Epochen > Absolutismus und Revolution
Was sind die Unterschiede zwischen dem SYW und den Napoleonischen Kriegen
sharku:
@ puppe. das wird denke ich aber auch an der korps struktur der armeen im napoleonischen zeitraum zu verdanken sein das nicht die kompletten armeen auf einander prallen!
schließlich war es ja im SYW undenkbar das armeen einzeln marschieren, die hingen da ja immer zusammen!
Thomas Kluchert:
Die Armeen der Kabinettskriege waren deutlich kleiner als die der napoleonischen Ära, das stimmt. Das war ja sozusagen die Neuerung - ich sag nur Levée en masse - da wurden Kriege zu Volkskriegen, anders als vorher, wo das eben der Job der professionellen Armee war. Und damit kamen die Armeen alten Stils auch nicht mehr zurecht, was ja nicht unwesentlich zum Erfolg der Franzosen beigetragen hat. Wenn man es zuspitzt könnte man wohl sagen, dass die Kabinettskriege des 18. Jh. kleiner und \"zivilisierter\" waren, als die Massenschlachten der späteren Zeit...
Koppi (thrifles):
Es ist sicherlich für ein Tabletop völlig o.k. napoleonische Regeln für den SYW zu adaptieren.
Historisch ist es nicht.
Für den heutigen Betrachter ist die Kriegsführung der beiden Epochen gerade in der Form der verwendeten Waffen- und Waffensysteme sehr ähnlich: Es gibt Infanteristen in gleich aussehenden Uniformen, die in bestimmten geometrischen Mustern aufgestellt, und mit Muskete und Bajonett bewaffnet sind. Dann gibt es eine Kavallerie – unterteilt in schwere, leichte sowie halbwegs oder tatsächliche Irreguläre. Auch die Artillerie sieht ja schon so aus wie später in den napoleonischen Kriegen, wenn auch die berittene Artillerie fast noch gar nicht vorkommt.
Aber dennoch ist die Kriegsführung eine gänzlich andere. Ich würde sogar sagen, dass die Schlachtfeldtaktik des siebenjährigen Krieges viel mehr antiker Kriegsführung ähnelt, als den napoleonischen Schlachten.
Warum ist das so. Die napoleonische Schlacht steht am Vorabend einer allgemeinen Entwicklung, die dann in der Herausbildung der Massenheere mündete.
In der Kriegsführung des 18. Jhd. war die Ordre de Bataille nicht nur ein allgemeiner Schlachtplan, der interpretiert werden konnte, sondern ein Order, die genauestens eingehalten werden sollte. Die Bataillone marschierten in der besagten Ordre nach einem bestimmten genau festgelegten Plan in Linien auf. Dazu benutzen sie die Aufmarschkolonne, die allerdings nur zum Heranführen der gesamten !! Truppen auf das Schlachtfeld diente, und nicht mit der Angriffskolonne der napoleonischen Taktik verwechselt werden darf. Die Kavallerie marschierte auf den Flügeln – bei beiden beteiligten Heeren – und sollte somit auch nur die Flanken decken und im ersten Schritt die feindliche Kavallerie angreifen. War diese dann geschlagen, konnten die Flanken der Infanterie bedroht werden. Die Artillerie – viel unbeweglicher als in den napoleonischen Kriegen – verblieb meistens – einmal deployiert - an den ihr zugewiesenen Stellen.
Der Gegner ließ diese Entfaltung sogar zu und reagierte darauf mit der Entfaltung seiner eigenen Armee. Beschreibungen lesen sich hier genauso wie die antiken Kommentare eines Livius zur Schlacht bei Cannae.
Die Genialität Napoleons liegt doch im Grunde darin, dass er die positiven militärtaktischen Entwicklungen des späten Ancien Regimes, ich sage nur Gribeauval System bei der Artillerie, mit den Errungenschaften der Revolution, levee en masse, bündeln konnte. Zudem entwickelte er mit dem Korpssystem ein völlig neues Instrument. Das Korps war ja im Grunde eine Miniaturarmee mit allen Waffensystemen: Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Ein solches Korps war dadurch in der Lage eine Schlacht anzunehmen und auf Flankenmärsche anderer beteiligter Korps zu warten. Geniale Auswirkungen hatte dieses System z. B bei Austerlitz und Ulm. Bei Eylau kam ein Korps zu spät, ebenso bei Ligny/Quatre Bras bzw. dann später bei Waterloo.
Man kann also nicht davon reden, dass da irgendwie auf gut Glück Hin- und Her marschiert wurde. Die Strategie der napoleonischen Schlacht liegt in der Doktrin der Umgehung und Umfassung. Sie ist damit sehr modern und eher mit der Art einer modernen Militärdoktrin zu vergleichen. Dass sie häufiger scheiterte, lag an den damals noch sehr mangelhaften Kommunikationsmöglichkeiten auf dem Schlachtfeld. Die Koordination von Korps über mehre Kilometer hinweg war sehr schwierig. Sie basierte ja im Grunde auf Meldereitern. Hatte man dann noch einen schwachen Kommandeur bzw. kam die Nachricht nicht an, gab es extreme Probleme. Eine solche Kriegsführung verlangte auch extrem flexible Unterführer, die Napoleon nicht immer zur Verfügung standen. Ein Ney war eben kein Davout, ein Murat kein Lannes.
Wie man – so hoffe ich – an meinem knappen Beispiel sehen kann, ist die napoleonische Kriegsführung etwas ganz anderes.
