Sweetwater Forum

Sweetwater Forum

  • 20. September 2020 - 19:56:51
  • Willkommen Gast
Erweiterte Suche

Neuigkeiten:

Endlich wieder da!

Autor Thema: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen  (Gelesen 8271 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Pappenheimer

  • Edelmann
  • ****
  • Beiträge: 3.956
    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #90 am: 24. April 2020 - 13:10:52 »

Übrigends habe ich die Piratenbraut damals gemocht. Für die Zeit (da waren Piratenfilme halt nicht in Mode) haben sie es ganz schön krachen lassen und ich denke so manches hat sich Fluch der Karibik da abgeschaut (Kutschenfahrt am Hafen). Schade das es so ein Mega Flop war. Hey und Frank Langella aka Skeletor, bloß nix gegen sagen  ;)
Da hast Du recht.
In den 1990ern war hinsichtlich Piratenfilmen ne Art Dürre.
Es gab diesen langweiligen Film mit Mario Adorf, der wie ne Aufwärmung der Low Budget Filme aus dem Italien der 1960er daher kam.
Ansonsten aber nix.
Vielleicht war den Filmleuten das Floppen von "Pirates" von Polanski ein mahnendes Beispiel es nicht nochmal zu versuchen.

Ich kenne die moderne "Pirates of the Caribean"/Fluch der Karibik-Reihe nur von Fotos her. Ich mag halt kein Fantasy. Aber man erkennt schon die Ähnlichkeit zur Piratenbraut, nur halt ohne starke weibliche Rolle.
Für mich ist "Fluch der Karibik" insgesamt aber weniger eine Wiederauflage des Piratengenres als eine andere Spielart des damals (wieder) in Mode kommenden aufwändigen Fantasyfilms.  Dass es nebenbei auch um Piraten geht, finde ich nicht sooo wichtig. Es gibt halt Gespenster (und nen gut aufgelegten, geschminkten Johnny Depp) und allerlei sonst abstruses, was den Film wohl zum Blockbuster machte.
Gespeichert

D.J.

  • Leinwandweber
  • **
  • Beiträge: 224
Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #91 am: 25. April 2020 - 07:39:42 »

;)
Vor allen Dingen Abstruses, was meine Frau und mich bei Teil 3 (oder war es 4?) aussteigen ließ, als es auf zu vielen Ebenen zu zu vielen Johnnys kam und wir nicht mehr wussten, wer denn jetzt wo und warum überhaupt und gääääähn ;)
Da war leider viel Style over Substance.
Gespeichert

Pappenheimer

  • Edelmann
  • ****
  • Beiträge: 3.956
    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
The black pirate (1926)
« Antwort #92 am: 30. April 2020 - 10:51:43 »

Aus Sicht des Stummfilms wohl ein Meilenstein, aus Sicht von heute eher langweilig: "The black pirate".

"The black pirate"
USA 1926
Regie: Albert Parker
Darsteller: Douglas Fairbanks sr., Billie Dove, Anders Randolf, Donald Crisp, Tempe Pigott

Handlung: Ein großes Schiff wird von Piraten überfallen und ausgeraubt, anschließend in die Luft gesprengt (wieso erfährt man nicht). Nur ein junger Mann in zerrissener schwarzer Kleidung und kurzen Hosen (echt wahr!) und sein Vater können sich retten. Doch der Vater stirbt und der junge Mann schwört den Seeräubern Rache. Als die Seeräuber einen Schatz auf derselben Insel, wo der junge Mann gestrandet ist, verstecken wollen, gibt es auch gleich eine Gelegenheit für ihn. Er tötet im Zweikampf den Piratenkapitän und wird von dessen Spießgesellen daraufhin mit an Bord genommen.
Dort gewinnt der junge Mann, der sich fortan "The Black Pirate" nennt, das Vertrauen der anderen Piraten indem er im Alleingang auf absurde Weise ein "Schiff" kapert. Nur einer der Piratenanführer hegt einen Verdacht gegen The black Pirate und beschließt dessen Pläne zu durchkreuzen. The Black Pirate will die junge Dame, die auf dem erbeuteten Schiff gefunden wurde, unter seinen Schutz stellen, überredet auch statt auch dieses Schiff zu sprengen es wegen seines Wertes selber zu behalten. Die wahren Absichten des Black Pirate werden aber rasch durchschaut und er wird über die Planke geschickt.
Mit Hilfe von halbnackten Soldaten und einem flachen Boot vermag es der Draufgänger aber die Seeräuber anzugreifen und seinen Widersacher zu besiegen.

