren eh angesichts der Aufl├Âsung von Naturgesetzen keinerlei Gefahren drohen. Die Dialoge sind ├╝berwiegend an Banalit├Ąt kaum zu ├╝berbieten. Obendrein ist der Film so ziemlich humorfrei bzw. die Witze komplett ungelungen.
W├Ąhrend auch  schwache Filme fr├╝her bisweilen zumindest durch gelungene Kamerafahrten oder tolle Drehorte bestechen konnten, gibt es hier nichts dergleichen. Ja, die Computeranimationen mit denen z.B. Frankreich als eine Art Landkarte dargestellt wird, erinnern stark an billige Dokus von Arte. Und Bamberg oder gar der Burghof der Burg von Burghausen sehen nunmal NULL nach Paris aus. Da kann man soviel "Paris" sagen wie man will. Das ist einfach fr├Ąnkische Architektur - da passt einfach mal Garnichts. Da h├Ątte man doch gleich alles in einer PC-Animation spielen lassen k├Ânnen, da der Rest des Films ja eh stark an ein Computerspiel ├á la Assassins Creed erinnert.
Sehr nervig auch die miserable und auf die Dauer nervt├Âtende Filmmusik.
Als positive Aspekte sind die herrlich m├Ąrchenhaften Kost├╝me zu erw├Ąhnen, auch wenn z.B. die Uniformen der Musketiere und nochmehr der Garde des Kardinals wenig bis nichts mit Vorlagen zu tun haben. Zumindest Milla Jovovich scheint bei diesen bescheuerten und oftmals langatmigen Actionszenen ihren Spa├č zu haben. Die weiblichen Darstellerinnen wie v.a. Juno Temple als K├Ânigin sind immerhin h├╝bsch heraus geputzt.
Ich sehe starke Parallelen zu "Das Geheimnis der Eisernen Maske" (The fifth musketeer) von Ken Annakin (1979). Hier wie dort ein regelrecht verwirrender Aufmarsch an ber├╝hmten Darstellern, die in einer deutschen Produktion lieblos agieren m├╝ssen, die keinerlei Spannung besitzt. Das unversch├Ąmte beim 2011er Film allerdings die Verschwendung von Geldern etwa die der Filmf├Ârderanstalt mit 1,3 Mio. Dollar!
Hab mich echt selten so gequ├Ąlt wie bei dem Streifen.

Darsteller **
Bilder *
Story *
Fechtszenen *
« Letzte ├änderung: 09. Juli 2020 - 12:39:42 von Pappenheimer »
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D.J.

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Re: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu
« Antwort #113 am: 09. Juli 2020 - 16:49:11 »

Danke dir f├╝r die Warnung (und den Einsatz deiner Lebenszeit!), denn um die Gurke eiere ich schon ewig herum, und konnte mich gl├╝cklciherweise bis heute nicht dazu durchringen :)
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Pappenheimer

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The iron mask (1929)
« Antwort #114 am: 10. Juli 2020 - 09:24:40 »

Danke dir f├╝r die Warnung (und den Einsatz deiner Lebenszeit!), denn um die Gurke eiere ich schon ewig herum, und konnte mich gl├╝cklciherweise bis heute nicht dazu durchringen
Ist ja Geschmackssache. Aber man kann durchaus mein Review im Zusammenhang mit meinen ├╝brigen Einsch├Ątzungen ansehen.

Jetzt aber was "ganz" anderes. Meine 12-und-90igste Musketierverfilmung. Aber diesmal eine wirklich dynamische und dramatische und das obwohl ein Stummfilm (also ich habe nur die Stummfilmfassung geschaut).

"The Iron Mask"
USA 1929
Regie: Allan Dwan
Darstelller: Douglas Fairbanks, Stanley Sandford, Marguerite de la Motte, Dorothy Revier

Handlung: Frankreich 1638. Als K├Ânigin Anne zwei S├Âhne zur Welt bringt ist Constance scheinbar die einzige Mitwisserin. Darum l├Ąsst sie Richelieu entf├╝hren. Als D'Artagnan davon erf├Ąhrt bricht er zu ihrer Befreiung auf. Doch Milady ermordet Constance. Im Gegenzug wird Milady von den drei Musketieren hingerichtet. Richelieu ist in Rage. Er l├Ąsst die Musketiere zwar am Leben, zwingt sie aber sich voneinander zu trennen. Fortan ist es D'Artagnans Aufgabe ├╝ber den K├Ânig zu wachen.
Der von Richelieu erniedrigte Rochefort sinnt auf Rache. So entf├╝hrt er den Zwillingsbruder aus Spanien. Als K├Ânig Louis erwachsen ist, hat Rochefort im Palast einen Komplizen, der ihn hinein l├Ąsst. Da D'Artagnan die beste St├╝tze des K├Ânigs ist, soll er ermordet werden. Knapp entgeht der Capitaine der Musketiere dem Anschlag. Nach einigen Verwirrungen durchschaut er, dass der echte K├Ânig in der Burg im Fluss gefangen gehalten wird. Er ruft seine Freunde herbei, die nacheinander eintreffen. Doch die Wiedersehensfreude ist kurz. Alle vier Musketiere finden nacheinander bei der Befreiung des rechtm├Ą├čigen K├Ânigs den Tod.