Die Kabinettskriege waren ja eher auf Schlachtverhinderung aus, auf Sicherung der Depots, und kam es zur Schlacht, dann erfolgte diese nach den oben beschriebenen starren Mechanismen.
Ich stelle somit hier die These auf, dass ich für den SYW – wenn wir nicht von Skirmish reden – eher ein antikes Regelwerk mit erweiterten Schußregeln nehmen würde. Rein von der Theorie her, wohlgemerkt.
Meine Ausführungen sollen deshalb auch nur als Anregung dienen, denn ich persönlich kenne kein napoleonisches Regelsystem, das die Genialität einer napoleonischen Schlacht überhaupt richtig darstellen kann; denn um diese Flankenmärsche ganzer Korps zu zeigen, wäre nach meiner Meinung auf eine Plattengröße von 120 x 1,80 betrachtet nur der 6mm bzw. sogar der 3mm Maßstab für so etwas geeignet.
Die napoleonischen Regelwerke spiegeln nach meiner Meinung eher die Schlachten des SYW Krieges wieder, weil das Tabletopsystem eben die napoleonischen Kriege simplifiziert.
Somit ist es legitim auf diese Regekln zurückzugreifen und sie zu adaptieren.
Historisch ist es allerdings nicht, wie ich bereits eingangs erwähnte.
Aenar:
Ich habe mit meinen Napos vor nach Warhammer Fantasy Regeln zu spielen ;) ,natürlich mit kleinen Abweichungen aber so kann ich auch meinen bruder evtl dazu bewegen Historisches zu spielen.
tattergreis:
Die Unterschiede zwischen napoleonischer und vor-napoleonischer Kriegführung auf taktischer Ebene kann man ganz gut 1806 studieren, als die postfriederizianische preußische Armee von der napoleonischen Grande Armee fast schon vorgeführt wird, insbesondere bei Auerstädt.
DonVoss hat ja bereits die Unterschiede bei der leichten Infanterie angesprochen, in der nap. Zeit kann man sie durchaus als die eigene vierte Waffengattung bezeichnen, unter Fritz waren sie „execrables Geschmeiß“.
Die Infanterie im SYW hatte eine auch m. E. höhere Feuerkraft (abgesehen eventuell von der nap. britischen Truppe), die auch noch durch Bataillonsgeschütze unterstützt wurden. In der napoleonischen Zeit wurden diese Geschütze zeitweise abgeschafft, weil die Beweglichkeit der Bataillone damit eingeschränkt wurde. Die Beweglichkeit der Infanterie war mit der Angriffskolonne etc. viel größer geworden, diese Kolonnen konnten auch unter der Bedrohung durch Kavallerie aggressiv vorgehen. Auch das Deployieren der Truppe aus der Marschformation ging ungleich schneller, obwohl ich Thrifles These: „…Der Gegner ließ diese Entfaltung sogar zu und reagierte darauf mit der Entfaltung seiner eigenen Armee...“ widersprechen möchte, Friedrich versuchte gerade durch einen schnellen Aufmarsch in der Flanke oder im Rücken den Gegner auszumanövrieren ( Leuthen, Zornsdorf), wurde selbst bei Hochkirch vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt.
Es fand also ein Tausch von mehr Beweglichkeit für weniger Feuerkraft statt. Allerdings konnte in der französischen Armee ein Divisionsgeneral mit der ihm untergebenen Artillerie in der Offensive einen Schwerpunkt setzen, wie es im SYW nicht möglich war, was zum einen an der Organisationsform als auch an der techn. Entwicklung (wie schon erwähnt Gribeauval) lag. Von der Schwerpunktbildung auf Armeeebene möchte ich gar nicht sprechen, Don fragte ja nach taktischen Unterschieden.
Im SYW war das Zusammenspiel von Infanterie, Artillerie und Kavallerie organisatorisch also anders geregelt als im nap. Zeitalter, den Divisionsgeneral als Kommandeur aller drei/vier Waffengattungen gleichzeitig gab es im SYW nicht. Ein Ausnutzen lokaler Erfolge war im nap. Zeitalter mit der Kavallerie leichter möglich.
Horse artillery wurde schon unter Fritz eingesetzt. War aber seltener als später der \"Tiger\" :negativ: Und besonders dicke Kanonen (24pfder) wurden m.E. von Fritz vor dem SYW abgeschafft, obwohl sie im österreichischen Erbfolgekrieg noch erfolgreich eingesetzt worden waren. Was dickeres als 12 pfünder waren in beiden Epochen die seltene Ausnahme.
Die Kavallerie der Preußen im SYW war m. E. von sehr hoher Qualität, die Kavallerie zw. 1800 und 1815 in der Qualität und Quantität sehr sehr unterschiedlich.
Detachiert wurde im Übrigen ne Menge, siehe Hochkirch (Retzow) und Maxen. Auch Umfassungsangriffe wurden versucht, aber das ist wiederum abseits der taktischen Ebene.
Im Übrigen möchte ich noch darauf hinweisen, dass sowohl der SYW als auch die nap. Epoche Veränderungen in der Kriegsführung sahen, diese Epochen also nicht homogen waren: „Welch verschiedenes Bild gewähren die Kämpfe der ersten Kriegsjahre mit ihren mitten im Pulverdampf durch einheitliches Kommando bewegten Schlachtenlinien, die gleich langen Meereswellen heranstürmen, und im Vergleich dazu Burkersdorf mit seinem an moderne Verhältnisse streifenden Auftragsverfahren!“ (Jany, 1907, 90-91; zitiert nach Duffy Friedrich d. G.) Burkersdorf fand im Juli 1762 statt.
cheers
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