Die Handlung dieses Streifens kommt einem ziemlich plump vor und die Figuren sind ausgesprochen eindimensional in ihren Charakteren. Eine Entwicklung derselben findet praktisch nicht statt. Auch die Kämpfe wirken doch sehr gewollt und insbesondere die Kaperung des großen Schiffes vollkommen abstrus. Warum überwältigen ihn nicht die mehrere Dutzend Mann von der Besatzung? Weil er über zwei Drehbassen verfügt?
Am eigenwilligsten sieht aber das große "Schiff" aus. Man hat den Eindruck, dass die Macher noch nie ein Schiff gesehen haben. Das wirkt eher so wie Ritter Runkels Burgenschiff (siehe "Die schwimmende Burg" Mosaik von Hannes Hegen, Heft 91). Das Ding kann einfach unmöglich segeln. Erst diese Aufbauten wirken total lächerlich.
Sehr malerisch allerdings die Porträtierung der herrlich zerlumpten Seeräuber, die durchweg die interessanteren und glaubhafteren Figuren sind. Allen voran Crisp als MacTavish und De Grasse als Fairbanks Gegenspieler liefern gute Leistungen ab.
Es ist aber schon erstaunlich wie schwach dieser Film, der überwiegend offensichtlich im Studio entstanden ist, in Relation zu "Old Ironsides" geraten ist. Immerhin auch ein Stummfilm ebenfalls von 1926. Kaum 10-15 Jahre später war diese Art des Films wie "The black pirate" völlig antiquiert und Eroll Flynn oder Tyrone Power stellten einen agileren Seeräuber dar als es Fairbanks hier ist.
 
Darsteller **
Bilder *
Schiffe
Story *
« Letzte Änderung: 02. Juli 2020 - 15:58:59 von Pappenheimer »
Gespeichert

Pappenheimer

  • Edelmann
  • ****
  • Beiträge: 3.956
    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
"The King's pirate" (1967)
« Antwort #93 am: 02. Juli 2020 - 16:19:13 »

Dieser Film ist ein Remake von "Gegen alle Flaggen". Da "Gegen alle Flaggen" nun auch nicht der wahnsinnig erfolgreiche Film war. Da man sich auch recht akribisch an die Vorlage hält, fällt es noch schwerer eine Notwendigkeit zum Kopieren zu erkennen.

"The king's pirate"
USA 1967
Regie: Don Weis
Darsteller: Doug McClure, Jill St. John, Guy Stockwell, Mary Ann Mobley

Handlung: Leutnant Fleming lässt sich an Bord eines Kriegsschiffes bestrafen um unter dem Deckmantel aus dem Dienst in der Marine ausgestoßen worden zu sein das Seeräubernest auf Madagaskar zu infiltrieren. Dabei steht ihm der geschickte Zucco zur Seite. Die Prinzessin Patna verfällt dem schneidigen Fleming, dem es natürlich gelingt den Seeräubern das Handwerk zu legen, obwohl Mistress Stephens ihm wohl beinahe auf die Schliche kommt.

Hier gilt 70 Prozent neu gedreht. Sämtliche Szenen mit Schiffsmodellen sind aus dem Originalfilm rein geschnitten, was den Film nochmal statischer macht als die Vorlage. Die Figur des akrobatischen Zucco als Flemings Buddy fügt nun auch keine interessante Facetten hinzu. Eigentlich bleibt der Fokus auf die starke Frauenrolle der Stephens, die natürlich - ein ewiges Thema im sowohl klassischen als auch spießigen Piratenfilm - zur Räson gebracht werden muss.
Das Hauptmanko ist hier einfach neben der schwachen Ausstattung und der trockenen Handlung das miserable Schauspiel von McClure. Dieser Typ hat einfach ein Dauergrinsen aufgesetzt, das er sich nichtmal verkneifen kann, wenn er ausgepeitscht wird. Dadurch wirkt der ganze Film unglaublich unglaubhaft.

