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Autor Thema: Kanonendonner über'm Meer - Filme mit großen Segelschiffen  (Gelesen 2301 mal)

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Pappenheimer

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"Küste der Piraten" (1960)
« Antwort #75 am: 12. Juni 2019 - 09:28:15 »

Das ist ein Schmankerl mit den US-Schauspielern und WK2-Veteranen Lex Barker und John Kitzmiller. Leider ist das aber auch schon fast alles Positive, was man über den Streifen sagen kann.

"Küste der Piraten"
I, F 1960
Regie: Domenico Paolella
Darsteller: Lex Barker, Estella Blain, Livio Lorenzon, Liana Orfei, Loris Gizzi, John Kitzmiller

Handlung: Im 17. Jh. (?) kommt Capitano Luis Monterrey nach Hispaniola, um eine Lieferung Silber abzuholen. Doch der Auftrag wird dem Piraten Olonese durch den Gouverneur verraten und dieser überfällt das Silberschiff "Victoria". Zurück auf Hispaniola wird Monterrey zu Deportation verurteilt. Aber bei der Überfahrt gelingt es ihm und anderen das Schiff in ihre Gewalt zu bringen und damit zu den Piraten nach Tortuga zu segeln. Sie schließen sich Oloneses Angriff auf Veracruz an und nur wenige überleben den Kampf, da Olonese sie im Stich lässt. Als dann der Krieg zwischen Briten und Spaniern ausbricht, gelingt es Monterrey die meisten Piraten für die Sache Spaniens zu gewinnen. Olonese aber und der Gouverneur beschließen die Piraten an die Briten auszuliefern und Tortuga, wo Monterrey die Stellung hält zu vernichten. Natürlich kann Monterrey alle Pläne durchkreuzen und gewinnt obendrein die Nichte des Gouverneurs, die sich ehedem gegen ihn wegen seiner bürgerlichen Herkunft sträubte.

Der Film soll auf dem Gardasee gedreht worden sein. Das erkennt man auch an den Schiffen, die etwa wie in "Der Schwarze Korsar" aussehen und offensichtlich nicht hochseetauglich sind. Insgesamt sehen sie aber doch besser aus als in z.B. "Der schwarze Seeteufel" und dadurch wirkt der ganze Film ein wenig aufwendiger. Die Kostüme sind genretypisch für die Zeit.
Die Handlung zeigt wieder dasselbe Schema wie in allen italienischen Piratenfilmen, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Die Spanier können nicht die Bösen sein. Vielleicht wäre da das überwiegend italienische Publikum nicht mitgegangen. Daher sind entgegen der Geschichte fast alle Piraten hier Spanier, die sich am Ende sogar bereitwillig wieder den Spaniern anschließen, um gegen die Briten zu kämpfen, die wie in "Die Ritter der grauen Galeere" als heimtückische Strippenzieher charakterisiert werden, die finstere spanische Intriganten kaufen. Auch die Behauptung mit der übermächtigen englischen Flotte ist natürlich für die Mitte des 17. Jh. - so das denn die Handlungszeit sein soll - völliger Unfug.
Barker, Lorenzon und Kitzmiller heben das schauspielerische Niveau im Vergleich zu vergleichbaren Massenprodukten. Liana Orfei hat praktisch die gleiche Rolle wie in "Der schwarze Seeteufel" als exotische, etwas naive Piratenbraut, die als Nebenrolle primär theatralisch draufgehen muss.