Der Film hat nat├╝rlich wenig mit "Le Vicomte de Bragelonne" zu tun. Der ganze Anfang vermischt verschiedene Romanelemente.  Die Beziehung guter Bruder - b├Âser Bruder wird regelrecht auf den Kopf gestellt. Anders als im Roman gibt es keinerlei Konflikte unter den 3 Musketieren. ├ťberhaupt tauchen Porthos, Athos und Aramis eher als Nebenfiguren auf um dann nur wenige Minuten bei der Erst├╝rmung der Burg eine Rolle zu spielen und regelrecht rasant nacheinander zu sterben.
Was dem Film an psychologischer Tiefe fehlt, macht er aber durch seine Originalit├Ąt wett. Ist er am Anfang wie "Die drei Musketiere" mit Fairbanks slapstickhaft und beschwingt, wird er mit dem Tod von Constance zusehends dunkler. Die "sch├Âne alte Zeit" ein wehm├╝tiger R├╝ckblick. Man muss nat├╝rlich auch sagen, dass Fairbanks hier fast allen anderen Rollen die Schau stiehlt; das Drehbuch ist ganz offensichtlich ganz auf ihn zugeschnitten.
Was bestechend ist, das sind die teilweise gem├Ąldehaft anmutenden Bilder, wie die Szenen bei der Entf├╝hrung von K├Ânig Louis, wenn sich gewaltige Schatten an einer Wand abzeichnen. Auch die Kameraarbeit ist teils beeindruckend - z.B. wie die Attent├Ąter d'Artagnan ermorden wollen.
Mich hat regelrecht umgehauen, dass am Anfang des Films der Hinweis eingeblendet wurde, dass die Kost├╝me und dergleichen ganz authentisch nachempfunden seien, weil man extra den bedeutenden Historiker Leloir konsultiert und ans Filmset gezogen habe (Leloir war wirklich ein ganz ausgezeichneter Forscher der Kost├╝mgeschichte des 17. und 18. Jh., wird haben ein Werk von ihm!). Naja, so ganz erkennt man's an den Kost├╝men nicht, dass man auch auf den guten Mann geh├Ârt h├Ątte. Aber spannendes Statement - kenne ich von keinem Film in der Deutlichkeit.
Beeindruckend fand ich auch die Choreographie der Massenszenen - etwa wenn eine gewaltige Eskorte des Kardinals am Kloster Mantes eintrifft oder wenn Jubel im Schlosshof gezeigt wird. Von der Wirkung k├Ânnten sich heutige Regisseure des Stoffes noch ne Scheibe abschneiden wie ├╝berhaupt von der teilweise deutlich gemachten technischen Finesse.
Bei aller Freiheit mit dem Stoff, ein Muss f├╝r Fans des Genres. Am besten nicht mit der Orgelmusik als Hintergrund. Man kann ja bei nem Stummfilm einfach heute den Ton ausschalten und was anderes anmachen (ich habe nebenbei Musik von Lully laufen lassen  8) ).

Darsteller ****
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Story **
Fechtszenen **
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Riothamus

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Re: Mit dem Degen in der Faust - Mantel- und Degenfilme Alt und Neu
« Antwort #115 am: 10. Juli 2020 - 15:44:43 »

Ja, der Film ist schon ein H├Âhepunkt und gleichzeitig ein Endpunkt f├╝r den Stummfilm. Ende der 80er lief er hierzulande sogar nochmal im Fernsehen und geh├Ârte zu den Filmen, die unsere Deutschlehrerin mit uns besprochen hat. Statt einer einer eigenen Reihe zum Thema wurden geeignete Filme bei ihr besprochen, nachdem sie im Fernsehen liefen.

Fairbanks bestand auf einem Stummfilm und hat sich schlie├člich ├╝berzeugen lassen, wenigstens zwei Szenen zu sprechen. Aber er wurde schon damals in einigen Kinos mit einer Tonaufnahem gezeigt: die Zeit des Stummfilms war einfach vorbei. In Deutschland kam er angeblich nur damit in die Kinos, allerdings waren dabei auch nicht alle Szenen vertont. Aber sp├Ąter hat Douglas Fairbanks jr. auch eine offizielle Tonversion eingesprochen. Der Film wird heute ├╝brigens nicht mit dem Originalton, der tats├Ąchlich erhalten blieb, gezeigt, da dieser gemeinfrei w├Ąre.

Sehenswert ist er jedenfall, ob mit oder ohne Ton.

Was das Machwerk von 2011 angeht, kann ich auch nur warnen. Geschm├Ącker sind zwar verschieden, aber da wurde sich einfach so krampfhaft bem├╝ht, den vermeintlichen Geschmack der Masse zu treffen, dass es einfach langweilig geworden ist. Und schon Voltaire wusste: "Jede Art von Kunst ist gut, au├čer der, die langweilig ist."

F├╝r Fantasy k├Ânnen nat├╝rlich vormoderne Luftschiffe eine Anregung bieten.
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Riothamus