Darsteller *
Bilder *
Schiffe
Story
Gespeichert

Pappenheimer

  • Edelmann
  • ****
  • Beiträge: 3.956
    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
Riff-Piraten
« Antwort #94 am: 03. September 2020 - 09:12:40 »

Neulich lief der alte Streifen auf Arte. Deswegen hab ich's mal geschaut.

"Riff-Piraten" / "Jamaica Inn"
UK 1939
Regie: Alfred Hitchcock
Darsteller: Charles Laughton, Maureen O'Hara, Robert Newton, Leslie Banks

Handlung: Die junge Irin Mary kommt nach Cornwall. Es macht sie nichtmal stutzig, als sich der Postkutscher sträubt sie am "Jamaica Inn" abzusetzen, denn die Kneipe gilt gemeinhin als eine Räuberhöhle.
Derweil rauben die Männer unter Anführung ihres Onkels Joss ein auf die Felsen gelocktes Schiff aus. Doch unter ihnen befindet sich auch ein Agent namens Trehearne, den die Strandräuber bald meucheln wollen.
Mary gelingt es ihn zu befreien. Dummerweise wenden sich Trehearne und Mary just an Sir Humphrey Pengallan den Hintermann der Strandräuber, der selbstherrlich und sich auf seine guten Beziehungen zum Prinzregenten berufend von seinem Familiensitz die Umgegend regiert. Spät durchschaut Trehearne das falsche Spiel des Friedensrichters und alarmiert die Dragoner aus der nächsten Stadt. Da hat aber Sir Humphrey schon Joss und seine Frau ermordet und Mary entführt...

Der deutsche Titel ist sehr irreführend, da es garnicht um Piraten sondern um Strandräuber geht. Der Film hat ein unheimliches Potenzial durch eine durchaus spannende Handlung. Doch das alles wird zunichte gemacht durch zahlreiche Faktoren.
Da wäre die miserable Kameraarbeit und die Effekte. Der Kampf der Schiffe in den Wellen wirkt einfach komplett unglaubhaft. Die Seeleute sehen aus als stünden sie einfach auf einer Bühne. Sie rutschen ja nichtmal aus oder müssen sich ans Steuer binden.
Die Kostüme sind wenig inspiriert und die Räuber hätte man auch ruhig etwas glaubhafter gestalten können. Sie sehen mit ihren Strickjacken (?) teilweise aus wie Fasnettspiraten.
Laughton schauspielert absolut over the top. Was zu einer Slapstick-Komödie passen würde, wirkt in einem Abenteuerfilm mit Horrorelementen einfach deplatziert. Maureen O'Hara und Leslie Banks hingegen liefern eine solide Leistung ab, auch wenn es nervt, wenn die allerdings tatsächlich schöne O'Hara ständig als "schönes Mädchen" bezeichnet wird.

Darsteller **
Bilder *
Schiffe **
Story ***
Gespeichert

Pappenheimer

  • Edelmann
  • ****
  • Beiträge: 3.956
    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
L'avventuriero della tortuga (1964)
« Antwort #95 am: 09. September 2020 - 10:03:28 »

Mal wieder auf gewohntem Gebiet, ein weiterer Low Budget Aufguss aus Italien mit Rik Battaglia (Todesmelodie, Old Shatterhand, Nobody ist der Größte) in der Hauptrolle.

The Adventurer of Tortuga / L'avventuriero della tortuga
I 1964
Regie: Luigi Capuano
Darsteller: Rik Battaglia, Ingeborg Schöner, Guy Madison, Nadia Gray

Handlung: Der auf die Mitgift seiner Opfer abzielende Pirat Pedro schleicht sich getarnt als spanischer Adliger in die spanische Gesellschaft ein um dann stets die Hochzeitsgesellschaften* auszurauben. Die völlig bescheuerten spanischen Granden fallen auch laufend drauf rein.
Dann kommt er auf die Fährte der Prinzessin Soledad, die ein Vermögen geerbt haben soll und Herrscherin eines Indianer**stammes ist. Entgegen irgendwelcher Verträge dringt der Gouverneur Montélimar ins Indianerdorf ein und klärt die Prinzessin über die Praktiken Pedros auf. Daraufhin will sie den Gouverneur heiraten, womit der Schatz der Indianer an den Gouverneur fiele. Pedro landet im Kerker. Nach bewährter Manier kommen schließlich Seeräuber und Indianer zur Rettung und befreien Pedro. Gemeinsam segeln sie davon.