Darsteller ***
Bilder *
Schiffe *
Story *
Gespeichert

Pappenheimer

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"Christopher Columbus" (1949)
« Antwort #76 am: 13. Juni 2019 - 16:33:07 »

Derzeit ist scheinbar ein Klassiker in der Arte-Mediathek. Mal kein Piratenfilm im klassischen Sinne, aber teilweise interessant für die Entwicklung des Genres.
Nicht wundern, wenn man zahlreiche Passagen des Films weder aus anderen Filmen, noch aus Geschichtsbüchern kennt.  ;)

"Christopher Columbus"
GB 1949
Regie: David MacDonald
Darsteller: Frederic March, Florence Eldridge, Francis Lister, James Robertson Justice, Ronald Adam

Handlung: Nach seinem erfolglosen Versuch in Lissabon Gehör zu erhalten, begibt sich Columbus in den 1480ern mit einem Trick an den spanischen Hof. Hier wird er von Joanna de Torres unterstützt und erhält eine Audienz beim Königspaar. Besonders der Höfling Bobadilla, der Interesse am Mittelmeerhandel hat, versucht nun Columbus Erfolg zu verhindern. Über Jahre ziehen sich Columbus Bemühungen vor einer Kommission hin. Derweil verliebt sich Beatriz de Pezara scheinbar in Columbus, der überlegt ob er diese Cousine Bobadillas heiraten soll. Er entscheidet sich dagegen, überrascht aber König Ferdinand als dieser Beatriz bedrängt und stößt den König um. Nun gelingt Bobadilla endlich Columbus einzureden, dass er dadurch zwangsläufig den Hof verlassen muss. Königin Isabella wird von ihrem ehemaligen Beichtvater Talavera überzeugt auf eigene Faust Columbus zurück zu holen und entgegen der Meinung König Ferdinands zu unterstützen.
Nun kann Columbus endlich aufbrechen. Außer dem Notar Diego hat Columbus aber keine Freunde an Bord, auch wenn der Maat der Santa Maria stets zu ihm hält. Die Besatzung will rasch umkehren. Als es zur lange befürchteten Meuterei kommt, schafft es Columbus die Mannschaft abzulenken und eine Frist von 3 Tagen heraus zu handeln. Columbus sichtet als erster ein Licht, welches auf Land hindeutet in der Nacht des letzten Tages. Endlich erreichen sie San Salvador und Columbus kann triumphierend nach Spanien heimkehren.
Hier versucht sein Intimfeind Bobadilla die Errungenschaften klein zu reden. Als Columbus einiger Verfehlungen entgegen den Anweisungen des Königspaares bezichtigt wird, ist Bobadilla froh Columbus absetzen und in Ketten nach Spanien zurückschicken zu dürfen. Hier erhält Columbus trotz seiner Verachtung gegenüber den Herrschern eine Wiedereinsetzung in seine Rechte.

Etwa die Hälfte des Films spielt in den Pappkulissen, die überwiegend den Königshof repräsentieren sollen. Um so mehr erstaunt es, wenn dann später tatsächlich Nachbauten der drei berühmten Schiffe zu sehen sind. auffällig hierbei teilweise die Ungenauigkeit, wie wenn die Niña teilweise mit falscher Takelage dargestellt wird. Auch die Ureinwohner wirken wenig glaubhaft. Das Kostümbild ist für die Entstehungszeit typisch theatermäßig.
Die ganze Story, dass Columbus ein quasi Nebenbuhler König Ferdinands von Aragon war, ist sehr eigenwillig. Während der Rest der Handlung eher gediegen bis langweilig daher kommt, sind die Dramatisierungen irgendwie deplatziert.
Typisch für Columbus-Filme wird wieder die Mär kolportiert, dass selbst gebildete Leute 1492 nicht wussten, dass die Erde eine Kugel ist, auch wenn das bereits seit der Antike Lehrmeinung war. Komischerweise taucht ja auch die Weltkugel im Mittelalter immer wieder in der Ikonographie auf... Der wahre Charakter Columbus verschwindet hier hinter dem Geniekult (ich musste da an den Schiller-Film aus dem Dritten Reich denken).
Interessant ist bei allen Schwächen doch der Aufwand des Films, wenn er mal das Parkett der höfischen Intrigen verlässt, die trotz ein paar schöner Frauen enorm langweilt. Leider ist die Bildqualität sehr miserabel, was den Sehgenuss obendrein trübt.

Darsteller **
Bilder **
Schiffe ***
Story *
« Letzte Änderung: 13. Juni 2019 - 16:49:26 von Pappenheimer »
Gespeichert