Dies ist ein Mix aus Western und Piratenfilm, was erstmal überrascht, aber dennoch keineswegs unterhält.
* Die ganze Sache ist völlig absurd. Pedro hat nie mehr als 20-30 Piraten und diese schaffen es immer in befestigte Städte einzudringen, um die Hochzeitsgesellschaft auszurauben. Wenn sie das so einfach schaffen, wozu gibt es dann überhaupt diese Sache mit der Hochzeit? Dann können sie ja gleich die Stadt so ausrauben.
** Die "Indianer" haben eine Art Vertrag mit den Spaniern, dass diese nicht einen gewissen Fluss überqueren dürfen. Das erinnert an die Proklamationslinie von 1763 zwischen Indianerterritorium und Siedlungsgebiet der Kolonisten in NORDamerika. Das ergibt hier in dem Zusammenhang aber 0 Sinn.
Dafür sind die Indianer hier aber auch ein kruder Mix aus Azteken oder sowas und Plainskultur der Westernfilme (mit entsprechend europäischen Pferden, Federschmuck etc.).
Aus Kostengründen wurden sowohl Totale der Festungen als auch Szenen auf dem "Schiff" (offensichtlich reingeschnitten aus anderen Filmen) vermieden wie der Teufel das Weihwasser.
Originell ist, dass der "Bösewicht" überleben darf und der Großmut seiner verärgerten Mätresse Rosita anheim gestellt wird. Auch gibt es keinen finalen Kampf mit "Degen" sondern mit Peitschen. Überhaupt wird ganz nach Manier der Angélique-Filme viel und ausgiebig ausgepeitscht.   
Der ganze Film scheint insgesamt sehr billig produziert. Rik Battaglia taugt zum Helden garnicht, sondern wirkt einfach kalt und fies. Madison kann wenigstens etwas mehr schauspielern. Alles in allem ein langweiliges Produkt der Massenschwemme an Streifen dieses Genres aus Italien.

Darsteller *
Bilder
Schiffe
Story
« Letzte Änderung: 09. September 2020 - 10:05:54 von Pappenheimer »
Gespeichert

Riothamus

  • Edelmann
  • ****
  • Beiträge: 4.234
    • 0
Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #96 am: 09. September 2020 - 17:15:47 »

Danke für die Warnung.

Da haben sie sich wohl ganz Amerika als Schmelztiegel der Kulturen vorgestellt.
Gespeichert
Gruß

Riothamus

Pappenheimer

  • Edelmann
  • ****
  • Beiträge: 3.956
    • Wackershofen Anno Domini / Landleben 17.Jh.
Re: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen
« Antwort #97 am: 11. September 2020 - 12:10:33 »

Danke für die Warnung.
Als Warnungen würde ich meine Rezensionen nicht direkt ansehen. Es gibt ja auch Freunde des Trash. Selbst ich habe für manchen Trashfilm wie diesen Maciste-Streifen was übrig.

Vielleicht ist es so, dass die Low Budget Filme aus Italien einfach auch leichter verfügbar sind, da dort keine Konzerne wegen der Vermarktungs- oder Urheberrechte so sehr hinterher sind. Von "Pirates" (Polanski) abgesehen, habe ich auf YT überwiegend solche Billigfilme gefunden. Natürlich kam auch aus den USA mancher Trash oder schwache Filme. Aber es ist doch bemerkenswert, dass mir bislang wohl kein einziger wirklich gut gemachter Piraten- oder Seekriegsfilm aus den 50ern bis 70ern aus Italien untergekommen ist.
Dabei konnten italienische Regisseure doch zeitgleich durchaus gute Western z.B. herstellen.
Gespeichert